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Einstieg mit Bedtime-Insulin

  • Franziska

    Rang: Gast
    am 11.08.2008 17:25:14
    Nun hatte ich mich so gefreut, dass ich mit Sitagliptin so gut hin gekommen bin. Jetzt musste ich aber meine anderen Hormone (GH, Hydrocortison usw.) wegen schlechter Werte und Müdigkeit erhöhen, prompt steigen meine Nüchternwerte wieder auf morgens um 120 bis 130, auch tagsüber komme ich nicht mehr unter 110.
    Wenn ich Sport mache, geht der BZ natürlich runter, um danach ohne Essen wieder auf 110-120 anzusteigen. Also ist die Gluconeogenese erhöht und das basale Insulin reicht nicht aus.

    Habe mit meinem Endo gesprochen und nun Basalinsulin (Berlinsulin H basal) bekommen, um mit etwas Bedtime-Insulin zu starten.
    Habe vorgestern 2 IE und gestern 3 IE zur Nacht gespritzt aber nachts (gegen 3.00 Uhr) und morgens noch keinen Unterschied gesehen (immer um 110-120 gewesen). Werde daher heute abend 4 IE probieren. Bin vorsichtig, da ich ja wenig basales Insulin hatte und 44 kg wiege.

    Frage nun: Die Wirkdauer ist ja dosisabhängig und sicher von Mensch zu Mensch wieder verschieden, aber habt Ihr Erfahrungswerte, wie lange eine so niedrige Dosis in der Nacht überhaupt wirken kann?
    Vielleicht ist Levemir besser für mich?

    Ich habe es gestern und heute morgen für tagsüber mit 3 IE mal getestet und jeweils für ca. 5h schöne Werte um 90, wenn nüchtern, und bessere pp-Werte nach dem Essen erzielt. Wie lange wird die Wirkung dann nachts werden bei 4 IE? Ich weiß, schwer zu sagen, zumal das gespritzte GH wieder die Gluconeogenese antreibt.

    Vielleicht habt Ihr trotzdem Erfahrungswerte zu Ranstasten.

    Danke und Gruß

    Franzsika

    von Franziska
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 11.08.2008 20:38:33
    Moin Franziska,

    der morgentliche Nüchternwert ist leider am schlechtesten von allen Werten am Tag zu beeinflussen und steht traditionell ganz oben auf der Prioritätenliste unserer Ärzte. Der selbe Wert für die selbe Zeit nach einer Mahlzeit macht ihnen überhaupt kein Kopfzerbrechen, obwohl die krankmachende Wirkung des Blutzuckers zu allen Tageszeiten bei gleich hohen Werten für gleich lange Zeiten tatsächlich vollkommen gleich ist. Dass die medizinische Literatur das anders ausweist, liegt einfach an der Vorzugsbehandlung, die das morgentliche Nüchternblut als eierlegende Wollmilchsau der Diagnostik traditionell genießt, während es zu postprandialen BZ-Werten kaum nennenswerte Erhebungen gibt, weil die mythologisch einwandfrei bis vor etwa 5-10 Jahren als völlig irrelevant galten.

    Normales Verzögerungsinsulin, wie Du es benutzt, steigt langsam etwa in etwa 1-2 Stunden nach dem Spritzen zu einer Art Wirkhügel an, bildet für etwa 2-4 Stunden eine kugelige breite Kuppe und läuft dann für 1-2 Stunde langsam wieder aus. Das ist in etwa das Wirkbild von wenigstens 8 Einheiten. Weniger Einheiten machen zwar einen in der Form ähnlichen, aber insgesamt kürzeren und flacheren Verlauf.
    Wenn man um 22-24 Uhr ins Bett geht und dabei spritzt, hat die Wirkkuppe um etwa 0-2, längstens bis 4 Uhr just zu der Zeit, zu der die meisten von uns den natürlich niedrigsten BZ haben, und spätestens gegen 4-6 Uhr, wenn bei den meisten von uns der BZ munter klettert, läuft die Insulinwirkung aus.

    Es gab mal ein Schweine-Insulin, dem die Hauptwirkung zum dritten Drittel seiner Wirkzeit nachgesagt wurde. Aber ob das immer so gestimmt hat? Schließlich haben die Leute damals ihren BZ eher nicht in den engen Grenzen geführt, in denen Du Deinen gerne sehen möchtest.
    An Deiner Stelle würde ich die Dosis in 2er Schritten weiter erhöhen, und zwar so lange, bis Du z.B. um 2 regelmäßig an den tiefsten für Dich vertretbaren Punkt kommst, vielleicht z.B. an 80 mg/dl.
    Allerdings wichtig: damit überhaupt etwas passiert, musst Du das Insulin immer vor dem Spritzen durch Rollen oder Schwenken (nicht schütteln, damit nicht unnötig Blasen entstehen!) milchig aufmischen!

    Levemir und Lantus haben lediglich nicht so ausgeprägte Wirkkuppen, sondern wirken sehr flach, aber bei den Mengen für nennenswerte Wirkung gegen den morgentlichen Anstieg auch wieder schon zu der Zeit Deines geringsten Insulinbedarfs und dann auch deutlich messbar über den Tag! Kommt halt drauf an, ob Du die Wirkung dann auch brauchen könntest.
    Ich habe die Lantus-Wirkung mal über mehrere Wochen mit Deinem Insulin nachgebaut, indem ich alle 8 Stunden 14 IE statt meiner üblichen 34 IE Lantus gespritzt hab. Ein Bekannter mit weniger Gesamtbedarf hat gerade rausgefunden, dass es bei ihm am besten funktioniert, wenn er alle 6 Stunden 7 IE spritzt. Er spritzt normal morgens und abends 10 IE Lantus, weil er mit einmal 20 IE - seine Darstellung - 2-4 Stunden vor der nächsten Spritze nachlassende Basalwirkung misst.

    Du siehst, Du hast noch viele Möglichkeiten zum Ausprobieren ;-)

    Bisdann, Jürgen
  • Franziska

    Rang: Gast
    am 11.08.2008 23:26:48
    Hi Jürgen,

    danke für die Anhaltspunkte, das hilft schon sehr !
    Im Ausprobieren bin ich gut, das mache ich schon seit Jahren mit meinen Hormonen.
    Vielleicht kommt meiner BZ-Delle in der Nacht nach unten zugute, dass ich mein WH schon gegen 22 Uhr spritze (physiologischerweise wird es gegen 24 Uhr ausgeschüttet). Also ist meine BZ-Delle nach unten eher 2h früher, also 24 Uhr, dieser Delle kann ich evtl. mit einer kleinen Eiweißgabe spät zur Nacht entgegen wirken... Die BZ-Delle nach oben früh morgens müsste dann evtl. auch ca. 2h früher dran sein, da ist dann vielleicht irgendwann, wenn ich es raus habe, noch genug Insulin da. Ich werde jedenfalls so zwischen 24 und 2 Uhr schauen, nicht unter 80 zu kommen.

    Bis bald

    Franzsika von Franziska