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am 10.09.2021 14:19:28
Mitglied schrieb:

Versuche das einmal jemandem zu erklären, der unter einer Sucht leidet. ;-)



Das ist ja die Krux.
Meist fühlen die nahestehenden Menschen das Leid, der Betroffene selbst jedoch leidet nicht unter seiner Sucht. Er ärgert sich nur, dass man ihn nicht "in Ruhe sein Ding machen läßt" und ihn nervt.
Es gibt etwas das sich Krankheitsgewinn nennt. So lange der vermeintliche Gewinn.. und wenn er auch nur aus angenehmen Glücksgefühlen besteht, überwiegt, wird kein Leid empfunden.
Oder empfundes Leid nicht der eigenen Sucht zugeschrieben.
Es muß "Klick" machen.
Ob und wann ein "Klick" auftaucht steht dabei in den Sternen.
Tatsächlich weiß keiner warum es einige Menschen schaffen aus einem Suchtverhalten auzusteigen und
andere nicht. Wieder andere ewig Karussel fahren, mit "guten und schlechten Zeiten".
Einen generellen Ausstieg aus der Sucht gibt es nicht, man kann nur sein Suchtverhalten einstellen und die Suchtstoffe meiden. So lange ruht dann auch die Sucht. Fängt man wieder an , ist man wieder mittendrin. Und fährt Karussel.

Mitglied schrieb:
Sowohl das warnende Zureden von Ernährungsexperten im Krankenhaus als auch im Privatbereich hilft da nicht,



Eine Sucht, das Wesen einer Suchterkrankung muß verstanden werden.
Warnen hilft nichts.
Jeder Mensch muß seine eigenen Lebenserfahrungen sammeln,
das kann ihm keiner abnehmen oder für ihn übernehmen.
Und wer will schon suchtkrank sein oder als suchtkrank angesehen werden ?
Bevor ein Mensch nicht für sich selbst begreift, begreifen/erkennen will, dass er suchtkrank ist
und dies, so schmerzhaft eine solche Erkenntnis/Bewußtwerdung auch ist ,
nicht akzeptiert, (also im Grunde nicht selbst akzeptiert ,mit all seinen Anteilen)
wird es m.E. nicht Klick machen können.
Die Voraussetzungen dafür fehlen dann einfach.

Eine Selbsterkenntnis führt danach jedoch nicht in eine automatische Verhaltensänderung.

Der Mensch kann auch versuchen sich mit seiner Sucht zu arrangieren
und seine Sucht (vergeblicherweise) immer wieder erneut versuchen zu kontrollieren.
Abstinezverhalten - "Belohnung" - darauf folgender Kontrollverlust (früher oder später) :
Denn wenn eine Dosis des Suchtstoffes einmal keine großen Auswirkungen hatte, dann .. die nächsten ja auch nicht ?
Was dann zu besagter Karusselfahrt führt:
Abstinenzverhalten-"Belohnung"- Kontrollverlust- Abstinenzverhalten-"Belohung" ( .. "zum durchhalten und irgendwann muß es doch mal klappen die Droge kontrollieren zu können") - Kontrollverlust - Abstinezverhalten , etc .- und ewig grüßt das Murmeltier.
Die Karusselfahrt immer schön begleitet vom Gefühl des immer wieder Versagens.
Mal steigt man auf, mal ab und dreht sich dabei im Kreis.
Während die Schäden, die mit einer Sucht einher gehen, immer weiter voran schreiten.
Alle Mühe vergebens, weil nicht eingesehen oder akzeptiert oder begriffen wird,
das es ebene keine Heilung bei einer Suchterkrankung gibt.
"Nur" ein aussteigen und ausgestiegen bleiben.

Die Vorstellung ohne Suchtmittel zu leben erscheint einem Süchtigen grausam.
Er kann sich nicht vorstellen ohne "den Partner Sucht",
den er liebevoll Zuckerschnecke oder sonstwie nennt, zu leben.
Zynischer Weise vermittelt die Sucht auch noch Geborgenheit.

Und damit hat der süchtige Mensch sogar recht, er kann es sich nicht vorstellen.

Darum gibt man süchtigen Menschen auch zu bedenken,
dass sie es sich gar nicht erst versuchen sollen ,sich ein Leben ohne ihr Suchtmittel vorzustellen.
Denn das lenkt nur ab, entmutigt, weckt Ängste. Und ist nicht vorstellbar.
Der Rat für suchtkranke Menschen lautet daher : Versuch dir nicht dein Leben ohne xxxx vorzustellen, sondern lebe es einfach ohne xxxx . Tag für Tag.
Irgendwann kannst du dann zurück blicken und weißt wie es ist, ohne xxxx zu leben.
Die Chance xxx erst gar nicht mehr zurück zu wollen und zu erkennen wie man getäuscht, belogen und betrogen wurde durch xxxx .Und man feststellt ohne xxxx viel glücklicher zu sein ist ausreichend vorhanden.

Es braucht keine Vorstellungskraft, nur den Mut zu handeln.

Den treuen Partner Sucht aufzugeben kann zu enormen Verlustängsten
und Gefühlen der Einsamkeit führen.
Außerdem muß Mensch auch noch erlernen oder neu lernen mit seinen Gefühlen klar zu kommen
und diese ohne das Suchtmittel tatsächlich verarbeiten zu lernen.
So viel zu den psychischen Aspekten einer Sucht.

Die körperlichen Aspekte sind auch noch vorhanden.

Insgesamt keine einfache Angelegenheit sich selbst am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen.
Ist wie laufen lernen.
Erst krabbeln, dann hochziehen und sich fest haltend aufrecht stehen.
Die ersten wackeligen Schritte, mit auf den Hintern plumpsen und auf die Nase fallen - ist garantiert.
Man muß immer wieder aufstehen,
bis man es endlich gelernt hat frei und selbstständig zu laufen.
Und selbst dann kann man hinfallen und sich das Knie aufschlagen.
Zum Schluß der abgedroschene Kalenderspruch: Der Weg ist das Ziel.
Das Ziel Heilung gibt es nicht.
Einen echten Willen seine Sucht zu bekämpfen kann ein süchtiger Mensch erst entwickeln,
wenn er es geschafft hat eine gute Weile von seinem Suchtstoff die Finger zu lassen
und den Suchtdruck überwunden hat.
Und hernach alles dafür tut diesen nicht mehr aufkommen zu lassen.
Und sollte der doch kommen, diesen ignoriert, bis er wieder abhaut.
Einfacher geagt als getan, aber da führt kein Weg dran vorbei.
Ohne eine gewisse Härte gegen sich selbst ,
wird man keinen Erfolg ( Stop/ lahm legen der Suchterkrankung) für sich gewinnen können.
Eine Sucht kann man nur auf eine Weise beherrschen,kontrollieren und dominieren -
Man läßt die Finger vom Suchtstoff und hält einen Suchtdruck aus.
Auch wenn die ganze Welt um einen herum säuft, frisst , raucht und sich sonstwas in den Körper jagdt.
Man muß nicht immer blindlings mit der Herde mitlaufen.
Und dabei versuchen seine Sucht zu verstecken und versuchen unauffällig zu sein.
Bei manchen mag das ein Leben lang funktionieren, bei der Mehrheit klappt das nicht.

Irgendwann muß man seinen Rücken strecken, sich gerade machen
und seinen eigenen, holprigen, Weg gehen .. oder auch mal kriechen, egal.
Dann kriecht man halt mal, so kommt man auch auf seinem eigenen Weg voran.



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