Pressemitteilung

Diabetologen befürchten Verordnungseinschränkung zum Nachteil der Patienten

AMNOG

Der Bundesverband Niedergelassener Diabetologen e.V. (BVND) äußert in einer Pressemitteilung sein Erstaunen über die Entscheidung des G-BA zur Nutzenbewertung der sogenannten DDP-4-Hemmer bei der oralen Diabetestherapie vom 15. Dezember 2016. Neben einer erneuten Einschränkung in der Versorgung von Patienten mit Diabetes und der Verordnungsfreiheit der Ärzte sei zudem mit höheren Kosten zu rechnen.
Stellungnahme des Bundesverbandes Niedergelassener Diabetologen e.V. zu den Beschlüssen gemäß §35a SGB V der blutzuckersenkenden oralen Medikamente Saxagliptin, Sitagliptin und deren jeweiligen Fixdosiskombinationen mit Metformin durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) veröffentlicht am 16. Januar, 18. Januar bzw. 23. Januar 2017 im Bundesanzeiger.

Der Bundesverband Niedergelassener Diabetologen e.V. (BVND) hat die Entscheidung des G-BA zur Nutzenbewertung der sogenannten DDP-4-Hemmer bei der oralen Diabetestherapie vom 15. Dezember 2016 mit Erstaunen zur Kenntnis genommen und befürchtet erneut eine Einschränkung in der Versorgung von Patienten mit Diabetes und der Verordnungsfreiheit der Ärzte.

Die aktuelle G-BA Entscheidung beinhaltet, dass Saxagliptin in Monotherapie oder als Fixkombination mit Metformin keinen Zusatznutzen erhält. Entsprechendes gilt für Sitagliptin, wobei der Verwendung von Sitagliptin als Add on zu einer bestehenden Monotherapie mit Metformin befristet ein geringer Zusatznutzen anerkannt wird.

Fortsetzung der Fehlentwicklungen in der ambulanten Versorgung

Der BVND schließt sich in vollem Umfang der wissenschaftlichen Stellungnahme der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) vom 19. Dezember 2016 an. Diese Entscheidung des G-BA setzt aus Sicht des BVND die Fehlentwicklungen in der ambulanten Versorgung von Patienten mit Diabetes fort:

  • Innovationen werden den Patienten vorenthalten (Linagliptin).
  • Im deutschen Markt eingeführte Innovationen verschwinden durch Marktrücknahme aus der Versorgung (Fixdosiskombination Empagliflozin plus Metformin).
  • Im aktuellen Fall von Saxagliptin/Sitagliptin besteht erneut die Gefahr, dass diese Produkte basierend auf der G-BA Entscheidung und nach den Preisverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband für mehrere 100.000 Patienten nicht mehr zur Verfügung stehen werden.

DPP-4-Hemmer seit 10 Jahren bewährt

Die Substanzklasse der DPP-4-Hemmer steht den Betroffenen seit zehn Jahren zur Verfügung. Diese Produkte haben sich in der Behandlung von circa 1,5 Millionen Patienten bewährt, heißt es in der Mitteilung des BVND.

Aktuell haben die pharmazeutischen Unternehmer die Preisverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband aufgenommen. Sollte es keine Einigung geben, würde eine Marktrücknahme dieser Produkte enorme Konsequenzen für Patienten, Ärzte und letztlich auch für die Qualität der Versorgung haben, so der BVND.

Marktrücknahmen führen zu Mehrkosten

Das Verschwinden einer in der Versorgung mit guten Ergebnissen etablierten sicheren Substanzklasse mache die unnötige aber aufwendige Neueinstellungen dieser Patienten notwendig, die nicht zu den gewünschten Einsparungsvolumina führen, sondern zu Mehrkosten in der Versorgung dieser Patienten. Die verbleibenden therapeutischen Alternativen wie GLP1-Hemmer, SGLT2-Inhibitoren oder Insulin seien um ein Mehrfaches teurer und komplexer in ihrer Anwendung.

Selbst wenn Sitagliptin als Monosubstanz dem deutschen Markt erhalten bleibt, sind Mehrkosten zu erwarten, die durch zusätzliche Arztkontakte und durch Compliance Nachteile bei der Umstellung auf die Monosubstanzen bedingt sind.

Belastung der Arzt-Patienten-Beziehung

Des Weiteren werde die Arzt-Patienten-Beziehung durch den Wechsel der Produkte nachhaltig gestört, da der Anlass der Therapieänderung therapeutisch nicht zu begründen ist.

Der Verband erwartet faire Preisverhandlungen und appelliert an die Verantwortung der Verhandlungspartner bei ihrer Entscheidungsfindung. Im Ergebnis wünscht sich der BVND für die niedergelassenen Diabetologen, dass sie den Patienten auch weiterhin diese für sie wertvollen und wichtigen Therapieoptionen zur Verfügung stellen können.

Quelle: BVND Bundesverband Niedergelassener Diabetologen e.V.

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