Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.

... und plötzlich mit fast 40 Jahren Diabetes Typ-1

  • Rang: Anfänger
    Punkte: 0
    Beiträge: 3
    Mitglied seit: 20.02.2019
    am 20.02.2019 18:30:17 | IP (Hash): 229323876
    Hallo zusammen,

    ich weiß gerade nicht, wohin mit meinen Gedanken und Sorgen. Vielleicht sollte ich mir die Dinge einfach mal von der Seele schreiben, in einem Forum, wo man Erfahrung mit dem Thema Diabetes hat. Fange ich mal vorne an...

    Ich habe bereits seit über 20 Jahren eine Dilatative Kardiomyopathie, also eine Herzschwäche, die vor 3 Jahren sehr schwerwiegend war, sich inzwischen aber wieder gebessert hat. Daher wird bei mir regelmäßig Blut abgenommen. Dann rief mich vor 2 Wochen mein Hausarzt an, dass mein Blutzuckerspiegel seit Oktober/November ansteigt, er sei da bei 160, der HbA1c bei 7,0. Er sei aber ratlos, wo da auf einmal Diabetes herkommen sollte und konnte auch zum Typ nichts sagen. Für Typ-1 bin ich eigentlich mit meinen 39 Jahren zu alt, für Typ-2 bin ich viel zu schlank. Er hat mich dann zu einer Praxis für Diabetologie geschickt, wo ich 2 Wochen später, also heute, einen Termin hatte. Er hatte da auch gleich noch einen Bluttest auf die Antikörper gemacht.

    Ich habe dann etwas recherchiert und einen Fall gefunden, wo extremer Stress den Blutzuckerspiegel ansteigen ließ. Den hatte ich auch, zufällig genau mit dem zeitlichen Verlauf: Ab Oktober/November stieg mein Stresslevel auf der Arbeit massiv an. Im Januar dann der Höhepunkt, wo ich psychisch einfach nur fertig und ausgelaugt war. Ich habe die 2 Wochen Wartezeit dann dafür genutzt, dass ich a) den Stress abbaue, (b) keinen Zucker mehr esse (nichtmal Nudeln und Kartoffeln) und c) jeden Tag mind. eine halbe Stunde spazieren gehe. Meine Hoffnung war, dass es vielleicht doch kein Diabetes ist, sondern der Stress. Auch meine Herzmedikamente lassen den Blutzuckerspiegel ansteigen. Dann dazu die Weihnachtszeit mit so vielen Süßigkeiten. Ich habe mich in dieser Zeit aber nicht getraut, den Test für die Antikörper abzufragen, ich wollte optimistisch bleiben und dachte, dass die das beim Diabetologen schon an dem Tag machen werden.

    Heute war dann dieser Tag. Aber ein Bluttest wurde nicht gemacht und man stützte sich auf die Werte von vor 2 Wochen. Die Ärztin meinte, dass sie nicht an Typ-1 glauben würde. Der Verlauf, die Steigerung, wäre viel viel schneller hochgeschossen. Nach Typ-2 sehe ich aber auch nicht aus, wenn dann irgendeine Sonderform davon. SIe hat mir dann Xelevia mitgegeben, damit wollen wir mal beobachten, wie es sich entwickelt. Vielleicht könne man es irgendwann weglassen. Sie hat dann auf meine Bitte doch noch den hbA1c gemessen: In 2 Wochen von 7.0 auf 6.3 gefallen. Das klang doch prima! Bin mit einem guten Gefühl aus der Praxis raus.

    Bin dann noch zu meinem Hausarzt gefahren, um mir noch bestätigen zu lassen, dass keine Antikörper gefunden wurde. Aber dem war leider nicht so... ich habe nur eine 29,5 gelesen, dazu ein Referenzwert "kleiner 10"... Mist... Stille in meinem Kopf... und Panik, Enttäuschung, Wut... all die Hoffnung war dahin. Mein Hausarzt war sauer, dass ich das Ergebnis nicht vorher schon mitgenommen habe. Aber wie gesagt, ich wollte den Wert nicht wissen und dachte, dass die das beim Diabetologen schon selbst alles nochmal testen. Er will die Ärztin dort morgen noch anrufen und die Nachricht mitteilen. Dann muss sie wohl ihren Plan ändern.

    So wie ich das sehe, scheint es sich damit bewahrheitet zu haben: ich habe Diabetes Typ-1. Ich habe keine Ahnung davon, wahrscheinlich scheint es im Moment nicht schlimm zu sein, da mein hbA1c schon runtergefallen ist, ganz ohne Medikamente. So wie es aussieht, versteht im Moment keiner meiner Ärzte, was ich habe oder wo es herkommt. Ich sollte dazu sagen, dass ich seit einem Jahr Hachimoto habe, also eine Autoimmunerkrankung an der Schilddrüse. Also warum nicht noch eine weitere Autoimmunerkrankung? Das ist dann wohl Pech... ich habe Angst, weiß nicht, wie schlimm das alles werden kann. Die Herzerkrankung reicht mir eigentlich schon...

