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Fragen zu Schwangerschaftsdiabetes

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    Beiträge: 3
    Mitglied seit: 21.08.2018
    am 21.08.2018 14:50:11 | IP (Hash): 1041422386

    Liebe Forumsteilnehmer,

    ich bin leider frisch mit Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert (27. SSW) und komme gerade von der Diabetologin mit ein paar Handlungsanweisungen, die ich fragwürdig finde. Mich würde daher interessieren wie ihr diese findet, ob ihr sagen würdet, ist klar plausibel und kenne ich auch so – oder lieber noch mal zu einem anderem Arzt gehen. Hintergrund des Schlamassels war, dass im großen Zuckerbelastungstest der 1-Stunden-Wert auffällig wurde, Nüchternwert und 2-Stunden-Wert waren ok. Auch der Langzeitzuckerwert fällt normal aus. Ich wurde letzte Woche mit einem Messgerät ausgestattet und der Anweisung drei Mal am Tag jeweils vor den Mahlzeiten zu messen. Dabei kam raus; Mittags- und Abendwerte immer gut. Morgens war einmal über der Grenze (5,2), bei den anderen Werten noch im grünen Bereich, aber kommt näher an die Grenze als ich angenehm finde. Die Geschichte soll jetzt erst mal über Ernährung eingestellt werden (das finde ich natürlich erleichternd).
    Folgende drei Punkte aber irritierten mich:
    1. Ich soll weiterhin die Nüchternwerte drei Mal am Tag erheben. Die Ärztin sagte, „seien Sie froh, nicht sechs Mal am Tag messen zu müssen – das würden andere verlangen“. Ja, bin ich auch. Einerseits. Andererseits, weist der Belastungstest nicht gerade drauf hin, dass ich ein Problem in der kurzzeitigen Zuckerverarbeitung habe? Was bringen mir dann die Nüchternwerte, zumal die mittags und abends jetzt doch immer gut waren? Übersehe ich mit diesem Messvorgehen nicht vielleicht ein Problem, das unter Umständen doch einen Insulinbedarf nach sich ziehen könnte? Sollte ich vielleicht einfach mal anfangen, nach dem Essen zu messen? Wie vorgehen?
    2. Ich darf nur noch ein Mal am Tag eine einzige Portion Obst essen. Also z.B. einen Apfel – und das war es dann mit dem Obst für den ganzen Tag. Ich weiß natürlich vom Problem des Fruchtzuckers, es kommt mir aber etwas scharf reglementiert vor. Wäre es gesundheitlich nicht besser, z.B. viel weniger Brot zu essen und dafür dann doch mehr Obst?
    3. U.a in Hinblick auf die Morgenwerte sagt die Ärztin, Abendessen bis 18.30 Uhr, idealerweise bis kurz nach halb sieben beendet! Ich habe gefragt, ob es denn nicht eher drauf ankommt, wann man dann morgens wieder isst – also auf den Zeitabstand zwischen Abendessen und Frühstück? Sie meinte nein, bestimmte hormonelle Prozesse laufen zu bestimmten Uhrzeiten bei jedem gleich im Körper ab und daher ist Abendessen um 20 Uhr immer zu spät, egal wann man frühstücken wird. Hierzu konnte ich googelnd überhaupt nix finden. Da ich noch Vollzeit arbeite, ist diese Regel für mich echt problematisch. Klar wenn’s sein muss, mache ich das jetzt die nächsten drei Monate so- aber muss das wirklich? Habt ihr das schon mal gehört?
    Freue mich auf Antworten und Tipps,

    Happyninchen
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    am 21.08.2018 16:47:01 | IP (Hash): 1559317500
    Hallo Ninchen,

    ich sehe das so wie du, die Regeln 1. bis 3. sind alle nicht so besonders sinnvoll.

    zu 1.: Bei SS-Diabetes werden normal morgens die Nüchernwerte und die Werte in 1 Stunde nach Beginn der Mahlzeit kontrolliert. Die Nüchternwerte sollen 90 {5,0} oder 95 {5,3} - das ist von Arzt zu Arzt verschieden - nicht allzu oft übersteigen und für die 1-Stunden-Werte gilt 140 {7,8} als Ziel. Wenn du in Ausnahmefällen mal etwas höher landest, dann brauchst du dich nicht gleich zu sorgen. Wichtig ist, dass das nicht regelmäßig passiert. Es macht übrigens nicht viel Sinn, die Werte vor jeder Mahlzeit zu messen, weil die in den meisten Fällen unter dem morgendlichen Nüchternwert liegen. Wenn der Nüchternwert passt, dann kann man davon ausgehen, dass auch die Werte vor den anderen Mahlzeiten auch in Ordnung sind.

    zu 2.: Obst musst du tatsächlich vorsichtig genießen, nicht wegen der Fruktose sondern eher wegen der Glukose, die etwa 50/50 darin enthalten sind. Fruktose, die in großen Mengen schaden kann. ist in den in Früchten enthaltenen Mengen nicht ungesund und lässt den BZ nur wenig ansteigen. Es gibt aber keinen Grund, nur einmal am Tag Früchte zu essen. Besser wäre sogar, wenn du die eine Portion auf die Mahlzeiten verteilst. Dein BZ-Messgerät kann dir sagen, welches Obst und wie viel du problemlos essen kannst. Am besten geht Obst übrigens BZ-mäßig nach den Mahlzeiten als Nachtisch.

    zu 3.: Die morgendlichen Nüchternwerte hängen normal nicht davon ab, wann du zu Abend issst. Gegen 20.00 Uhr wäre voll normal. Aber auch hier brauchst du nur mal auszuprobieren, wo die Nüchternwerte landen, wenn du zeitig und wenn du spät isst. Vermutlich macht das keinen Unterschied.

