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Schwankende Werte, Typ 1

  • Gast

    Rang: Gast
    am 26.02.2014 18:19:27
    Hallo,

    hier ist Elisabeth, ich hatte vor Kurzem schon mal geschrieben (zu den 300er-Werten nach dem Essen). Ich habe jetzt ganz "offiziell" die Diagnose Typ 1-Diabetes (es wurden Antikörper getestet (positiv) und noch irgendein Wert, auf jeden Fall ist es eindeutig). Im Grunde komme ich (zumindest psychisch) ganz gut damit klar, habe mich relativ schnell damit abgefunden. Da ich so im Prüfungsstress war (und immer noch ein bisschen bin, zumindest in den letzten Zügen), lief der Diabetes eher so nebenher mit, mittlerweile verzweifle ich aber doch ein bisschen. Ich dachte, dass sich die Werte mit der Zeit normalisieren würden, aber anscheinend bekomme ich das überhaupt nicht hin.

    Die Werte schwanken ständig und teilweise wirklich extrem, das macht mich teilweise schon fast wütend, weil ich mich ein bisschen hilflos fühle. Ich mache alles so, wie ich es gelernt habe, spritze morgens und abends mein Langzeitinsulin und berechne mit den BE-Faktoren mein schnellwirkendes Insulin. Das Essen wiege ich, wenn ich zuhause esse, immer ab, daran kann es also auch nicht liegen.

    Morgens wache ich meistens mit viel zu hohen Werten auf (meistens so um die 220-300), manchmal aber auch mit um die 70. Und über den Tag verteilt habe ich vor dem Essen mal 50, mal 180 und mal 300. Das kann doch nicht normal sein, oder? Mein Arzt meint, dass es eine Weile braucht, bis sich alles eingependelt hat und wir die "richtige "Einstellung machen können, weil meine Beta-Zellen momentan noch "mitarbeiten". Ich kann das irgendwie nicht so richtig akzeptieren, weil ich immer den Eindruck habe, etwas "dagegen" machen zu müssen... ich habe ein Buch dazu gelesen, weiß auch theoretisch, wie ich die Faktoren anpassen kann, mich bei Sport usw. verhalten muss, aber da ja alles ständig so sehr schwankt, finde ich keinen Ansatzpunkt.

    Habt ihr irgendeinen Tipp für mich? Oder vielleicht auch nur ein paar Erfahrungswerte? Mich nervt es so, weil ich die Diagnose eigentlich recht schnell akzeptiert habe und dachte, mich würde das Ganze gar nicht belasten... was es im Grunde auch nicht tut, wenn nur die Werte nicht immer so schwanken würden.

    Vielleicht musste ich das auch einfach mal loswerden... vielen Dank auf jeden Fall schon mal!
    Liebe Grüße,
    Elisabeth
  • Bild User
    Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 8857
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 26.02.2014 20:04:08
    Moin Elisabeth,

    super, dass Du dich wieder meldest, dass die Prüfungsgeschichte wohl einigermaßen erträglich läuft und dass Du mit Deinem Diabetes in groben Zügen doch recht klar kommst. Über weiteren BZ-Schwankungen verzweifeln praktisch alle INSULINER zu Anfang. Denn es gibt kein Insulin, das sich an seine Standard-Wirkkurve hält, und es dauert halt Wochen bis Monate, bis man einigermaßen raus hat, wie das denn bei einem persönlich funktioniert.

    Als erstes hat mich damals geschockt, dass das schnelle Insulin bei mir passend gespritzt um die 6-7 Stunden bis zum Wirkauslauf brauchte. Also um 7 zum Frühstück gespritzt war's um 13-14 Uhr schließlich einigermaßen fertig. Dabei hatte dann aber mein BZ mit Start um 7 bei 100 mit 4 BEs einen Ausflug weit über 200 gemacht und war dann eben um 13-14 Uhr so rum bei um 100 zurück und ist dann auch nicht weiter gesunken.

