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Kaffee mit Zucker täglich als "Notnagel" bei Unterzuckerung?!

  • Rang: Anfänger
    Punkte: 0
    Beiträge: 1
    Mitglied seit: 17.12.2022
    am 17.12.2022 09:01:41 | IP (Hash): 1729742830
    Ich bin neu in diesem Forum und habe mich hier angemeldet, weil meine Mutter (74 J.)Diabetes Typ 1 hat. Seit sie die Krankheit hat, habe ich mich immer mal wieder im Internet informiert, finde aber teilweise widersprüchliche Aussagen. Daher habe ich mich hier angemeldet, da ich hoffe, von erfahrenen Menschen Tipps und Antworten zu bekommen.

    Meine Mutter macht nämlich so einiges (in Bezug auf die Krankheit), die mir von meinem gesunden Menschenverstand her komisch vorkommen.

    Sie spritzt täglich mehrmals Insulin und misst ihre Werte mehrmals vor und nach Mahlzeiten und schreibt sie immer in ein Tagebuch. Natürlich berechnet sie die Menge, die sie spritzt, anhand der Kohlenhydrate, die die Nahrung enthält. Soweit, so richtig. (?) Sie hat einen Hund und geht mit dem Spazieren, allerdings nicht sehr lange und weit. Im Haus rennt sie viel herum und arbeitet im Garten, Bewegung hat sie also ein bisschen.
    Aber: sie hat einen Durchschnitts-Langzeitwert, der laut ihrem Arzt wohl viel zu hoch ist (leider kenne ich den nicht, kann ich aber herausfinden), und bekommt den einfach seit Jahren nicht in den Griff. Meine Laienvermutung ist, dass sie einfach falsch isst. Sie isst viel Brot mit Weißmehl, Fertiggerichte von Bofrost, wenig Obst/Salat, nie Müsli, wenig Milchprodukte, meines Wissens auch seltener Hülsenfrüchte und "gute" Nüsse. Gutes Öl hat sie nicht im Haus. Was sie sehr viel isst, sind Kartoffeln oder Brot mit Wurst/Käse. Alles, was ich ergoogeln kann, was man bei der Ernährung so beachten soll, weiß sie zwar in der Theorie, aber sie setzt es m. E. nicht um. Das erkenne ich daran, dass immer wenn ich bei ihr bin, ich ja sehe, was in ihrem Kühlschrank und in ihrem Vorratsschränken so herumsteht, oder wenn sie mir erzählt, was sie sich kocht.

    Eine Sache, die total merkwürdig ist: Jeden Tag trinkt sie mindestens einmal Kaffee mit Zucker, wenn ihr Blutzucker zu niedrig ist, sie aber noch keine Zeit hat zu essen/kochen. Und den Punkt finde ich ziemlich schräg. Sollte das nicht eine Ausnahme sein und nicht die Regel? Angeblich hat ein Arzt ihr gesagt, dass sie das so machen soll.

    Könnt ihr Bücher empfehlen, die sie lesen sollte, wo vielleicht noch mal die körperlichen Aspekte/Funktionen beschrieben werden, und wo aber auch Rezepte enthalten sind? Gibt es Listen mit Lebensmitteln, die tabu sind und Lebensmitteln, die sie bedenkenlos essen kann? Wäre toll, wenn ihr einige links für mich hättet. Natürlich kann ich das alles auch googeln, aber ich weiß dann nie, ob das tatsächlich gute Tipps sind, daher wäre es mir lieber, es von euch hier zu hören.

    Und wenn mir jemand die Frage beantworten kann, ob das mit dem Zuckerkaffee täglich tatsächlich gut für sie ist, wäre das auch toll.

    Ich hoffe, das sind keine blöden Fragen. Danke im Voraus fürs Lesen und eure Antworten!

  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 0
    Beiträge: 1430
    Mitglied seit: 11.02.2019
    am 17.12.2022 09:29:06 | IP (Hash): 299222215
    Wenn deine Mutter wirklich Typ1 Diabetes (Autoimmuner Insuminmangeldiabetes) hat, dann gibt es zwecks Ernährung keine Verbote. Auch Brot und Kartoffeln sind bei Typ1 kein wirkliches Problem. Man muss nur wissen, wie man diese gut spritzt.

    Hat sie hingegen einen insulinpflichtigen Typ2, dann stimmen deine Anregungen zwecks Ernährung.

