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Schwangerschaftsdiabetes - Wert 211 nach dem Essen und keiner tut was
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am 10.07.2022 11:39:40 | IP (Hash): 1586330384
Hallo,
erst einmal: Ich bin neu hier und bei mir wurde jetzt, relativ spät in der 27. SSW Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert. Spät deswegen, weil ich eigentlich mehrere Risikofaktoren hatte und man das irgendwie verpasst hat.
Erst einmal läuft seitdem gar nichts. Jetzt sind es schon 10 Tage später und nichts ist passiert. Ich führe selbständig ein Ernährungstagebuch und messe meine Werte. Da mein Vater Diabetiker ist, konnte ich sein Ersatz-Blutzuckermessgerät ausleihen. Ebenso bin ich zumindest über Typ II Diabetes und die richtige Ernährung grob informiert.
Nächste Woche soll ich erst einmal zu einer Schulung ohne Arzt. Dann darauf die Woche wohl ein zweiter Termin, wie es gelaufen ist und dann erst ein Termin beim Arzt. Ich habe schon mehrfach in der Praxis angerufen, dass mir das aufgrund meiner WErte und aufgrund der Tatsache, dass mein Baby schon leicht zu schwer und zu groß ist, zu lange dauert.
Ich achte wirklich jetzt auf meine Ernährung und habe jetzt schon trotz Schwangerschaft abgenommen. (Bin sehr schlank, mit einem BMI von 19 gestartet)
Mein Problem SCHEINEN die Kohlenhydrate zu sein. Frühstück und Abendessen bekomme ich mittlerweile ohne große Ausreiser bei den Werten hin:
2 kleine Dinkelvollkornbrote (wirklich klein, kennt ihr so eine kleine Kastenform? Ich backe nämlich selbst)
Dann noch eine Handvoll Beeren mit entweder Naturjoghurt oder Naturskyr. Manchmal 1 EL Nüsse oder auch mal 1 EL Haferflocken dabei.
Ich hoffe auch, dass ich damit genug Kohlenhydrate zu mir nehme, denn zu wenig KH können dem Kind auch schaden (Ketose)
Das Problem ist das Mittagessen bzw. die warme Mahlzeit (manchmal esse ich auch abends warm).
Selbst bei Low Carb gerichten mit wenig Fleisch und viel Gemüse schießt mein Wert auf 167 nach dem Essen.
Bei Nicht-Low-Carb, aber dennoch so, wie es mein Vater empfohlen bekommen hat: 2 Handvoll Vollkornnudeln oder Vollkornreis mit Hackfleisch, Gemüse und Salat: 180 (nur ein Beispielgericht)
Jetzt kommt aber der Hammer: Bei Familienfesten ist es manchmal schwierig, dann halt nichts zu essen.
Wir waren am Freitag grillen zwecks großen Familienbesuch.
Ich habe gegessen:
- 1 Würstchen, 1 halbes Steak
- eine Handvoll Kartoffelsalat, der nur mit Gurke, Essig und Öl zubereitet wurde
- 2 kleine Scheiben Baguett.
Natürlich keinerlei Soßen o.ä.: Blutzucker: 205!
Dann sind wir zur Feier einer Firmung in eine Pizzeria eingeladen worden (ja, schlechte Idee. Aber was soll ich machen? Nichts essen?) Ich habe extra nur eine kleine Pizza bestellt, die sogar mit Dinkelvollkornmehl zubereitet wurde. Blutzucker: 211. Zwei Stunden später und nach einem Spaziergang immer noch 167.
Mir ist natürlich klar, dass Pizza kein Diabetikeressen ist. Aber wie gesagt gehen auch bei Low Carb Gerichten meine Werte bis auf 167 hoch. Und ich habe auch Angst, zu wenig KHs zu mir zu nehmen. Ich habe jetzt schon abgenommen und ständig Hunger.
Dass ich keine Süßigkeiten, keinen Fruchtjoghurt, keine Säfte, keine Fertiggerichte, etc. zu mir nehme, versteht sich von selbst.
Trotz der Werte bewegt sich nichts. Ich schildere das am Telefon und dann werde ich wieder auf den ersten Termin vertröstet. Vor der Diagnose habe ich durchaus auch Süßigkeiten, viele KHs (wenn auch viel Gemüse) usw. gegessen, sodass ich mir langsam echt Sorgen um mein Baby mache. Wenn es jetzt noch 2-3 Wochen dauert, bis ich den Arzt mal persönlich sprechen kann - wie soll das gehen?
