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Wenn der Partner sich wehrt Zucker zu sich zu nehmen bei Unterzuckerung

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    am 19.12.2016 20:00:36 | IP (Hash): 1133821504
    Hallo liebe Forenuser,

    ich weiß, dass es vielleicht schon einige Themen in dieser Art gab, aber da ich mich als Freundin eines Typ 1 Diabetikers manchmal hilflos fühle, möchte ich einfach mehr über den Umgang in akkuten Situationen erfahren. Mein Freund hat seit 14 Jahren Diabetes und wir sind frisch (2 Monate) zusammen. Er ist gerade anscheinend nicht gut eingestellt und hat fast immer wenn wir uns sehen hypos. Ich habe kein Problem mit seiner Krankheit und möchte damit umgehen lernen, auch wenn es eine Umstellung ist.
    Es kommt also fast bei jeden Treffen zu der Situation in der er apathisch wird und nicht mehr richtig reagiert...am Anfang konnte ich ihn noch überzeugen Traubenzucker oder süße Getränke zu sich zu nehmen. Glaubt mir, ich bin sehr einfühlsam, aber in letzter Zeit verweigert er dann den Zucker, obwohl er schon fast nicht mehr stehen kann und nur noch in die Luft starrt. Ich weiß echt nicht was ich dann tun soll. Ihm Zeit geben (natürlich nicht zu lang), relaxted bitten, einfach nur die Flasche mit seiner Sprite hinhalten, ernst drauf hinweisen...alles hilft nix...er lallt dann immer, er sei ok.

    Was soll ich da tun? Ich kann ihm die Flasche doch nicht an den Mund halten, er drückt mich ja dann auch weg. Glaubt mir, ich werde weder aufdringlich, noch hysterisch...aber wenn er nach 10min einfach nichts gegen die Unterzuckerung tun will und es ihm immer schlechter geht...was kann ich dann noch machen? Heute musste ich dann irgendwann anfangen zu heulen...weil ich mich so hilflos fühlte. Ist auch dumm, weiß ich.
    Bin für alle Ratschläge dankbar, lieben Dank!!! Leila
    Bearbeitet von User am 19.12.2016 20:03:56. Grund: Rechtschreibung
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    am 19.12.2016 20:45:20 | IP (Hash): 1524612749
    Es gibt keine gute Einstellung, also nichts, was der Dok verordnet und was dann passt. Sondern es gibt nur die gute und erwachsene Einstellung zum Diabetes, mit der jeder von uns die Verantwortung für seinen Blutzucker selbst übernimmt. Bedeutet systematisch rausfinden, wie viel Insulin zu welchem Essen passt und sich danach daran dann auch halten. Das ist nicht Dein Ding, sondern seins.

    Klar kann ne Unterzuckerung jeden von uns treffen, weil er sich ausversehen mit der Einschätzung des letzten Essens mal so richtig vertan hat. Aber wenn solches Vertun so regelmäßig vorkommt, solltest Du schon mit JLo das Erwachsenwerden anmahnen "I ain't your mama, boy, I ain't your mama
    When you're gon' get your act together?"

    Und für die Zeit der Unterzuckerung einfach stehen, besser sitzen oder liegen lassen und gar nicht weiter drum kümmern. Die Unterzuckerung wird ne halbe bis ne Stunde anhalten und dann langsam wieder vorbeigehen. Und je deutlicher Du ihm so mit Nichtbeachten zu verstehen gibst, dass Du sein kindisches Verhalten nicht unstestützen wirst, desto eher wird er's dran geben - oder sich ne Mama suchen ;)

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    Bearbeitet von User am 19.12.2016 20:58:25. Grund: Ergänzung
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    am 19.12.2016 21:04:52 | IP (Hash): 349041217
    Hallo Leila,

    ich kann nur von mir schreiben und weiß nicht wie es für Deinen Freund ist. Ich kenne Situationen bei denen sich der Blutzucker plötzlich anders verhält, als er es zuvor tat. Oft ist es die Ausschüttung von Hormonen (z.B bei Aufregung), die ein auf und ab der Blutzuckerwerte verursacht. Dieses legt sich aber nach einer Zeit.

