Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.

Fleisch essen unbegrenzt, da keine Kohlenhydrate ?!

  • Corinna Sohn

    Rang: Gast
    am 16.12.2009 20:26:06
    Hallo zusammen,

    meine SChwiegermutter leidet seit 15 Jahren an Diabetes. Leider hat sie die letzten Jahre auf "Gut Glück" gespritzt, was ihr wohl ständig Werte zwischen 400-600 beschert hat.

    Sie wiegt sehr wenig, und meine Schwiegereltern behaupten nun, damit sie zunimmt, dürfe sie unbegrenzt Fleisch essen (sie bestellt sich im Restaurant SChweinsbraten mit Knödel und Soße, oder verdrückt eine ganze SChweinshaxe, ist Kuchen, süße Stückchen vom Becker, einen kompletten Krinkel Fleischwurst). Das Motto lautet: Man muss dann eben entsrpechend viel oder wenig spritzen. So hat das wohl der Hausarzt erklärt.

    Ihre Werte werden aber zum einen nicht besser, und der gewünschte Effekt, ein paar Kilos (ich denke 5 wären optimal) zuzunehmen, bleibt auch aus.

    Ich muss gestehen, dass das Thema für mich neu ist, aber ich intuitiv denke, dass da was komplett falsch läuft. Sehe ich das falsch?

    Vor ein paar Wochen war sie zur Einstellung des Zuckers stationär in der Klinik und sie hatte innerhalb einer Woche Top-Werte (nur jetzt im Anschluß wieder katastrophale). Da musste sie aber streng nach Diätplan leben, was mir eigentlich beweist, dass die Kuchen-/Süßigkeiten-Esserei und das viele fette Fleisch das sie angeblich unbegrenzt essen darf ("Fleisch hat keine Kohlenhydrate, also darf man es unbegrenzt essen), ihr nicht gut tun.

    Könnt Ihr mir helfen und sagen, ob ich richtig oder falsch liege? Wo kann ich mich sonst noch informieren? Gibt es Ärzte, die sich auf Behandlung von Diabetes spezialisiert haben? Bin für jeden Beitrag dankbar!!

  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 16.12.2009 22:08:44
    Moin SchwiegerSohnTochter,

    für alle Menschen gilt allgemein eher zuviel Gewicht als schädlich, und das kriegt man damit, dass man mehr isst, als man an Energie verbraucht. Aus diesem Blickwinkel wurde übrigens vor nun etwas mehr als 30 Jahren entschieden, dass die Hälfte des täglichen Inputs Kohlenhydrate sein sollte, denn 1 Gramm davon enthält weniger als die Hälfte der Energie von 1 Gramm Fett und die Hälfte der Energie von 1 Gramm Protein. Die Idee der Erbauer unserer berühmten Ernährungspyramide war, dass man von Volumen und vor allem Gewicht der Nahrung satt würde und halt gesund besonders viel von dem Essen könnte und sollte, womit man am meisten sattmachende Substanz und am wenigsten Energie aufnimmt. Der Rest an Begründung und vor allem die vielen Vitamine und Mineralien (gibt es alle auch ohne Glukose!) ist mehr oder weniger einfaltsreich drum rum gestrickt worden. Aber nun hat Deine Schwiegermutter gar kein Übergewichtsproblem und kann wenigstens von daher im Prinzip munter essen, was sie will.

    Allerdings hat Deine Schwiegermutter Diabetes. Das heißt, Ihre Blutzucker-Automatik ist im Eimer, und sie muss ihren Blutzucker selbst regeln. Du schreibst, sie tut das mit Insulin. Ideal würde ihr Blutzucker damit alltäglich wie bei einem gesunden Menschen verlaufen, also nüchtern um 80mg/dl, 1 Stunde nach jedem Futter/Getränke-Input bis max an 140mg/dl und ne Stunde weiter schon wieder unter 100 verlaufen. Das erreichen allerdings nur solche Betroffene, die ihren Blutzucker wie das eigene Auto gezielt selbst steuern. Wer sich hinten reinsetzt und per Einstellung fahren lässt, kommt bestenfalls in einen Rahmen von vor den Mahlzeiten 100-140, 1 Stunde nach dem Essen bis 300 und dann im weiten Bogen eben zur nächsten Mahlzeit wieder 100-140.

