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Tragen einer Pumpe bei körperlicher Arbeit?

  • Rang: Anfänger
    Punkte: 0
    Beiträge: 2
    Mitglied seit: 20.08.2020
    am 20.08.2020 13:18:00 | IP (Hash): 703669452
    Hallo zusammen!

    Ich bin 39 und habe seit zwölf Jahren Diabetes Typ1 und spritze mein Insulin selbst.

    Vor etwa einem Jahr musste ich leider gezwungenermaßen meinen Diabetologen wechseln.

    Mit meinem neuen Arzt bin ich nun eigentlich auch ganz zufrieden, jedoch bekomme ich seit dem ersten Besuch immer wieder gesagt, ich bräuchte unbedingt eine Pumpe um meine Werte zu verbessern. Da dies der einzige Weg ist meine Kurven in den Griff zu bekommen.
    Die Pumpe die mir heiß vom Arzt umschrieben wurde, ist mit Schlauch, was für mich ein KO-Kriterium ist.
    Generell bin ich auch nicht abgeneigt gegen eine Pumpe, jedoch kommt sie für mich aufgrund meines Berufs eigentlich sehr unpraktikabel vor!

    Ich arbeite als Elektriker auf einer Kläranlage. Hierdurch kommt es gezwungenermaßen mehrmals täglich vor, das ich mich umziehen muss um diverse Arbeiten zu erledigen. Standardmäßig trage ich eine Arbeitshose mit t-Shirt in der Hose um mich nicht durch ein hochgerutschtes t-Shirt zu versauen...
    Es ist halt nicht gerade ein sauberer Arbeitsplatz an dem ich mich nicht dreckig mache.
    Und da fängt mein Problem schon an!
    Was mache ich mit dem Schlauch wenn der nicht unter dem Shirt heraus kann? Wohin mit der Pumpe?

    Alle Erfahrungsberichte die ich im Netz finde sind meist immer von Personen mit Berufen die sich nicht umziehen müssen, sauber bleiben, oder nicht körperlich arbeiten. Oder Frauen die die Pumpe mal schnell am BH verstecken.
    So hätte ich definitiv auch kein Problem damit. Aber das trifft alles nicht zu.
    Für mich kommt die Pumpe und der Schlauch in allen Lebenslagen einfach Störend vor.

    Gibt es hier Leute die in ähnlichen Berufen Arbeiten und Im Besitz einer Pumpe sind und mir vielleicht Tips geben können, oder mir zeigen können das ich auf dem Holzweg bin, oder sind meine Bedenken doch begründet!
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 0
    Beiträge: 422
    Mitglied seit: 11.02.2019
    am 20.08.2020 17:22:54 | IP (Hash): 1318109534
    Hallo,

    ich würde an deiner Stelle erstmal grundsätzlich der Pumpe eine Chance geben, wenn du sie genehmigt bekommst. Solltest du dann doch sehr unzufrieden sein, kannst du jederzeit immer wieder auf ICT zurückwechseln. Das zu allererst.

    Dann, lass dir auf keinen Fall einfach eine Pumpe (sehr sehr wahrscheinlich die Medtronic 670G) vom Arzt aufschwatzen, sondern informiere dich selbst, welche Pumpen es gibt und welche Ansprüche DU persönlich an die Pumpe stellst. Du musst damit schließlich dann 24 Stunden täglich über mehrere Jahre mit der gewählten Pumpe klarkommen, nicht der Arzt. Ich sollte auch eine Medtronic Pumpe vom Seiten meiner Arztpraxis bekommen, ich persönlich wäre damit NICHT glücklich geworden. Jetzt in der Schulung in Bad Mergentheim hatte auch die Mehrzahl die 670G und auch dort waren einige sowohl Pumpenneulinge als auch erfahrene Pumpenträger dabei, die nicht zufrieden waren.

