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Datteln gut für Diabetiker???

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    Mitglied seit: 25.02.2011
    am 23.12.2020 14:55:22 | IP (Hash): 1169571300
    Ein Neudiabetiker hat hier beschrieben, dass er aus dem Internet herausgefischt hat, dass Datteln gut für Diabetiker sein sollen. Da das allen Erfahrungen widerspricht, die wir als Diabetiker gemacht haben, wollte ich es mir genauer ansehen. Ich habe mir deshalb gleich mal das erste Suchergebnis nach "Datteln Diabetes" vorgenommen: "Datteln - ein Superfood nicht nur für Diabetiker..."

    Im Text wird mit viel bla, bla, bla so getan, als ob Datteln besonders gut für Diabetiker geeignet sind. Interessant sind die Quellen, auf denen diese Werbeaussage beruht. Der Artikel besitzt tatsächlich am Schluss ein Quellenverzeichnis und eins von denen beschäftigt sich auch mit Glukose: "Effects of date ( Phoenix dactylifera L., Medjool or Hallawi Variety) consumption by healthy subjects on serum glucose ..."

    Wenn man sich diese Studie ansieht, dann stolpert man als erstes darüber, dass da gar nichts bei Diabetikern sondern nur an 'healthy subjects', also bei gesunden beobachtet wurde und zwar lediglich bei 10 gesunden Leuten. Es wurde auch nur nachgewiesen, dass bei vier Wochen langem Verzehr von täglich 100g Datteln bei den gesunden der Nüchtern-BZ nicht angestiegen ist. Wie man weiß, wäre das bei gesunden auch in vier Wochen nicht mit täglich eine Tafel Schokolade oder einer Tüte Bonbons passiert. Die Schlussfolgerung auf den nicht gestiegenen NBZ im letzten Satz ist dann wieder lustig. Es wird dort behauptet, dass die 100g Datteln keinen negativen Einfluss auf den BZ hatten, was überhaupt nicht untersucht wurde.

    Die Werbeaussage "Datteln sind gut für Diabeter" entsteht am Ende dadurch, dass jeder ein bisschen was zu den untersuchten Tatsachen dazu schummelt. Aus "keine Veränderung des Nüchtern-BZ bei gesunden" über "keinen negativen Einfluss auf den BZ insgesamt bei den gesunden" und "keinen negativen Einfluss auf den BZ auch bei Diabetikern" kommt am Ende die Aussage "Datteln sind besonders gut für Diabetiker geeignet" heraus. Schlimm ist nur, dass das in der Werbung so schön dargestellt und angeblich auch nachgewiesen wird, dass man sogar als Diabetiker gerne daran glauben möchte.
    Bearbeitet von User am 23.12.2020 17:23:57. Grund: .
     1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag.
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    am 23.12.2020 16:08:52 | IP (Hash): 1944306669
    Rainer schrieb:
    Ein Neudiabetiker hat hier beschrieben, dass er aus dem Internet herausgefischt hat, dass Datteln gut für Diabetiker sein sollen. Da das allen Erfahrungen widerspricht, die wir als Diabetiker gemacht haben, wollte ich es mir genauer ansehen. Ich habe mir deshalb gleich mal das erste Suchergebnis nach "Datteln Diabetes" vorgenommen: "Datteln - ein Superfood nicht nur für Diabetiker..."

    Im Text wird mit viel bla, bla, bla so getan, als ob Datteln besonders gut für Diabetiker geeignet sind. Interessant sind die Quellen, auf denen diese Werbeaussage beruht. Der Artikel besitzt tatsächlich am Schluss ein Quellenverzeichnis und eins von denen beschäftigt sich auch mit Glukose: "Effects of date ( Phoenix dactylifera L., Medjool or Hallawi Variety) consumption by healthy subjects on serum glucose ..."

    Wenn man sich diese Studie ansieht, dann stolpert man als erstes darüber, dass da gar nichts bei Diabetikern sondern nur an 'healthy subjects', also bei gesunden beobachtet wurde und zwar lediglich bei 10 gesunden Leuten. Es wurde auch nur nachgewiesen, dass bei vier Wochen langem Verzehr von täglich 100g Datteln beiden gesunden der Nüchtern-BZ nicht angestiegen ist. Wie man genau weiß, wäre das bei gesunden auch nicht mit täglich 100g Schokolade oder einer Tüte Bonbons passiert. Die Schlussfolgerung auf den nicht gestiegenen NBZ im letzten Satz ist dann wieder lustig.Es wir dort behauptet, dass die 100g Datteln keinen negativen Einfluss auf en BZ haben, was überhaupt nicht untersucht wurde.

    Die Werbeaussage "Datteln sind gut für Diabeter" entsteht am Ende dadurch, dass jeder ein bisschen was zu den untersuchten Tatsachen dazu schummelt. Aus "keine Veränderung des Nüchtern-BZ bei gesunden" über "keinen negativen Einfluss auf den BZ insgesamt bei den gesunden" und "keinen negativen Einfluss auf den BZ auch bei Diabetikern" kommt am Ende die Aussage "Datteln sind besonders gut für Diabetiker geeignet" heraus. Schlimm ist nur, dass das in der Werbung so schön dargestellt und angeblich auch nachgewiesen wird, dass man sogar Diabetiker gerne daran glauben möchte.



