Pressemitteilung

Deutschland liegt in vielen Bereichen deutlich zurück

Prävention chronischer Krankheiten

Am 12. und 13. Dezember fand in Brüssel ein Expertentreffen statt, bei dem es um Strategien zur Bekämpfung der Ursachen für nichtübertragbare Krankheiten ging. Deutschland nimmt diesbezüglich keine Vorreiterrolle in Europa ein, wie neue Daten zeigen.

In Europa sollen vorzeitige Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten bis 2025 um 25 Prozent verringert werden. Die Teilnehmer der Konferenz „The European Response to Chronic Diseases – the Role of Civil Society“, die gestern in Brüssel zu Ende ging, bestätigten damit die Ziele des neuen Aktionsplans der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Europa.

Die WHO sieht zur Bekämpfung von Krebs, Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes und chronischen Atemwegserkrankungen vor allem Maßnahmen zur Förderung einer gesunden Ernährung, von mehr körperlicher Bewegung, der Luftreinhaltung sowie der Verbesserung von Lebensmittelprodukten vor. Für Deutschland nahm die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) an der EU-Konferenz teil.

„Deutschland liegt in vielen Bereichen deutlich zurück“

Die WHO entwirft in ihrem „Aktionsplan zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten 2016 - 2025“ die Zukunftsvision eines Europas, das frei von nichtübertragbaren Krankheiten, vorzeitigen Todesfällen und vermeidbaren Behinderungen ist. Um diese Ziele zu erreichen, sollen die wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Leiden, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen bekämpft werden.

Krankheitsfördernd sind vor allem Tabak- und Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Adipositas und Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung. „Auf dem Weg zur Vermeidung der chronischen Krankheiten haben wir Fortschritte gemacht“, berichtet DANK-Sprecher Dr. Dietrich Garlichs. „Aber es existieren in Europa teilweise erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern, und Deutschland liegt in vielen Bereichen deutlich zurück.“

Schlechtes Abschneiden bei Alkohol- und Tabakkonsum

Wie die neuesten Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) belegen, hat Deutschland etwa einen überdurchschnittlichen Alkoholkonsum in Europa. Während im Schnitt jeder EU-Bürger pro Jahr zehn Liter puren Alkohol trinkt, sind es in Deutschland elf Liter – Spitzenkonsument ist Litauen mit 14 Litern pro Kopf und Jahr, Schweden und Italiener trinken hingegen mit etwa sieben Litern deutlich weniger. Beim Rauchen belegt Deutschland einen schlechten 15. Platz unter den 28 EU-Ländern.

Leistungsstarke Krankenversorgung, schwache Präventionsmaßnahmen

Beim Obst- und Gemüseverzehr landet Deutschland laut OECD-Index sogar auf dem drittletzten Platz unter 28 EU-Staaten. Unausgewogene Ernährungsmuster haben direkte Auswirkungen auf Erkrankungsraten. So stellte kürzlich der Euro Herz Index fest, dass Deutschland bei der Herzgesundheit aufgrund eines ungesunden Lebensstils mit zu hohem Zucker- und Alkoholkonsum sowie zu wenig Gemüse- und Obstverzehr beim Vergleich von 30 europäischen Ländern nur Rang 14 einnimmt – trotz seiner leistungsstarken Krankenversorgung.

„Wir verfügen gewissermaßen über einen hochwertigen Reparaturbetrieb, was das Herz betrifft“, resümiert DANK-Sprecher Garlichs. „Noch wichtiger wäre es allerdings, diese Erkrankungen überhaupt gar nicht erst entstehen zu lassen.“

Nachfrage für ungesunde Güter: WHO empfiehlt, Steuern als Korrektiv

Um hier voranzukommen, empfiehlt der WHO-Europaplan die Nutzung von Steuern, um die Nachfrage nach Tabak, Alkohol sowie Nahrungsmitteln und Getränken mit hohem Gehalt an Zucker, Fett und Salz zu beeinflussen. Schließlich wirbt der Aktionsplan für veränderte Rezepturen von Lebensmittelprodukten: Transfette und gesättigte Fette sollten durch ungesättigte Fette ersetzt, Salz- und Zuckergehalt reduziert werden.

„Diese Bereiche stellen für Deutschland fraglos zentrale Handlungsfelder dar, wenn wir bei der Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten vorankommen wollen“, betont DANK-Sprecher Garlichs.


Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)

Mit freundlicher Genehmigung von