Pressemitteilung

Im Winter: Ab in die Sauna!

Vielen von uns setzen im Winter Dunkelheit und Kälte sehr zu – seelisch und körperlich. Um Wohlgefühl und Gesundheit zu stärken, empfiehlt Dr. Schmeisl wärmstens, regelmäßig zu saunieren, und gibt Tipps, was bei Diabetes zu beachten ist.
Der Fall
In unserer unmittelbaren Nachbarschaft wohnt ein bereits pensionierter Taxifahrer, der seit etwa 20 Jahren jährlich im Oktober mit seiner Ehefrau im Taxi mit angehängtem Wohnwagen nach Südspanien fährt, um dort zu überwintern. Seine Frau leidet an einer schweren Arthrose der Gelenke. Der Winter mit seiner zunehmenden Kälte war für sie und somit auch für ihren Mann immer ein Graus, da sie sich über mehrere Monate kaum bewegen konnte. Im deutlich wärmeren Südspanien ist für beide der Winter besser erträglich – erst Anfang März kehren sie jedes Jahr wieder zurück nach Deutschland.

Biologische Rhythmen bestimmen seit Jahrmillionen alle Lebewesen – natürlich auch den Menschen. So wird der Rhythmus unseres Lebens jedes Jahr erneut vom Lauf der Jahreszeiten und damit von saisonalen Umweltveränderungen bestimmt. Wird zum Beispiel unsere innere Uhr gestört, können melancholische Stimmungen auftreten, sogar eine echte Winterdepression kann die Folge sein.

Eine wesentliche Rolle dabei scheinen veränderte Blutspiegel des Glückshormons Serotonin und des Schlafhormons Melatonin zu spielen. Diese Veränderungen entstehen durch die geringere Sonneneinstrahlung bei kürzeren Tagen und längeren Nächten in Herbst und Winter.

Der Winter kann wunderbar sein …

Trotzdem ist der Winter für viele Menschen eine wunderbare Jahreszeit! Sie mögen die Kälte, weil sie dann zum Beispiel Ski fahren oder in der weißen Landschaft wandern können. Manche schippen sogar gern Schnee!

… aber manchmal auch ein Graus

Für andere Menschen ist der Winter dagegen ein Graus, weil sie z. B. Probleme mit ihren Gelenken bekommen oder depressiv werden. Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit drohen in eisiger Kälte Anfälle von Angina pectoris ("Brustenge", plötzlicher Schmerz in der Brust).

Es ist bekannt, dass im Winter die Sterblichkeit von Menschen mit koronarer Herzkrankheit und Herzschwäche (Herzinsuffizienz) höher ist. Das Risiko für einen Herzinfarkt steigt in den Wintermonaten deutlich an (um 20 bis 40 Prozent). Auch die Haut kann unter der Kälte leiden. Warum steigt das Herz-Kreislauf-Risiko im Winter?

Gefahren für die Gesundheit im Winter
  • Durchblutungsstörungen des Herzens (koronare Herzkrankheit, Angina pectoris, Herzinfarkt)
  • Durchblutungsstörungen des Gehirns (Schlaganfall, Gehirnblutungen)
  • Venenerkrankungen (Krampfadern, Neigung zu Thrombosen)
  • Asthma (Asthmaanfälle), Verschlechterung einer chronischen Bronchitis
So können Sie vorbeugen
  • Sorgen Sie für möglichst gleichmäßige, angenehme Temperaturen in allen Räumen des Hauses.
  • Denken Sie nicht nur daran, Ihren Körper vor der Kälte zu schützen (Mantel), sondern insbesondere auch die Füße (gilt besonders für Diabetiker) und die Beine (bei Problemen mit den Venen und bei arterieller Verschlusskrankheit) sowie den Hals (Pullover, Schal) und das Gesicht (besonders bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße, bei Asthma).

Das scheint erklärbar mit der Empfindlichkeit von Kältefühlern auf der Haut und der dadurch bedingten Reizung unseres sympathischen Nervensystems und des Anstiegs bestimmter Hormone. Die Verengung von Blutgefäßen, der Anstieg der Pulsfrequenz und auch des Blutdrucks führen häufig dazu, dass das Herz stärker arbeitet, und das kann insbesondere bei einem vorgeschädigten Herzen zu Sauerstoffmangel führen.

