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Neu mit Typ 1 (LADA?) und etwas irritiert...

  • Rang: Anfänger
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    Beiträge: 3
    Mitglied seit: 26.03.2017
    am 26.03.2017 11:06:01 | IP (Hash): 1292269206
    Hallo zusammen

    Ich bin mit der Diagnose Diabetes Typ 1 vom Arzt gekommen. Ok, haut mich jetzt nicht sooo um, aber ich 1000 Fragen...

    Kurz die Basis.
    Ich bin 39 und hatte bisher nicht wirklich gesundheitliche Probleme, abgesehen von eine Histaminintoleranz.
    Neulich auf der Arbeit fühlte ich mich nicht gut, hatte zeimlich Durst und bin zum Sani. Blutzucker gemessen. 473!
    Na Hoppla! 10 min gewartet. Nochmal gemessen. 398. Hmmm.
    Hab dann zuhause gegoogelt und geblättert, kam zur Annahme Typ 2 (39j, 184cm, 103Kg). Ernährung umgestellt, Sport angefangen, Werte innerhalb einer Woche im Normalbereich. Aber eben nur mit Diät und ohne Spaß.
    Also zum Diabetologen gegeangen.
    Hba1c 9,6, Inselzellen-AK 1:20, GAD-AK 194 IE/ml, Thyrosin-Phosphatase-AK 125.
    C-Peptid 1,90.

    Die Antikörper sagen also ziemlich deutlich Diabetes Typ 1.
    Aber das C-Peptid irritiert mich. Das ist ja im Normbereich, wenn auch eher im MIttelfeld.
    Ebenso irritiert mich, dass ich zwar nun seit 4 Tagen abends 4IE Toujeo (zum unterstützen der Bauchspeicheldrüse und zum bremsen des Verlaufs. Laut Ärztin.) spritze, ABER sich an den morgendlich Nüchternwerten (125-140) null komma nichts tut!?

    Ich akzeptiere die Diagnose, wenn es denn so ist.
    Ok.
    Ich möchte euch aber um eure MEinungen bitten.
    Ist das Insulin tatsächlich angezeigt, wenn a: das C-Peptid im Normbereich ist und b: sich an den Werten morgens UND übrigens tagsüber auch nichts tut?
    Ist die Insulingabe evtl. vorschnell oder hat die Ärztin mitunter schnell und richtig geschaltet mit der Entscheidung, Insulin zum unterstützen und bremsen zu geben?

    Fragen über Fragen.

    Vielen lieben Dank für eure Meinungen.

  • Rang: Erweitertes Mitglied
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    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 26.03.2017 12:28:07 | IP (Hash): 1916821863
    Diabetes ist mit dem Hauptsymptom unbehandelt zunehmend höher als gesund ansteigender Blutzucker von dem Moment an, wo der beim Überschreiten eines der dafür definierten Grenzwerte erwischt wird. Deiner hat alle gültigen Grenzwerte mächtig überschritten.
    Die Typeneinteilung ist zusammen mit allen Einzelheiten nichts anderes, als ein noch immer sehr unvollständiger Katalog von grob nach Gruppen eingeteilten weiteren Symptomen.
    Vorrangiges Symptom in der Entwicklung vom Typ 1 ist die abnehmende Insulinproduktion, die sich auch mit weniger C-Peptid nachweisen lässt.
    Vorrangiges Symptom in der Entwicklung vom Typ 2 ist die defekte Regelung von Glukose und Insulin.
    Viele Betroffene werden bei näherem Hinsehen irgendwo zwischen diesen beiden Polen einzusortieren sein und sich vielleicht sogar im Verlaufe ihrer Karrieren dazwischen bewegen.

    Für alle gilt als beständiges Behandlungsziel der Blutzucker im diabetologisch guten bis gesunden Rahmen. Als diabetologisch gut gilt HBA1c 6-7, als gesund bis 5,7.
    Die ärztliche Einstellung und die der meisten Betroffenen strebt zum diabetologisch guten Bereich.
    Wer allerdings möglichst erhalten will, was bei ihm an eigener Insulinproduktion und Blutzuckerregelung noch funktioniert, trägt dazu mit jeder von 24 Stunden bei, die er seinen Blutzucker gezielt im gesunden Bereich steuert.

