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Sechs Faktoren erhöhen das Risiko für eine Unterzuckerung

Notfälle bei Typ-2-Diabetes

Menschen mit Typ-2-Diabetes und Insulintherapie oder Notfallbehandlungen wegen Unterzuckerung in der Vergangenheit haben ein erhöhtes Risiko für eine erneute Unterzuckerung in den nächsten zwölf Monaten. Eine neue Einteilung hilft, dieses Risiko besser einschätzen zu können und rechtzeitig gegenzusteuern. Im Auftrag der US-amerikanischen Arzneibehörde FDA wurde das System auf der Basis von Krankenkassen-Daten entwickelt und im Fachjournal JAMA veröffentlicht.

Das Risiko, eine Unterzuckerung – auch Hypoglykämie genannt – zu erleiden, ist bei Diabetes vom Typ-1 am größten, da bei diesem Krankheitsbild die Patientinnen und Patienten immer auf eine Insulinbehandlung angewiesen sind. Die Mehrzahl der Patienten, die in der Notaufnahme wegen einer Unterzuckerung behandelt werden, leiden jedoch an Diabetes vom Typ-2. Dies liegt allein an der weitaus größeren Zahl Betroffener. Rund 90 Prozent aller Menschen mit Diabetes sind von Typ-2-Diabetes betroffen.

Dem Risiko für eine Unterzuckerung auf der Spur

Anhand elektronischer Krankenakten von mehr als 200.000 Versicherten hat eine amerikanische Krankenkasse Variablen ermittelt, die geeignet sind, eine drohende Unterzuckerung in den nächsten zwölf Monaten vorauszusagen. Zur Validierung zogen sie weitere Daten von mehr als 1,2 Millionen Versicherten verschiedener amerikanischer Institutionen heran. Es kristallisierte sich ein Katalog von sechs Patienteneigenschaften heraus, die eine Risikoabschätzung zulassen:

  • Anzahl der früheren Notfallbehandlungen aufgrund von Unterzuckerung  
  • Die Behandlung mit Insulin
  • Die Behandlung mit Sulfonylharnstoff
  • Eine schwere Nierenerkrankung
  • Anzahl der Notaufnahmen aus irgendeinem Grund im vergangenen Jahr
  • Alter der Patienten

Entsprechend dieser Liste lassen sich Patienten nun in eine der drei Risikogruppen (hoch – mittel –niedrig) einteilen. Die beiden erstgenannten Faktoren beschreiben das höchste Risiko. Bei Patienten mit Diabetes vom Typ-2, die im vergangenen Jahr bereits mehr als zwei  Mal eine Unterzuckerung erlebt haben, oder die Insulin spritzen und bereits eine oder zwei Hypoglykämie-Episoden im letzten Jahr erlitten haben, wiederholt sich mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als fünf Prozent eine Hypoglykämie im kommenden Jahr.

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt: Unterzuckerung vermeiden

Ziel der Einteilung ist es, drohenden Hypoglykämien entgegenzuwirken. Geeignete Methoden hierfür können sein:

Letztgenanntes – eine angemessene und ausführliche Schulung – dürfte das wichtigste Werkzeug zur Risikoabwendung sein. Sind der betroffenen Patientin oder dem betroffenen Patienten und auch den nächsten Angehörigen die ersten Anzeichen einer Unterzuckerung bekannt (beispielsweise Schwitzen, Zittern, Herzklopfen, Hunger- und Angstgefühle), kann man rechtzeitig gegensteuern (etwa durch die Zufuhr von Traubenzucker) und es kommt erst gar nicht zu schweren Komplikationen oder medizinischen Notfällen.

Unser Erste-Hilfe-Schema bei Hypoglykämien finden Sie hier.

Quellen:

Karter, A.J., et al.: Development and Validation of a Tool to Identify Patients With Type 2 Diabetes at High Risk of Hypoglycemia-Related Emergency Department or Hospital Use. In: JAMA Intern Med. Published online August 21, 2017. doi:10.1001/jamainternmed.2017.3844

Aerzteblatt.de: Typ-2-Diabetes: Sechs Faktoren bestimmen Hypoglykämierisiko. Artikel vom 22.08.2017 (letzter Abruf: 12.09.2017)