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Das langsame Sterben...

  • Rang: Anfänger
    Punkte: 0
    Beiträge: 1
    Mitglied seit: 25.12.2017
    am 25.12.2017 11:01:40 | IP (Hash): 891364896
    Hallo zusammen,

    Ich wende mich nach langem googeln jetzt an euch. Ich bin 30 und Sohn eines -schwachen- Diabetikers Typ 2. Mit schwach meine ich, etwas ändern zu wollen bzw. nicht mehr zu können.

    Zum Krankheitsverlauf: Weihnachten 2014 Amputation des rechten Vorfuss, Diabetes wurde offiziell festgestellt. Im Nachgang wurden *unbemerkte* Schlaganfälle festgestellt. Kur nach der Amputation, Gewicht nahm weiter zu. Ein Jahr später wurde ein Stueck Darm entfernt. Auch da ist er gerade so wieder dem Tot davon gelaufen. Heute ist er wieder beim alten Ausgangsgewicht von 160 Kilo, sitzt im Rollstuhl. Seit neustem hat er starke Wassereinlagerung auf der linken Körperhälfte und nimmt nun auch Blutverdünner.
    Meine Mutter pflegt ihn, jeder betroffne weiß, wie die Laune schwanken kann. Er ist oft sehr abwesend.
    Ich wohne weit entfernt und bekomme immer nur die Spitzen der Krankheit mit. Jetzt zu Weihnachten sieht man wie schlimm es wirklich ist.
    Er hat sich scheinbar aufgegeben. Anscheinend Mist er noch nicht mal mehr sondern spritzt einfach so Insulin....

    Habt ihr ähnliche Erfahrungen? Gibt es hier Menschen mit ähnlichen Angehörigen?

    Ach ja, er ist gerade 52 geworden.

    Ich freue mich von euch zu lesen.
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 3687
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 25.12.2017 13:37:42 | IP (Hash): 987347678
    Nicht für Vorwürfemachen, sondern nur für Dich zum Einordnen:
    Mit dem Abschneiden 2014 konnte Dein Vater die Diagnose Diabetes nicht länger für sich behalten. Vom Dok hatte er sie da schon seit Jahren, und reif zum Amputieren ist er nur deswegen geworden, weil er all die Jahre alle ärztlichen Infos und Empfehlungen und ganz bestimmt auch manche Verordnung nicht befolgt hat.

    Aber das ist jetzt alles hätte Fahrradkette :(

    Wenn Dein Vater gleich mit der ersten Diagnose viele Jahre vor dem Fußabschneiden sein Leben im Sinne von alltäglich möglichst gesundem Blutzucker umgestellt hätte, in der Hauptsache mit gezielter Auswahl und Portionierung von Essen und gezielt dazu Bewegen - und Medis nur noch gerade so viel, wie dann noch zum wirklich gesunden Blutzucker gefehlt hätten, wäre er heute wahrscheinlich praktisch gesund und bräuchte weder Blutverdünner noch Fettsenker und vielleicht nicht einmal Insulin oder andere Zuckermedis.

    Und das auch wieder nur Info für Dich, damit Du keine Panik zu schieben brauchst, wenn Dein Dok Dir mal eröffnet, dass Dein Blutzucker auffällig hoch zu steigen anfängt: Mit ausreichend Lernen und Berücksichtigen und den ggf. dann noch notwendigen Medis können wir Typ 2 unseren Blutzucker immer wenigstens im so gesunden Bereich halten, dass er uns nicht weiter und zusätzlich krank macht.
    Man muss auch nicht beim ersten höheren Blutzucker in Hektik verfallen und sich akribisch am Messgerät ausrichten. Aber Schlaumachen und systematisch Ausprobieren ist dann wichtig und kann in den meisten Fällen dazu führen, dass nur vergleichsweise kleine Veränderung die Prozesse stoppen, die den Blutzucker sonst immer höher und mit der Zeit immer krankmachender antreiben.

