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Intensive Gewichtsreduktion als Schlüssel bei Typ-2-Diabetes?

Diabetes-Therapie

Mit einem intensiven Programm zur Gewichtsreduktion in Hausarztpraxen lässt sich bei jedem zweiten Behandelten ein Rückgang von Typ-2-Diabetes erzielen. Das berichten britische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fachblatt ‚The Lancet‘.

Die aktuelle Leitlinie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft empfiehlt Diabetikern ein auf sie abgestimmtes Bewegungsprogramm, denn körperliche Aktivität ist zur Vorbeugung und Mitbehandlung von Gefäß-Risiken von großer Wichtigkeit. Eine neue Studie aus England und Schottland zeigt nun: Intensiv betrieben hilft die Gewichtsreduktion aber nicht nur gegen die Folgen, sondern auch gegen die Stoffwechselkrankheit selbst.

Die Autoren hatten dazu im Rahmen der Studie DiRECT (Diabetes Remission Clinical Trial) 298 übergewichtige Zuckerkranke (BMI 27-45) aus 49 Praxen im Alter zwischen 20 und 65 Jahren untersucht. Die Krankheit war bei ihnen in den vergangenen sechs Jahren diagnostiziert worden. Nach dem Zufallsprinzip wurden die Patienten in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Hälfte erhielt ein intensives Abnehmprogramm mit Formuladiäten (825–853 kcal/Tag) über drei bis fünf Monate plus eine schrittweise Gewöhnung an gesunde Normalkost. Die andere Hälfte wurde normal versorgt und diente als Kontrollgruppe.

Als Studienziel gaben die Ärzte entweder einen Gewichtsverlust von 15 kg oder eine Verbesserung des Langzeitblutzuckerwertes (HbA1c-Wert unter 6,5 Prozent) nach mindestens zwei Monaten ohne Antidiabetika vor. Von den je 149 Patienten in den beiden Gruppen beendeten 128 Abnehmende beziehungsweise 147 Kontrollprobanden die Studie.

Den Autoren zufolge waren die Ergebnisse eindeutig: Binnen zwölf Monaten hatten 24 Prozent der Patienten in der Abnehm- und keiner in der Kontrollgruppe mindestens 15 kg Gewicht verloren. Der durchschnittliche Teilnehmer hatte in der Behandlungsgruppe zehn, in der Kontrollgruppe ein Kilogramm abgespeckt. Ein Rückgang des Diabetes (gemessen als HbA1c) ergab sich bei 46 Prozent in der Behandlungsgruppe und bei vier Prozent in der Kontrollgruppe.

Ebenfalls ein Beleg für die Wirkung der Therapie war ein klarer Zusammenhang von Ursache und Wirkung: Je mehr Gewicht die Patienten abnahmen, desto größer war ihre Chance für normale HbA1c-Werte ohne Antidiabetika. Bei sieben Prozent der Probanden, die zwischen null  und sieben Kilo abnahmen, normalisierte sich der HbA1c auf 6,5 Prozent oder weniger. Bei einem Gewichtsverlust von 15 Kilo und mehr erreichten dieses Ziel 86 Prozent der Probanden.

Die größten Chancen zum Abnehmen bestehen relativ früh nach der Diagnose, wenn die Patienten noch motiviert sind, so die Forscher. Die Arbeit macht deutlich, dass Diabetes keine Einbahnstraße ist. Zudem zeigt sie durch die intensive Therapie eine mögliche Alternative zur bariatrischen Chirurgie auf. Inwiefern sich der Effekt langfristig stabilisieren lässt, wird nun in weiteren vier Jahren Studie geprüft.


Quellen:
Lean, M. et al.: Primary care-led weight management for remission of type 2 diabetes (DiRECT): an open-label, cluster-randomised trial. In: The Lancet, 2017, DOI: 10.1016/S0140-6736(17)33102-1

Ärzte Zeitung: Diabetes in Remission mit intensiver Gewichtsreduktion. Artikel vom 7. Dezember 2017

 

Mit freundlicher Unterstützung  Diabetesinformationsdienst München