    Eine kurze Übersicht über die aktuellen Pumpen, habe ich von kurzem mal hier im Forum geschrieben:
    https://www.diabetes-forum.de/forum/topic/14646/Wenn-neue-Insulinpumpe-welche
    Informiere dich gut.
    Es gibt auch das Pumpencafe: https://www.pumpencafe.de/
    Dort findest du alle Eckdaten. Lies dir zudem Erfahrungsberichte von Pumpenträgern durch. Da erfährst du am schnellsten, die Macken im täglichen Umgang mit ihren Pumpen.
    Zudem kannst du dich - falls vorhanden - in einem DiaExpert Fachgeschäft in deiner Nähe beraten lassen. Die zeigen dir alle Pumpen - Ausnahme T-Slim X2, weil diese nur direkt über den Hersteller vertrieben wird.

    Ich persönlich habe die Dana RS, die läuft super, ohne irgendwelche Probleme. Klein, diskret, komplett mit Handy bedienbar. Einzige wirkliche Nachteil sind die schlechten Originalkatheter aber da sollen jetzt nächsten Monat endlich super gute Katheter kommen. Darauf warte ich schon. Sonst heißt es Befüllen ist kompliziert, finde ich persönlich jetzt nicht. Super zu bedienen, auch komplett über das Handy. Die Pumpe verschwindet komplett unter der Kleidung, niemand bekommt mit, dass ich eine Pumpe trage.

    So, jetzt zu deinem Problem mit dem Arbeitsplatz. Persönlich habe ich damit keine Probleme. Aber auch dort gibt es Lösungen.
    Ich persönlich trage die Pumpe entweder mit Clip am Hosenbund oder per Bauchgurt locker um die Hüfte. Bei letzterem verschwindet die Pumpe samt Schlauch komplett unter der Kleidung (bei mir im Hosenbein), selbst wenn ich das T-Shirt in die Hose stecken würde.
    Zudem gibt es spezielle Unterwäsche für Pumpenträger: Unterhosen, Unterhemden, für Frauen auch BHs mit spezieller Pumpentasche. Diese sind preislich schon nicht grade so billig, aber vllt wäre das was für dich. Wenn es dich interessiert, schick ich dir diesbezüglich den Link per PN, hier wird er sonst wieder wegen angeblicher Werbung gelöscht. Oder du googlest einfach selbst "Kleidung Insulinpumpe" da kommt dann schon was.
    Hierbei wäre es allerdings sinnvoll eine Pumpe mit Fernbedienung/Handyapp zu wählen, damit man nicht ständig an die Pumpe muss. Wirklich funktionsfähige Fernbedienung/App haben meines Wissens nur die DANA RS, Accu Chek Insight und Accu Chek Combo.

    Es gibt verschiedene Schlauchlängen: 45cm, 60cm, 80cm und 110cm (nicht jeder Hersteller bietet alle Schlauchlängen für sein Pumpenmodell an). Was ich damit sagen möchte, je kürzer der Schlauch, umso weniger besteht die Gefahr, dass er mal irgendwo in der Arbeit oder so, störend aus der Kleidung raushängt. Andererseits liebe ich persönlich längere Schläuche, da man sich da auch im Bett überhaupt nicht angebunden fühlt. Kann mich um 360 Grad drehen, Pumpe liegt irgendwo im Bett und stört auch nicht. Also da gibt es dann auch verschiedene Möglichkeiten, die man dann testen kann.

    Zudem gibt es momentan eine einzige Patch Pumpe (schlauchlose Pumpe) von OmniPod. Darüber kannst du dich auch mal informieren und am besten versuche beide Pumpenarten als Schlauch- und Patchpumpe probezutragen. Von OmniPod gibt es so ein DemoKit Pod, denn du dir einfach so auf die Haut kleben kannst ohne Nadel etc. um das Tragegefühl zu testen. Der OmniPod hat natürlich auch Nachteile. Darüber solltest du dich auch informieren.

    LG July
  • Rang: Anfänger
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    Beiträge: 2
    Mitglied seit: 20.08.2020
    am 21.08.2020 18:10:50 | IP (Hash): 636441979
    Hallo July!

