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Schwere diabetische Ketoazidose - was tun?
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am 05.01.2024 11:37:44 | IP (Hash): 1687108734
Hallo,
mein Großvater (85) liegt seit vier Wochen im Krankenhaus. Er hat Diabetes I und wurde mit einem Blutzuckerwert von über 700 und einem PH-Wert von 7,0 eingeliefert. Bei Einlieferung auf die Notaufnahme - ich war selbst zugegen - war er wach, lag also nicht im diabetischen Koma. Der Blutzuckerwert wurde dort langsam und meiner Beobachtung nach professionell herabgesenkt, um der Gefahr eines Hirnödems zu begegnen.
Die Werte haben sich zwar wieder stabilisiert, aber seitdem schläft er fast nur noch! Das Bett kann er kaum verlassen, eine TOTALE Müdigkeit und Ermattung liegt auf ihm, wie ich es noch nie gesehen habe. In den Wachstunden ist er teileise auch kognitiv eingeschränkt. Ein CT und ein MRT, die später gemacht wurden, waren aber jeweils unauffällig. Die Diagnose lautet: diabetische Ketoazidose und metabolische Enzephalopathie.
Mein Eindruck ist, daß sie im Krankenhaus nicht mehr weiter wissen. Besondere therapeutische Maßnahmen, die über die Bekämpfung der Folgen der Bettlägrigkeit hinausgehen, erfolgen nicht. Das KH wartet jetzt darauf, daß wir ihn in Pflege nehmen. Aber er ist ja nicht der erste Diabetiker, der mit den Folgen einer Ketoazidose zu kämpfen hat. Es muß doch für diese Patienten eine spezielle Behandlung zur Rehabilitation geben! Was muß ich dafür tun und an wen kann ich mich wenden?
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am 05.01.2024 16:54:02 | IP (Hash): 1693240265
Die Situation ist völlig unbefriedigend für dich. Das kann ich nachvollziehen. Allerdings ist sie Alltag für “die Medizin”, und das nicht nur nach einer schweren Keto, sondern genauso nach X Nummern anderen schweren Krankheitsfällen im höheren Alter. Da ist dann bei uns Oldies (bin nur knapp 10 Jahre jünger) von außen gesehen recht plötzlich “alle Luft raus”. Und aus eurer jungen Perspektive erscheint das völlig unerklärlich.
Vielleicht denkst du dich da mal ein bisschen in unsere ausgelatschten alten Schuhe. Seit Jahren können wir jeden Tag ein bisschen weniger von irgendwas, so arg wir uns auch bemühen und dagegen stemmen.
Ich nenne das die Neugier auf den nächsten Tag, mit der wir uns zu diesem Bemühen und Stemmen jeden Tag wieder durchringen, auch wenn es jeden Tag schwerer fällt. Klar kann in unserem Alter jeden Tag endgültig Schluss sein. Das wissen wir. Aber heute noch nicht, jedenfalls solange wir in unserem normalen immer älteren Alltag drin sind.
Und aus dem klinkt uns nun so ein Krankheitsfall für 4 Wochen völlig aus. Und damit auch aus dem weiter antreibenden Bemühen und Stemmen.
Und nun mal aus meiner aktuellen Oldie-Sicht: Da war jetzt 4 Wochen nix mehr, das ich wirklich noch unbedingt hätte erleben wollen - ganz im Gegenteil! Das waren praktisch nicht meine 4 Wochen. Hättet ihr mich da nicht irgendwann einfach “weiterschlafen” lassen können?
Ich habe bislang nur einen Alten kennengelernt, der völlig anders gepolt war. Vor gut 30 Jahren haben wir für ein paar Tage ein Krankenhauszimmer geteilt. Er musste ganz dringend zurück zu seinen Tieren. Er hatte eine Art Kötter-Resthof mit Hühnern und Ziegen und ich weiß nicht mehr, was noch alles.