Wohne sehr ländlich. Ist die einzige Diabetespraxis weit und breit
Hat irgendwer Ideen, wie ich den Wert vom Mittagessen runter bekomme? -
am 10.07.2022 11:58:24 | IP (Hash): 299194457
Verständnisfrage: Wie wurde Dein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt?
Durch eine HbA1C-Messung? Falls ja, wie hoch war der HbA1C?
Lg
Hape
Ach ja, - Werte nach em Mittagessen.
Ein flotter Spaziergang (15-20 Minuten) nach dem Mittagessen, wenn Du dafür Zeit hast, wäre eine Maßnahme, die meist sehr hilfreich ist.
Bearbeitet von User am 10.07.2022 12:04:17. Grund: Ergänzung -
am 10.07.2022 12:12:03 | IP (Hash): 1586330384
Vielen Dank nochmal,
mein Hba1C Wert wurde nur mal 3 Montate vor der Schwangerschaft gecheckt. Da war er bei 5,7. War wegen einer Gerinnungsstörung beim Arzt, dieser Wert wurde halt mit abgenommen.
Die Diagnose wurde aufgrund des OGTT gemacht. Zuerst war der kleine Zuckertest erhöht, dann wurde der OGTT gemacht.
Folgende Werte:
Nüchtern 82
1h danach 205
2h danach 167
Das mit dem Spaziergang mache ich schon fast immer...
War letztens wegen Verdacht auf vorzeitigen Blasensprung im Krankenhaus und dort waren auch alle ziemlich verwirrt, warum ich mit diesen Werten kein Insulin spritze. Tja, aber woher nehmen und nicht stehlen? Wird wie gesagt alles noch dauern... -
am 10.07.2022 13:00:38 | IP (Hash): 2057483810
1. GAAANZ wichtig:
Ketose ist keine Krankheit, sondern der normale Betriebszustand unserer Altvorderen für um die Hälfte vom Jahr. Wird mit Bezug auf die alte Vergangenheit auch Paleo genannt. War vor der Zeit des Getreideanbaus in großem Stil. Da ist der Hauptenergielieferant für den Organismus Fett. Und so erklärt die Medizin sich auch die aktuelle Versorgung Deines Kindes. Denn vorrangig mit Glukose als Energielieferant ist das gewaltige Wachstum des neuen Organismus rein "technisch" gar nicht vorstellbar. 1 Gramm Fett enthält nun mal mehr als doppelt so viel Energie, wie 1 Gramm Glukose.
Noch 1-2 Tage nach der Geburt liegt die Unterzuckergrenze bei 36 mg/dl, was nichts anderes bedeutet, als dass das Kind in Deinem Bauch weniger Glukose für sein ganz normales Auskommen braucht, als Du mit Deiner Grenze bei um 50!
Mein Standard in ner Pizzeria ist der große Salatteller mit Tuna oder Hähnchen oder Käse oder Schinken oder… - ohne Brot! Und vom Grill gibt es für mich auch nur Fleisch und Gemüse ohne Kartoffelsalat oder Pommes.
Und auch Du kannst völlig ohne Bedenken ohne Stärke-KHs jeden Tag satt essen :)
2. GAAANZ wichtig:
RUUUUHE bewahren! Wenn Du Panik schiebst, überträgt sich die auf Dein Kind wenigstens ebenso schädlich wie seeeehr viel zu hoher Blutzucker.
Wie schädlich wie viel höher als gesunder Blutzucker wirklich ist, ist seit der Jahrtausendwende ewiger Streitpunkt in der Medizin.
Bis dahin hatte ne werdende Mutter als gut eingestellt gegolten, wenn sie wenig bis keine Glukose im Urin hatte, also den Blutzucker die meisten von 24 Stunden unter um 170 mg/dl. Damit galten diabetesbedingte Komplikationen bei der Entwicklung des Kindes und bei der Geburt als ausgeschlossen.
Mit der seit 1995 flächendeckend für Typ 1 eingeführten Selbstmessung hat sich dann zunehmend eine neue Routine in der Sicht auf den Schwangerschaftsdiabetes und seine Behandlung gebildet. Die halten viele Fachleute allein schon deswegen für verrückt, weil die werdenden Mütte damit unter gewaltigen Stress gesetzt werden. Denn es gibt keine funktionierende Anleitung für den gezielten Umgang mit Insulin zu lernen und zu praktizieren
a) in so kurzer Zeit!
b) bei ständig wechselndem Bedarf!
c) für einen so engen BZ-Spielraum!