    Etwas mit Deinem Nick gespielt ist ein bisschen angesengter Geruch, wenn der Dok die ersten Male von auffälligem Blutzucker spricht und davon, dass das noch lange kein Diabetes sei, aber dass man das halt beobachten müsse. Wenn man dann etwas Last von der defekten Leitung nimmt, wird sie weniger heiß, auch wenn man sie nicht ersetzen oder reparieren kann.
    Wenn keine Entlastung und der Blutzucker dann irgendwann einen der Diagnose-Grenzwerte übersteigt, ist die Geschichte schon deutlich am Qualmen, und wenn man für immer mehr Qualmen dann nur immer mehr lüftet, ist die Hütte schließlich nach einigen bis vielen Jahren völlig verkokelt und fällt in sich zusammen, auch wenn sie zu keiner Zeit lichterloh gebrannt hat. Da kann dann auch die schnellste Feuerwehr nichts mehr löschen :(

    Langer Schreibe kurzer Sinn: Die verbleibende Zeit bitte nicht mit Vorwürfen belasten. Die nützen niemandem mehr. Das gilt auch für manche Erleichterung, die sich Menschen in der Lage Deines Vaters häufig immer weniger bis gar nicht mehr machen. Seine zeitweise mentale Abwesenheit ist da für ihn ganz sicher ein Segen.
    Sorry, voll das Gegenteil von froher Weihnachts-Botschaft, und ich kann Dir nur ein Päckchen Kraft zum geduldigen Durchstehen schicken. Daumendrück

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    Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung.
    Bearbeitet von User am 25.12.2017 13:39:55. Grund: Ergänzung
     1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag.
  • Rang: Erweitertes Mitglied
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    Beiträge: 1116
    Mitglied seit: 13.05.2016
    am 27.12.2017 00:43:29 | IP (Hash): 1800560219
    Hallo Sohn,
    bei deinem Vater sind ganz bestimmt mehrere Krankheitsprobleme zusammengekommen.
    Amputation, Schlaganfall, Blutverdünner lässt auf ein zusätzliches Durchblutungsproblem schließen, was in Summe eben auch zusammen mit Diabetes Typ 2 vorkommen kann.
    BZ-Messen ist bei Insulingabe natürlich wichtig - egal welches Insulin - gibt mehrere: Mischinsulin und/oder langsames für Grundstoffstoffwechsel, schnelles zu den Mahlzeiten.
    Umgang mit Insulin wird beim Arzt erklärt, wobei deine Mutter als pflegende Angehörige unbedingt bei den Arztbesprechungen dabei sein sollte, um helfen zu können.

    Du könntest, trotz örtlich weit weg, telefonisch den Kontakt zu deiner Mutter halten und sie seelisch unterstützen.

    Für dich selber nicht ängstigen.
    Auf Gewicht achten (weißt du schon), Ernährung berücksichtigen.
    Bei deinem Check up durchaus die familiäre Erblinie ansprechen (falls nicht sowieso vom Arzt abgefragt).
    Dann wird ev. der eine oder andere Blutwert zusätzlich bestimmt, außerhalb der Routine.

    Gruß Elfe
    als Angehörige (Enkelin und Tochter) und nun auch selbst Diabetikerin
  • Rang: Erweitertes Mitglied
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    Beiträge: 1830
    Mitglied seit: 14.11.2014
    am 27.12.2017 12:04:38 | IP (Hash): 2108455638
    Feuerwehr schrieb:
    ´
    Er hat sich scheinbar aufgegeben. Anscheinend Mist er noch nicht mal mehr sondern spritzt einfach so Insulin....



    Hi!
    Insulingabe setzt nicht unbedingt ein vorheriges Messe voraus.

    Und was Du sonst noch so schreibst – da hilft kein Reden und Beschwören, der Patient hat sich aufgegeben und auch sonst keine Lust, sich oder den engsten Angehörigen was Gutes zu tun.

    So schlimm sich das anhört: An den Folgen des Diabetes (der garantiert schon ein paar Jahre länger besteht) ist er alleine Schuld. Kein Arzt, kein Angehöriger – nur er allein.

  • Rang: Erweitertes Mitglied
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    Beiträge: 95
    Mitglied seit: 02.06.2017
    am 30.12.2017 02:10:49 | IP (Hash): 605161634
    Bringt nichts zu rätseln wie es so weit gekommen ist und wer schuld ist.
    Nach der Beschreibung von Schlaganfällen und "abwesend" ist eher die Frage, kann er überhaupt vom mentalen her alleine messen, Insulin dosieren, eine Therapie führen? Falls nicht muss es jemand anders machen. Pflegedienst oder Familie..