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DM1Diabetes
Rang: Gastam 17.04.2015 19:48:55
Zur Historie der Diabetikerversorgung und der Arbeit der Selbsthilfe für Diabetiker in Deutschland
Im Jahre 1931 gab es kein Insulin für Diabetiker und das, obwohl Insulin zur Diabetestherapie bereits bekannt war. Die Therapieempfehlung lautete damals:
keine Kohlenhydrate, viel Fett essen und viel schwere körperliche Arbeit. Im Angesicht dieser Bedrohung für Leib und Leben der Diabetiker gründete sich bereits 1931 in Berlin die erste Selbsthilfevereinigung für Diabetiker mit dem Namen „Deutscher Diabetiker Bund“, zunächst als nicht rechtsfähige Vereinigung. Schnell wuchs die Anzahl der Mitglieder damals auf 25.000 Mitglieder an. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde diese Selbsthilfeorganisation jedoch wieder zerschlagen. Nach damaliger Meinung sollte das Volk vor den Diabetikern geschützt werden. So sollten z. B. Diabetiker nicht heiraten, keine Kinder bekommen und sich sogar sterilisieren lassen. Auch nach dem Kriegsende sind noch viele junge Frauen sterilisiert worden, die an Diabetes erkrankt waren.
http://nrw.menschen-mit-diabetes.de/diabetes-mellitus/diabetesversorgung-deutschland
Wußte ihr das und was hat sich seid dem geändert wenn man so etwas liest?
https://www.elitepartner.de/forum/frage/wuerde-fuer-euch-eine-partnerin-einen-partner-mit-diabetes-typ-1-in-frage-kommen.13297/ -
am 17.04.2015 20:50:11
Schon interessant, wie die Welt sich dreht, oder? Vor allem, wenn wir mit unseren heutigen Augen etwas unbefangen in die Vergangenheit schauen, z.B. in die 30ger Jahre des vorigen Jahrhunderts.
Doch ja, da gab es schon Insulin, aber bis in die 50ger Jahre mit großen Qualitäts-Schwankungen. Nach unserem heute selbstverständlichen Maßstab konnten 10IE damals aus der einen Charge wirken wie 5IE und aus der anderen wie 15 oder 20.
Selber BZ messen ging eh nicht, erst in den 50gern recht grob den Zucker im Urin. Und Doc Bernstein beschreibt eindrücklich, wie er mit einem der ersten BZ-Messgeräte in 1969 herausfinden konnte, dass sein BZ alltäglich munter zwischen 40 und 400mg/dl schwankte. Und wie er gegen die damals noch lange vorherrschende Fachmeinung, dass lediglich der morgentliche Nüchtern-BZ wichtig sei, seinen eigenen BZ-Verlauf nach und nach gesund steuerte und damit seine eigene Gesundheit sehr weitgehend wieder herstellen konnte.
Erst mit dem vorzeitigen Ende der DCCT (Diabetes Compliance and Complications Trial) in der ersten Hälfte der 90ger für Typ1 und der Auswertung der UKPDS (United Kingdom Prospective Studie of Diabetes) in der 2.Hälfte der 90ger wurde allgemein anerkannt und medizinischer Standard, dass ein HBA1c von 7 (entspricht HBA1 von 8) eine erstrebenswerte Einstellungsgröße sei. Bei Typ1 mit ICT/Basal-Bolus mit der Beschränkung der alltäglichen Schwankungen, bei Typ2 noch mit bbeliebig großen Schwankungen, wenn nur der behandlungsmäßig festgelegte Nüchtern-Rahmen und der ebenso festgelegte HBA1c eingehalten werden. Und daran hat sich bis heute kaum etwas geändert.
Dass unheilbare Krankheiten dadurch kurz gehalten werden sollten, dass ihre Träger von der Fortpflanzung ausgeschlossen werden, ist eine sehr verbreitete Haltung auch in den fortschrittlichsten Gesellschaften unserer Gegenwart.
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Die Freiheit der eigenen Meinung setzt zwingend die Achtung und den Respekt vor jeder anderen Meinung voraus. - Wer's auch so sieht, sagt's bitte einfach weiter. -
DM1Diabetes
Rang: Gastam 18.04.2015 08:36:10
Das wusste ich nicht. ..
Da mussten die Diabetiker, in früheren Zeiten, ständ hre Einheiten neu einstellen und das ohne die Möglichkeit den BZ zu kontrolieren?
Was für ein Fortschritt!
Na, ja ....
Von "aufgeklärter Gesellschaft" kann manchmal nicht die Rede sein. Manch Typ 1 Diabetikerkind/Jugendlicher kann da ein Lied von singen. Später ist man zwar gewadmet aber als Ersthelfer bei einer Hypoglykemie möchte man auch nicht jeden ran lassen müssen.
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am 18.04.2015 09:28:14
Bis in die 50ger Jahre hinein gabs keine überall zuverlässige Insulin-Versorgung auf Abruf, wie wir die heute kennen.
Bis zum Ende der 80ger wurde nix berechnet, sondern alle viertel Jahre im kranken Haus auf der Grundlage des morgentlichen Nüchternwertes eingestellt, also morgens und abends eine feste Insulinmenge und dazu eine feste BE-Vorgabe für die Mahlzeiten. Für etwas Abwechslung gabs Austauschtabellen.
Und während heute das Internet für allseits zugängliche Info sorgt, musste noch bis zum Ende der 90ger alle Info z.B. zu Behandlungs-Erfolgen per Brief (sehr selektiv und eingeschränkt=persönlich)und Lehre (Studium als Multiplikator) und Buch (allgemein, aber teuer) kommuniziert werden. Brauchte minthin von der ersten erfolgreichen Anwendung in die Fachwelt schon mehrere Monate bis Jahre und kam allgemein nach 5-10 an. So wussten z.B. in den 30ger Jahren die wenigsten Ärzte, dass es schon Insulin gab, und wo man’s denn kriegen und wie man das anwenden konnte.
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