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Operation und Anästhesie mit Typ-1-Diabetes

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    Mitglied seit: 26.03.2016
    am 09.07.2018 20:26:31 | IP (Hash): 935573599
    Ein Erfahrungsbericht. In geänderter Form ist er auch auf Insulinclub.de nachzulesen.

    Auch erfahrene Diabetiker kommen in die Situation eine Erfahrung das erste Mal zu machen. So ging es mir mit einer Operation im Hals-Nasen-Ohren bereich. Es wurden Nasen-Polypen entfernt. Eine Operation die 3 Stunden, unter Vollnarkose, benötigte.

    Da eine Operation und die Narkose mit Risiken verbunden ist verursachte dieses erste Mal doch einige Sorgen. Meine Gedanken kreisten dabei die Zeit ein, in der ich nicht Handlungsfähig sein würde: Die Anästhesie und dem Verlauf der Operation. Auch machte ich mir Gedanken um das selbständige Management des Diabetes. Ich hatte Sorge, dass mir die Autonomie, meiner eigenen BZ-Führung, verloren geht. Die Researche, im Netz, konnte die wenigsten Fragen eindeutig klären. Ich fragte mich z.B. wie ich die Basalrate, zur OP, halten sollte; erhöhen, erniedrigen, ausstellen? Für alle Alternativen gab es Fürsprecher und Gegenreden. Sprachen sich z.B. die meisten Diabetologen für eine Erhöhung des Basals aus, waren die Anästhesisten für ein ausschalten der Pumpe. Bei den Patienten z.B. im Insulinclub.de gab es unterschiedlichste Meinungen. Die Meinungen-und Erfahrungen- differierten noch stärker bei der Selbständigen BZ-Führung in Krankenhäusern. Doch alle meine Sorgen lösten sich in Luft auf. Aber liest selber, wenn ihr wollt.

    Die Operation wurde- in einem großen Universitätsklinikum- mit angeschlossener Diabetologie , die nicht involviert war- durchgeführt. Einen Tag vor der OP, um 8 Uhr morgens, musste ich mich in der Aufnahme melden und wurde, anschließend, durch verschieden Stellen geschickt, die immer wieder die selben Fragen, in den selben Formularen, beantwortet haben wollten. Es ging oft um Risikofaktoren für die OP und Anästhesie, wozu auch der Typ-1-Diabetes zählt. Man legte mir ein Handarmband, mit Namen und Geburtsdatum sowie einem Strich-Code, an als ich zum Mittag mein Zimmer bezogen hatte, welches bis zum Ende des Krankenhausaufenthaltes dran blieb. An allen Stellen habe ich klar geäußert, dass ich das Diabetes-Management selbst in der Hand behalten möchte.

    Der letze Termin, am späten Nachmittag, war in der Anästhesie, in der zum großen Teil die Selben Fragen, in Fragebögen, zu Beantworten waren. Auf den Diabetes melitus Typ-1 habe ich das Gespräch gelenkt. Die Anästhesiologin hatte mir geraten, am Tag der OP kein Insulin zu verwenden und die Pumpe auszustellen. Es scheint das Allgemeine vorgehen zu sein, auch bei ICT. Da ich mich aber zuvor mit meiner Diabetologin beraten habe, habe ich ihr meine bedenken mitgeteilt und sie hat -entnervt?- meinen Vorschlag keinen Bolus, 5 Stunden vor der OP, und das Basal um 30 % zu Reduzieren, sowie mit einem Wert von ca 150 mg/dl in die OP zu gehen, angenommen. Zitat aus dem dem Gespräch "Typ-1-Diabetiker kenne sich oft besser mit Diabetes aus"...hmmmm...was soll das wohl bedeuten ? ,-) .