    Neben den Folgekrankheitenrisiken lassen sich mit höheren Blutzucker-Verläufen meistens Gewichtszunahmen beobachten, meistens mit Typ2, und seltener Gewichtsabnahmen, meistens mit Typ1.
    Soviel zum Überblick. Aber mehr als grobe Info kann ich Dir damit nicht machen. Wenn Du magst, kannst Du dich z.B. auf diabetesinfo.de umfassender informieren. Aber auch da wirst Du keinen Hebel finden, mit dem Du eine erwachsene ältere Frau gegen ihren Willen zu irgendwas bewegen kannst :-(

    Bisdann, Jürgen
  • Frage

    Rang: Gast
    am 17.12.2009 10:48:44
    Was ist eigentlich deine Absicht in der Frage?
    Willst du ihr helfen, oder sie belehren und bekehren?
    Wenn sie seit 15 Jahren DM hat, und du schreibst, sie ist in ärztlicher Behandlung, wird sie also medizinisch begleitet. Am Besten natürlich von einem Diabetologen.
    Du schreibst, sie wiegt wenig? Wieviel wiegst sie denn genau bei welcher ca. Körpergröße. Wenig und viel sind relative Angaben....es gibt ne Menge medizinische Gründe für Gewichtsverluste. Ist das Gewicht bedenklich, sollte das abgeklärt werden.

    Bei Dm gilt grundsätzlich, auf Kohlehydrate zu achten. Woher weißt du denn, wie ihre Werte aussehen? Wenn dein Bemühen ernsthaft ist, dann lässt du dir die gemessenen BZ-Werte zeigen und gehst mal mit zum nächsten Arztbesuch und lässt dir auch die Laborwerte zeigen, unter denen ist der sogenannte HBA1C-Wert, der Auskunft gibt, wie der BZ sich in den vergangenen 6 Wochen verhalten hat.
    Übrigens, KEIN Diabetiker muss Diät halten.

    Und immer im Hinterkopf haben: Es ist erst mal IHR Diabetes und nicht Deiner. Sie ist deine Schwiegermutter, nicht dein Kind....
    Alles Gute.
  • Rainer

    Rang: Gast
    am 18.12.2009 10:23:25
    Hallo Anonym.70,

    dein Entsetzen über große Mengen an Kuchen und andere Kohlenhydrate (Brötchen, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Zucker u.s.w.) ist absolut berechtigt - das über das Fleisch und Fett ist es nicht.

    Es stimmt, dass Eiweiß und Fett den BZ viel weniger und sehr viel langsamer ansteigen lassen als die KH. Deshalb sind sie für Diabetiker wesentlich besser geeignet, um eine gute BZ-Führung hinzubekommen. Und wenn deine Schwiegermutter keine Gewichtsprobleme hat bzw. sogar aufpassen muss, dass sie nicht zuviel abnimmt, dann spricht nichts gegen eine Schweinshaxe.

    Es wird vermutet, dass durch die tierischen Fette das Herzinfarktrisiko leicht erhöht werden könnte. Aber glaube mir, dieses Risiko ist nur verschwindend gering gegenüber dem Risiko für das Herz und andere diabetische Folgeerkrankungen, das sich aus einer schlechten BZ-Führung ergeben kann. Wenn du deine Schwiegermutter wirklich unterstützen willst, dann akzeptiere das Fleisch und das Fett und versuche, sie bei den Knödeln und dem Kuchen zu bremsen. An Stelle der Knödeln soll sie besser eine doppelte Portion Gemüse dazu verdrücken - das ist für Sie als Diabetikerin wirklich gesünder.

    Beste Grüße, Rainer
  • sdddfs

    Rang: Gast
    am 18.12.2009 11:46:43
    Der Diabetes leidet nicht unter unbegrenztem Fleischkonsum, der Körper an sich aber evtl. schon.

    Bei der Wahl der Beilage sollte sie aber schon darauf achten, nicht zu viele Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Und wenn ihre Werte sowieso nicht so traumhaft sind, würd ich das mit dem Kuchen auch mal ne Weile lang bleiben lassen.

    Man kann als Diabetiker alles essen, man muss nur damit umzugehen wissen.
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 18.12.2009 13:01:35
    unbegrenzter Fleischkonsum ist absoluter Schwachfug: Mag in den ersten Tagen Wurst ohne Brot zu viel Wurstverbrauch kommen, aber der regelt sich im Rahmen von 4 Wochen meistens auf weniger ein, als meistens mit Brot vertilgt würde. von Jürgen
  • Corinna Sohn

    Rang: Gast
    am 18.12.2009 13:26:47
    Zuerst mal Danke für Deine Antwort. Wenn ich auch nicht so recht verstehe, weshalb Du die "ernsthaftigkeit" meines Ansinnens in Frage stellst - wenn ich zu viel Langeweile habe, beschäftige ich mich sicherlich mit anderen Dingen, also Hilfe in einem Forum zu suchen.