    Und trotzdem klammere ich mich daran, dass irgendwas bei mir anders läuft, als die Ärzte es vermuten. Vielleicht gibt es andere Gründe, dass dieser Antikörperwert so hoch ist. Kennt sich jemand mit diesem Wert aus? Kann er auch durch Stress oder andere Medikamente hochgesetzt werden? Bleibt der so oder kann er durch Maßnahmen fallen?

    Ich danke Euch fürs Lesen...
    Bearbeitet von User am 20.02.2019 18:34:14. Grund: Edit
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 972
    Beiträge: 2901
    Mitglied seit: 25.02.2011
    am 20.02.2019 19:35:34 | IP (Hash): 1929088197
    Gwaihir79 schrieb:
    Für Typ-1 bin ich eigentlich mit meinen 39 Jahren zu alt, ...

    Hallo Gwaihir,

    diese Aussage ist einfach nur Quatsch, siehe hier:
    https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/diabetes/article/957726/epidemiologie-viele-typ-1-diabetiker-erkranken-erst-alter-30.html
    Typ1-Diabetes kann in jedem Alter entstehen und macht das auch.

    Deine Hoffnung auf einen Laborfehler oder so solltest du nicht allzu hoch schrauben. So eine Hoffnung haben viele, wenn sie die Diagnose bekommen. Erfüllen tut sie sich so gut wie nie.

    Mit dem Nachweis von Antikörpern ist Typ 1 klar, da wird sich nichts mehr ändern. Vielleicht hast du LADA, eine sich langsam entwickelnde Form des Typ1-Diabetes, mit der man ganz gut leben kann. Wenn du deinen BZ von Anfang an gut hinbekommst, dann kannst du einen LADA - falls es der ist - vielleicht über viele Jahre relativ einfach im Griff behalten, weil deine BSD selbst noch lange eigenes Insulin ausgibt. Dabei hilft auch die anfängliche Remissionsphase, die ja bei dir bereits eingesetzt hat und bei LADA lange andauern kann.

    Gehe erst mal von diesem relativ günstigen Fall aus und versuche, die Diagnose so gut wie möglich zu akzeptieren. Ein Schock war die Diabetes-Diagnose für jeden von uns. Wichtig ist, dass du den Schock schnell überwindest und mutig in die Zukunft schaust.

    Alles Gute, Rainer

    ____
    Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
    Bearbeitet von User am 21.02.2019 11:37:34. Grund: .
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 4207
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 20.02.2019 21:09:34 | IP (Hash): 24386628
    Dass Dich eine Art Blitz auf Raten getroffen hat, kann ich mir vorstellen. Aber Millionen Menschen mit Diabetes leben jeden Tag ganz selbstverständlich mit ihrem Diabetes, auch mit Typ1, wie auch dieser Mann http://www.diabetes-book.com/bernstein-life-with-diabetes/ seit 1946.

    Auch Du wirst ganz normal mit Deinem Diabetes leben und erleben können, wie die übrigen Beschwerden in dem Maße erträglicher werden, in dem Du Deinen Blutzucker im möglichst gesunden Rahmen steuerst. Daumendrück :)

    ----------------------------------------------
    Alle Aussagen bezüglich Diabetes und Behandlung in diesem Beitrag sind mutmaßlich, denn ich bin kein Arzt. Genauso wie ich von einem mutmaßlichen Mörder schreiben muss, wenn ich gesehen hab, wie einer einen anderen erschossen hat. Denn zum Mörder darf den nur zum entsprechenden Ende eines ordentlichen Verfahrens ein ordentlicher Richter ernennen ;)
  • Rang: Anfänger
    Punkte: 0
    Beiträge: 3
    Mitglied seit: 20.02.2019
    am 25.02.2019 14:59:59 | IP (Hash): 564102661
    Hallo zusammen,

    war einige Tage bei meiner Freundin, inzwischen geht es mir besser.

    Stand letzter Woche war ja noch das Rätselraten der Diabetologin, die noch von Typ-2 ausgegangen war. Am nächsten Morgen hatte sie dann per Fax das Ergebnis der Antikörperuntersuchung bekommen. Ich wurde sofort angerufen und sollte um 11 Uhr in die Praxis kommen, es sei sehr wichtig. Gut, ich wusste ja schon, was kommt, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich sofort mit Insulinspritzen beginnen sollte. Man hat sich in der Praxis gut um mich gekümmert, ich war einfach nur geschockt, obwohl ich ja schon 2 Wochen Zeit hatte, mich mit dem Gedanken anzufreunden.

    Seitdem spritze ich abends vorm Zubettgehen 10 Einheiten Abasaglar und messe einmal am Tag zu unterschiedlichen Zeiten den Blutzucker, damit wir erstmal Daten bekommen. Das ganze bewegt sich im Moment zwischen 82 und 128...

