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Einstellung auf Langzeitinsulin - Frage

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    Mitglied seit: 07.09.2016
    am 22.04.2021 12:32:32 | IP (Hash): 1222616453
    Moin Ihr Lieben,

    nach meiner Langzeitmessung und durch Unverträglichkeit des Metformins, stellt mein Arzt mich nun auf Langzeitinsulin (Lantus 8 Einheiten vor dem Schlafen) ein. (Diabetes Typ 2, diagnostiziert 2016).

    Ich hatte da mal was gelesen, dass es unter Insulin zu einem 'Masteffekt' kommen könnte. Heißt Gewichtszunahme.

    Da ich gerade noch so im oberen Normalbereich mit dem Gewicht bin und Zunehmen immer so ein Schreckens-Wort für mich ist, wollte ich mal nachfragen, ob das passieren kann und wodurch genau dieser Effekt ausgelöst wird bzw. ob ich darauf aktiv Einfluß nehmen kann.

    Viele Grüße
    Laurana
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    am 22.04.2021 18:26:23 | IP (Hash): 1398849525
    Hi,

    Insulin ist ja ein Körpereigenes Hormon das dafür sorgt das der Körper den Zucker aus dem Blut aufnehmen und verarbeiten kann.

    Beim Typ 2 hast du entweder zu wenig Insulin oder deine Zellen sind resistent dagegen geworden. Dein Körper kann den Zucker also nicht mehr verarbeiten und er sammelt sich im Blut und wird über die Nieren ausgeschieden.

    Das kann im (ungesunden) Extremfall bedeuten das du trotz hoher Kalorienzufuhr abnimmst.

    Mit dem zusätzlichen Langzeitinsulin soll dein Körper wieder in die Lage versetzt werden den Zucker aus dem Blut zu verarbeiten. Wegen dem Insulin nimmst du also nicht zu, sondern wegen zu vielen Kalorien die der Körper jetzt wieder verarbeiten kann.

    Kann natürlich schon eine Umstellung erfordern wenn du bisher gewohnt bist viele Kalorien zu dir zu nehmen die dein Körper gar nicht verarbeiten kann. Es kann also schon sein das man mit Insulin und identischer Ernährung Gewicht zulegt. Aber wie gesagt das liegt nicht am Insulin sondern an zu viel Energie für den eigenen Verbrauch.

    8 Einheiten sind aber noch nicht wirklich viel da sollte dieser Effekt relativ gering ausfallen.

    Ich musste nach meiner Diagnose im November mit 20 Einheiten beginnen, habe dann trotzdem 20kg abgenommen und konnte so die Insulin Dosis auch immer weiter reduzieren und seit gut 2 Wochen verzichte ich ganz auf das Insulin. Funktioniert natürlich nur mit einer stark Kohlehydrat reduzierten Ernährung.
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    am 22.04.2021 18:32:27 | IP (Hash): 2074459857
    Insulin sorgt dafür, dass Glukose in die Verbraucherzellen gelangen kann. Was die nicht abnehmen, wird mit Hilfe von Insulin in Triglyzeride=Speicherfett umgewandelt und ordentlich in den Schwimmhilfen gespeichert.
    Bei uns mit Typ 2 aber meistens zuerst einmal unordentlich (auf Medizinsprech ektop) in der Leber. Und dieses falsch in der Leber eingelagerte Fett sorgt dafür, dass die Leber immer mehr zuviele Glukose ausgibt, die höheren Blutzucker macht und noch mehr vom eigenen Insulin anfordert. Und wenn der Blutzucker mit dem vielen eigenen Insulin schließlich behandlungsbedürftig weit über allen gesunden Grenzen verläuft, hilft tatsächlich nur praktisch noch mehr Insulin eben aus dem Pen, dieses Ansteigen zu begrenzen mit der Tendenz, eben noch mehr Glukose in Form von Fett einzulagern.

    Diese Tendenz, immer mehr Glukose auszugeben, als für den gesunden BZ nötig, und damit immer mehr Insulin anzufordern und immer mehr Glukose als Fett einzulagern, ist unser Typ 2 Grundübel. Mit dem Blutzucker im Bereich einer ordentlichen Behandlung ist das normal. Deswegen gilt der Typ 2 ja als progredient, also als sich selbst verstärkend/verschärfend.

