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Psyche, erhöhter BZ und die Kraft zum Lebenswandel

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    Mitglied seit: 16.06.2022
    am 17.06.2022 18:11:50 | IP (Hash): 838881890
    Hallo ihr Lieben!

    Ich habe seit mind. 2017 erhöhte BZ Werte in der Prädiabetes Grauzone, sowohl Nüchtern als auch Hba1c.
    Nun war ich mal wieder zum Blut abnehmen und mein Hba1c ist auf 7,1 gestiegen :( Den Nüchternwert haben sie leider nicht mitgemacht.

    Nun muss ich sagen, dass das nicht völlig unerwartet kam. Ich habe seit ca 1 Jahr eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt v.a. mit depressiver Symptomatik. Das hat dazu geführt, dass ich mich nur noch sehr wenig bewegt aber zu viel und v.a. zu ungesund gegessen - für mehr war einfach keine Kraft da. Und dementsprechend hab ich natürlich auch zugenommen, bin 8kg über meinem früheren Höchstgewicht. Übergewichtig war ich auch so schon, mit BMI zwischen 30/31 schätze ich - jetzt bin ich bei 36,7...

    Es geht mir inzwischen - mit Antidepressiva und Therapie - zwar wieder besser aber immer noch nicht richtig gut...

    Leberwerte sind übrigens natürlich auch erhöht :(

    Warum schreibe ich nun hier? Klingt ja als wüsste ich was tun - und ja, das tu ich. Ich weiß dass ich dringend abnehmen muss, Ernährung dauerhaft umstellen und Sport machen. Ich werde das (bzw beginne gerade damit) auch so gut es mir möglich ist tun.

    Gleichzeitig weiß ich aber auch ganz realistisch, dass ich es psychisch derzeit (noch?) nicht schaffe, den Lebenswandel so krass umzustellen wie es nötig wäre. Noch dazu muss ich mich auch beruflich neuorientieren und weiß nicht wie. Das ist alles etwas viel auf einmal.
    Dann aber fürchte ich mich natürlich vor einer Verschlechterung, möglichen Folgeschäden etc... Ich bin gerade erst 36 und möchte noch lange was vom Leben haben!

    Ich würde mich freuen von anderen Betroffenen zu lesen, die auch nicht nur mit dem Diabetes sondern auch ihrer Psyche kämpfen. Wie habt ihr die Umstellung geschafft? Was hat euch geholfen? Habt ihr eine dem angepasste zusätzliche Therapie, i.e. Metformin?

    Ich habe im Juli einen Termin beim Internisten um das zumindest einmal vernünftig abklären zu lassen und besser einordnen zu können da ich z.b. auch nicht weiß ob orale AntiDiabetika 'schon' indiziert sind oder wann sie es wären.
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    am 17.06.2022 19:28:52 | IP (Hash): 980570203
    Du bist ja eigentlich sehr gut informiert.
    Mir fällt bei Deinem Gewicht und Alter primär ein Tipp ein, der sich so anhört, als sei es nur was "für alte Leute": Nordic Walking. Das geht in der Gruppe, und das geht auch allein. Kaufe Dir Stöcke der Länge 2/3 Körpergröße. Meines Erachtens ist das der problemloseste Einstieg zu mehr Bewegung. Fitness-Studios sind dagegen oftmals sinnlos, weil viele nach begeistertem Anfang nicht mehr hingehen. Außerdem kann man Nordic Walking zumeist direkt an der Haustür damit beginnen. Kein Mensch guckt heutzutage mehr verwundert, wenn jemand mit Stöcken durch eine Wohngegend walkt.

    Bearbeitet von User am 17.06.2022 19:30:27. Grund: Formulierung
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    am 17.06.2022 20:16:03 | IP (Hash): 1489935382
    Hallo little,

    fühl dich mal verstanden und lieb geärmelt, wenn du magst.

    Ich könnte dir einen Roman schreiben, so ähnlich sind unsere Geschichten...

    Nordic Walking ist mir auch als erstes eingefallen. Hat mir 20 kg verbrannt (in 2 Jahren), und dieses Gewicht halte ich bis heute plus/minus 2 bis 3 kg (Winter plus, Frühling wieder runter^^).

    Bist du therapeutisch angebunden für deine seelische Stabilisierung? Das ist in meinem Kopf das A und O.

    Ich habe im Lauf der Jahre (seit 2000, da war ich auch 36 wie du gerade) viele gute "Werkzeuge" erarbeitet, die mir helfen, zurechtzukommen. Hier mal eine kleine Auswahl für dich:

    - Babysteps sind auch Steps ♡

    - Ich muss mich nicht vollfressen, damit es meiner Seele "gut" geht.