Die Tiere versorgen war sein normales Tagwerk. Da hatte ihn ein kleiner Schlaganfall rausgerissen, und da musste er unbedingt so schnell wie möglich wieder hin. Denn er war ja der einzige, der jedes Tier da wirklich kannte und wusste, was es jeweils brauchte. Der hat mich den ganzen Tag damit auf seine Art ja rührend zugetextet. Und er war total happy und putzmunter, als seine Tochter ihn dann abholen und zurück zu seinen Tieren bringen durfte :)
Das ist natürlich keine direkte Antwort auf deine Frage, aber die beste, die ich dir geben kann: Finde die Tiere von deinem Opa. Daumendrück.
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Nur für Menschen mit T2D kurz auf den Punkt: Typ 2 Diabetes ist mit genetischen Speichergrenzen von Geburt an eingebaut. Unter diesen Grenzen ist er gesund ausgeschaltet und darüber diabetisch eingeschaltet. - Remission ist nach dem Abbau der Speicherinhalte unter diese individuellen(!) Grenzen und damit "wieder" der ausgeschaltete T2D.1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 05.01.2024 18:17:57 | IP (Hash): 427260697
Tut mir Leid, dass es deinen Opa so schlecht geht.
Ich stimme Jürgen aber nicht zu. Für mich klingt es nicht, als hätte er psychisch "aufgegeben".
Einfach nach Hause nehmen und Pflegebedürftigkeit akzeptieren, würde ich persönlich vermutlich nicht.
Ich hatte noch keine Ketoazidose zum Glück, deshalb kann ich mir nur annähernd vorstellen, wie belastend das für den Körper ist. Sind denn seine Elektrolyte jetzt okay, die entgleisen bei einer Ketoazidose ja auch? Ich könnte mir vorstellen, dass es eine organische Ursache an seinem Zustand geben könnte.
Was für deinen Opa in Frage kommt, weiß ich nicht sicher. Ich gebe dir jetzt mal ein paar Ideen, ob da was überhaupt in Frage kommt, müsstest du dich informieren. Falls das Krankenhaus einen Sozialdienst hat, würde ich mich zudem auch an diesen wenden.
Was mir spontan einfällt:
- Verlegung in eine Diabetesklinik (Stichwort akut-stationäre diabetologische Komplexbehandlung). Die bekannteste und vermutlich beste Klinik ist die Diabetesklinik Bad Mergentheim. Da würde ich an deiner Stelle einfach mal anrufen, Fall schildern. Vielleicht können die dir wirklich helfen und wissen auch, woher die jetzigen Symptome herkommen.
Eine andere gute Diabetesklinik ist in Bad Heilbrunn. Hier wäre der Vorteil, dass nach dem akut-stationären Klinikaufenthalt auch in der gleichen Klinik eine Anschlussheilbehandlung (siehe auch nächsten Punkt) möglich wäre.
- grundsätzlich nach Krankenhausaufenthalten könnte eine Art Reha namens Anschlussheilbehandlung in Frage kommen (gute T1 Rehakliniken zumindest in Süddeutschland sind in Bad Kissingen und Bad Heilbrunn)
- nicht diabetesspezifisch wäre ggf. auch eine geriatrische Reha möglich. Hier geht es grundsätzlich darum, ältere (häufig komorbide) Patienten nach einem Klinikaufenthalt mit Therapien aufzupäppeln und die Pflegebedürftigkeit zu verringern.
Zwecks geriatrische Reha und AHB müsste die Krankenkasse dann der zuständige Kostenträger sein. Also Anträge dann bei der Krankenkasse stellen, da dein Opa nicht mehr erwerbstätig ist, ist NICHT die Rentenversicherung zuständig. -
am 29.01.2024 17:00:13 | IP (Hash): 564942482
Vor zwei Wochen ist es meinem Großvater innerhalb weniger Tage besser gegangen. Mittlerweile kann er wieder vom Bett aufstehen und mit einem Rollator vorsichtig gehen. Er ist auch nicht mehr ganz so müde und im Kopf viel klarer. Woher diese plötzliche Besserung auf einmal kommt, konnte mir keiner sagen. -
am 29.01.2024 17:34:42 | IP (Hash): 1532091295
Das freut mich.