    Ernsthaft begegnen können wir dem praktisch nur, indem wir unseren Blutzucker auf den völlig gesunden Bereich begrenzen. Als erster weithin veröffentlichter hat das Hans Lauber (Fit wie ein Diabetiker) gemacht mit Messen+Essen+Laufen. Allerdings hat er nach dem Laufen dann wieder gemessen und seinen Antrieb für sein Laufen nach dem Essen aus der Differenz der Messwerte gezogen: Ohne Laufen Blutzucker ne Stunde nach dem Essen weit über 200 mg/dl, mit Laufen ne Stunde nach dem Essen gesunde etwas über 100 mg/dl. Damit hat er vor so um 20 Jahren angefangen, als der Arzt ihm Insulin verordnen wollte, weil die vielen Tabletten nicht mehr ausreichend wirkten. Und er braucht zu diesem Verhalten bis heute für seinen nur leicht erhöhten Blutzucker weder Tabletten noch Insulin.

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
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    am 23.04.2021 08:49:07 | IP (Hash): 1222616453
    Guten Morgen und Danke für die Infos.

    Also ganz kurz zu meiner Geschichte: Anfang 2016 bekam ich nach langer Gehunfähigkeit die Diagnose Diabetes (HbA1C: 10,6, Nüchtern BZ bei knapp 300). War natürlich ein riesen Schock, aber bei der familären Disposition auch wiederum nicht verwunderlich und zudem hatte ich durch die lange Zeit im Sitzen auch leider etwas zugenommen. Ich hatte da zwar schon versucht gegenzusteuern, aber alles was ich tat, reichte lediglich das Gewicht zu halten und nicht weiter zuzulegen.

    Mit viel Sport, Metformin und einer leichten Korrektur in der Ernährung (Obst weg, Gemüse statt dessen)hatte ich dann aber Ende 2016 wieder Normalgewicht erreicht (sogar im unteren Drittel - Gesamtabnahme 25 kg). Ende 2017 konnte ich auch das Metformin wieder weglassen. Wieder Gesund und nun auch größeren Kindern fing ich auch wenig später FullTime an zu arbeiten (vorher halbtags). Somit sitze ich wieder über 8 h Plus und mußte mein Sportpensum von 2 h täglich auf 3 mal wöchtenlich reduzieren. Einher ging dann wieder ein leichte Gewichtszunahme, aber ich blieb dann noch im oberen Normalbereich. Meine Hausärztin hat das auch begrüßt, denn für mein Alter befand Sie mich zu dünn..