    Ich war am Tag der OP als zweiter, um ca 8 Uhr, an der Rehe. Und wie ein Wunder lagen die Werte auch bei 153 mg/dl :). Allerdings musste ich hier führ um ca 3 Uhr noch 4 g KH zu mir nehmen. Auch diesen Fall hatte ich zuvor mit der Anästhesiologin besprochen. Denn offiziell war um 0:00 Uhr ein Verbot der Aufnahme von Essen ausgesprochen worden. Die Anästhesiologin hatte mir geraten den Traubenzucker in Wasser aufzulösen um es als Getränk zu mir zu nehmen. Diese Massnahme sollte vor Brocken, im Falle des Falles, das es zum erbrechen kommt, im Atembereich schützen. Vor dem OP angekommen wurde ich von einer großen Menge Fachpersonal empfangen, die wieder die selben Fragen stellten. Dieses mal jedoch mündlich und meinem BZ gemessen haben. bei der Befragung stellte sich heraus, dass ich das Asthma- Spray vergessen hatte. Flux wurde eines Besorgt und, nach der Einnahme, konnte die Anästhesie beginnen. Ich war Fix entschlummert und merkte auch nach der OP kaum Schmerzen. Da der BZ, wehrend der OP, mit Glukose-Infusionen und Insulinperfusor gesteuert wurde zeigte das FreeStyle Libre eine exakte dauerhafte Linie von 100 mg/d, wehrend der OP an.

    Insgesamt würde ich sagen, dass alle Sorgen unbegründet waren und wenn man sich ein wenig um sich selbst kümmert, sich Informiert und Kommuniziert eine OP echt easy ist. Wenn man so etwas von einer OP sagen kann.

    Ergänzung:

    Ich kann, mit gutem gewissen die HNO, der Universitätsmedizin Göttingen, jeder Typ-1-Diabetikerin und jedem Typ-1-Diabetiker empfehlen, die ein selbständiges Dia-Management wünschen. Die Mitarbeiterinnen, Ärztinnen, Verwaltungskräfte Pflegekräfte sonstiges Personal, waren zum größten Teil sehr Motiviert und Hilfreich. Nur selten, und nur von einer Pflegekraft, wurden Blutige BZ-Messungen durchgeführt. Zu meist genügten die Weitergabe, am Morgen, meiner Libre-Werte. Die Blutigen Wert nutzte ich um den Sensor zu Prüfen, der eine Abweichung von max 6 mg/dl anzeigte. Leider habe ich es versäumt rechtzeitig bescheid zu, geben, dass ich vor einer Kortisongabe informiert werden mochte . Das geschah am Tag nach der OP. Das Kortison fiel mir aber auf und ich konnte Basal und Bolus anpassen.

    Ergänzung 2

    Nach vielen Gesprächen mit Mitpatienten ist mir aufgefallen wie Gesund ich -als Typ-1-Diabetiker- bin. Eventuell liegt es an der Art des Krankenhauses, dass dort viele Patienten solche Erkrankung haben, die ein ungewisses Leben ermöglichen. Schwere Verwundungen durch Unfälle, Erkrankungen die eine kurze Lebensspanne versprechen ....

    Wer hat auch Erfahrungen mit OPs, Krankenhausaufenthalten und Insulinpflicht, oder auch andere Therapieformen?
    wie habt ihr den Krankenhausaufenthalt erlebt und wie habt ihr Fragestellungen gelöst?
    Was hättet ihr anders, als ich gelöst?
    Habt ihr Anregungen und Kritik? Ich freue mich über Kommentare

    Bearbeitet von User am 09.07.2018 21:47:17. Grund: -
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    am 10.07.2018 14:49:51 | IP (Hash): 2084446228
    Mit meinem inzwischen täglichen Abgleich meines Scans mit dem Fingerpieks und bei waagerechten Verlauf Pieks 90mg/dl mit dem aktuellen Sensor Scan-Abweichungen von +20 bis -50 bewundere ich umso mehr, wie toll Du mit Deinem Libre auskommst, aber das ist hier ja schon fast OT.

    Doch, ich denke, in den kranken Häusern hat sich mit der Zeit einiges für uns mit Diabetes geändert. Als ich vor über 25 Jahren noch recht frisch mit meiner T2 Diagnose und von HBA1c 15und mit Futterumstellung und Tabletten runter auf 7 und besser zu ner Nierenreparatur (nicht wg T2) antreten musste, hat mich ne Stunde nach der Aufnahme ne Schwesternschülerin mit nem Joghurt suchen und verfolgen und dann bei mir bleiben müssen, bis ich’s gegessen hatte. Warum? Weil ich mit 90mg/dl angekommen war und weil 100 da für Diabetiker als Minimum galt.

