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Diabetes 2 und Untergewicht
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am 02.12.2020 16:52:44 | IP (Hash): 641194358
Hallo in die Runde,
nachdem mir nach der letzten Schwangerschaft mit Gestationsdiabetes nun Diabetes 2 diagnostiziert wurde, versuche ich meine Ernährung anzupassen. Ich habe optimale Werte bei einer stark kohlenhydratreduzierten Kost und ich habe auf der anderen Seite versucht, den Fettanteil deutlich zu steigern. Also im Sinne Low Carb, high fat. Leider bekomme ich es nicht richtig hin. Ich verliere stark an Gewicht, habe mittlerweile 10 Kilo weniger als vor der Schwangerschaft und mittlerweile einen BMI von 16. Der Diabetologe war gestern sehr alarmiert und hat gesagt, ich müsse Kohlenhydrate essen um zuzunehmen. Und wenn es nicht ohne Medikamente gehe, müsse ich auf Metformin eingestellt werden. Ich würde es gerne so schaffen. Ich habe heute natürlich mehr KH gegessen und die Werte waren entsprechend hoch. Habt ihr Tipps für mich wie ich gesund zunehmen könnte und dann mein Gewicht halten könnte, möglichst ohne Medikamente? Wie viele Kohlenhydrate sollten es am Tag sein? Und warum sagen die Diabetologen immer, dass ein Zwei-Stunden-Wert von 140 in Ordnung bzw das Ziel sei? Ist das nicht zu hoch?
Liebe Grüße! Ich freue mich über jeden Tipp! -
am 02.12.2020 17:44:07 | IP (Hash): 641194358
Vielleicht noch als Ergänzung. Ich esse momentan vier Mahlzeiten am Tag mit viel Gemüse, Nüssen, Samen, Käse, Avocado, Öle, Eier, Quark, Joghurt und selbstgebackenem Low Carb Brot. Selten Fisch, kein Fleisch.
Ein typischer Tag sieht so aus:
6 h: 100g Joghurt + 100g Quark mit 50g Nüssen/Kernen
9h: LC-Brot mit Avocado und Käse, Erdnussmus oder Mandelmus, Gurke, Tomate, 0,5 Äpfel oder eine Mandarine; gelegentlich ein Ei
13-14h: warmes Mittagessen nach LCHF, Nüsse
18h: Salat oder Rohkost mit Öl/Dip, LC-Brot mit Avocado und Käse
An welchen Schrauben könnte ich drehen? -
am 02.12.2020 19:05:02 | IP (Hash): 1108071225
Schmeckt Dir Dein Essen lecker? Bist Du damit nach dem Essen statt? Was fürchtest Du, wenn Du's ohne Medi nicht gezwungen kriegst?
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert. -
am 02.12.2020 19:16:09 | IP (Hash): 641194358
Ja, es schmeckt mir gut und ich bin danach satt.
Ich lese überall, dass es besser ist, es ohne Medikamente in den Griff zu bekommen. Stimmt das denn nicht? -
am 02.12.2020 19:54:35 | IP (Hash): 1108071225
So pauschal würde ich das nicht unterschreiben. Es gibt bestimmt ne ganze Reihe von Typ 2, die eher verhungern können, als ihren BZ ohne Medis in den gesunden Bereich bringen oder ihn darin halten. Typ 2 ist nicht einfach nur ungesund und zu viel Essen und zu wenig Bewegen, wie Du ja selbst bestens beweist.
Wenn Du trotzdem bei Deiner Art ohne Medis bleiben willst, musst Du allerdings nicht nur nicht weiter ab- sondern besser noch das eine oder andere Kilo wieder zunehmen. Die wirksamste Schraube ist mehr Fett. Dazu verhilfst Du dir nicht mit Butter und Käse auf Brot, sondern eher mit Brot auf Butter und Käse. Und am Quark am Morgen braucht's kein Joghurt, sondern Sahne!
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert. -
am 03.12.2020 09:07:22 | IP (Hash): 1040372874
Hi,
aus meiner Sicht ja fast schon beneidenswert das du gar nicht so viel Essen kannst wie du müsstest, während ich um jedes Kilo weniger kämpfen muss.
Aber so hat eben jeder seine eigenen Probleme und Untergewicht ist gesundheitlich ja auch eher ungünstig, genau wie Übergewicht.
Hast du es schon mal mit "gesunden" also den langkettigen KH versucht. Also Vollkorn Nudeln, Hülsenfrüchte und Kartoffeln. Dein Frühstück könntest du um einen ordentlich Anteil Haferflocken erweitern. Natürlich auch mit diesen KH nicht übertreiben aber sie sollten Bestandteil einer Malzeit sein.
Und auch mal ein Stück Fleisch gehört einfach nur natürlichen Ernährung dazu, nur damit wurde der Mensch zu dem was er heute ist. Vegetarisch ernähren geht zwar etwas auch aber wenn man zusätzliche Probleme wie Diabetes hat wird es eben noch schwieriger den Körper dann ausreichend zu versorgen.
