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2 Jahre LADA-Phase - ein Zwischenbericht

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    am 28.01.2021 12:20:30 | IP (Hash): 564102661
    Hallo zusammen,

    vor genau 2 Jahren ist über einen Bluttest bestätigt worden, dass ich mit 39 Jahren an Diabetes 1 erkrankt bin. Da es sehr früh erkannt wurde, habe ich keinen Schaden genommen und seitdem spritze ich jeden Abend 8 Einheiten Abasaglar und mein Langzeitwert liegt seit Monaten bei guten 5,4 - 5,6. Man hat damals schon vermutet, dass ich eine LADA Variante habe und möglicherweise längere Zeit nur abends spritzen brauche. Und so sind nun schon 2 Jahre ins Land gezogen und meine Werte sind immer noch so wie damals. Niemand kann sagen, wie lange es noch dauert, bis ich auch zu jeder Mahlzeit spritzen muss, aber ich bin optimistisch, dass es noch ein paar Jahre mehr werden.

    Ich komme sonst ganz gut über den Tag. Starte mit einem Frühstück aus 2 Toast mit Wurst und Nutella, 1-2 Tassen Milch und manchmal auch einen Joghurt. Dann komme ich bei einem Wert von 160 an, der bis mittags dann auf 100 sinkt, oder ich mache mittags einen Spaziergang und muss dann sogar schon wieder Schokolade essen, weil der Zucker dann zu weit runtergeht. Tagsüber kann ich hier und da einen Schokoriegel oder was anderes Süßes essen. Dann gehe ich auf 140 hoch und dann fällt es wieder. Auch mal ein Eis im Sommer und ein Stück Kuchen sind drin, wenn ich danach einen Spaziergang mache. Ich hatte aber auch mal eine Kombination aus Kakao, Waffel mit Puderzucker und heißen Kirschen und einem anschließenden Spaziergang und war 3 Stunden später immer noch bei 200, was mich gewundert hatte. Es geht also manchmal höher als ich denke, aber da muss ich schon zu viele Nudeln, Reis oder Pizza gehabt haben. Zu Nudeln esse ich immer Fleisch und in viel Öl. Zu Reis kommt ein gutes Stück Butter dazu und bei der Pizza wähle ich auch eine ölige Variante mit Salami, lasse aber den Rand immer liegen. Bei diesen Speisen komme ich dann oft auf 160-180. Gleich gibt es wieder einen Döner, auch wenn ich den Rest Brot am Ende immer wegwerfe.

    Ich bin überglücklich, dass es Zuckerersatzstoffe gibt. Denn leider bin ich süchtig nach Cola, Sprite und Fanta. Das tut richtig gut, das zu trinken. Auch Joghurts und Puddings gibt es viel mit Ersatzstoffen. Und auch Schokolade mit 75% bis 90% Kakao habe ich lieben gelernt. Natürlich weiß man hier zu wenig über die Ersatzstoffe, ob sie gefährlich sind. Kein Arzt konnte das aber bisher bestätigen.

    Unterzuckerungen kommen bei mir sehr langsam, so dass ich immer früh genug erkenne, wann ich Traubenzucker brauche. Meine Frau lacht sich dann immer kaputt, wenn ich messe und freudenstrahlend auf den Schrank mit den Süßigkeiten zusteuere... Einkaufen kann blöd werden, wenn ich nur gefrühstückt habe und dann plötzlich anfange zu schwitzen. Habe dann aber trotzdem noch genug Zeit. Ich lese davon, dass andere da innerhalb von einer Minute und weniger zusammenbrechen können. So ist bisher noch nie etwas schlimmes passiert. Aber nah dran war ich schon einige Male, wenn das Schwitzen kommt.

    Manchmal bin ich genervt, dass ich mich an Nudeln, Reis und Co. nicht ordentlich satt essen kann, weil ich nichts dagegen spritzen kann. Ich muss alleine mit dem Basalinsulin auskommen und grob abschätzen. Dann gibt es halt nur einen halben Teller Nudeln, dafür aber mehr Fleisch. Wenn es also irgendwann mal komplett ausbricht, kann ich mir wenigstens sagen, dass ich nun wieder mehr und besser essen kann, weil ich alles gegenspritzen kann. Ich habe seit 2 Jahren nochmal abgenommen, aber ich war schon immer sehr schlank. Von daher kann ich mir mehr Fett in meiner Ernährung leisten. Fettreicher Quark, Avocados und immer viel Öl in die Pfanne...