    Gratuliere zur Ärztin, die Dir dafür Insulin verschreibt, denn das ist die Medikation, mit der Du am besten erhalten kannst, was bei Dir an eigener Insulinproduktion und Blutzuckerregelung noch funktioniert. Weiter gutes Gelingen :)

    ----------------------------------------------
    Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung.
  • Rang: Anfänger
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    Mitglied seit: 26.03.2017
    am 26.03.2017 12:42:41 | IP (Hash): 1292269206
    Hallo! :)

    Hui, das war ausführlich und sehr informativ. Und noch dazu ziemlich schnell. Vielen Dank dafür! Im Großen und Ganzen hab ich es so vermutet (habe selbst medizinischen Background). Der Gedanke, der bei mir (und bei allen anderen frisch diagnostizierten wahrscheinlich) immer mitschwingt, heißt natürlich:
    "Ich bin sicher falsch diagnostiziert und hab nur ne Grippe, die die Werte verfälscht. Vorübergehend. Das legt sich wieder. Ich bin doch aus Eisen!"
    Nüchtern betrachtet weiß ich natürlich, dass es so ist.
    Ich hab mich bei Ärztin und Beraterin gleich gut aufgehoben gefühlt, möchte aber natürlich überprüfen.

    Deine Meinung hilft sehr.

    Dangge.
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    am 26.03.2017 14:18:16 | IP (Hash): 65320933
    Hi!

    Der hohe Blutzucker, HBA1c bei 9,6, Antikörper positiv und C-Peptid bei der BZ-Last niedrig - gratuliere, Du bist um einen Aufenthalt auf der Intensivstation drumrum gekommen.

    Da wärst Du gelandet, hättest Du nicht so umsichtig reagiert!

    Typ 1 ist jetzt zwar nichts tolles, aber der Zusatz "LADA" bedeutet bei frühzeitiger Entdeckung und sofortiger Insulingabe eine sehr lange Restfunktion der Betazellen. Das macht die ICT bedeutend einfacher.

    Bleib bei Deinem Credo "das bleibt", lass Dich gut in der offensichtlich sehr guten Praxis behandeln und beraten.



    ---
    DO NOT FEED THE TROLL!!!

    http://www.diabetes-online.de/a/die-wichtigsten-werte-ein-ueberblick-1776718
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    am 26.03.2017 14:27:23 | IP (Hash): 65320933
    Zum weiter erhöhten Morgenwert trotz Basalinsulin abends:

    Deine verbliebenen Betazellen sind überlastet. Die typischen Symptome bei Typ 1 entstehen bei absolutem Insulinmangel, Du hast früh die ersten Anzeige abklären lassen und spritzt unterstützend Basalinsulin.

    Deine Ärztin rechnet damit, dass die verbliebenen Betazellen in den nächsten Tagen durch die Entlastung mittels Basalinsulin eine Remission starten. Viele Typ 1er erleben kurze Zeit nach der Diagnose diese Remission bis hin zum Honeymoon. Die Chance stehen bei Dir nicht schlecht.... das bedeutet aber nicht, dass Du dann den Typ 1 los wärst.



    ---
    DO NOT FEED THE TROLL!!!

    http://www.diabetes-online.de/a/die-wichtigsten-werte-ein-ueberblick-1776718
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    am 26.03.2017 22:45:14 | IP (Hash): 1918099042
    @TypEinser

    Vielen Dank für deine Infos und deine Meinung.
    Ich sehe es ebenso.
    Natürlich ist mir klar, dass ich den Typ 1 Diabetes nicht los werde. Ich weiß jedoch auch, dass ich mit dem jetzigen "Hauch von Insulin" abends mitunter noch recht lange hinkomme und mich, mit nur einem bißchen Disziplin, noch einige Zeit vor der Insulingabe zu jeder Mahlzeit bewahren kann.
    Fight Fire with Fire... :)
    ...nur klappen muss es!

    Ich bleibe zuversichtlich!
    Nützt ja nix.
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    am 26.03.2017 23:32:23 | IP (Hash): 1150727555
    Hallo LesPaulPlayer,

    ich würde an deiner Stelle die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass du einen Doppeldiabetes hast. dein hohes C-Peptid und die starke Verbesserung allein mit Ernährungsumstellung noch vor der ersten Insulingabe spricht stark für Typ 2. Auf der anderen Seite zeigen die vorhandenen Diabetesantikörper deutlich, dass du Typ1- bzw. LADA-Diabetes hast oder noch entwickelst.

    Vor diesem Hintergrund macht es Sinn, den mit der Ernährungsumstellung und viel Sport eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, der bei nur LADA nicht unbedingt erforderlich wäre. Du solltest dir allerdings langfristig eine diabetesgeeignete Ernährung suchen, die für dich passt und nicht nur Qual ist. Dass die zusätzliche basale Unterstützung Sinn macht, steht außer Frage. Wahrscheinlich sollte die Dosis noch weiter erhöht werden, dass du damit auf akzeptable Nüchternwerte kommst.