    Rigide ist das System noch immer, wenigstens in den Kleinstadt-Häusern, die ich bis jetzt erlebt hab. So hab ich zuletzt vor 3 Jahren bei der Aufnahme zu ner Hernien-OP auf die Frage nach meinem BE-Faktor von bis angegeben. Weiß nicht, wie viel damals konkret, aber das hat den Dok so aufgeregt, dass er stehenden Fußes meinen Diabetologen angerufen und sich da zu seinem noch größeren Unverständnis hat erzählen lassen müssen, dass ich so spritze, wie ich das brauche. Weiß nicht mehr, was er schließlich eingetragen hat, aber für die OP haben wir uns wohl auf 100 geeinigt und dass ich ansonsten meinen BZ nach meinen Vorstellungen regeln durfte.

    Die Op hatte dann wohl deutlich länger als die paar Minuten gedauert und war wohl wg einiger Verwachsungen nicht minimalinvasiv geblieben, und es hat im Gegensatz zu den paar Tagen außen auch noch einige Wochen gedauert, bis der Mist auch innen beschwerdefrei war. Ok, hab ein bisschen mehr Insulin gebraucht, weil ich mich die ersten 14 Tage nur eingeschränkt bewegen durfte, aber das ist ja völlig normal.

    War bei Dir insgesamt jetzt ein bisschen komplizierter, aber sieht für mich sowohl auf Deiner wie auch der Behandler-Seite super ok aus. Mit der Genesung weiter gutes Gelingen :)

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    Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung.
    Bearbeitet von User am 10.07.2018 14:51:01. Grund: Ergänzung
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    am 10.07.2018 18:54:42 | IP (Hash): 1136760364
    Vielen Dank, für Deine Sicht und das Teilen Deiner Erfahrung mit Operationen und Krankenhausaufenthalte. Und auch für die die Genesungswünsche bedanke ich mich.

    Mit dem Libre habe ich ein anderes Problem, ich hatte zuvor darüber gelesen und wollte es nicht glauben das es das gibt, meine Haut hat beim vorherigen Sensor eine Überempfindlichkeit gezeigt und ich habe mir den Sensor runtergekratzt. Unter dem Kleber war eine blutige Stelle. Zwei Wochen später ist die Stelle immer noch deutlich gereizt.

    Interessant war übrigens auch die Erfahrungen, die das Pflegepersonal mit Diabetikern sammelte. Geschichten von Diabetikern die mit Werten von weit über 400 mg% rumlaufen und nicht ändern wollen usw.

    Bearbeitet von User am 10.07.2018 19:25:01. Grund: rechtschreibung
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    am 10.07.2018 21:30:55 | IP (Hash): 2084446228
    Während der Spitzenzeit unserer örtlichen SHG war es mir gelungen, wichtige Leute in unserem örtlichen KH mit der Idee anzustecken, bei Patienten mit DM den BZ 2 Stunden nach dem Essen zu messen und nach Möglichkeit auf 140 zu begrenzen. War ne kurze Episode und wurde offiziell aus Kostengründen eingestellt. Aber noch viel gewichtiger ist aus meiner Sicht die Walze der Gewohnheit drüber gefahren, die 200 in jeder Hinsicht als pflegeleichtesten Nüchtern- und postabsorptiven Wert sieht: Praktisch keine Hypo-Gefahr, und niemand muss sich groß drum kümmern, dass die BZs im engeren Rahmen bleiben.

    Und mal ne Umschau: Kennst Du viele im insulinclub, die ihre BZs in nem ähnlich engen Rahmen steuern wie Du Deinen?
    Aber das ist zusammen mit den öfter beobachteten 400 eigentlich schon wieder ein Thema für einen eigenen Thread.

    Nachtrag zur Hautreaktion:
    Kann eigentlich kein Pflaster länger als 3 Tage auf der Pelle haben und hab da sehr skeptisch mit den Sensoren angefangen. Leichte Irritationen hab ich immer, juckt zeitweise, und nach dem Abziehen ist die Stelle dann auch noch gereizt und ein paar Tage gut zu sehen. Aber das hält sich in deutlich engeren Grenzen seit ich auf die intensive Alkohol-Abreibung direkt vor dem Setzen verzichte.

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    Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung.
    Bearbeitet von User am 11.07.2018 08:55:19. Grund: Ergänzung