    Aber um Deine Fragen zu beantworten:
    Ich weiß von meinem Schwiegervater, der meine SChwiegermutter einmal wöchentlich zum Arzt begleitet, dass ihre Werte nach Aussage des Arztes viel zu hoch sind. Er sagt immer, sie müssten bei ca. 200 (sorry - ich kenne die Maßeinheit nicht) liegen, und sie sind meistens zwischen 455-500 und manchmal waren sie so hoch, dass das Gerät, mit dem sie sich einen Blutstropfen abnimmt, sie gar nicht mehr angezeigt hat.

    Weiteres Problem: Meine Schwiegermutter ist gelinde gesagt stur und trotzköpfig, und will wegen dem Zucker am liebsten gar nicht behandelt werden. Der Hausarzt hat sich anscheinend jahrelang dumm und dämlich reden können, und sie hat alles ignoriert, bis mein Schwiegervater mal mitkam. Der hat dann zusammen mt meinem Mann wochenlang Druck ausüben müssen, bis sie sich (was nach Aussagen des Hausarztes wohl auch dringendst nötig war), stationär vor einigen Wochen behandeln lies. Dort hatte sie dann wie gsagt nach 1 Woche top Werte. Sobald sie 1 Woche zu Hause war waren die Werte wieder (durch falsches Essen/ Spritzen) katastrophal.

    So, und weshalb geht das nun mich/ die Angehörigen was an?! Ich weiß nicht, wie Du zu Familienmitgliedern stehst, aber wir machen uns innerhalb der Familie Sorgen, wenn es jemandem nicht gut geht, und wir Angst um dessen Gesundheit haben, und versuchen zu helfen. Helfen kann ich nur, wenn ich gut informiert bin, und deshalb suche ich Rat in diesem Forum (ich hatte eigentlich gedacht, dass es genau dafür da ist, und vielleicht nicht nur Kranken selbst hilft, sondern auch Angehörigen).
    Dazu kommt ein weiterer Sonderfall: Meine Schwiegermutter hat seit 20 Jahren einen extremen Kropf (über Tennisballgroß), der laut Arzt wohl auch seit Jahren operiert gehört, und wohl auch den Zucker beeinflussen kann. Nun wurde auch noch im Krankenhaus der Verdacht auch Alzheimer geäußert. Da meine Schwiegermutter wohl teilweise auch aufgrund von Über- oder Unterzucker oft verwirrt ist, wäre es wirklich dringend, erst mal den Zucker und den Kropf in den Griff zu bekommen, um das noch gravierendere Problem Alzheimer fachgerecht behandeln zu können... Und gerade diese Krankheit betrifft die ganze Familie. Und je nachdem ob nun schon Alzheimer besteht oder nicht, MÜSSEN wir ja meiner Schwiegermutter wegen dem Zucker unter die Arme greifen, weil sie das dann alleine wirklich nicht schafft...

    Deshalb bin ich über alle Beiträge, die mir weiterhelfen wirklich dankbar! Logisch geht mein Schwiegervater schon jetzt zu Arztbesuchen wegen dem Zucker mit, aber sorry - so als "Zucker-Neuling" hat es sich für mich einfach wirklich falsch angehört, dass man um 5 Kilo zuzunehmen/ bzw. generell bei Zucker unbegrenzt Schweinshaxen mit Fett essen darf... und diese Aussage kommt ja vom Hausarzt...
  • peter