Ansonsten wie Jürgen schon gesagt hat, bei allen Produkten wie Joghurt, Quart Käse etc. immer auf einen hohen Fettanteil achten (z.b. gerne den Griechischen Joghurt mit 10% usw. )
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am 04.12.2020 15:11:42 | IP (Hash): 277645003
Hallo Finchen,
Erst mal Glückwunsch zum erreichten.
Innerhalb welcher Zeit bist du denn von welchen hohen Werten auf welche jetzigen gekommen?
Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass sich Normalwerte erst mit der Zeit eingestellt haben.
Bei mir waren es ca. 4 Monate.
Insofern darf ich vermuten, dass du dir zu viel Druck machst und dir raten , es etwas gelassener anzugehen.
Ich weiß, ich habe mir auch mit der Diagnose geschworen, den Diabetes weitestgehend zurückzudrängen. Und habe auch nichts unversucht gelassen. Und doch habe ich den Eindruck, du machst gerade das, was ich vor Entdeckung meiner Diagnose für sehr gefährlich hielt und inzwischen für ne Weile zum erreichen eines Ziels tolerieren kann: Dem Körper vorgaukeln, du bist satt, während noch eine Schippe voll fehlt.
In der Lage würde ich dir z.B. zu 10%-fettem Joghurt, zu Eiweißen (pflanzlichen sowie tierischen) raten.
Und keine Angst vor langkettigen Vollkorn-KHs und vor Obst, natürlich beides nicht überreichlich, aber in Maßen.
Für mich ist das Haferflocken-Müsli zur täglichen Routine geworden. hält lange satt und gibt KHs zeitlich gestreckt frei.
Ist aber Ansichts- und Geschmacḱssache.
Halt das, was auch gesunden geraten wird, gerne Low Carb, nicht gleich No Carb.
Dann dauert es evtl. etwas länger, aber es ist ein auf Dauer trägfähiges Konzept.
Einen kräftigen Anschub hast du ja schon gegeben.
Was das Metformin angeht. Es schadet nicht und du kommst davon leicht wieder los.
Ob du es mit oder ohne probierst, ist deine Sache.
Und die 140 nach 2 Stunden sind die Obergrenze für Gesunde.
Wenn du es langfristig gut anstellst, pegelt sich das mit der Zeit möglicherweise noch deutlich darunter ein.
Bearbeitet von User am 04.12.2020 15:25:09. Grund: Rechtschreibung+Ergänzung -
am 05.12.2020 21:31:34 | IP (Hash): 1976670685
Hallo Finchen,
es kam jetzt vor einiger Zeit heraus, dass es anscheinend nicht den einen Typ2 Diabetiker gibt. Sondern es insgesamt 5 unterschiedliche Formen (mit Typ1 sechs Formen) gibt.
1. Schwerer Autoimmundiabetes (Typ1/Typ1 Lada mit positiven Antikörpern), Therapie: Insulin
2. Schwerer Insulinmangeldiabetes: Betroffene sind jung und schlank, haben keine Antikörper, keine schwere Insulinresistenz
3. Schwerer Insulinresistenter Diabetes: Übergewicht, schwere Insulinresistenz, Therapieempfehlung: OADs
4. Moderater Diabetes in Zusammenhang mit Übergewicht: starkes Übergewicht, jedoch nur moderate Störung des Blutzuckers, Lebensstiländerung häufig ausreichend
5. Moderater Altersbedingter Diabetes: höheres Alter bei Erkrankungsbeginn, auch hier Lebensstiländerungen häufig ausreichend
Gibt mehrere Quellen, z.B.:https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/diabetes/tk-plus-bei-diabetes-mellitus/typ-2-diabetes-neue-klassifikation-2042862
So wie ich dich jetzt einschätze, könntest du in Kategorie 2 gehören. Wobei dein Diabetes sehr früh durch die Schwangerschaft entdeckt wird. Diese Typ2 Kategorie wird wahrscheinlich langfristig nicht ohne Medikamente ggf. sogar Insulin auskommen. Wichtig ist, ein BMI von 16 ist viel zu niedrig! Du musst schauen, dass du zunimmst und dann bei Normalgewicht schauen, ob du deinen Blutzucker in einem angemessen Rahmen halten kannst, ohne Abzunehmen, oder ob du Medikamente dafür brauchst. Man möchte keine Medikamente, klar, aber manchmal geht es nicht anders.