    Alles Gute für dich und dein Baby, Rainer

    ____
    Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
    Bearbeitet von User am 21.08.2018 20:58:04. Grund: .
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    am 21.08.2018 22:40:37 | IP (Hash): 1041422386
    Hallo Rainer,

    hab herzlichen Dank dafür, dass du dir die Zeit genommen hast mir zu antworten. Ich hoffe, es ist ok, wenn ich etwas nachfrage.

    Bei Punkt 1; gilt die Regel 1 Stunde ab Beginn der Mahlzeit auch bei längeren Mahlzeiten, also auch wenn man nach einer halben Stunde oder länger erst fertig ist mit Essen? Dann würde man ja ggf. weniger als eine halbe Stunde nach Ende des Essens schon messen. Ist das aber so gemeint, oder gibt es auch einen zeitlichen Mindestabstand zwischen dem Ende des Essens und der Messung? Insbesondere falls das Obst der Nachtisch ist, kann ich mir fast nicht vorstellen, dann schon im grünen Bereich zu landen (aber habe es auch noch nicht ausprobiert).
    Du schreibst bei Punkt 2 eine Portion Obst auf die Mahlzeiten verteilen. Aber eine Portion ist ja so klein, dass das kaum mehr geht, oder? Wahrscheinlich muss ich da ausprobieren, was funktioniert. Die Ärztin möchte, dass das Obst der Nachmittagssnack zwischen Mittag- und Abendessen wird. Was ich lieber machen würde, wäre eher Obst statt Brot zum Frühstück essen… hmm.
    Bei Punkt 3 fiel mir im Nachhinein ein, dass ja auch Abnehmwilligen manchmal geraten wird, abends keine Kohlenhydrate zu essen oder nach einer bestimmten Uhrzeit überthaupt nichts mehr essen – und manche schwören darauf. Vielleicht ist dies eine verwandte Theorie (ich glaube ja eher, die Leute nehmen mit solchen zeitlichen Restriktionen ab, weil es weniger Gelegenheit gibt, dann abends ungesund zu essen bzw, ins unendliche snacken). Bislang hatte ich den Eindruck, der Morgenwert zeigt sich eher unbeeindruckt davon, was und auch wann ich abends gegessen habe, aber hatte ja auch nur eine Woche bislang Beobachtungszeitraum.

    Herzliche Grüße von Happyninchen

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    am 22.08.2018 08:39:15 | IP (Hash): 1955652902
    Hallo Happyninchen,

    generell gilt, dass du (falls nicht neben den BZ noch andere Probleme vorliegen) alles essen kannst, was in den Rahmen der maximal 140mg/dl {7,8mmol/l} rein passt. Wenn du zum Frühstück gerne eine Obstmahlzeit isst und wenn die Obstmahlzeit BZ-mäßig passt, dann machst du nichts verkehrt. Vermutlich passt es aber besser, wenn du erst eine Kleinigkeit isst, z.B. eine Scheibe Käse, und dann Obst nachschiebst. Wenn das Obst auch ansonsten den BZ nicht zu weit hoch treibt, dann gibt es keinen Grund, es auf eine Portion zu beschränken.

    Die Frage, wann du am besten messen sollst, ist nicht ganz leicht zu beantworten. Du sollst möglichst den Zeitpunkt erwischen, bei dem der BZ am höchsten ist. Genau schafft man das sowieso nicht, aber eine Stunde nach dem Ende der Mahlzeit ist eindeutig zu spät, weil die wesentlichen Stoffwechselvorgänge beim ersten Bissen anfangen. Deshalb nimmt man die eine Stunde nach Beginn der Mahlzeit. Wenn du sehr lange isst, dann kannst du vielleicht noch 10 Minuten länger warten. Auf ein paar Minuten kommt es dabei sowieso nicht an.

    Normal kann man den morgendlichen Nüchternwert nicht damit beeinflussen, was man wann zum Abend isst. Wenn du das bei dir auch bestätigt gefunden hast, dann brauchst du für den BZ am Abend auch nichts zu beachten. Wenn du nicht abnehmen musst, dann kann dir die Empfehlung für Abnehmwillige an der Stelle egal sein.

    Beste Grüße, Rainer

    ____
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    am 22.08.2018 22:51:33 | IP (Hash): 1041422386
    Hallo Rainer,

    erneut herzlichen Dank für deine Ratschläge.
    Tatsächlich sahen die Messungen des heutigen Tages so aus: Nüchternwerte waren: 4,8 - 4,4 -4,7 also total unspektakulär. Aber die 1-Stunden-Werte ganz anders nämlich: 7,6-8,6(!)-5,6
    Dabei war der Mittagswert nach einer viel viel zu optimistisch bemessenen Portion Nudeln und der Abendwert nach einer bewusst low-carb gehaltenen Mahlzeit (Lachs, Spinat, Hüttenkäse und nur sehr wenig Brot).

    Also, das finde ich schon spannend. Anhand der Nüchternwerte hätte man keine Idee mehr, dass es da ein Problem gegeben hat zwischendurch. Andererseits denke ich, wenn ich die Kohlenhydratmenge auf Mittag und Abend splitte, müssten hoffentlich akzeptable 1-Stunden-Werte für beides rauskommen. Das werde ich morgen versuchen!

    Liebe Grüße von Happyninchen
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    am 23.08.2018 10:15:06 | IP (Hash): 1250641533
    Hallo Happyninchen,

    das klingt doch wirklich gut. :=)

    Ich drück dir die Daumen, dass die Nüchternwerte bis zum Ende der SS so gut bleiben. Die Werte nach dem Essen kriegst du mit ein bisschen rumprobieren bestimmt gut hin.

    Alles Gute, Rainer