Ich glaube ja an die Selbstheilungskräfte und Schlaf und wenig Nahrung können Wunder wirken, wenn die Zeit noch nicht gekommen ist. Hoffentlich geht es bald weiter bergauf, ich wünsche es euch.
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DM2 in Remission ohne Medikamente -
am 29.01.2024 19:44:59 | IP (Hash): 109108931
Danke für die Nachricht und Daumendrück für weiter gute Besserung :)
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Typ 2 Diagnose 01.1991, Basal-Bolus seit 1998, HbA1c 5,5 und besser seit 2002.
Das Reframing vom Typ 2 ist mein Hobby und mein T2D mein engster Lebenspartner und bester Gesundheits-Coach :) -
am 05.02.2024 08:38:00 | IP (Hash): 1984529427
Wie kommt es überhaupt zu einer Ketoaszidose mit Werten über 500?
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LADA Typ I...
(Medikation: morgens 12,5 mg Jardiance + 26 IE Toujeo)
Wer die Sache ernst genug nimmt, den diszipliniert dieser Diabetes vermutlich weit mehr hin zur Gesundheit, als diese Krankheit dann noch vermag zu schädigen?! -
am 05.02.2024 09:04:09 | IP (Hash): 1059000138
Da fragst du am besten junge Damen mit Typ 1, denn die nutzen die Keto für ihre Figuren. Hintergrund: Die Hauptaufgabe vom Insulin ist das Fettmanagement, also das Umwandeln von Glukose in Triglyzeride und die Sorge fürs Speichern und Gespeicherthalten. Ohne Insulin tritt die Lipolyse ein = Speicherauflösung, und vom Fett wird munter ausgepinkelt.
Ok, der Opa wollte bestimmt nicht abnehmen, sondern hat einfach nicht ausreichend gespritzt. Das hätte er am BZ-Anstieg sehen und entsprechend korrigieren können, aber aus welchen Gründen auch immer nicht gemacht. 500 mg/dl sind dafür häufig auch gar nicht nötig, weil nicht der BZ die Lipolyse macht, sondern das fehlende Insulin.
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Typ 2 Diagnose 01.1991, Basal-Bolus seit 1998, HbA1c 5,5 und besser seit 2002.
Das Reframing vom Typ 2 ist mein Hobby und mein T2D mein engster Lebenspartner und bester Gesundheits-Coach :) -
am 05.02.2024 09:38:28 | IP (Hash): 1984529427
Ah ja, Danke für die Auskunft. Weil selbst bei meinen größten Sündenfällen mit Schokolade, Flips, Gummibärchen und Schokokeksen (das alles zusammen natürlich...) bin ich nicht über 350 gekommen.
Daher dachte ich, über 500 kann man sich doch eigentlich noch nichtmal bewußt durch "exorbitantes Sündenfressverhalten" herbeiführen?
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LADA Typ I...
(Medikation: morgens 12,5 mg Jardiance + 26 IE Toujeo)
Wer die Sache ernst genug nimmt, den diszipliniert dieser Diabetes vermutlich weit mehr hin zur Gesundheit, als diese Krankheit dann noch vermag zu schädigen?! -
am 05.02.2024 09:56:55 | IP (Hash): 1532091295
Der BZ kann auch durch innerkörperliche Vorgänge wie Lungen- oder sonstige Entzündungen entgleisen.
Ich habe es ganz ohne Zucker (Schokolade, Flips, Gummibärchen und Schokokekse) bis 400 mg/dl geschafft.
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DM2 in Remission ohne Medikamente