    Mal sehen, wie lange diese LADA Phase noch dauert... so hab ich mich erstmal dran gewöhnt und im Laufe des Tages kann ich sehr gut abschätzen, wo mein Zucker ist. Meistens irgendwo zwischen 80 und 140. Mein Hausarzt meinte, dass ich der einzige sei, den er kennt, der die Remissionsphase schon so lange hat. Ich kann es nicht einschätzen, wie häufig das ist. Ich kenne es ja nicht anders... meine Diabetologin fragte sich schon öfters, ob ich wirklich erkrankt bin. Aber 2 Bluttests haben das damals bestätigt, insofern kann kein Fehler vorliegen. Bei vielen Nudeln würde es bei bis auf 250 hochgehen. Das würde nicht passieren, wenn ich gesund wäre. Wobei ich mal gelesen habe, dass die Inselzellen "faul" werden, wenn von außen Insulin gespritz wird. Das wäre eine Erklärung, aber wie gesagt... es gab 2 Bluttests...

    Schauen wir mal, wie es weitergeht...
    Bearbeitet von User am 28.01.2021 12:25:11. Grund: Typos
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    am 28.01.2021 12:44:03 | IP (Hash): 1669883284
    Gratuliere zum bisherigen guten Gelingen!
    Was ich mir gaaanz schwer erklären kann: Wie und wann am Tag kommst Du zu Unterzuckerungen? Und in welcher Höhe misst Du dann Deinen BZ?

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
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    am 28.01.2021 13:13:00 | IP (Hash): 564102661
    Danke!

    Die Unterzuckerungen passieren, wenn ich länger nichts gegessen habe. Zum Beispiel 9 Uhr Frühstück und um 14 Uhr Einkaufen, dann hat mein Körper genug eigenes Insulin angesammelt, dass das Basalinsulin den Spiegel weiter fallen lässt. Also vor dem Einkaufen immer ein Schokoriegel zur Sicherheit. Oder ich gehe spazieren oder den "Berg" hier hoch. Dann merke ich irgendwann das Kribbeln im Bauch und nehme Traubenzucker. Ab einem BZ von 69 merke ich etwas und wenn ich messe bin ich meistens um die 65. Mein Rekord lag mal bei 58, konnte das mit Traubenzucker aber schnell korrigieren.
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    am 28.01.2021 13:15:14 | IP (Hash): 1041480420
    Hallo Gwaihir,

    danke für deinen Bericht. Fand ich sehr interessant zu lesen, da ich mich in einer ähnlichen Situation befinde. Allerdings noch nicht so lange wie du, sondern seit 7 Monaten. Auch mit 39 als Zufallsbefund zu hohen BZ festgestellt und Langzeit bei 7,2. Dann Antikörper bestätigt (GAD 2000, ZnT8 400, IA2 190, Rest war normwertig).
    Ich versuche allerdings kohlenhydratreiche Nahrung zu vermeiden, zB Nudeln oder Pizza esse ich so gut wie gar nicht mehr. Dafür mehr Fleisch, Fisch und Gemüse. Brot habe ich komplett gestrichen, außer Low Carb Produkte. Da gibt es ja heutzutage gsd einiges, das sogar halbwegs schmeckt. Ich reduziere die Kohlenhydrate jetzt nicht so heftig wie Dr. Bernstein (30g Kohlenhydrate am Tag), bin so bei 70g am Tag.

    Wurde dein LADA auch durch Antikörper bestätigt?

    Und wenn du von Remission sprichst: gab es denn ganz ganz hohe Werte bei dir oder war das so maximal bei 250?

    Mein Arzt sagte nämlich, dass man erst nach einer Exazerbation von einer Remission nach Insulingabe sprechen kann.

    Ich habe mich übrigens in Mahlzeiteninsulin (Fiasp ab und zu bei vielen Kohlenhydraten 2 IE gespritzt) probiert und fand es gar nicht schlimm. Unterzuckerungen hatte ich bisher überhaupt keine, zumindest keine wahrgenommen (auch wenn mein Libre mir so was angezeigt hatte - aber der misst immer etwas zu niedrig). Liegt vllt daran, dass mein C-Peptid mit 3,5 normwertig ist, was wiederum eine gewisse Insulinresistenz vermuten lässt - ist bei LADA wohl gar nicht so unüblich.

    LG, Ron
    Bearbeitet von User am 28.01.2021 13:17:37. Grund: Format
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    am 28.01.2021 13:37:51 | IP (Hash): 564102661
    Hallo Ron,

    ja genau, war der Antikörper Test, der positiv gewesen ist. Durch eine Herzerkrankung bekam ich zu der Zeit damals alle 4 Wochen Blut abgenommen und da konnte man ab September 2018 schon sehen, dass der Nüchternwert von Monat zu Monat langsam hochging... 80 - 110 - 145 - 155...

    Wenn ich das richtig verstanden habe, sollte man mit zu wenigen Kohlenhydraten auch vorsichtig sein. Der Körper benötigt die Energie ja trotzdem, um alle Organe mit schneller Energie versorgen zu können. Kenne mich aber zu wenig aus, ob die Energie auch aus anderen Bausteinen kommen kann.