Auf dass Du das "Brüten" mit der Info wenigstens ein bisschen entspannter angehen magst :)
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert. -
am 10.07.2022 14:30:08 | IP (Hash): 1586330384
Erst einmal vielen DAnk!
Das mit dem Beruhigen ist halt so eine Sache, wenn man von den Komplikationen weiß. Und das auch bei Frauen, die einen sehr viel niedrigeren Wert hatten als ich...
Aber ich tue natürlich mein Bestes.
Dass früher etwa alle Menschen ketogen gelebt hatten, weiß ich. Nun ist es aber ja so, dass wenn zu viel Ketone im Urin sind, die Gehirnentwicklung des Babys geschädigt werden kann. Auch keine schöne Vorstellung.
In der Pizzeria würde ich normalerweise auch Salat essen. Laut Frauenärztin darf ich aber auswärts keinen Salat essen, weil man nicht weiß, ob der gewaschen wurde (Toxoplasmose)
Immerhin hatte ich soeben ein kleines Erfolgserlebnis: Nach dem Essen hatte ich nur 138 Blutzucker. Allerdings mit einem sehr, sehr strammen längeren Sparziergang danach. Aber die erste Hauptmahlzeit ohne erhöhte WErte.
Habt ihr euch bei der Ernährungsumstellung aber auch kraftlos und schlapp gefühlt, die Muskeln wollen nicht mehr so richtig? Ist bei mir nämlich leider der Fall... -
am 10.07.2022 15:34:53 | IP (Hash): 1839806672
Hallo,
wir sitzen im selben Boot. Ich bin aktuell mit unserem dritten Kind schwanger und hatte bzw. habe in allen drei Schwangerschaften mit erhöhten Blutzuckerwerten zu kämpfen. Dieses Mal wird der OGTT deswegen gar nicht gemacht. In Absprache mit meinem Diabetologen erstelle ich Tagesprofile und beobachte die Entwicklung und wie ich im Alltag zurecht komme. Bisher schaffe ich es mit einer kohlenhydratreduzierten Kost und viel Bewegung, die Werte im Rahmen zu halten. Derzeit bin ich jedoch krankheitsbedingt außer Gefecht gesetzt und die mangelnde Bewegung zeigt auch direkt in schlechten Werten. Mir bereiten schlechte Werte auch direkt große Sorgen. Mein Diabetologe hingegen sieht alles etwas lockerer und meint, dass ein gelegentliche Grenzüberschreitung kein Grund zur Panik sei.
Mir persönlich hat die Ernährungsberatung nie besonders viel geholfen. Das meiste, was sie mir erzählt haben, lässt sich gut nachlesen. Und welche Kohlenhydrate für dich in Ordnung sind, kannst du sowieso nur selbst herausfinden. Ich versuche mein Mahlzeiten nach dem Tellerprinzip (1/2 Teller stärkearmes Gemüse, 1/4 KH, 1/4 Eiweiß plus Fett) zusammenzustellen). Meine Hauptmahlzeiten beschränken sich auf circa 3 KE. Ich esse jedoch zwei bis drei Zwischenmahlzeiten mit 1 - 1,5 KE. So komme ich außer im Krankheitsfall ganz gut über die Runden. Statt auf die empfohlenen 150 - 175g KH am Tag komme ich maximal auf 120. Es gibt auch kritische Stimmen zu dieser hohen Menge an empfohlenen KH, insbesondere da es sich bei Diabetes ja um eine Störung des Kohlenhydratstoffwechsels handelt.
Der HBA1c ist im Verlauf der Schwangerschaft nicht aussagekräftig. Einerseits bildet er keine kurzzeitigen Spitzen ab, andererseits ist das Blut in der Schwangerschaft dünner, so dass der Wert in Folge sinkt.
