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Blutzuckerspitzen und Gefahr für Folgeerkrankungen

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    Mitglied seit: 20.02.2019
    am 12.08.2019 15:37:42 | IP (Hash): 564102661
    Hallo zusammen,

    bei mir wurde im Februar Typ-1 diagnostiziert, zum Glück offenbar sehr früh. Meine Nüchternwerte lagen da bei 155. Seitdem spritze ich spät abends 8 Einheiten Basalinsulin und jetzt hoffe ich, dass das noch lange so bleibt. Meine Diabetologin meint, dass ich ein LADA sein könnte. Mein HbA1C liegt im Moment bei 5,5.

    Jetzt bin ich leider zugleich herzkrank (stark vergrößertes Herz, Herzinsuffizienz) und habe Panik, dass irgendwelche Folgeerkrankungen aufs Herz gehen. Das möchte ich tunlichst vermeiden und habe schon Angst, wenn der Blutzucker auch mal für nur 2-3 Stunden auf über 250 geht. Das kam letzte Woche einmal vor: Um 18 Uhr gabs genau 225g Udon-Nudeln in einer asiatischen Suppe. War fast kein Fett dran. Danach ab auf die Couch und die Beine hochgelegt. Nach 2 Stunden war ich bei 275... bin dann raus in die Wälder und bin ne Stunde Wandern gegangen, danach war ich bei 140. Ich glaube ich esse Nudeln wohl besser nur noch mit viel Öl...

    Sind solche Spitzen für diese kurze Zeitspanne ok oder stellen die auch schon ein erhöhtes Risiko dar, eine Folgeerkrankung zu bekommen? Klar, es geht da eher um Langzeitschäden... da zählt wohl eher der HbA1C. Gleichzeitig habe ich vielleicht Glück, weil man Blutdruck eher sehr niedrig ist und Schäden eher durch Bluthochdruck entstehen, gerade an den Augen...
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    Mitglied seit: 13.05.2016
    am 12.08.2019 19:27:27 | IP (Hash): 550945431
    Hallo,
    ja, dein LADA ist offensichtlich sehr früh entdeckt worden.
    Bei mir war das anders, bin mit BZ 400 tagsüber aufgefallen, der Hb1c-Wert lag bei ca. 8.

    Die möglichen Folgeerkrankungen haben mir auch sehr viel Angst gemacht, eben Augen und Erhöhung des Herzinfarkt-Risikos u.a.
    Mein Diabetologe hat mir versichert, wenn man als 1er die Blutzuckerwerte gut in den Griff bekommt, droht so etwas nicht. Typ 2er haben da eher ein Problem, da ev. weitere Risikofaktoren eine Rolle spielen können wie Metabolisches Syndrom
    https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/metabolisches-syndrom/was-ist-ein-metabolisches-syndrom/

    Ich selber wurde sofort auf schnellwirkendes Mahlzeiteninsulin eingestellt, muss also zu den Mahlzeiten spritzen.
    Das hat den Vorteil, daß man mit einer kleinen Menge Korrekturinsulin den BZ nach unten bringen kann.
    Aber selbst dieses gelingt nicht von jetzt auch gleich, da selbst bei dem schnellen Insulin die Wirkungszeit beachtet werden muss, sowohl zu den Mahlzeiten als auch zur Korrektur.
    4 h muss ich eigentlich warten, aber nach 3 h messe und korrigiere ich ggfs..

    Da ich eher ein Hypoproblem habe (zu tiefe Werte), hat mein Arzt mir geraten, bewusst auch hohe BZ-Werte zuzulassen (auch weit größer als 200), um Unterzuckeranzeichen wieder besser körperlich spüren zu können.
    Werte über der Nierenschwelle ca. 180 machen mich persönlich nervös, meinen Arzt nicht.
    Solange der HbA1c-Wert stimmt - aktuell 5,7 - hinterfragt er diese nicht, auch so Ausrutscher bis an die 300 nicht.

    Als Diabetiker geht man üblich alle 3 Monate zum Arzt - da wird dann aktueller Blutzucker, Langzeitwert bestimmt, der Blutdruck gemessen, manches mal auch Urin per Teststreifen auf Eiweiß (Nierenfunktion) bestimmt.
    1 x pro Jahr wird ein Blutbild erstellt, mit allen relevanten Werten wie auch Blutfette u.a., die zusätzlich ein Risiko sein können für Herz/Kreislauf u.a.
    Wir werden also bestens betreut als manch anderer vermeintlich Gesunder.
    Und mein Arzt hat mir nicht Zuviel versprochen: Nach mittlerweile 18 Jahren nach Diagnose habe ich keinerlei Folgeerkrankungen aufgrund des Diabetes.