    Hat allerdings einige verzweifelte Wochen gedauert, bis ich mir für einige solche systematischen Durchgänge mal die Zeit genommen hab. Und natürlich hab ich nicht einfach so einen ganzen Vormittag Ruhe gehabt, warum auch? Hab also, wo ich mir schon die Beobachtung zuhause verordnet hatte, selbstverständlich mal eben zwischendurch den Einkauf im Supermarkt erledigt - und mich anschließend über nen sehr viel kürzeren und tieferen Wirkverlauf gewundert. Und es hat mehrere solche Male gebraucht, bis ich den mit der Bewegung beim Einkaufen in Verbindung gebracht hab.

    Ok, mit dem schnellen Analog-Insulin hat sich die Zeit bei mir auf 3-4 ohne Bewegung verkürzt. Aber auch das ist ja noch immer eine verhältnismäßig gigantische Reaktionszeit auf das Essen. Wobei ich die Zeit natürlich auch mit etwas Bewegung verkürzen und die Wirkung locker um den Faktor 2 intensivieren kann.
    Und so ähnlich hab ich auch das Basale bei mir systematisch beobachtet und mit der Zeit immer passender eingerichtet.

    Übrigens hat mich die Beobachtung immer nur dann weiter gebracht, wenn ich wirklich engmaschig ALLES aufgeschrieben hab. ALLES deswegen, weil ich die ersten Monate sowieso und die ersten Jahre immer noch nicht alles automatisch drauf hatte, was meinen BZ schließlich bewegt hat. Denn das ist ja nicht immer bloß der aktuelle BZ, sondern das sind die wenigstens 5 Stunden Vorlauf, die dazu geführt haben und die die nächsten 5 Stunden sehr entscheidend mit bestimmen. Das haben viele schon immer gewusst, aber das ist nun auch eine der großen Lehren aus den Projekten mit dem künstlichen Pankreas, in denen ein Computerprogramm nach der kontinuierlichen Messung eine Insulinpumpe steuert und das schon recht passabel schafft.

    Bisdann, Jürgen
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 0
    Beiträge: 200
    Mitglied seit: 01.01.2014
    am 27.02.2014 14:41:55
    .
    Bearbeitet von User am 03.02.2016 01:21:08. Grund: .
  • Gast

    Rang: Gast
    am 27.02.2014 16:24:12
    Danke euch!! Es beruhigt mich schon mal, dass es euch da wohl ähnlich geht. Meine Schwester hat ja auch Diabetes, bei ihr war am Anfang alles ziemlich chaotisch, trotzdem nervt es mich gerade so sehr, weil ich mich manchmal so fühle, als würde ich selbst daran schuld sein, dass ich es nicht hinbekomme... vor allem, weil ich mir schon relativ viel angelesen habe und es "in der Theorie" weiß, nur einfach nicht umsetzen kann. Und wahrscheinlich auch, weil ich mich so hilflos fühle. Ich finde keine Muster und damit komme ich gerade nicht so gut klar. Das einzige, was ich bis jetzt herausgefunden habe, ist, dass ich an den Klausurtagen so gut wie nie unter 300 komme, da scheint dann wohl sehr viel Adrenalin ausgeschüttet zu werden. Ansonsten habe ich keinen Plan. Heute morgen bin ich z.B. mit 53 aufgewacht, gestern mit 252, ohne dass ich mir das irgendwie erklären könnte (an beiden Vorabenden habe ich ein Käsebrot gegessen, auch keinen Sport gemacht, nicht sonderlich viel Stress gehabt (zumindest nicht mehr als sonst)). Was aber wahrscheinlich stimmt ist, dass ich diese kleinen "Bewegungseinheiten" (kurz einkaufen gehen, mit dem Fahrrad in die Stadt fahren) nicht "einberechne", vielleicht spielt das ja auch eine Rolle.

    Mein Diabetologe meinte auch schon, dass ich etwas geduldiger sein soll - das ist nur leider überhaupt nicht meine Stärke... :( Ich hoffe jetzt ja schon fast, dass die Betazellen bald komplett weg sind, damit es dann vielleicht nicht mehr ganz so viele "Überraschungen" gibt...