Ich habe ein gutes Buch zum Thema gelesen. Es heißt "Real Food for Gestational Diabetes" von Lily Nichols. Die Autorin hat auch eine Internetseite. Sie legt in ihrem Buch wissenschaftlich fundiert die wichtigsten Fakten dar. Mir hat es sehr weitergeholfen und auch die "Angst" vor zu wenig Kohlenhydraten genommen. Allerdings gibt es das Buch nur auf Englisch. Das einzige, was mich beunruhigt hat, ist, dass sie für noch strengere Blutzuckerwerte plädiert. Aber das versuche ich auszublenden, so lange sich mein Kind zeitgerecht entwickelt. Bei mir wird deshalb auch alle drei Wochen ein Ultraschall gemacht.
Liebe Grüße und viel Kraft für die kommenden Wochen! -
am 10.07.2022 16:03:55 | IP (Hash): 1814802042
hjt_Jürgen schrieb:
Wie schädlich wie viel höher als gesunder Blutzucker wirklich ist, ist seit der Jahrtausendwende ewiger Streitpunkt in der Medizin.
Bis dahin hatte ne werdende Mutter als gut eingestellt gegolten, wenn sie wenig bis keine Glukose im Urin hatte, also den Blutzucker die meisten von 24 Stunden unter um 170 mg/dl. Damit galten diabetesbedingte Komplikationen bei der Entwicklung des Kindes und bei der Geburt als ausgeschlossen.
Nope... schon 1994 galten für Schwangere mit Typ1 140mg/dl als obere Grenze mit gelegentlich erlaubten Ausreißern nach oben! Weiß ich sicher- war 1994 schwanger ;)
hjt_Jürgen schrieb:
Mit der seit 1995 flächendeckend für Typ 1 eingeführten Selbstmessung
1985, also zehn Jahre früher, hatten die Kinder mit Typ1, mit denen ich zu tun hatte, schon ein Blutzuckermessgerät. Davor habe wir schon mit Blutzuckerteststreifen und Farbvergleich unseren Blutzucker "geschätzt".
1994 galt Typ1 Diabetes übrigens als Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch, weil zu hohe Werte zu Beginn der Schwangerschaft zu Fehlbildungen führen können, ein sehr großes schweres Kind die Geburt für Mutter und Kind gefährlich machen kann.
Makrosome Kinder kommen eventuell zu früh und unreif zur Welt. Das muss man nun echt nicht riskieren...wobei es bei regelmäßigen Vorsorge heute nicht mehr zu eine Makrosomie kommen wird.
Ich würde beim Diabetologen nerven, und klarmachen, dass ich das eventuelle Risiko nicht eingehen will und evtuell den Gyn auf den Diabetologen hetzen ;)
Wenn der Blutzucker mal kurz über 140mg/dl ist, ist das sicher keine Katastrophe, keine Grund zur Panik oder auch Schuldgefühlen. Ist es aber oft und länger deutlich zu hoch, sollte man was tun.
Nochmal: Es muss nichts passieren, aber mit relativ einfachen Maßnahmen - Protaphane und/oder einer angepasste Ernährung - lasst sich das Risiko minimieren!
Ergänzung: Das Verhalten deines Diabetologen ist mehr als grenzwertig!
Bearbeitet von User am 10.07.2022 16:26:52. Grund: Ergänzung; Korrektur -
am 10.07.2022 16:09:37 | IP (Hash): 2057483810
doppelt
Bearbeitet von User am 10.07.2022 16:39:32. Grund: verdoppelt -
am 10.07.2022 16:12:45 | IP (Hash): 2057483810
HeikeOV schrieb:
Nope... schon 1994 galten für Schwangere mit Typ1 140mg/dl als obere Grenze mit gelegentlich erlaubten Ausreißern nach oben! Weiß ich sicher- war 1994 schwanger ;)
ABER Dir ist schon klar, dass Schwangerschaft mit Typ 1 was völlig anderes ist, als einfach nur Schwangerschaftsdiabetes, oder?
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert. -
am 10.07.2022 16:24:35 | IP (Hash): 299194457
Ich würde an Deiner Stelle auch den aktuellen HbA1c wissen wollen. Das macht jeder Hausarzt. Viele Praxen haben (m.E. ) täglich morgens um 8;00 einen Blutabnahmetermin, für den man sich nicht anmelden muss.
Sehe aber hier einen kritischen Artikel zur Aussagekraft des HbA1c in der Schwangerschaft. https://www.aerzteblatt.de/archiv/219804/HbA1c-Messung-kann-den-oralen-Glukosetoleranztest-zur-Diagnose-des-Gestationsdiabetes-nicht-ersetzen
Bearbeitet von User am 10.07.2022 16:29:50. Grund: Ergänzung