    Alles Gute, Rainer
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    am 27.03.2017 01:03:56 | IP (Hash): 579817800
    Hallo,
    bin damals (mit 40) auch mit Blutzuckerwerten größer 400 aufgefallen.
    Wurde sofort an eine Diabetes-Praxis überwiesen und bekam noch am gleichen Tag Mahlzeiteninsulin (Novorapid) verschrieben - zu 4 BE jeweils 4 Einheiten als Anfangsdosis.
    Daß das eher ein LADA ist (trotz 2er familiärer Disposition), wurde erst später anhand der Antikörper nachgewiesen.
    Änderte aber nichts am Mahlzeiteninsulin, Umgang lernen ..., Basalinsulin kam erst später in kleinen Dosen dazu.
    Ob C-Peptid bestimmt wurde, weiß ich gar nicht; Nüchternwerte wurden jedenfalls gar nicht abgefragt.

    Wurde als Notfall behandelt, zum Googeln keine Zeit, musste vor Ort lernen, damit umzugehen.
    Die aktuellen Blutzuckerwerte vor und nach Mahlzeiten wurden überprüft, in kurzen Abständen zu Anfang, einschließlich Ernährungsberatung, Schulung und nun vierteljährliche Arztkonsultation.

    So jedenfalls meine Erfahrung. Halte Toujeo zu Beginn also für fraglich.

    Gruß Elfe
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    am 27.03.2017 20:39:01 | IP (Hash): 710049147
    Hallo LesPaulPlayer,

    zu deiner Beruhigung: die anfängliche Unterstützung mit Basalinsulin ist für neuentdeckte LADAs der von Diabetologen häufiger gewählte Weg.

    Das macht auch Sinn, weil die BSD damit permanent unterstützt wird. Ein Ergebnis der basalen Unterstützung ist z.B., dass die BSD über Nacht wieder ausreichend Kapazität hat, um Insulinreserven in der Speicherform (ein Hexamer) herzustellen, mit denen dann wieder eine bessere Reaktion auf den Mahlzeitbedarf möglich ist. Deine Diabetologin macht auf jeden Fall keinen Fehler damit, dass Sie dir Toujeo verschrieben hat.

    Beste Grüße, Rainer
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    am 18.04.2017 23:36:29 | IP (Hash): 601843917
    Hallo alle zusammen,
    Ich möchte mich kurz zu dem Thema Lada einklinken und um euren Rat fragen.
    Ich hatte vor 20, 17 und 13 Jahren einen Insulin-pflichtigen Schwangerschaftsdiabetes. In der dritten Schwangerschaft (damals 36 Jahre alt) war ich ab der 14. Woche Insulin-pflichtig, brauchte schnell auch 3x/tgl Basaltinsulin, musste beim Altinsulin mit Spritz-Essabstand und hohen Dosen Insulin arbeiten, war aber gut eingestellt, mein Sohn wog bei der Geburt 3500g.
    LADA war damals anscheinend kein Thema. Seitdem lasse ich aber regelmäßig den HbA1c kontrollieren. Der ist jetzt vom letzten Jahr 5,5 auf 7,1 gestiegen.Mein Hausarzt hat mir deine Diät empfohlen. (Ich bin 174 cm und wiege 66 kg)
    Also habe ich einen Termin bei einer diabetologischen Schwerpunktpraxis vereinbart.
    Die haben jetzt das hier oft beschriebene Labor und BZ-Tagesprofil für eine Woche gemacht.
    Nach ein paar Tagen kam wegen der hohen Werte Januvia 50 morgens und abends dazu. Werte sind abends immer noch oft über 200, morgens nüchtern werden langsam besser. Irgendwo zwischen 135 und 118. Ich habe in dieser Zeit sehr auf meine Ernährung geachtet und traue mir auch zu, das vernünftig beurteilen zu können.
    Labor wurde heute besprochen.C-Peptid ist genau 0,82, Kalium ist leicht erhöht (Insulin wird benötigt um Kalium aus dem Extrazellulärraum in die Zelle zu transportieren. AAK-ICA ist aber negativ, ebenso AAK-GAD. Die Konsequenz war für den Arzt, dass ich jetzt diätetisch und zusätzlich mit Metformin behandeln soll. Ich hatte eine O-Ton "Lifestyle Erkrankung. Ich fühlte mich ziemlich angegriffen, da ich für diätetische Optimierung nur wenig Luft nach oben sehe. Ich glaube nicht, dass bei mir eine Insulinresistenz vorliegt. Meine behandelnde Ärztin in der letzten Schwangerschaft meinte damals, dass ich wie ein Typ 1 Diabetes zu führen war. Zu der Frage der Ursache meinte sie damals, dass dies eine akademische Frage wäre und meine BSD entweder sehr wenig Inselzellen hätte oder diesevschon sehr erschöpft wären. Vielleicht war das damals auch schon ein LADA.

    Gibt es weitere AAK, die man testen kann? Wie kommuniziere ich mit meinem Arzt? Ich habe übrigens eine schon vor 21 Jahren diagnostizierte Hashimoto Thyreoiditis.

    Vielen Dank im voraus für eure Antworten und Unterstützung...