    Wie du schon vermutest, spielt die Zusammenstellung der Mahlzeiten eine große Rolle.
    Dabei geht es darum, Blutzucker gleichmäßig zu halten durch nicht zu schnellen Übergang der Kohlenhydrate.
    Verlangsamend wirkt sich nicht nur Öl (Fett im allgemeinen) aus, sondern auch Eiweiß.
    Und nicht zu vergessen: Ballaststoffe = pflanzliche unverdauliche Faserstoffe
    Kann sein ev. Gemüse, Salat (vor deiner Nudelsuppe), Samen in Brot oder Müslibestandteil u.a.m.
    Das lernt sich, ev. kannst du an einer Schulung teilnehmen.

    Gruß Elfe
    Bearbeitet von User am 12.08.2019 19:31:43. Grund: Format
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    am 12.08.2019 21:22:18 | IP (Hash): 1929080784
    Gwaihir79 schrieb:
    Sind solche Spitzen für diese kurze Zeitspanne ok oder stellen die auch schon ein erhöhtes Risiko dar, eine Folgeerkrankung zu bekommen? Klar, es geht da eher um Langzeitschäden... da zählt wohl eher der HbA1C.

    Hallo Gwaihir,

    ja, sehr wahrscheinlich schaden solche BZ-Spitzen. Es gibt Studien, die große BZ-Schwankungen besonders mit Augenschäden und HKE in Verbindung bringen. Das HbA1c stellt solche kurzfristigen großen Schwankungen nicht dar und ist deshalb kein idealer Parameter. Allerdings gibt es noch nichts besseres, das auch praktikabel genug wäre. Neuerdings groß im Gespräch ist der Parameter TIR - Time in Range, der mit kontinuierlichen BZ-Messung ermittelt werden kann.

    Du musst allerdings gut unterscheiden, ob du diese großen Schwankungen bei jeder Mahlzeit zulässt oder ob sie nur manchmal als Ausnahme auftreten. Wenn solche großen Schwankungen bei dir nicht allzu oft auftreten und du normal deinen BZ möglichst gleichmäßig führst, wird dabei ganz bestimmt nichts Schlimmes passieren.

    Alles Gute, Rainer

    ____
    Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
    Bearbeitet von User am 12.08.2019 21:22:52. Grund: .
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    am 13.08.2019 01:20:04 | IP (Hash): 550945431
    Kurzzeitige Spitzen schaden mir jedenfalls nicht, wie beschrieben.
    BZ-Schwankungen sind generell nicht gut - bes. Augen.
    War bei mir Grund, warum der hohe BZ-Ausgangswert per Insulin langsam gesenkt wurde.
    Auch bei der jährlichen augenärztlichen Untersuchung schaden der Netzhaut bes. die Schwankungen = BZ-Unterschiede = Delta.
    Was uns im Privatleben als 'Studie' untergeschoben wird, ist für mich höchst ärgerlich.
    Da lese ich in der Zeitung 'Studie' mit paar Leuten und dann 'Prüfpräparat' Dingenskirchen
    - sollte per Werbung oder Anzeige gekennzeichnet werden !

    Eine Studie hat ganz klare gesetzlichen Vorgaben: Personenanzahl …, Dokumentation mit bestimmten Vorgaben … die bei behördlicher Kontrolle vorgelegt werden müssen.
    Der HbA1c ist ein Indikator, um indirekte Vorgänge irgendwie bestimmbar machen zu können.
    Das ist die eigentliche Frage, wie kann man Parameter als Anzeiger eindeutig bestimmen, um dann wirklich eine klare Aussage treffen zu können.
    Gar nicht so einfach. Mal reicht ein Indikatorpapier, der beim Diabetiker die Eiweißausscheidung per Farbe anzeigt, mal umfangreiche Blutuntersuchungen - aber auch diese unterliegen gewissen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen = Chemie, Physik, Biologie.

    Die wirklichen Studien der Firmen in Forschung & Entwicklung liegen im Tresor und sind öffentlich gar nicht recherchierbar! (Mein Beruf)
    Bearbeitet von User am 13.08.2019 01:23:22. Grund: .
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    am 13.08.2019 12:07:50 | IP (Hash): 160461731
    Hinzu kommt, dass das ordentliche Studiendesign ganze Ergebnisbereiche von vornherein ausschließt. So geht Goldstandard doppelt blind für Menschen mit Diabetes mit dem Blutzucker im völlig gesunden Bereich überhaupt nicht. Denn den BZ im gesunden Bereich kann ausschließlich die jeweils betroffene Person ganz bewusst und gezielt selbst für sich steuern.
    Wer den gesunden BZ trotzdem doppelt blind versucht, bekommt das ACCORD Ergebnis, nach dem gesunder BZ für Menschen mit Diabetes tödlich sein muss.