Bei älteren Menschen, die manchmal schon ein vorgeschädigtes Herz haben, scheint sich dies stärker und intensiver auszuwirken. Auch die Gefahren für das Entstehen einer Thrombose in den Beinvenen (eventuell mit Lungenembolie) und für das Auftreten von Schlaganfällen scheinen höher zu sein.

Auch bei Diabetes kann Kälte gefährlich sein

Auch Menschen mit Diabetes sind durch die Kälte besonderen Gefahren ausgesetzt: Wer aufgrund der Diabeteserkrankung eine Nervenstörung (Polyneuropathie) hat, läuft Gefahr, eine beginnende Erfrierung der Fußzehen nicht zu bemerken. Dies ist besonders gefährlich, wenn zusätzlich bereits die Durchblutung der Beine oder der Füße gestört ist (z. B. bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit, abgekürzt pAVK).

Die Chance: regelmäßige Saunagänge

Sauna – das finnische Wort steht seit Jahrzehnten auch bei uns für gesundes Entspannen vom Alltagsstress. Um gut über den Winter zu kommen und gleichzeitig etwas für die Gesundheit zu tun und zu entspannen, hat sich die Sauna bestens bewährt!

Nicht in die Sauna bei …
Nicht in die Sauna gehen sollten Sie, wenn folgende Erkrankungen vorliegen:
  • akute, insbesondere fieberhafte Erkrankungen (akute Bronchitis, grippaler Infekt etc.)
  • akute Entzündungen der Haut, innerer Organe (z. B. Bauchspeicheldrüse etc.) oder auch der Blutgefäße
  • akute Herzerkrankungen oder schlecht eingestellter Blutdruck
  • bekanntes Anfallsleiden

Denn die Sauna ist mehr als nur Schwitzen in einer Art Schwitzkasten. Auch in Finnland und Asien, wo das Saunieren seinen Ursprung hat, sollen durch den Gang in die Sauna der Körper in der kalten Jahreszeit abgehärtet und das Immunsystem gestärkt werden. Zusätzlich verbessert Saunieren das Hautbild und die Kondition und sorgt quasi nebenbei für ein besseres Lebensgefühl.

Unsere heutige klassische Sauna ist ein trockenes Heißluftbad, wobei im Saunaraum verschiedene Temperaturzonen zwischen 70 und 95 Grad Celsius geschaffen werden, und zwar durch in unterschiedlichen Höhen angeordnete Bänke. Die Lufttemperatur liegt am Boden bei etwa 40 Grad, an der Decke dagegen zwischen 95 und 105 Grad – ein Temperaturunterschied von nahezu 60 Grad!

In der Sauna liegt die relative Luftfeuchtigkeit in der Regel zwischen 20 und maximal 60 Prozent. In einem Dampfbad, einer Saunavariante, sind hingegen die Temperaturen meist niedriger, die Luftfeuchtigkeit aber ist mit 100 Prozent sehr viel höher.

Für jeden die richtige Sauna-Variante
Es gibt nicht nur eine Sauna-Art – oft können Besucher zwischen verschiedenen Varianten wählen. Welche es sein soll, hängt auch davon ab, welches Ziel der Saunagänger hat. Hier nur zwei Vorschläge:
  • In der finnischen Sauna mit ihrer Kombination aus Hitze und eher geringer Luftfeuchtigkeit schwitzt man schnell und stärkt so – bei regelmäßigen Saunagängen – das Immunsystem. Außerdem wird die Haut gereinigt.
  • Im irischen Dampfbad ist es mit 45 bis 60 Grad Celsius viel kühler als in der finnischen Sauna. Aber: Die Luftfeuchtigkeit ist hier sehr hoch, und dieses schwülwarme Klima macht Gelenke und Muskeln wieder beweglich.

Ein kurzer Aufguss, bei dem verdünnte Öle auf heiße Saunasteine gegossen werden, erhöht in der Sauna für kurze Zeit die Luftfeuchte; dadurch wird das Schwitzen zusätzlich gefördert. Aufguss-Öle sollten auf jeden Fall nach Anleitung verwendet werden – sonst kann eine Stichflamme entstehen!