    Nur wenn man Insulin spritzen muss, ist es nämlich noch lange kein Typ1 Diabetes. Wird leider von Laien regelmäßig verwechselt. Darum schreibe ich es explizit nochmal.

    Egal welchen Diabetestyp sie hat, mit ihrer ICT wäre ein Glukosensor (häufigster Libre 3) sehr hilfreich. Damit müsste sie weniger blutig messen, sieht ihre kontinuierliche Verläufe und würde auch bei zu hohen und niedrigen Werten gewarnt.

    Falls es wirklich Typ1 Diabetes ist, wäre diabetesinfo.de eine gute Infoseite im Internet. Mir persönlich hat auch das Typ1 Schulungsbuch "PRIMAS - gut leben mit Typ1" sehr geholfen.

    Wer viel körperlich aktiv ist und dann noch ohne Sensor hat halt häufiger Unterzuckerungen. Kaffee mit Zucker enthält natürlich Zucker, der den Blutzucker anhebt. Man könnte natürlich auch den Kaffee weglassen und nur Traubenzucker nehmen. Aber in einer Unterzuckerung mag jeder was anderes, der eine Gummibärchen, der andere Traubenzucker, der nächste Cola oder Fruchtsaft und deine Mutter halt Kaffee mit Zucker.
    Durch ihre Lösung ist der Zucker schon aufgelöst und wirkt somit schneller. Auch das Koffein im Kaffee kann den Blutzucker zusätzlich anheben.
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    Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 8853
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 17.12.2022 11:00:38 | IP (Hash): 1053690485
    Du hast also Diabetes Typ F = Familie & Freunde. Willkommen im Club ;)

    Wie ich Deine Schilderung verstehe, kommt Deine Mutter auf ihre Art mit ihrem Diabetes seit Jahren ganz brauchbar zurecht. Einziges Manko, der Arzt bemängelt den insgesamt durchschnittlich zu hohen Blutzucker-Verlauf = HbA1c.

    Du möchtest ihr jetzt auf den Weg zu einem Langzeit-Blutzucker verhelfen, der dem Arzt besser gefällt. Deine Herausforderung: Das funktioniert in den seltensten Fällen. Denn jeder Diabetes ist anders = individuell, so dass gern genommene allgemeine Regeln nicht wirklich passen. Was Du machen kannst, ist mit Geduld zuschauen und ANERKENNEN, dass sie das mit ihren 74 Jahren noch so gut schafft. Und gut heißt hier in erster Linie, dass dieses Auskommen für sie so erträglich ist, dass sie noch all das machen kann, was Du beschreibst.

    Für Dein eigenes Verständnis:
    Neben Zucker ist auch alle Stärke Glukose. Aber die füllen wir mit dem Essen und Trinken nicht direkt ins Blut, sondern die gelangt aus dem Darm zunächst in die Leber und wird zum größten Teil darin gespeichert und von da aus mehr oder weniger langsam ausgegeben. Gesund immer nur so viel, wie unsere Zellen dem Blut auf seinem Kreislauf durch den Körper abgenommen haben, also praktisch zum Auffüllen. Diabetisch halt mehr oder weniger deutlich mehr. Vor allem direkt nach den Mahlzeiten, wenn ja auch deutlich mehr in die Leber kommt.

    Für einen weniger deutlichen Anstieg können wir alle unabhängig vom Typ kleinere Zucker-/KH-Portionen einverleiben. Und die Zucker-/KH-Portionen, die wir uns einverleiben, müssen wir INSULINER alle unabhängig vom Typ für uns jeweils individuell passend mit Insulin ausgleichen. Der Ausgleich mit dem Insulin hat nur einen kleinen praktischen Haken: In den ersten etwa 30-90 Minuten nach dem Spritzen verstärkt alle intensivere Bewegung die Wirkung der gespritzten Menge.
    Wenn ich also für mein Mittagessen und anschließend hier am Monitor Sitzen gespritzt habe und mich stattdessen aber dann aus eigener (nicht Motor) Kraft in die Stadt zum Einkaufen bewege, sinkt mein Blutzucker tiefer als beabsichtigt, und ich brauche zum Ausgleich z.B. ne Tasse Zucker-Kaffee - wenn die passt und ich mich dran gewöhnt habe :)

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    Es gibt keine organisch oder physiologisch erkennbaren Anfangspunkte. Deswegen sind Prädiabetes und vor allem Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
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