    2019 dann ein weiterer Schock. Der graue Star hatte zugeschlagen. Dieser war 2016 zwar schon in Ansätzen vorhanden, lief aber 2019 dann auf Grund von einer hohen Cortisondosis (Sportverletzung) nach nur 3 Tagen komplett aus dem Ruder. Da ich nur noch 40 % GesaMTSehvermögen hatte, stand die OP an. Erst das linke und 6 Wochen später das rechte Auge. Nach den erfolgreichen Operationen sollte ich körperliche Anstrengung + Sport jeweils für 4 Wochen vermeiden und zu guter letzt erwischte mich auch noch die Grippewelle. Nach knapp 4 Monaten kein Sport, waren meine Muskeln entsprechend abgebaut, also Neuanfang.. Dieser klappte aber nicht so wirklich und so konnte ich lediglich mein Gewicht halten, meine Zuckerwerte stiegen aber weiter unaufhörlich. Die Fettwerte leider damit einhergehend auch. So ging es 2020 dann wieder mit Metformin los und Simva Statin. Welch ein Schock. Die Statine zeigten die schlimmste Nebenwirkung, die man bekommen konnte. Der Muskelabbau. Nach nur 4 Wochen Einnahme reichte meine Energie mal gerade noch für 9 Stunden Home-Office. Anschließend lag ich wieder im Bett bis zum nächsten Morgen. Das Metformin wollte auch nicht so recht mit den Nebenwirkungen aufhören und so drehte sich mein Leben für ein paar Monate nur noch um Arbeit, Klo und Bett.
    Nach einer kurzen Gewichtsabnahme erfolgte dann aber doch noch mal eine Zunahme, da ich meine Heißhungerattacken nicht mehr in den Griff bekam. Die Statine hab ich dann entgegen dem ärztlichen Rat aber komplett abgesetzt und mit den Nebenwirkungen vom Metformin schickte mich meine Hausärztin wieder zum Diabetologen. Dieser hat mich dann aber wieder sehr ernst genommen. MIt den Statinen war ihm klar, denn die Nebenwirkung hatte ich 2016 schon. Nach einem weiteren Monat Metformin und somit Gesamteinnahme von 6 Monaten insgesamt ließen die Nebenwirkungen nicht nach. Mein HbA1C hat sich in der Zeit auch gar nicht verändert. (7,6). Der Diabetologe hat das Metformin abgesetzt und ich sollte und wollte es nochmal über die Ernährung + Sport versuchen. Sport fiel und fällt mir aber sehr schwer, denn die ganzen Neuanfänge haben mich ganz schön demotiviert.
    Mein Nüchternzucker (150 - 160) und mein HbA1C änderte sich aber gar nicht. Der war nach wie vor bei 7,6. und so hatte ich nun die Langzeitmessung von über einer Woche und hab dann gestern das Lantus bekommen, weil der Grundzucker als solches zu hoch ist.. Nüchtern zwischen 150 und 160 (je nach Sport) und nach den Mahlzeiten in der Regel bei ungesunden 200 bis 220 je nach KH.

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    am 23.04.2021 10:16:01 | IP (Hash): 316849182
    Uff, da hast Du ja schon einiges an Beschwerden durchgemacht! Und dann ist auch der Typ 2 nicht wirklich neu für Dich. Auch, dass der nicht weg ist, wenn es gelingt, den Blutzucker allein mit passendem Verhalten im gesunden Rahmen zu halten, sondern dass das "nur" Remission ist. Die Remission bleibt in aller Regel so lange erhalten, wie das passende Behandlungs-Verhalten anhält. Und immer, wenn man für längere Zeit mit diesem Verhalten nachlässt und höheren Blutzucker zulässt, wird es schwieriger bis schließlich praktisch unmöglich, ihn allein mit passendem Ess- und Bewegungs-Verhalten in gesunden Grenzen zu halten. Dann braucht’s Medis, und davon gibt es inzwischen eine irre Menge, die gern vor Insulin alle durchprobiert werden. Vor allem vor dem Insulin für’s Essen. Denn dafür muss man messen=Finger pieksen, und davor haben die meisten Betroffenen zuerst mal nen Horror. Aber solange wir nicht direkt ne Stunde später sehen können, was in welchem Maße auf den eigenen Blutzucker wirkt, spielen wir schlicht Blindekuh. Statt in die Finger zu pieksen, können wir uns inzwischen auch son Sensor an den Oberarm kleben. Allerdings weichen die Messergebnisse da sehr oft sehr weit (meistens nach unten!) von den Fingerpieksen ab und können so wenigstens Anfänger gewaltig in die Irre führen.

    Ok, Langzeit-/Basal-Insulin ist der Einstieg in die Insulin-Behandlung. Die Anfangs-Dosis reicht meistens lange nicht und wird in kleinen Schritten alle paar Tage bis Wochen so lange weiter erhöht, bis morgens nüchtern um 120 mg/dl gemessen werden und der HBA1c Wert wieder deutlich unter 7,5. Und die Dosis wird dann mit der Zeit immer wieder angepasst=erhöht, so dass viele von uns mit Typ 2 mit den Jahren 50-100 Einheiten und mehr an Basal-Insulin pro Tag spritzen. Dann wird auch schon lange Insulin auch zum Essen gespritzt, meistens auch wenigstens 50-100 Einheiten am Tag. Und so lange sich der HBA1c damit im Rahmen bis 7,5-8 erhalten lässt, gilt das als gute bis befriedigende Behandlung.

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.