    - Hungergefühl wieder spüren lernen. Manchmal ist Hunger auch "nur" Durst. Ein Glas Wasser tut wohl :)

    - Haare zu fettig zum draußen walken? Kappe drauf und los.

    - Regen/Kälte? Ich habe mir vor Jahren einen Stepper geleistet und Hanteln (erst 0,5kg, seit ein paar Jahren 1,5 kg) - prima abends beim Fernsehen. Habe gestartet mit 5 Minuten. Heute 20 Minuten 3 x pro Woche, plus draussen "rumlatschen" ;)

    - Wenn ich niemanden mit meinen depressiven Gedanken zwischendurch "belästigen" will, tut es zur Not auch mal die Telefonseelsorge.

    - Eigenlob stinkt? Nee, Eigenlob stimmt!

    - Belohnungen überlegen: Was mache ich gern? Bei mir wurden es Mandalas malen und Stricken (gebe inzwischen ehrenamtlich einen Strickkurs, freu...)

    Wie gesagt, ich könnte Bände voll schreiben... Aber mein Weg muss nicht deiner sein. Denn trotz guter Werkzeuge bin ich nun beim Insulin spritzen gelandet. Eine Denkweise könnte sein: "Na toll! Wofür das dann alles??" Ich denke lieber: "Toll, dass es Insulin gibt!" ;)

    Netten Gruß, Ichso - die am Anfang auch reale Gruppen besuchte (und es wieder tut seit diesem Jahr).

    _____________________________________
    58, w, Typ II Diagnose 2007, ab 2020 Insulin (vorher div. Medis),
    4-5 E Humalog (Essensinsulin),
    48 E Suliqua (Langzeitinsulin),
    23.00 Uhr 1-2 E Humalog Bedarf.

    Plus andere Diagnosen (Herz, Psyche u.a.), 60% schwerbehindert und EU-Rente dauerhaft.
    Bearbeitet von User am 17.06.2022 20:19:41. Grund: Grammatik
     1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag.
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    am 17.06.2022 21:03:55 | IP (Hash): 1983084194
    little_me schrieb:
    Ich habe im Juli einen Termin beim Internisten um das zumindest einmal vernünftig abklären zu lassen und besser einordnen zu können da ich z.b. auch nicht weiß ob orale AntiDiabetika 'schon' indiziert sind oder wann sie es wären.

    Hallo little_me,

    schildere dem Arzt deine Situation und bitte ihn, dass er dir von Anfang an medikamentöse Unterstützung gönnt. Für dich wäre ein GLP1-Rezeptoragonist, z.B. Ozempic, sehr sinnvoll. Der verbessert auf sinnvolle Art deinen BZ und hilft bei vielen auch gut bei der Abnahme. Ich drück dir die Daumen, dass du mit dem Arzt gut zurecht kommst.

    Alles Gute, Rainer

    ____
    Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
    Bearbeitet von User am 17.06.2022 21:10:59. Grund: BBCodes
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    am 17.06.2022 21:32:16 | IP (Hash): 980570203
    Außerdem sollte natürlich bedacht werden, dass verschiedene Antidepressiva dafür bekannt sind, dass deren Einnahme zu einer Gewichtszunahme führt, z. B. Mirtazapin. Die sind natürlich bei hohem BMI und Diabetes eher nicht geeignet.
    Bearbeitet von User am 17.06.2022 21:33:21. Grund: Rechtschreibung
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    am 17.06.2022 22:19:56 | IP (Hash): 980044387
    Erstmal vielen lieben Dank für eure Antworten!

    @ichso: Danke! Tut schonmal gut zu lesen, dass ich nicht allein in dieser Kombi bin (was ich theoretisch eh weiß aber ja).

    @ Rainer: Ja, das werd ich fix mit dem Arzt besprechen, deswegen will ich ja auch hin. Danke auf jeden Fall für die konkrete Anregung, ich werde danach fragen.

    @Hape: Bei Nordic Walking bin ich mir noch nicht so sicher ob das was für mich ist... Mein Problem ist tatsächlich auch weniger die spezifische sportart sondern das überwinden dazu.
    Und du hast natürlich Recht bzgl Antidepressiva und Gewichtszunahme. Das ist durchaus als Nebenwirkung angegeben, ich glaube aber dass das in meinem Fall zwar vllt dazu beiträgt aber sicherlich ist der große große Batzen meiner Untätigkeit und Ernährung geschuldet - die Medis nehm ich erst seit Jänner und mein Zunehmen ist konstant auch vorher schon passiert.
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    am 17.06.2022 23:10:50 | IP (Hash): 980570203
    little_me schrieb:

    @Hape: Bei Nordic Walking bin ich mir noch nicht so sicher ob das was für mich ist... Mein Problem ist tatsächlich auch weniger die spezifische sportart sondern das überwinden dazu.


