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Ich bin jetzt auch hier
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am 23.09.2020 16:31:27 | IP (Hash): 21688583
Moin zusammen,
ich bin Steffi und habe meine (vorab) Erstdiagnose vor nun genau einer Woche und zwei Tagen erhalten. Ich bin mit der Bitte um eine ärztliche Verordnung für Rehasport zum Arzt gegangen und mit einem Zuckerwert von 344, einer Einweisung auf der "Notfall" stand und tränen in den Augen wieder raus.
Ich bin 36 Jahre alt und mir fehlt in der Diagnose noch der Antikörper Wert. Der lässt son bissl auf sich warten. Aber dieser... ähm ... Pebtid wert? Heißt der so? Der deutet wohl auf Diabetes 1 hin. Meine Bauchspeicheldrüse produziert wohl nur einen sehr minimalen Wert an Insulin eigenständig.
Zur Vorgeschichte:
Mitten im Lockdown stellte ich fest dass ich recht plötzlich schlechter gucken konnte. Mein Durst stieg ins Unermessliche und mein Harndrang ebenso. Schlafen war fast gar nicht mehr drin denn so häufig wie ich auf Toilette musste und dann angst hatte zu verpennen wenn ich wieder einschlafe fühlte ich mich dazu genötigt einfach wach zu bleiben sobald es 3 Uhr oder später war. Von dem Acetongeschmack und Geruch wollen wir gar nicht erst reden...
Bereits kurz vor Corona hatte ich einen grenzwertigen Wert von 134. Mein Arzt sagte wir müssen das unter Beobachtung halten. Mir war das gar nicht so richtig bewusst was das bedeuten könnte und so vergaß ich das recht schnell wieder.
In der Zwischenzeit einen neuen Job begonnen in dem ich nun gerade mal einen Monat beschäftigt bin und zu jeder Tages und Nachtzeit eingeschlafen. Im gehen, im stehen, im sitzen, im liegen... Einfach immer und überall klappten mir die Augen zu und ich pennte so fest wie es nur ging.
Nunja... soviel zu den Anfängen.
Jetzt war ich eine Woche im Krankenhaus. Habe gelernt wie man mit Insulin umgeht, wie man BE berechnet und mir meine Faktoren gemerkt. Grundsätzlich komme ich mit allem gut klar, allerdings sitzt man im Krankenhaus auch in soner Käseglocke in der einem alles vorgekaut wird. Das Essen ist immer das gleiche, Die Bewegungen immer die selben... etc.
Jetzt komme ich nach Hause und irgendwie befürchte ich, dass die nächste Zeit mich ziemlich aus der Bahn werfen wird. Morgen gehe ich zu meinem Hausarzt - der auch Diabetologe ist - und ich soll irgendwelche Schulungen machen. Beim "kurz durchlesen" durch das Forum las ich einen Beitrag dass man 7 Wochen Schulung macht... Und ich denk mir, ja klar... ist ja auch viel zu lernen.... aber was bedeutet das? Muss ich nun etwa meinen Job aufgeben nur damit ich sone "blöde" Schulung machen kann ? Oder findet die in den Abendstunden statt?
Obendrein kann ich besonders gut SCHLECHT gucken... Erst wars noch so, wie vor dem Krankenhaus... Eben son bissl schlecht gucken... Die Kurzsichtigkeit war etwas schlecht... Dann wurde sie richtig schlecht und ich kaufte mir im Krankenhaus internen Kiosk eine Lesebrille... Mit der kam ich gut zurecht... Und plötzlich, seit gestern, kann ich auch auf die Ferne nicht mehr gut gucken und ich sehe mit dieser billigen Lesebrille besser als ohne...
Heute noch im Krankenhaus war ich wirklich guter Dinge. War mir sicher ich komme mit allem gut zurecht ... Aber im Moment hab ich einfach etwas Angst dass mir mein Leben entgleitet...
Vielleicht kann das ja jemand nachvollziehen.
Jedenfalls, ich bin jetzt auch hier und schau mich mal im Forum son bisschen um :)
Liebe Grüße
Steffi -
am 23.09.2020 17:19:18 | IP (Hash): 363004269
Hallo Steffi,
zumindest mit einem kann ich dich beruhigen, mit dem schlecht sehen. Deine Augen haben sich an den hohen BZ gewöhnt und kommen jetzt mit dem niedrigeren erst mal nicht zurecht. Mit dem BZ ändert sich der Brechungsindex. An den neuen BZ müssen sich deine Augen erst mal wieder gewöhnen - das machen sie auch. In der Zwischenzeit musst du dir weiter mit billigen Lesebrillen und ähnlichem behelfen.