Besonders wirkungsvoll ist es, regelmäßig (ein- bis zweimal pro Woche) in die Sauna zu gehen. Dafür sollten jeweils mindestens 2 bis 3 Stunden eingeplant werden – nur so kann man richtig entspannen. Ein Saunagang sollte im Schnitt nur 8 bis 12 Minuten dauern. Dadurch wird die Kerntemperatur des Körpers nur kurzfristig um 1 bis 2 Grad Celsius aufgeheizt. Faustregel: Lieber kurz und heiß saunieren als lang und bei geringer Temperatur.

Besonders wichtig: langsames Abkühlen

Nach dem Schwitzen sollte die Haut langsam und schonend abgekühlt werden. Dazu eignen sich besonders kalte Güsse aus einem Wasserschlauch, beginnend an den Armen und Beinen, hin zum Körper. Ein anschließender kurzer Spaziergang im Freien dient der Befeuchtung der Atemwege.

Nicht in eiskaltes Wasser springen!

Auf den heldenhaften Sprung in ein Becken mit oft eiskaltem Wasser sollten insbesondere Diabetiker verzichten: Ein extremer Anstieg des Blutdrucks (manchmal über 250 mmHg) kann die Durchblutung der Netzhaut und der Herzkranzarterien beeinträchtigen, aber auch eine Blutung auslösen!

Wer seinen Diabetes mit Insulin behandelt, sollte unbedingt vor dem Saunagang den Blutzucker messen. In der Sauna weiten sich die Blutgefäße – dadurch kann unmittelbar vor dem Saunagang gespritztes Insulin schneller wirken: Die Unterzuckerungsgefahr steigt! Andererseits kann der Stress der Sauna auch zu einer Blutzuckererhöhung führen! Es ist daher ratsam, vor dem Saunagang, manchmal auch zwischen den einzelnen Gängen und danach den Blutzucker zu testen.

Wegen Unterzuckerungsgefahr: kein Alkohol!

Wegen der zusätzlichen Unterzuckerungsgefahr sollten Menschen mit Diabetes in der Sauna auf keinen Fall Alkohol trinken! Und: 2 bis 3 Saunagänge sind gerade am Anfang ausreichend.

Diabetiker mit Nervenschäden an den Füßen(Polyneuropathie ) sollten besonders darauf achten, keine heißen Gegenstände (Saunaofen, heiße Steine) zu berühren – Verbrennungen könnten die Folge sein. Tragen Sie deshalb auch unbedingt Badeschuhe (auch wegen einer möglichen Fußpilzinfektion). Gehen Sie möglichst immer zu zweit oder zu mehreren in die Sauna! Und: Gerade Menschen mit Diabetes mellitus sollten die Hautpflege nach der Sauna nicht vergessen.

Besser doch nicht in die Sauna?

Bei akuten und fieberhaften Erkrankungen, aber auch kurz nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall ist der Besuch einer Sauna nicht ratsam und kann sogar gefährlich werden. Zum Beispiel für Schwangere ist Saunieren jedoch gerade besonders empfehlenswert.

Den Winter nicht erdulden, sondern aktiv gestalten

Der Winter ist für viele Menschen eine wunderschöne Zeit – andere leiden extrem darunter. Menschen mit Diabetes geht es nicht anders. Sie sollten jedoch, besonders bei starker Kälte, die hier beschriebenen Sicherheitsmaßnahmen beachten.

Sie sollten den Winter jedoch auf keinen Fall als unausweichliches Übel ansehen, sondern ihn aktiv gestalten. So kann der Winter sogar zur schönsten Jahreszeit werden – Saunieren kann dabei wunderbar helfen. Aber auch regelmäßige lange Spaziergänge (zum Beispiel ein verlängerter Verdauungsspaziergang) sind sinnvoll – durch die Bewegung im Freien verringert sich auch das Risiko für eine Depression deutlich.


von Dr. Gerhard-W. Schmeisl
Internist/Angiologe/Diabetologe, Chefarzt Deegenbergklinik
sowie Chefarzt Diabetologie Klinik Saale (DRV-Bund)

Mit freundlicher Genehmigung von