    Eine Vorstufe dazu wäre ein flotter! 20-30 Minuten Spaziergang jeden! Abend, (wenn es nicht gerade regnet). Wenn man sich nicht einmal zum Spazierengehen überwinden kann, - dann wird es in der Tat schwierig mit Bewegung.
    Eine weitere Möglichkeit wäre ein Schrittzähler an Smartphone oder Sportuhr. Und man MUSS einfach täglich eine Anzahl von Schritten machen, koste es, was es wolle. Und wenn man in der Wohnung am Abend 45 Minuten vom Wohnzimmer zum Schlafzimmer auf und ab geht.


    Bearbeitet von User am 17.06.2022 23:16:35. Grund: Ergänzung
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    am 18.06.2022 00:01:19 | IP (Hash): 1489935382
    Ich teile Hape's Meinung. Ohne die Überwindung des inneren Schweinehundes geht es leider nicht :(

    Als ich die Zuckerdiagnose 2007 bekam (Psyche schon ab 2000) war mir sofort nach dem googeln klar, dass ich weder blind werden will, noch an die Dialyse, oder das mir meine hübschen (ok, damals auch fetten^^) Füße abfaulen dürfen.

    So lief ich 2 Jahre lang jeden Tag bei einigermaßen Wetter 2 km im Kriechgang. Ich wog 94 kg bei 1,57 m, rauchte wie ein Schlot (Nikotinentzug erst 2012) und schnaufte wie eine Dampflokomotive. Alter Schwede!

    Aber dann... Nach ein paar Wochen... Wusste ich VORHER schon, dass es mir NACH dem Laufen besser geht! Die Endorphine tanzten Lambada ;) die Seele wunderte sich über freundliche Gedanken, das Fett zitterte um seine weitere Existenz ;)

    Ich WOLLTE mir nicht noch mehr schaden, weil ich inzwischen in der Therapie gelernt hatte, mich selbst zu mögen...

    Naja, laberrhabarber, es ist schon spät. Struktur ist auch ein Werkzeug. Drücke dir fest die Daumen für den Start in ein besseres Leben :) Klar, gibt es da auch dunkle Tage, Leben ist halt leider immer noch kein Ponyhof.

    "Aber etwas Besseres als den Tod finden wir überall"
    (Zitat aus den Bremer Stadtmusikanten, leicht geändert^^)

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    am 19.06.2022 07:18:11 | IP (Hash): 755846316
    Moinsen little,

    habe meine letzten Sätze noch mal im Kopf murmeln lassen. Kriege "normalerweise" die Krise bei Sprüchekastentanten (und selbstredend auch bei -onkels^^).

    Es war schon spät, so schrieb ich Plattitüden (Ponyhof und so) als Abkürzung des Textes. Aber nichts, was ich schreibe oder im reallife sage, ist "dahingeplappert". Nach soviel guter Therapie, die ich geschenkt bekam, und soviel harter Seelen- und auch Körperarbeit in vielen Jahren spreche ich aus der Tiefe meiner dunkelsten Stunden und/oder aus der unfassbaren Freude, wenn "etwas" (wasauchimmer) dann tatsächlich funktioniert und wirkt.

    In diesem Sinne: 80% schicken ;) aber wenn du nicht für dich sorgen willst, tut es sonst keine/r.

    Freue mich, wenn du hier ab und zu berichtest :)

    Netten Gruß, Ichso

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    am 19.06.2022 18:07:32 | IP (Hash): 208776248
    Hey!

    Sorry ich bin nicht früher zum antworten gekommen :)

    Danke dir!
    Nein, ich will ja auch was tun. Ich hab wohl 'nur' Angst, dass ich es nicht schaffe. Oder nicht gut genug schaffe. Dass es beim Arzt dann "nur" heißt: 'Ja, müssens halt abnehmen.' und meine psychischen Schwierigkeiten nicht ernst genommen werden. Dass es dann heißt "Sie müssen nur wollen!" und, naja, nein - so einfach ist es leider nicht.

    Heute morgen hab ich ein leichtes Fitnessvideo geschafft und von der Essensdisziplin gehts grad auch halbwegs. Aber wie gut ich es schaffe, das durchzuhalten?

    Und weil ich im letzten Post vergessen hab drauf zu antworten - ja ich bin in Therapie und hab da Unterstützung.