    Danke für deine umfangreiche Antwort! 👍

    Für mich ist es so, das ich gerne der Pumpe eine Chance geben würde, wenn es für mich praktikabel ist.
    Nachdem ich nun noch einiges gelesen habe, ist eine Pumpe mit Schlauch jedoch genau das Gegenteil. Sie würde mich in einigen Dingen in meinem Alltag doch extrem stören. Hilfsmittel wie pumpen Unterwäsche lehne ich jedoch ab, da ich nicht einsehe auf biegen und brechen die Pumpe zu nutzen. Entweder es passt so wie es ist, oder halt nicht.
    Von meinem Arzt wurde mir wie du sagtest die Medtronic, aber auch die t-slim x2 vorgeschlagen, da sie mit dem cgm kommunizieren können.
    Die einzige Pumpe die jedoch für mich nach meinem Recherchen in Frage kommen würde ist die Omnipod Dash. Da sie mit meinem Dexcom kommunizieren können soll und als Patch pumpe für mich die einzige praktikable Lösung ist.
    Deswegen werde ich wohl abwarten bis diese hier verfügbar ist.
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    Beiträge: 187
    Mitglied seit: 14.05.2016
    am 28.08.2020 17:51:58 | IP (Hash): 1056148265
    Ich trage seit 10 Jahren eine Pumpe mit Schlauch (70 cm), seit 4 Jahren AccuCheck Insight. Damit arbeite ich bei Bauarbeiten und bei Waldarbeiten ohne Probleme.
    Die Pumpe trage ich im Sommer nicht im Halter sondern in der rechten Hosentasche, die "übrige Schlauchlänge" wird vom Slip gehalten.
    Wenn ich im Winter Latzhose trage, dann benutze ich eine Pumpentasche die mit Klett in Höhe der Brusttasche innen befestigt ist.
    Omnipod hat mir nicht zugesagt, weil ich mit den Armen bei Reparaturen immer mal irgend wo rein fassen muss und mir so z. B. auch den Libre abreiße.

    Reiner
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    Mitglied seit: 11.02.2019
    am 30.08.2020 20:58:02 | IP (Hash): 409965926
    Hallo,

    ich würde dir trotz allem unbedingt empfehlen, beide Varianten Schlauch- und Patch-Pumpe probezutragen.

    Es gibt Menschen, die sagen, sie können sich eine Schlauchpumpe nicht vorstellen. Da gehörte ich auch dazu und dann beim Probetragen merken, der OmniPod ist total unpraktisch und die Schlauchpumpe stört einem persönlich nicht.
    Andererseits gibt es Menschen, die auch nach dem Probetragen eine Schlauchpumpe ablehnen und nur eine Patch Pumpe wollen.
    Darum unbedingt probetragen.

    Wenn das Thema Pumpe momentan nicht super aktuell bei dir ist, kannst du dich ja mal informieren, welche Pumpen demnächst noch auf den Markt kommen.
    Accu Chek hat auch eine Patchpumpe Accu Chek Solo, die bereits in der Schweiz? oder so auf dem Markt ist. Nach Deutschland soll die natürlich auch mal kommen.
    Zudem gibt es die Medtrum Patchpumpe mit zugehörigen CGM. Momentan wegen Klage auf Patentverletzung großteils vom Markt verschwunden, aber wie sich das entwickelt, muss man schauen.

    Eine sehr interessante Pumpe ist zudem die Kaleido Pumpe. Das ist zwar theoretisch eine Schlauchpumpe, ABER diese hat ultrakurze Schläuche, so dass die Pumpe, wie eine Patchpumpe an die Haut geklebt werden kann.

    Generell tut sich momentan sehr sehr viel richtig Hybrid Loop Systeme. Gefühlt jeder Pumpenhersteller schließt mit irgendeinem CGM-Gerät oder sogar mehreren eine Partnerschaft ab.
    Deshalb sollte man - wenn man abwarten kann und die ICT kein Leidensdruck macht - sich informieren, welche Pumpen denn für die nähere Zukunft noch so geplant sind und dann ggf. auf die Wunschpumpe noch etwas warten.
    Eine Pumpe trägt man in der Regel bis sie defekt ist, mindestens jedoch 4 Jahre. Ausnahme ein neueres System würde dann deutlich eine Therapieverbesserung darstellen und da wird es schwierig, dass zu begründen.