Das andere wird schon auch gehen, wobei du natürlich erst mal viel Erfahrung sammeln musst. Das dauert bestimmt eine ganze Weile, aber es wird dir mit der Zeit immer besser von der Hand gehen. Ich drück dir dafür die Daumen.
Auf das Ergebnis des Antikörpertests brauchst du eigentlich nicht mehr zu warten. Wenn der C-Peptid-Wert so niedrig war, dass der Arzt Typ1-Diabetes annimmt, dann bringt der Nachweis von Antikörpern nur noch eine zusätzliche Bestätigung.
Alles Gute, Rainer
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Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
Bearbeitet von User am 24.09.2020 07:21:16. Grund: .1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 23.09.2020 17:55:22 | IP (Hash): 23356572
Hallo Steffi,
bei mir lief zwar von die Diagnostik bis zur Insulinbehandlung deutlich länger, da ich eine Art leichten Typ 1 mit Restfunktion habe. Also meine BSD produziert noch etwas, aber halt zu wenig, so dass ich ein dreiviertel Jahr nach der Diagnose auch mit Spritzen anfangen mussten habe.
Als ich dann letztes Jahr in der Reha auf ICT umgestellt wurde und heim kam, hatte ich genau die gleichen Gedanken wie du jetzt. Erst behütet und dann muss man selbst im Alltag klarkommen. Natürlich hat man Angst, wie komme ich nur daheim allein klar.
Was mir super geholfen hat, daheim erstmal alle Töpfe, Pfannen, Siebe, Schüsseln, die man zum Kochen braucht wiegen und als Liste am Kühlschrank hängen. Insb. wenn man für mehrere Personen oder Portionen kocht.
Dann such dir für den Anfang am Besten 1 Sorte Nudeln und 1 Sorte Reis. Die du erstmal nur isst. Weil jede Nudel und Reissorte hat wieder minimal andere KH. Und das macht es am Anfang schwieriger. Da ist je nur eine Sorte deutlich leichter.
Dann habe ich mir das Buch "Kalorien mundgerecht" gekauft. Gibt es auch gebraucht. Da sind ganz viele Lebensmittel mit BE Angaben drin.
Meine gängigsten Lebensmittel z.B. Nudeln, Obst, Reis, Kartoffeln habe ich auch mit BE Angaben je 100gr, sowie meine normale Portionsgröße gleich in BE ausgerechnet, auch auf die Liste am Kühlschrank am Kühlschrank geschrieben.
Ich geh mal davon aus, dass du gelernt hast 1 BE=10g Kohlenhydrate.
Such dir verschiedene Hypo-Snacks. Bspw. Traubenzucker (2 Platten von Dextro haben 1 BE), 0,2-Tetrapak Fruchtsaft (meist 2 BE), 1 Kinderriegel/Duplo (1 BE), 2 kl. Gummibär-Tüte (1,5 BE)... da gibt es viel Auswahl. Am besten auch verschiedene Dinge vorrätig haben. Man hat in einer Hypo nicht immer nur Lust auf TZ.
Nimm dir auch unbedingt ein paar Hypo-Snacks mit zum Bett. In der Nacht durch die Wohnung laufen um irgendwo was zu essen zu finden, ist nicht so COOL.
Welches BZ Messgerät hast du denn? Viele Hersteller schicken auf Anfrage noch ein zweites BZ Messgerät als Ersatzgerät kostenfrei zu. Einfach nachfragen. Mein zweites habe ich im Bett liegen, auch um nicht nachts durch die Wohnung zu müssen.
Du könntest dich mal - sollte es noch nicht geschehen sein - über die Möglichkeit von Sensoren informieren. Am Anfang kommt wahrscheinlich nur das FreeStyle Libre in Betracht. Das ist so ein kleiner Sensor am Arm, der kontinuierlich deinen Gewebezucker misst. Dieser entspricht mit etwas Verzögerung deinem BZ. Dadurch sieht man den gesamten Tagesverlauf und wird auch gewarnt, wenn man zu hoch oder tief kommt. Das vereinfacht vieles.