    Bei mir führen sehr tiefe Unterzuckerzeugungen zu einem Zustand, in dem ich schwer denken kann. Ich kann mich aber selbst noch so einschätzen, dass ich Gegenmaßnahmen selbst treffen kann. Was mir jedoch schwer fällt sind Gespräche und Diskussionen. Der Versuch mich auf eine Unterzruckerung, mit Hilfe von Sprache, hinzuweisen dürfte scheitern. Viel einfacher, für mich, ist das hinstellen von Cola oder Gummibärchen ohne große Worte. Eventuell ist es etwas, was Deinen freund auch hilft.
    Bearbeitet von User am 19.12.2016 21:08:33. Grund: Rechtschreibung
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    am 19.12.2016 22:01:13 | IP (Hash): 1133821504
    Danke Jürgen! Das ist eine gute Antwort. Ich kann das nämlich nicht einschätzen und weiß nicht wie viele Unterzuckerungen "normal" sind und ob es auch "normal" ist, dass ich dann immer helfen muss. Ihn einfach alleine lassen geht nicht so einfach. Ich habe schon miterlebt, wie er dann nämlich bewusstlos wird und krampfartig auf dem Boden liegt...mit Schaum vor dem Mund und Zuckungen. Gestern riefen Leute aus dem haus den Krankenwagen, weil er vor der Tür zusammenbrach, weil er nicht so schnell in die Wohnung an die Sprite kam. Er wachte erst im Krankenhaus wieder auf. Aber dann habe ich nach eurer Schilderung das Gefühl, dass bei ihm wirklich etwas nicht stimmt, denn seine Anfälle gehen nicht einfach so vorbei, sondern enden oft mit Umkippen und Bewusstlosigkeit. Danke!
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    am 19.12.2016 22:04:17 | IP (Hash): 1133821504
    Danke Cracktros für deine Schilderung. Wie gesagt, seine Unterzuckerungen sind so krass, dass er oft in Ohnmacht fällt und sich nicht mehr helfen kann. Da fällt es mir natürlich schwer einfach nicht zu reagieren...aber gut deine Erfahrungen zu hören, vielen Dank dafür. Das hilft mir, dass ich das besser einschätzen kann. Wir haben jetzt einen Arzttermin vereinbart.
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    am 19.12.2016 22:27:26 | IP (Hash): 1524612749
    Mir ist schon klar, dass das mies aussieht, wenn wir in Unterzuckerung krampfen und bewußtlos werden - und uns anschließend auch an nichts mehr erinnern können, solbst aus der Zeit vorher, in der wir noch ansprechbar schienen. Sorry, aber ob das jetzt mit beständiger Wiederholung nachhaltige Schäden macht oder nicht, ist nicht Dein Bier. Sondern das ist seins.

    Solche regelmäßigen Unterzuckerungen sind DEFINITIV NICHT NOTWENDIG. Aber wenn Du sie jetzt zu Deiner Sache machst und wenn Euer Verhältnis sich verlängert, wirst Du in der Hinsicht für eben diese Verlängerung seine Mutter bleiben - und zunehmend verzweifeln, weil er Dir mit der Zeit immer mehr von SEINER Verantwortung übertragen wird - auch der, dass er damit auf die Dauer in keinem Job bestehen kann. Cracktros macht sich seine Unterzuckerungen auch nicht alle paar Tage und erst recht keine mit Lichtaus.


