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Beta Zellen
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wurstl
Rang: Gastam 06.09.2010 17:09:27
wen durch erhöhten BZ ( z.b 180 ) Beta Zellen zerstört werden , erneuern die sich in einem bestimmten Maße wieder?
klar wenn der BZ immer zu hoch geht kann ich mir vorstellen dass die zellen irgendwann ganz abgestorben sind aber wnen es sejr selten auf über 160-180 geht wollte ich wissen ob die zertsörten Zellen sich neu bilden? von wurstl -
Daniela
Rang: Gastam 06.09.2010 18:18:49
Hallo Wurstl,
umgekehrt wird nen Schuh draus ^^
"wen durch erhöhten BZ ( z.b 180 ) Beta Zellen zerstört werden , erneuern die sich in einem bestimmten Maße wieder?
klar wenn der BZ immer zu hoch geht kann ich mir vorstellen dass die zellen irgendwann ganz abgestorben sind aber wnen es sejr selten auf über 160-180 geht wollte ich wissen ob die zertsörten Zellen sich neu bilden?"
Der BZ ist erhöht WEIL die Betazellen zerstört worden sind, eine Erholung der Betazellen kommt dann vor wenn man eine Weile Insulin von außen zugibt und die Zellen sich ein wenig erholen können - die regenerieren sich aber nicht. Oft wird eine Erholung auch mit einer geringeren Resistenz (also schlechter Wirkung von Insulin) verwechselt. Der hohe BZ führt zur Verstoffwechselung von Fettsäuren, die blockieren das eigene Insulin und der BZ sinkt nicht, sobald aber der BZ eine Zeit lang im Normbereich behalten UND die Fettsäureverstoffwechselung unterbrochen wird, wird man insulinempfindlicher.
Ich hoffe Du kannst damit etwas anfangen..
LG, Daniela -
wurstl
Rang: Gastam 06.09.2010 18:53:29
also einmal zerstörte beta zellen kommen nie wieder? von wurstl -
Jürgen
Rang: Gastam 06.09.2010 19:09:54
Das mit den ß-Zellen ist bei Typ1 relativ einfach. Die killt sein eigenes Immun-System, auch die, die sich vielleicht neu bilden wollen.
Dass der Typ2 bei Erreichen der Diagnose-Schwellen auch schon 50-80% weniger funktionierende ß-Zellen hat, als ein gesunder Mensch gleichen Alters und Geschlechts und gleicher Statur, ist noch relativ wenig bekannt. Bei dem erstreckt sich das Absterben über Jahre bis Jahrzehnte. Und bei dieser Dauer fällt auch die Vergiftung der ß-Zellen durch zu hohen Blutzucker ins Gewicht. In Versuchen mit Zellkulturen sollen menschliche ß-Zellen bei mehr als 140mg/dl beginnen abzusterben.
Keine Programme oder Studien gehen bislang davon aus, dass ß-Zellen wieder wachsen. Neueste Typ2-Behandlungen sind im Gegensatz zu den allgemein schulmäßig verbreiteten allerdings ausdrücklich darauf angelegt, die noch bestehenden ß-Zellen möglichst lange zu erhalten. Neuere Medis werden von den Herstellern mit der Aussage beworben, dass sie ß-Zellen wiederherstellen bis vermehren, aber dazu gibt es bislang noch keine veröffentlichten Daten, die irgendwie nachprüfbar wären. von Jürgen -
nicol
Rang: Gastam 06.09.2010 19:13:04
Bei Diabetes Type 1 kommt noch hinzu dass
die Betazellen zerstört werden durch den eigenen Immunsystem. Diesen Prozess ist (noch) nicht zu stoppen.
Auch bei gesunden Menschen regenerieren Betazellen sich kaum.
Gruss Nicol von nicol -
Astrid
Rang: Gastam 06.09.2010 20:55:07
Mich würde sowieso mal interessieren, wie es mit Verschlechterungen aussieht, also ich meine, ob sich der Diabetes alle paar Jahre verschlechtert, der BZ wechselhafter ist, der Insulinverbrauch höher wird.
Welche Erfahrungen habt ihr da so gemacht ? von Astrid -
wurstl
Rang: Gastam 06.09.2010 21:47:53
ich hatte gehofft dass sich die Betazellen regenieren wenn man abnimmt und sport macht:-( von wurstl -
Joa
Rang: Gastam 06.09.2010 21:50:41
Hallo,
> wurstl schrieb:
> also einmal zerstörte beta zellen
> kommen nie wieder?
Betazellen unterliegen, wie andere Zellstrukturen (zumeist) auch, einem Regenerationsprozess. Es stirbt immer eine gewisse Menge alter Zellen ab (=Apoptose) und wird durch neue ersetzt (=Mitose).
Dummerweise ist bei der Entwicklung des Typ 2 Diabetes das Gleichgewicht zwischen Mitose und Apoptose schon dann dramatisch gestört, wenn die BZ-Werte noch völlig unauffällig sind, weil es zu einer Überforderung der Betazellen kommt.