Bzgl. Schulung, in der Regel finden erstmal regelmäßig Einzel-Gespräche mit der Diabetesberaterin statt. Dort kannst du all deine Fragen klären. Eine Gruppenschulung findet dann meist 1x wöchentlich an einem Abend statt mit 5-7 Treffen. Wobei viele Praxen gar keine Gruppenschulungen mehr anbieten. Zumindest für Typ1 nicht mehr. Sondern das ganze häufig eher in Einzelschulungen besprechen.
Das schaffst du. Der Anfang ist schwierig, aber mit der Zeit rückt der Diabetes immer mehr in den Hintergrund und wird Routine.
Alles Gute
Lg July1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 23.09.2020 21:14:48 | IP (Hash): 1891785286
Hätte den Mutmachbeitrag selbst nicht besser schreiben können. Nur eins irritiert mich, aber kann ja auch sein, dass meine Schulungen längst veraltet sind. Ich hab noch gelernt 1 BE=12g, 1 KE=10g. Irritiert hat mich immer, dass es beide Maßeinheiten ausschließlich auf Deutsch gibt und z.B. nicht in der internationalen Medizinsprache Englisch.
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 23.09.2020 21:33:29 | IP (Hash): 23356572
hjt_Jürgen schrieb:
Hätte den Mutmachbeitrag selbst nicht besser schreiben können. Nur eins irritiert mich, aber kann ja auch sein, dass meine Schulungen längst veraltet sind. Ich hab noch gelernt 1 BE=12g, 1 KE=10g. Irritiert hat mich immer, dass es beide Maßeinheiten ausschließlich auf Deutsch gibt und z.B. nicht in der internationalen Medizinsprache Englisch.
Eine BE sind je nachdem 10, 12 oder 15gr Kohlenhydrate. Nur eine KE sind definitiv immer 10gr Kohlenhydrate.
Früher gab es ja nur die BE mit 12 gr KH. Als dann wegen der Einfachheit angefangen wurde mit 10gr KH zu rechnen, haben einige einfach weiter BE gesagt, aber halt mit 10gr KH gerechnet.
Mittlerweile schult eigentlich jeder auf 10gr KH, ob die jetzt BE oder KE heißen.
Da Steffi von BE schreibt und gerade erst diagnostiziert wurde, gehe ich stark davon aus, dass mit BE=10gr KH gemeint ist.
Ich denke, wir sollten sie diesbezüglich definitiv nicht weiter verwirren.
1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 24.09.2020 07:29:50 | IP (Hash): 21688583
Guten Morgen und vielen Dank für die Antworten.
Ich habe natürlich sehr viel gelesen und viele Apps ausprobiert und in vielen dieser sah ich auch 12 g. Kohlenhydrate. Meine Diabetesberatung sagte dazu, dass man so zwischen 10 und 12 g. rechnet, wir aber der Einfachheithalber mit 10 rechnen.
Dass die Augen wieder besser werden beruhigt mich ungemein. Zwar war im Krankenhaus der Augenarzt auch bei mir und sah mir auf die Netzhaut wo er keine Einblutungen oder ähnliches sah, aber dass die Augen dann schlechter wurden beunruhigte mich doch sehr. Zumal ich bis dato nie irgendwas mit Augenproblemen zu tun hatte. Habe immer sehr gute Sehfähigkeit gehabt.
Was den Sensor am Arm angeht, so hab ich da von meiner Beratung einen Gutschein mitbekommen den ich absenden soll und erhalte dann wohl ein Gerät für 2 Wochen zum Testen. Anschließend könnte ich entscheiden ob ich das behalten möchte. Das werde ich auch machen denn es ist ja nun wirklich eine große Erleichterung alles Blutfrei und ohne viel Aufwand machen zu können. Aktuell habe ich von Contour den Next One, dessen Inhalte ich mit einer App dokumentieren kann.
Vielen Dank auch für die Infos zu der Schulung. Erleichtert mich dass das kein "intensivkurs" ist der einem Vollzeitjob gleich kommt. Ich für mich habe entschieden, dass ich gerne eine Gruppenschulung hätte und frage diesbezüglich heute bei meinem Arzt nach. Sollte er diese nicht anbieten, hat mir meine Beraterin eine Praxis empfohlen die das ganze anbietet. Gruppen sind einfach eher mein Ding.