Ich war in einer etwa vergleichbaren Situation. Mein Diabetes ist ein Sonderform, Typ3. Daher in der obrigen Kategorisierung nicht enthalten. Aber hat viele Gemeinsamkeiten mit Kategorie 1 und 2 oben. Mein Körper produziert zu wenig Insulin. Ich wollte aufgrund einer Nadelphobie absolut nicht spritzen. Da die Werte noch nicht so schlecht waren, HbA1C bei 6,3, nüchtern ca. 120-140 war es für den Diabetologen in Ordnung vorerst. Langfristig würde ich jedoch nicht um Insulin umherkommen. Was ich definitiv nicht wollte. Ergebnis: zum Teil gab es nur einen Joghurt am Tag, weil ich panische Angst vor dem Insulin hatte. Diese Phase konnte ich natürlich nicht lange aufrechterhalten. Irgendwann wurden natürlich die Werte immer schlechter, so dass ich dann doch Insulin brauchte. Die Nadelphobie ist immer noch ein Problem (wobei es mittlerweile zahlreiche Hilfsmittel gibt und ich da von Diabetespraxis und auch Krankenkasse super unterstützt wurde). ABER, ich kann wieder LEBEN! Ich stehe morgens plötzlich mit 200 auf, kann mal passieren, dann gibt es einfach Insulin und der Wert sinkt, vorher hätte ich den ganzen Tag nichts gegessen bis ich irgendwann gegen Abend von selbst wieder niedrig gekommen bin, dass ich mir erlaubt hätte, was zu essen.
Also übertreibe es nicht, du brauchst auch für dein Kind die Energie und Kraft. Das ist mit einem BMI von 16 nicht gegeben! -
am 06.12.2020 08:10:59 | IP (Hash): 1779076654
Ich danke euch allen für eure Antworten und lieben Worte.
Ja, es fällt mir sehr schwer mich mit der Diagnose abzufinden, besonders da in zahlreichen Empfehlungen immer wieder suggeriert wird, dass DM2 durch ein konsequentes Ess- und Bewegungsverhalten in Schach gehalten werden kann. Auch habe ich generell große Probleme damit, die Diagnose zu akzeptieren. Das ist natürlich Quatsch und hilft mir absolut nicht weiter, aber momentan drehen sich in meinem Kopf gefühlt alle Gedanken darum. July, was du geschrieben hast, trifft absolut auf mich zu: Ich möchte wieder LEBEN (von mir aus mit Diabetes), aber ich möchte nicht, dass er mein Denken und Handeln kontrolliert so wie es momentan ist. Es ist also ein "Kopfproblem". Habt ihr Gedankenanstöße, wie ich das Gedankenkarussell stoppen und die Diagnose akzeptieren kann?
Vielen Dank für die Auflistung der DM2-Typen, das wusste ich gar nicht. Laut Aussage meines Diabetologen produziert mein Körper ausreichend Insulin, allerdings zeitverzögert. Deswegen meint er, sei es wichtig, dass lediglich der Zweistundenwert unter 140 liege. Damit kann ich mich aber nur schwer anfreunden, da ich immer wieder lese, dass der Einstundenwert unter 140 liegen sollte.
Mein Diabetologe hat außerdem eine genetische Untersuchung auf Mody 3 veranlasst. Das Labor möchte nun vorab eine Genehmigung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse haben. Wie seht ihr das: Sollte die Krankenkasse die Kosten nicht übernehmen, lohnt sich eine Finanzierung aus eigener Tasche? Oder macht es letztlich keinen großen Unterschied, ob nun Mody oder DM2? Ich denke natürlich auch an unsere Kinder und frage mich, ob ich es ihnen ggf. vererbt habe.
Freitag habe ich erfahren, dass mein Hba1c-Wert trotz LCHF-Ernährung um 0,5 gestiegen ist. Ich kann es mir nicht erklären, da ich nach dem Essen quasi keine Blutzuckerspitzen hatte, nur wenn ich es explizit darauf angelegt habe. Gibt es hierfür Erklärungen?
Aufgrund meines Untergewichtes darf ich nun zur Ernährungsberatung des Diabeteszentrums gehen. Ich hoffe sehr, dass die Dame mir gute Anregungen geben kann. Denn, auch wenn es reizvoll klingt, Probleme mit dem Zunehmen zu haben, das Untergewicht ist laut Aussage momentan ein sehr schwerwiegendes Problem. Und ich merke natürlich selbst, wie mir langsam damit die Kraft und Energie ausgeht. -
am 06.12.2020 08:41:38 | IP (Hash): 1785248852
Finchen_85 schrieb:
Mein Diabetologe hat außerdem eine genetische Untersuchung auf Mody 3 veranlasst. Das Labor möchte nun vorab eine Genehmigung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse haben. Wie seht ihr das: Sollte die Krankenkasse die Kosten nicht übernehmen, lohnt sich eine Finanzierung aus eigener Tasche?
Nein, aus meiner Sicht lohnt sich das wirklich nicht. Erstens ist es sehr teuer, zweitens müsste es bei einem negativen Ergebnis weiter gehen mit weiteren teuren Tests auf MODY Typ 1 und auf weitere Typen. Und drittens macht es in er Behandlung kaum einen Unterschied bis auf einen: bei MODY Typ 3 und Typ 1 kannst man den Diabetes überlange Zeit gut mit einer kleinen Dosis SH bzw. Glinide im Griff behalten, was bei einem Typ2-Diabetes nicht möglich ist.
Beste Grüße, Rainer
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Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
Bearbeitet von User am 06.12.2020 08:42:00. Grund: .