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    Bearbeitet von User am 19.12.2016 22:47:31. Grund: Ergänzung
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    am 19.12.2016 22:45:54 | IP (Hash): 1133821504
    Hi Jürgen,
    ja das sind Worte, die erstmal hart klingen, aber für mich Sinn machen. Mutter sein will ich auf keinen Fall! Mein Freund ist Engländer und redet nicht viel. Dh wir haben trotz meinem fliessenden Englisch ne Sprachbarriere wenn es um fachliche Ausdrücke die Diabetes betreffend geht und ich konnte einfach nicht einschätzen, wie schlimm so ein Anfall ist. Ganz ehrlich, ich dachte er kann daran sterben, wacht man denn immer wieder von alleine auf und kann dann wieder Zucker zu sich nehmen? Er konnte mir das nicht so erklären, dass ichs kapiert habe!. Danke Dir!
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    am 19.12.2016 23:13:38 | IP (Hash): 349041217
    Jain - Das grösste tödliche Risiko sind Unfälle (z.B beim Strassenverkehr oder tödliche Stürze). Das ist laut Studien ein Grund für viele "Gut" eingestellte Junge Typ 1 Diabetiker, die versterben. In 99 % Fälle passiert nichts anderes als ein Krampfanfall. Aber ein ganz geringer Teil verstirbt, direkt an der Unterzuckerung . Der Anteil ist aber sehr, sehr gering. Jürgen hat schon das grösste Risiko angedeutet, Gehirnschäden.
    Kann es sein, dass Dein Freund eine Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung hat. Also das er kommende Unterzuckerungen nicht wahrnehmen kann? Für selche Fälle gibt es Lösungen die von einer Schulung beginnen über eine Pumpe zu CGM führen.

    Mehrer schwere Unterzuckerungen in nur zwei Monaten sind selten. Leichte Unterzuckerungen kommen öfter vor.
    Bearbeitet von User am 19.12.2016 23:16:01. Grund: Erweiterung.
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    am 19.12.2016 23:22:42 | IP (Hash): 1524612749
    Die meiste Diabetes-Literatur ist Englisch. Die meisten medizinischen Fachinfos erscheinen zuerst aus auf Englisch, auch die aus D. Diabetesdaily ist ne gute Seite für umfassende Info.

    Zum Hypo akut-Hintergrund:
    Mit einem Vielfachen der normalen alltäglichen Insulindosis gibt es viele fehlgeschlagene Selbstmordversuche. Praktisch keine gelungenen, wenn die Bewußtlosigkeit nicht gerade zum Treppensturz oder Geisterfahren auf der Autobahn gepasst hat.

    Für alle normalen Überdosierungen wie z.B. versehentlich 2mal für das selbe Essen gespritzt reicht Abwarten, weil Leber und Nieren via Glukoneogenese reichlich Glukose liefern.

    Das Lichtaus ist für die ersten Stunden eher als Schutzausfall zu verstehen, also als rechtzeitiges Abschalten dafür, dass der Organismus sich in allen seinen Teilen ohne weitere Belastung erholen kann. Via Glukoneogenese kann locker völlig ausreichend für die gesamte Versorgung ohne zusätzliches Essen & Trinkenen Glukose produziert und in den Kreislauf gegeben werden.

    Mir ist bewusst, dass so ein ernsthaftes Unterzucker-Ereignis extrem bedrohlich aussieht. Punkt.
    Und wenn der Betroffene gerade dann oben auf ner Treppe steht oder im fahrenden Auto am Lenkrad sitzt, kann das seeeehr gefährlich sein.
    Wenn ein Arzt oder der Rettungsdienst auf so eine Situation trifft, MUSS eingegriffen und mit ner Glukoseinfusion aufgeweckt werden. Das ist geltende Vorschrift.

    Und wenn Du so eine Hypo einfach untätig aussitzt, kann Dein gegenwärtiger Freund Dir trotz seiner vor allem wg seiner beständigen Wiederholung gegebenen eigenen Verantwortung dafür später den Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung machen.

    Zusammengefasst: Emotional bescheiden, aber es ist an Dir zu entscheiden, wie Dein Ding und die Rolle Deines Freundes darin weiter gehen soll.


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    am 19.12.2016 23:33:37 | IP (Hash): 349041217
    Jürgen,
    die Psychologie ist natürlich nicht auszuschließen aber es gibt auch Physiologisches, wie z.B einer Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung, das ausbleiben der Glucagun- Gegenreaktion durch Vernichtung der Alpha Zellen -etwas was bei Typ 1 Diabetikern über kurz oder lang auch erfolgt-, Neuropathie welches abzuklären ist.
    Bearbeitet von User am 19.12.2016 23:34:39. Grund: -