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Verständnisfrage Bolus- und Basalinsulin / Wirkung
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am 15.03.2018 21:18:54 | IP (Hash): 2064122583
Hallo
ich habe eine Frage an die WIssenden unter Euch. Für uns ist alles noch recht neu und noch wissen wir nicht, ob meine Tochter nun Typ 1 oder Typ 2 eingestuft wird. Aufgrund einer Ketoazidose wird nun Typ 1 vermutet, Test auf Antikörper wurde gemacht, Ergebnis liegt noch nicht vor.
Im Alltag stoße ich hin und wieder auf Fragen, so auch jetzt. Das man Basal- und Bolusinsulin zeitgleich spritzen kann, habe ich schon ergoogeln können. Vielmehr beschäftigt mich nun folgendes.
Wir spritzen nach "Plan" Ich habe also vom Krankenhaus eine Tabelle mit den Einheiten, die ich je nach Vorwert spritzen muss.
Wenn meine Tochter nun ( wie eben (ich rechne immer in mmol) einen Vorwert von 6,5 hat und 4 IE Apidra gespritzt beekommt und ich dann auch unmittelbar 12 IE Toujeo spritze, wie muss ich mir die Wirkungsweise vorstellen. Die 4 Einheiten Apidra sind ja zur Abdeckung der Mahlzeit. Das kommt bei in etwa 4 BE auch hin.
Ich habe wie viele andere auch Angst vor einer Unterzuckerung. Ich muss dazu schreiben, meine Tochter ist ein "besonderes Kind" und sagt mir nicht, wenn es ihr schlecht geht, es ihr "komisch" wird. Ich muss sie also stehts beobachten. Ein Sensor wäre für mich als Mutti besser zum "überwachen" der Werte, ist bei ihr aber nicht möglich und mit 4-5 BZ-Messungen ist die Grenze des machbaren auch erreicht. Ich kann also nachts nicht einfach mal den BZ messen. Deshalb würde ich gern verstehen wollen, wie die Wirkkurve in etwa aussehen wird.
Wie schnell setzt denn die Wirkung von Toujeo ein und in welchem Maß?
Ich würde mich sehr freuen, wenn jemand bei meinem Gedankenkarusell ein wenig die Geschwindigkeit drosseln kann :-D
Vielen Dank dafür
Anke
Bearbeitet von User am 15.03.2018 21:19:28. Grund: wörter haben sich verschoben -
am 15.03.2018 22:48:10 | IP (Hash): 1559310958
Hallo Anke,
wir Menschen brauchen immer etwas Insulin, die sogenannte Basalversorgung. Diese wird bei deiner Tochter durch Toujeo sicher gestellt, ein Basalinsulin, das ca. 24 Stunden relativ gleichmäßig wirkt, das sind pro Stunde nur ca. 0,5IE. Wann du das spritzt, ist ziemlich egal, Hauptsache du spritzt es jeden Tag ungefähr zum gleichen Zeitpunkt. Zusätzlich wird dann zur Abdeckung der Mahlzeiten das kurz wirkende Insulin benötigt.
Vielleicht hilft dir zum Verständnis diese Grafik über den Insulinverlauf bei Stoffwechselgesunden in Abhängigkeit von den Mahlzeiten de.wikipedia.org/wiki/Insulin#/media/File:Glucose-insulin-day-german.svg (aus Wikipedia, Insulin). Das Ziel ist ja, mit dem gespritzen Insulin die natürliche Insulinversorgung so gut wie möglich nach zu bilden.
Beste Grüße, Rainer
Bearbeitet von User am 16.03.2018 11:04:49. Grund: .1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
Elfe
Rang: Gastam 16.03.2018 19:45:05 | IP (Hash): 1304239803
Hallo Anke,
Bolus/Basal wird als intensivierte konventionelle Insulintherapie bezeichnet - abgekürzt im Internet als ICT zu finden.
Hier kannst du bes. in der Grafik sehen, wie die unterschiedlichen Insuline wirken:
https://www.diabetes-ratgeber.net/Insulin/Intensivierte-Insulintherapie-ICT-27680.html
Das kurzwirkende Insulin fängt den Blutzucker aus den Mahlzeiten ab, Basal fängt mit gleichmäßiger niedriger Wirkung den Grundstoffwechsel ab.
Toujeo ist ein 24 h-Insulin, das nur 1 x gespritzt wird.
Das Apidra ist für die Kohlenhydrate der Mahlzeit da, wie du schon selber die 4 BE eingeschätzt hast.
Daß ihr zur Zeit nach Plan des Krankenhauses spritzt, ist dem Beginn geschuldet.
Bei ev. längerem Verlauf notwendig, wird auch Berücksichtigung des jetzigen Vorwert besser erklärt.
Da wird zusätzlich zur BE-Einschätzung (bevorzuge übrigens lieber KE = 10 g) die Möglichkeit der Korrekturregel erklärt
https://www.diabetes-news.de/wissen/therapie-typ-1/intensivierte-konventionelle-insulintherapie-ict
Dabei wird ausgegangen, daß eine Einheit Mahlzeiteninsulin den Blutzucker senkt um einen bestimmten Wert.
Anfangs wird vorsichtig eine Senkung von 50 mg/dl angenommen, meiner ist schon ewig bei 40 - nicht 30 - wie o.g..
Zur Zeit wäre gut, wenn Abendessen per Mahlzeiteninsulin mindestens 3 h vor Schlafengehen erfolgt.
Vor Zubettgehen kannst du dann sehen, ob KHs mit Insulin gepasst hat.
Sollte deine Tochter danach noch etwas essen möchten, dann eher etwas, was keine zusätzliche Insulinspritze erfordert.
Käse/Wurst ohne Brot, Löffelchen Naturjoghurt, Nüsse, sogar ein paar Stückchen Schokolade per Fettgehalt sind bzgl. BZ-Anstieg nicht so schlimm.
Unterzuckerung zeigt sich durch körperliche Symptome.
Unruhe und Schwitzen gehören dazu.
Wenn du nachts nach deiner Tochter siehst, sie sich unruhig hin- und her wälzt, du deutlich Schweiß auf der Stirn fühlst, dann doch mal messen.
Oder auch direkt 1 KE = 10 g Zucker geben - wären 100 ml Fruchtsaft, oder 5 Gummibärchen, oder 2 Dextros.
Bei mir reicht so eine KE, nur in Ausnahmefällen brauche ich 2 KEs.
Gruß Elfe
Bearbeitet von User am 16.03.2018 19:49:35. Grund: Korrektur -