Daraufhin beschließen diese den Selbstmord im Rahmen eines immunologisch vermittelten Prozesses.
Wenn Botenstoffe, die diesen Selbsmordprozess vermitteln, gestoppt werden, kann es zu erstaunlichen Erholungsleistungen der Betazellen kommen. Nachdem entsprechende medikamentöse Studien (siehe Anakinra) bei Typ 2 Diabetikern schon recht beeindruckende Ergebnisse erbrachten, ist man aktuell dabei die Auswirkung einer Blockade des Interleukin-1 Rezeptors auch beim Typ 1 Diabetes zu untersuchen (AIDA-Studie).
Beim Typ 1 kommt allerdings zur immunologisch verursachten Apoptose noch das Zellsterben durch autoimmun-aggressive Vorgänge dazu, so dass allenfalls mit temporären Teilerfolgen gerechnet werden darf, solange der nicht der Autoimmunvorgang selber gestoppt werden kann.
Ansonsten gibt es auch Typ 1 Diabetiker, die auch 60 Jahre nach der Diagnose noch über aktive Betazellen verfügen. Und das kommt nicht mal so sehr selten vor.
Ohne Erneuerung von Betazellen (Mitose) würde das vermutlich nicht klappen können.
Gruß
Joa -
Daniela
Rang: Gastam 06.09.2010 23:49:54
Hallo Astrid,
"Mich würde sowieso mal interessieren, wie es mit Verschlechterungen aussieht, also ich meine, ob sich der Diabetes alle paar Jahre verschlechtert, der BZ wechselhafter ist, der Insulinverbrauch höher wird.
Welche Erfahrungen habt ihr da so gemacht ?"
Ja, ein wenig was geschieht. Ist aber die Zerstörung der Insulinbildner abgeschlossen, also null Eigeninsulin vorhanden, sind es "nur" noch Resistenzverschiebungen, die man mit einer gezielten Therapie manipulieren kann.
Dann, im Alter, wird man wieder insulinempfindlicher. In Althausen war eine ältere Dame, die hat nur 23 IE/Tag gebraucht :-)
Wichtig ist aber, dass Du Deine Insulinrezeptoren nicht zuballerst und Deine optimale Insulinmenge/Tag findest, zu der Du immer wieder zurück kehren kannst, ohne dass es zu Fettsäureverstoffwechselung und Leberzuckerausschüttung im Übermaß kommt.
Wurstl, es regeneniert sich leider nichts so, dass Du ohne Insulin leben kannst, auch eine Gewichtsabnahme führt "nur" zu etwas weniger Resistenz. Als Typ 1-Diabetiker ist ein Leben ohne externes Insulin nicht möglich, aber Du kannst Deine Therapie so gestalten, dass die Entgleisungstiefe sich in Grenzen hält und das Rsisiko von Folgeschäden auf ein Mindestmaß gehalten wird.
LG, Daniela -
Jürgen
Rang: Gastam 07.09.2010 01:00:16
Moin Joa,
Anakinra kann(!) eine Möglichkeit sein, das übermäßige Absterben der ß-Zellen bei Typ2 zu einem Teil oder vielleicht auch ganz zu stoppen. Daraus ergibt sich aber noch keine Antwort auf die Fragen,
warum bei gleichem Geschlecht und Alter und gleicher Statur wenigstens die Hälfte der Systeme mit einer gesunden Vermehrung der ß-Zellmasse reagieren, so dass keinerlei auffällige BZ-Muster auftreten?
warum bei den krankhaft reagierenden Systemen neben der verringerten Insulinproduktion auch eine erhöhte interne/endogene Glukose-Ausgabe auftritt?
Und mal Hand auf's Herz: 0,5 HBA1c-Punkte sind Peanuts, wenn eine ernsthaft die BZ-Bewegungen begrenzende Behandlung erst mit einer Differenz von 2 Punkten zaghaft beginnt - vielleicht in Zukunft ja schon bei einer Differenz von 1,5 - aber aus heutiger Perspektive immer deutlich über der Schwelle der Glukose-Vergiftung der Betas durch den BZ häufig und lange über 140mg/dl.
Nicht missverstehen: Es wird mit Sicherheit in Zukunft Heilungsmöglichkeiten auch für das geben, was wir heute Diabetes Typ1 und Typ2 nennen. Insofern Hoffnung. Aber alle Erfahrung zeigt, dass immer komplexer wirkende neue Medis zwar scheinbar immer schneller entwickelt werden, aber immer länger in immer ausgiebigeren Testphasen brauchen, bis sie nach deutlich mehr als 10 Jahren allgemein zur Behandlung zugelassen werden können - wie die letzten Jahre zeigen, nicht unbedingt tatsächlich sicher. Aber selbst wenn sicher, macht Sinn, sich die eigene Gesundheit bis zur Verfügbarkeit der neuen Möglichkeit(en) ganz konventionell mit dem gesund flachen & niedrigen BZ-Verlauf zu erhalten :-)
Bisdann, Jürgen