    Und dann kann man studienmäßig ordentlich auch grundlegende einfache Sachverhalte einfach ausblenden, z.B. die vermehrte Ausgabe von intaktem Proinsulin bei Beta-Zellen im Dauerstress. Proinsulin ist die Produktions-Kombi aus C-Peptid und Insulin, die vor der Ausgabe an den großen Logistiker Blutkreislauf ordentlich getrennt wird. Wird die Kombi ungetrennt ausgegeben, hat sie nur 10% der BZ-Wirkung vom ordentlich getrennten Insulin.
    Ungetrennt wird vor allem unter BZ-Stress ausgegeben, und damit verstärkt sich die ungetrennte Ausgabe dann praktisch selbst. Werden die Betas mit Insulin von außen entlastet wie z.B. zu Anfang jeder ordentlichen T1 Behandlung, reicht es wieder für die ordentlich getrennte Ausgabe und damit häufig auch für eine mehr oder weniger lange Zeit für den völlig normalen BZ mit sehr wenig oder völlig ohne Insulin aus dem Pen.

    Für LADA-Anfänger, die möglichst lange von dem abnehmenden Rest ihrer Betas profitieren wollen, ist das sehr interessant, und vor allem auch, dass sie diesen Rest besonders wirksam mit dem BZ möglichst viele von 24 Stunden im völlig gesunden Bereich schonen können.

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    Alle Aussagen bezüglich Diabetes und Behandlung in diesem Beitrag sind mutmaßlich, denn ich bin kein Arzt. Genauso wie ich von einem mutmaßlichen Mörder schreiben muss, wenn ich gesehen hab, wie einer einen anderen erschossen hat. Denn zum Mörder darf den nur zum entsprechenden Ende eines ordentlichen Verfahrens ein ordentlicher Richter ernennen ;)
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    am 15.08.2019 12:07:47 | IP (Hash): 564102661
    Habe gestern mal ein Experiment gemacht, es war erfolgreich: Etwa 100g (Trockengewicht) Nudeln mit Fleisch, die Nudeln am Ende nochmal durch Olivenöl aus der Pfanne geschwenkt. Der BZ stieg von 90 auf nur 115 nach 2 Stunden, nach 4 Stunden war er bei 81. Unglaublich, wie viel Öl ausmacht... so kann ich die Spitzen natürlich prima vermeiden.
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    am 15.08.2019 13:26:54 | IP (Hash): 234176325
    SUPER! Ausprobieren und beibehalten, was passt! Weiter so :)

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    Alle Aussagen bezüglich Diabetes und Behandlung in diesem Beitrag sind mutmaßlich, denn ich bin kein Arzt. Genauso wie ich von einem mutmaßlichen Mörder schreiben muss, wenn ich gesehen hab, wie einer einen anderen erschossen hat. Denn zum Mörder darf den nur zum entsprechenden Ende eines ordentlichen Verfahrens ein ordentlicher Richter ernennen ;)
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    am 16.08.2019 00:20:09 | IP (Hash): 550945431
    Gwaihir79 schrieb:
    Habe gestern mal ein Experiment gemacht, es war erfolgreich: Etwa 100g (Trockengewicht) Nudeln mit Fleisch, die Nudeln am Ende nochmal durch Olivenöl aus der Pfanne geschwenkt. Der BZ stieg von 90 auf nur 115 nach 2 Stunden, nach 4 Stunden war er bei 81. Unglaublich, wie viel Öl ausmacht... so kann ich die Spitzen natürlich prima vermeiden.


    Möchte dich in Deiner Einschätzung ein wenig korrigieren: Es ist nicht nur unbedingt das Öl, sondern eben auch das Fleisch - nicht nur als Eiweißlieferant, sondern die Faserstruktur des Fleisches dauert per Aufschließen schon mehr Zeit.
    Zu Nudeln, die so gern magst, kannst du über Käse-Sahne-Soße ähnlich gute BZ-Ergebnisse erwarten.
    Kommt darauf an, die Kohlenhydrate in Wirkung zu Übergang in Blutbahn zu bremsen.
    Da gibt's schon noch Möglichkeiten, Gusto und Blutwerte in Einklang zu bringen.