    Die Ärztin denkt auch, dass ich ein LADA sein könnte, das wäre ja schonmal beruhigend. Der Rest ist wohl Gewöhnung. Bisher gehts, ich sehe das abendliche Spritzen wie das abendliche Zähneputzen. Es gehört einfach dazu...
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 4207
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 25.02.2019 15:23:58 | IP (Hash): 1575634986
    Danke für die Info! Liest sich nach gutem Miteinanderauskommen :)

    Für's bessere Verständnis Deiner Messwerte hier mal ein Bild vom gesunden Verlauf über den Tag. Daumendrück für weiter gutes Gelingen!

    ----------------------------------------------
    Alle Aussagen bezüglich Diabetes und Behandlung in diesem Beitrag sind mutmaßlich, denn ich bin kein Arzt. Genauso wie ich von einem mutmaßlichen Mörder schreiben muss, wenn ich gesehen hab, wie einer einen anderen erschossen hat. Denn zum Mörder darf den nur zum entsprechenden Ende eines ordentlichen Verfahrens ein ordentlicher Richter ernennen ;)
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 972
    Beiträge: 2901
    Mitglied seit: 25.02.2011
    am 25.02.2019 22:56:35 | IP (Hash): 396511559
    Gwaihir79 schrieb:
    Gut, ich wusste ja schon, was kommt, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich sofort mit Insulinspritzen beginnen sollte.

    Halllo Gwaihir,

    der schnelle Beginn mit Insulin ist wichtig, um deine BSD zu entlasten. Mit dieser Unterstützung kann die Remissionsphase eine ganze Weile andauern.

    Ich drück dir die Daumen, dass du weiter so gute Werte hast und du deinen LADA noch lange Zeit mit so geringem Aufwand gut im Griff behalten kannst.

    Alles Gute, Rainer
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 0
    Beiträge: 1433
    Mitglied seit: 13.05.2016
    am 27.02.2019 17:52:22 | IP (Hash): 334955150
    Hallo,
    wurde selbst auch unerwartet plötzlich mit 40 mit LADA konfrontiert.
    Gilt als Alter, wo sich das spätestens zeigt (lt. Internet).

    Bei mir waren allerdings BZ-Werte so hoch, daß ich sofort mit kurzwirkendem Insulin klar kommen musste.
    Eine höhere Herausforderung, im Gegensatz zu deinem 1 x täglichen Basalinsulin.

    Du hast also reichlich Gewöhnungszeit, um dich mit Ernährung und externem Insulin auseinanderzusetzen.
    Positiv sehen ! (Im Vergleich zu mir: Schlimmer geht immer.)

    :-) Gruß Elfe
  • Rang: Anfänger
    Punkte: 0
    Beiträge: 8
    Mitglied seit: 25.11.2012
    am 27.02.2019 22:33:21 | IP (Hash): 686979536
    Hallo,
    das kann ich übertreffen: Ich war 69 Jahre alt, als mein Hausdoc 2007 den angeblichen Diabetes Typ 2, festgestellt hat: HBA1C mit 15,6. Das wollte er zunächst mitt Metformin hinbekommen. Dann kam Protaphane, 2012 zusätzlich Novo Rapid. In den 11 Jahren hat er sich meiner Bitte , mein Blut auf Antikörper ("was für Antikörper, denn?") untersuchen zu lassen, drei Mal (2008, 2012, 2018) erfolgreich widersetzt: "Das macht man nur, wenn es nötig ist." (Zahle doch ich (privat), nicht er.) Aber er hat mir Mitte 2018 immerhin geraten, eine Diabetes-Praxis aufzusuchen: Dort also Typ 1, LADA, Antikörper positiv..
    Den Arzt-Brief der Diabetologin hatte er nach 2 Monaten (da war ich noch einmal dort) noch immer nicht gelesen- Aber dann hat er doch sichtbar seine Stirn gerunzelt. Stand auf, gab mir die Hand und sagte: "Typ 1; machen Sie's gut."
    Mir geht es jetzt sehr gut, denn ich bin in guten Händen. Und den Hausdoc habe ich gewechselt.
    Ich habe einen Fehler gemacht: Rat an alle: Nicht den "Fach-Arzt für Allgemeinmedizin", sondern gleich den/die Diabetologen/Diabetologin aufsuchen!
    Gruß: Ludwig
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 4207
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 27.02.2019 23:41:02 | IP (Hash): 1860274784
    Eigentlich is da gar kein großer Trick bei, auch wenn der zutreffende Typ nicht erkannt wird: Schlicht den gesunden BZ als Richtschnur nehmen! Das geht in jedem Fall nur mit ausreichender Medikation, und da reicht auch bei LADA schon recht früh nur Insulin. - Klar, mit beliebig großer Verzögerung, wenn man als Betroffener jedes eigene Nach- und Mitdenken mit "mein Arzt ist mit meinen Werten vollkommen zufrieden" ausschaltet.

    ----------------------------------------------
    Alle Aussagen bezüglich Diabetes und Behandlung in diesem Beitrag sind mutmaßlich, denn ich bin kein Arzt. Genauso wie ich von einem mutmaßlichen Mörder schreiben muss, wenn ich gesehen hab, wie einer einen anderen erschossen hat. Denn zum Mörder darf den nur zum entsprechenden Ende eines ordentlichen Verfahrens ein ordentlicher Richter ernennen ;)