    Rang: Gast
    am 18.12.2009 14:24:41
    euer größtes problem, hast du leider nicht bemerkt.
    und die anderen hatten versucht es zu umschreiben, auch dahast du es nicht bemerkt.
    ihr alle könnt der dame auch wenn sie nicht beratungsresistent wäre leider nicht helfen, denn ihr habt von der therapie auch keine ahnung.
    und eine schulung die mindestens 30 h an 8tagen und direkten kontakt mit messen/spritzen und beobachten/analysieren umfasst, kann dir hier niemand bieten.
    denn auch der ha hat allem anschein nach keine ahnung, ist ja auch nicht sein fach, dafür gibt es diabetologen(sp praxen) mit schulungsangeboten.
    denn auch wenn sie die angestrebten 200 mg/dl garnicht erreicht, ist dieser wert noch wesentlich zu hoch. bei solchen werten(und wie bei euch noch höheren) , wirkt insulin fast garnicht mehr.
    und -einstellen- kann man garkeinen menschen, denn der hat nirgendwo ein rad zum dran drehen.
    (selbst diabetiker mit hintergrund haben nach dem kh-(einstellung) bescheidene werte, denn im leben ist alles anders.
    daher sollte sie eine gute schulung auf insulin machen und mindestens einer von euch angehörigen sollte daran teilnehmen.
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 18.12.2009 15:05:03
    Moin Schwiegertochter,

    so schwer es mit zu schreiben fällt, aber die Möglichkeit, ihren Blutzucker gesund zu steuern, hat nur Deine Schwiegermutter - unter der Bedingung, dass sie's lernt und aktiv tut. Das Ergebnis wäre ein praktisch gesunder Blutzucker-Verlauf meistens um 80-90mg/dl und nur 1-2-3 Stunden nach dem Essen bis max 140-120-100mg/dl.
    Die Möglichkeit, ihn gesund einzustellen (deutlich ungesunder als gesund selbst gesteuert) hat nur der Arzt - unter der Bedingung, dass sie passiv seinen Anordnungen folgt. Das Ergebnis wäre jeweils vor den Mahlzeiten 100-140 ohne Rücksicht auf den mehr oder weniger hohen Bogen mit meistens gut 200 und mehr dazwischen.

    Aber beide Möglichkeiten sind NICHTS wert, wenn sie nicht mitmacht. Und dass etwa Dein Schwiegervater das passende Spritzen für die wenigstens grobe ärztliche Einstellung besorgt, setzt voraus, dass er sich wirklich ununterbrochen drum kümmert und immer gleich mitkriegt, wenn sie sich was außer der Reihe einverleibt. Damit käme er wenigstens auf vor den Mahlzeiten meistens unter 200mg/dl.
    WICHTIG: mit 400mg/dl vor dem Essen kann sie für die selbe Menge z.B. Brot doppelt so viel Insulin und mehr gebrauchen, wie mit 200, und da noch mal doppelt so viel, wie mit 100!

    Allerdings kann ALLES, was regelmäßig Ausflüge über 200 zulässt, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit diabetische Folgen von verkalkten Pipelines über geschädigte Nerven bis hin zu Nierenschäden fördern. Kann, denn auch beim Zucker gibt es Betroffene wie unseren Altbundeskanzler unter den Kettenrauchern, die von allen Krankheitswahrscheinlichkeiten eben nicht getroffen werden.
    Und wenn Ihr nun überlegt, was Ihr machen wollt, solltet Ihr schon den möglichen Nutzen z.B. gegen den Stress abwägen, den Ihr der alten Dame und ja auch Euch selber macht und der Eure Situation wengistens ebenso belasten kann, wie jetzt die Angst, dass ihre gesundheitliche Situation sich besonders verschlechtert.

    Aus meiner eigenen Zeit mit so hohem Blutzucker vor nun bald 19 Jahren erinnere ich mich immer noch mit Grauen dran, wie schlapp ich da immer war und wieviel Flüssigkeit da ich am Tag und auch in der Nacht umsetzen musste.

    Bisdann, Jürgen
  • fgweg

    Rang: Gast
    am 19.12.2009 03:02:35
    Offenbar haben alle Guten-Rat-Geber eines übersehen: "Meine Schwiegermutter ist gelinde gesagt stur und trotzköpfig, und will wegen dem Zucker am liebsten gar nicht behandelt werden. Der Hausarzt hat sich anscheinend jahrelang dumm und dämlich reden können, und sie hat alles ignoriert..." Da bleibt euch vermutlich nur ihre Entmündigung und dann könnt ihr sie behandeln, wie ihr wollt! Aber solange sie selbst bestimmt, was für sie falsch oder richtig ist, werdet ihr euch wohl das Maul fusselig reden. Solange sie nicht begreift oder begreifen will/kann, dass sie bei der Behandlung ihres DM etwas verkehrt macht, sind die ganzen (gut gemeinten) Ratschläge nur Gequassel für sie - schade um die Zeit! Ich würde ihr einen Psychologen empfehlen oder so weiterzumachen, wie bisher und gut ist!