    Mein Rekordwert lag bei 275 oder sowas. Sonst eher mal 225 oder häufiger 180. Nachdem ich gelesen habe, dass man am besten immer unter 160 bleiben soll, gehe ich da kein Risiko mehr ein. Ich möchte Langzeitschäden minimieren. Mit jetzt 41 muss mein Körper noch ein paar Jahre damit leben... es geht aber zwischendurch immer wieder mal bis 180, aber nicht so oft.

    Vielleicht verwende ich den Begriff Remission nicht richtig. Aber so hatte ich es verstanden, dass es mit der Gabe von Insulin erstmal einige Zeit so aussieht, als wenn man kein Insulin mehr braucht. Das ist ja bei mir nicht der Fall. Würde ich komplett so essen, als wäre nichts, würden meine Werte viel zu hoch sein.

    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du auch noch einige Jahre in LADA Zustand vor Dir hast!
    Bearbeitet von User am 28.01.2021 13:39:19. Grund: Typos
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    am 28.01.2021 13:55:07 | IP (Hash): 1669883284
    Gwaihir79 schrieb:
    wenn ich länger nichts gegessen habe. Zum Beispiel 9 Uhr Frühstück und um 14 Uhr Einkaufen, dann hat mein Körper genug eigenes Insulin angesammelt, dass das Basalinsulin den Spiegel weiter fallen lässt. Also vor dem Einkaufen immer ein Schokoriegel zur Sicherheit. Oder ich gehe spazieren oder den "Berg" hier hoch. Dann merke ich irgendwann das Kribbeln im Bauch und nehme Traubenzucker. Ab einem BZ von 69 merke ich etwas und wenn ich messe bin ich meistens um die 65. Mein Rekord lag mal bei 58, konnte das mit Traubenzucker aber schnell korrigieren.


    Insulin im Blut hat ne Halbwertzeit von knapp 5 Minuten, ist alle 5 Minuten um die Hälfte weniger wirksam, geht da drin folglich nicht zu sammeln. Außerdem wird von da nur auf Anforderung ausgegeben, also auf Bestellung, wenn neu gegessene Glukose durch die Darmwand ins Blut aufgenommen wird, oder wenn Glukose im Blut nach dem Durchlauf durch den Organismus bei den Beta-Zellen ankommt. - Du hast nicht zufällig eher niedrigen Blutdruck?

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    am 28.01.2021 14:02:44 | IP (Hash): 564102661
    Dann ist es keine Ansammlung, da hast Du Recht. Aber das Langzeitinsulin wirkt dann trotzdem on-top. Zumindest stelle ich mir das so vor. Ja, ich habe eher niedrigen Blutdruck, so 100-70 im Standard. Das soll auch so sein, da ich eine DCM habe.
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    am 28.01.2021 14:37:31 | IP (Hash): 1669883284
    Kann natürlich sein, dass Dein BZ-Messer deutlich höher anzeigt, also bei 50 schon 60 und bei 60 schon 70. Denn normal sind 60-70 völlig gesunde BZ-Werte, die keine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit und oder irgendein sonstiges Anzeichen machen. Könnte also auch durchaus Dein normal gesunder Nüchternbereich sein, den Deine Betas anstreben, wenn Du sie lässt.
    Die Unterzuckergrenze bei 50 gilt eigentlich nur für die Behandlung mit BZ-senkenden Mitteln, um da zum Beginn des Unterzuckers für alle bei 50 noch ein bisschen Luft zu haben. Inrgendwie auffälliges Nachlassen wird meistens erst ab um 40 berichtet - oder halt von Leuten, deren BZ 20 von 24 Stunden zwischen 100 und 200 spielt.
    Deswegen hatte ich nach dem Blutdruck gefragt, denn die gefühlsmäßigen Wahrnehmungen im Anfangsbereich von Unterzuckerungen lassen sich praktisch nicht von denen in Episoden mit niedrigem Blutdruck unterscheiden.

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    am 28.01.2021 14:41:10 | IP (Hash): 1041480420
    Hallo Gwaihir

    Die Energie gewinnt man ja auch aus Fett und Proteinen. Aber ich will jetzt nicht für Low Carb oder so was werben. Für mich funktioniert es ganz gut und es schmeckt mir auch.

    Keine Ahnung, ob Remission richtig ist oder nicht, aber ich hoffe auch, dass durch die Entlastung durch Insulin von Außen, man den Zerstörungsprozess möglichst verlangsamen kann, je länger desto besser.

    Wünsche dir auf jeden Fall, dass es so noch möglichst lange geht! Am Besten noch den Rest deines hoffentlich langen und gesunden Lebens! :)

    LG, Ron

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    am 28.01.2021 15:28:04 | IP (Hash): 564102661
    Danke Dir!

    Achja, wie bist Du an den Libre gekommen? Dachte der wird nur genehmigt, wenn man mehrmals am Tag spritzen muss. Hätte den auch gerne, aber meine Ärztin sagte, dass da im Moment keine Chance besteht. Ich messe aktuell 1-2x pro Tag klassisch per Nadel und Teststreifen.