    Also: danke nochmal und viele Grüße,
    Elisabeth

    Ach ja, C-Peptid war der andere Wert neben den Antikörpern (danke, Poth), der ist bei mir schon ziemlich tief...
  • Gast

    Rang: Gast
    am 27.02.2014 19:26:01
    Hallo Elisabeth
    Ich finde es klasse wie Du mit der ganzen Sache umgehst; schreibst nebenbei Deine Klausuren, machst alles weiter, kümmerst Dich um Deinen Diabetes nebenher und bist Dich nicht am beklagen; Du kannst unglaublich stolz auf Dich sein und wenn Du es nicht bist, ich bin es auf Dich. Respekt!!!!!!
    Gruß Nils
  • Rang: Erweitertes Mitglied
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    Beiträge: 5074
    Mitglied seit: 25.02.2011
    am 28.02.2014 09:40:06
    Hallo Elisabeth,

    ich schließe mich Nils an und versuche mal, dir ein bisschen Geduld rüber zu schieben.

    Schade, dass bei dir nichts mit einer längeren Remissionsphase geworden ist. Die hilft anderen Typ-1ern sehr gut, sich in die Spritzerei einzugewöhnen, weil Fehler keine allzu großen Auswirkungen haben. Bei dir meldet sich die Remission offensichtlich an manchen Tagen an und dann wieder ab. Dadurch hast du keine Erleichterung, das richtige Spritzen wird es sogar noch zusätzlich erschwert. Da kommst du wirklich nur mit einer großen Portion Geduld und Gelassenheit durch.

    Du brauchst dich vor den hohen Werten aber nicht zu fürchten. Außer, dass dadurch die restlichen Betazellen vielleicht etwas schneller gekillt werden, passiert während der paar Monate nichts schlimmes. Sieh jetzt erst mal zu, dass du Hypos möglichst vermeidest und kümmere dich später um den flachen und niedrigen BZ-Verlauf, wenn dein BZ berechenbarer geworden ist. So wie du das angehst, schaffst du das auf jeden Fall.

    LG Rainer
  • Gast

    Rang: Gast
    am 01.03.2014 21:41:29
    Hallo :)

    Vielen Dank nochmal, vor allem an Nils und Rainer, es tut gut zu lesen, dass zumindest ihr es gut findest, wie ich das mache ;) Ich selbst bin da leider noch nicht soweit und werde jetzt einfach mal versuchen, etwas mehr Geduld mit mir und meinem Körper zu haben.

    Zum Glück habe ich gestern die letzte Prüfung hinter mich gebracht :), danach waren wir feiern, was wohl überhaupt nicht gut war (ich habe gestern abend zum Abendessen weniger gespritzt, weil Alkohol ja den BZ senkt. Dafür gibt es ja keine festen Angaben, oder? Ich habe dann einfach mal ein bisschen gekürzt, hatte den ganzen Abend über aber Werte zwischen 250 und 300 (den ganzen Tag eigentlich schon). Ich habe dann um 1 noch eine Kleinigkeit gegessen und dafür ein kleines bisschen gespritzt. Das war wohl irgendwie zu viel (oder der Alkohol wirkte dann doch extremer), weil ich so gegen 3 dann einen BZ von 42 hatte :( Ich habe extra nur so viel getrunken, dass ich noch reagieren kann, habe dann auch Traubenzucker gegessen und danach irgendwann noch eine halbe Brezel. Ins Bett bin ich gegen halb 5 mit 158 und heute morgen aufgewacht mit 354 (???). Ich glaube, dass das Basalinsulin für die Nacht irgendwie von der Menge nicht stimmt, weil ich morgens nie mit guten Werten aufwache, entweder ich bin eher knapp bei 60-70 oder viel zu hoch mit über 250, was ich sehr merkwürdig finde. Aber zumindest bin ich froh, dass ich diese gestrige Nacht relativ gut überstanden habe ;) (es war auch wichtig, mir den ganzen Druck mit Prüfungen und dem Diabetes mal wegzutanzen ;)) und habe jetzt ja auch ein bisschen mehr Ruhe und Zeit, um mich noch mehr mit den Werten zu beschäftigen und so vielleicht doch irgendwelche "Muster" zu erkennen.

    So, ich werde ich jetzt mal schlafen gehen nach den paar Stunden Schlaf letzte Nacht ;)
    Gute Nacht!
    Elisabeth