    Danke Dir für diesen Beitrag, Rainer.
    Im Internet ist das ja immer so. Es kann sehr hilfreich sein, erweist sich aber erstaunlich oft als Brennpunkt für alle möglichen Diskussionsthemen und als Spielwiese für alle die von dem worüber diskutiert oder geschrieben wird, faktisch keine Ahnung haben. Man klickt eine Seite an, liest das Geschriebene durch und wählt die nächste Seite aus. Dort steht praktisch das gleiche, nur vllt. etwas kürzer oder ausführlicher. Seite 3 dreht dann alles wieder um und meint, dass die Infos von Suchergebnisseite 1 und 2 zu vergessen sind, da nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Und so ist's mit nahezu allen anderen Themen auch. Wissenschaftlich begründbar oder inhaltlich durch Studien gestützt sind die oftmals nicht. Als nächstes Beispiel nenne ich den Hungerstoffwechsel. An den glauben immer noch viele selbsternannte Branchenexperten. Man schreibt seitenweise Tipps zum abnehmen, man müsse Sport treiben und dürfe ja nicht zu wenig essen, diskutiert da hin und her und schüchtert Abnehmwillige mit Pseudowissen ein. Dass dahinter aber einfache Anpassungen an die geringere Körpermasse nach einiger Zeit der Lebensumstellung, bedingt durch einen niedrigeren Grundumsatz, geringerem Kalorienverbrauch beim Sport durch weniger Gewicht oder einfach durch eine falsche Einschätzung der Kalorienzufuhr, des stetig geringeren Kalorienverbrauchs durch Bewegung und Sport etc. dahinter steckt, ist natürlich absurd, denn nicht WIR mit UNSEREM Ess- und Bewegungsverhalten sind dann für unsere Gesundheit verantwortlich zu machen, sondern unser Körper, der einfach zu wenig leistungsfähig ist. Nicht die Schuld beim Schuldigen suchen, sondern bei dem der nicht schuld ist. Die einfachste Ausrede für menschliches "Versagen". Und dieses Prinzip lässt sich auf fast alle polarisierenden Themen anwenden. Noch ein Tipp: Such zB einfach mal auf Englisch und Deutsch nach dem Glykämischen Index. Ich garantiere Dir, dass Du seitenweise ständig andere Angaben zum BZ-Anstieg lt. diesen Tabellen findest. Wem soll man glauben, oder besser: Wer hat recht?

    In dem von Dir geschilderten Beispiel ist es halt besonders problematisch, da Betroffenen (in dem Fall Diabetikern) ein falsches Gefühl der Sicherheit vermittelt wird. Umgekehrt gehts ja bekanntermaßen auch, ist aber im übrigen für die geistige Gesundheit und Stresslevel auch schädlich nur auf eine andere Art und Weise.
    Bearbeitet von User am 23.12.2020 16:20:53. Grund: Ko
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    am 23.12.2020 17:09:32 | IP (Hash): 1255735863
    Danke für das ausführliche Dattelbeispiel! Und Dank auch für die Erweiterung um den glykämischen Index.
    Beide Beispiele belegen eindeutig, dass es tatsächlich keine vernünftige Alternative zum systematischen Selbermessen nach diesem bewährten Rezept gibt https://a7582688-a1e5-4056-88a2-dfd422642832.filesusr.com/ugd/32a606_db20057cf9b5496ea94c7d7d2d6f0cde.pdf

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
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    am 30.12.2020 12:08:13 | IP (Hash): 1333258619
    Und jetzt komme ich und stelle folgende Frage: Von welchen Datteln sprichst du?
    Von den Trockenfrüchten die man hierzulande in jedem Regal findet?
    Von den halb Trockenfrüchten, die man nicht überall bekommt?
    Oder sprichst du gar von richtigen Datteln, was hierzulande kaum einer weis wie die aussehen?
    Denn Trockenfrüchte haben immer mehr Fruchtzucker drin, soviel habe ich schon mal gelernt und daher glaube ich nicht das alle drei die gleichen Werte haben

    gruss X5-599
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    am 30.12.2020 13:03:17 | IP (Hash): 2024095628
    Und jetzt schreib ich nochmal, dass blutzuckermäßig eigentlich völlig egal ist, von welchen Datteln die Schreibe ist. Denn für wo's eh keine Tabelle gibt, nach der sich ein Blutzucker richtet, muss das eh jeder betroffene Mensch für sich selbst austesten. Und da am besten mit der Sorte, von der er meistens isst oder essen will.

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    am 30.12.2020 14:03:38 | IP (Hash): 1472406119
    Hi,

    Trockenfrüchte sind ja wie der Name schon sagt getrocknet, als wurde das Wasser entzogen.

    Der Zuckergehalt bleibt aber natürlich gleich. Der Prozentuale Zuckeranteil steigt dadurch halt enorm an.

    z.B. 100g frische Datteln enthalten 25g Zucker. Getrocknet sind es noch 50g aber eben immer noch 25g Zucker.

    Es macht also mal grundsätzlich keinen Unterschied ob man 100g frische Früchte isst oder 50g getrocknete.
    Bei getrockneten Früchten ist aber eben die Gefahr groß das man dann deutlich mehr isst als 50g und damit eben auch viel mehr Zucker zu sich nimmt.