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Nur insulinresistent?

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    Mitglied seit: 17.02.2025
    am 17.02.2025 21:58:26 | IP (Hash): 622330852
    Guten Abend zusammen,

    beim Googlen habe ich euch einfach mal als Laien-Profis identifiziert und wollte euch um eure Einschätzung bitten.

    Vielleicht zunächst ein paar Rahmenbedingungen: w, 38 Jahre alt, BMI 35,7.

    Es wurde bei mir vor geraumer Zeit ein sog. HAIR-AN-Syndrom als Unterform vom PCO diagnostiziert. Hauptsymptom ist dabei die Insulinresistenz.

    Der Diabetologe hat den HOMA Index mit 6,0 bestimmt.
    Bei ein paar Blutuntersuchungen in letzter Zeit wurde ein Nüchternblutzucker von über 100 (aber nicht mehr als 125) gemessen. Der HbA1c lag zuletzt bei 5,7.

    Eine Bekannte hat mir vor kurzem zum Testen einen Libre 3 gegeben, den sie übrig hatte, welchen ich nun seit einer Woche trage.
    Das habe ich so beobachtet:
    Mein Nüchternzucker lag zumeist zwischen 100-115, der höchste nüchterne Wert bei 125.

    Nach KH-reichen Mahlzeiten beträgt die Spitze bis zu 220. Der GMI liegt bei 6,0.
    Es gab ein paar Situationen, in denen sich der Wert 2 Stunden nach dem Essen gut erholt hat… manchmal liegt der Wert 2 Stunden später aber noch bei 160, selten (wieder) bei 200 und mehr. Ein Phänomen, das ich beobachtet habe, ist zudem, dass sich der Blutzucker zunächst ordentlich beruhigt, aber dann nochmal auf 200 und mehr ansteigt.

    Ist das alles noch Insulinresistenz/ Prädiabetes oder schon mehr?
    Mir ist klar, dass viele Diabetiker von diesen Werten träumen würden, aber habe ich die Grenze vielleicht schon mal überschritten?

    Danke im Voraus für eure Einschätzung!
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    am 18.02.2025 05:38:42 | IP (Hash): 1675948732
    Hallo Tine,
    dein HOMA-Index ist schon eindeutig zu hoch und wird von alleine nicht sinken. Normal wäre bis 2.

    Das bedeutet, dass du ziemlich viel Insulin ausschüttest, um den BZ im normalen Bereich zu halten. Insulin fördert die Einlagerung von Fett und verhindert Fettabbau. Du kannst dagegen an deiner Ernährung etwas tun, d.h., so zu essen, dass möglichst wenig Insulin ausgeschüttet wird.
    Insulin hat auch was mit den Hormonen zu tun, bzw mit zuviel davon macht Hormonprobleme. Und die Hormonprobleme haben viele unangenehme Folgen, unter anderem diejenigen, die du ja erlebst.
    Hängt alles zusammen.

    Ich denke, dass du deine BZ- und InsulinWerte mit stark kohlenhydratreduzierter Ernährung normalisieren könntest, also statt KH-reiche Mahlzeiten lieber protein- und fettreich (Fisch, Fleisch Eier) mit stärkearmen Gemüse.
    Das treibt deinen nachmahlzeitlichen Blutzucker nicht hoch und und damit auch nicht das Insulin.
    Damit kannst du auch mit einem relativ kleinen Kaloriendefizit Speck abbauen und auch die anderen mit deiner Erkrankung verbundenen Erscheinungen zumindest verbessern.
    So kann sich auch deine BSD erholen und die IR wird vielleicht weggehen, zumindest der Teil, der von dir beeinflussbar ist.

    Es gibt einige Berichte im Netz, aber eher im englischsprachigen Raum zB:

    forum.gofeminin.de/d/996874-mein-leben-mit-hirsutismus/3

    Und es gibt etliche Videos auf YT, kannst du dir auch per Untertitel übersetzen lassen. zB:

    www.youtube.com/watch?v=e5sP1iBTI7g

    oder, mehr wissenschaftlich:

    www.youtube.com/watch?v=N_jkPZeuyIo

    www.youtube.com/watch?v=CZCDl1NPk6g&t=664s

    (Wobei man immer auch gegenteilige Thesen findet, aber diesen hier würde ich vertrauen.)

    Oder frag doch mal deinen Arzt danach. Mit der Messung vom HOMA-Index hat er ja schon einen guten Anfang gemacht.
    Ich wünsche dir, dass du die richtige Behandlung findest, um den weiteren Verlauf positiv zu beeinflussen

    ------------------------------------------------
    DM2 in Remission ohne Medikamente 😎
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    am 18.02.2025 09:55:32 | IP (Hash): 1215845551
    Hier mal zur vom Henrie angesprochenen Remission:

    Nach 7-8 Tagen mit 3mal täglich 200 kcal Formula-Diät - ist am einfachsten - oder vom ganz normalen Essen plus max 200 kcal in Form von Rohkost/Salat sinkt dein Nüchternzucker von einem Tag auf den anderen wahrscheinlich deutlich unter 100 mg/dl.
    Nach weiteren 8-10 Wochen in der Spur kannst du messen, wie dein BZ mit KH-Portionen, mit denen er jetzt Ausflüge an oder über 200 mg/dl macht, deutlich unter 140 bleibt.

    Das ist komplette Remission. Damit hast du deinen T2D ausgeschaltet. Damit ist der HbA1c wieder bei 5,5 und besser.
    Klar kannst du dann wieder ganz normal essen - mit einer Einschränkung:

    Nicht mehr zur Futterluke reinschieben, als dein Organismus noch am selben Tag verbraucht!

    Denn unser Typ 2 Erbe besteht in Fett-Schaltern in Leber und Pankreas/Beta-Zellen. Fett in unserem Organismus ist nicht verbrauchte, also gespeicherte Energie.
    Wir mit Typ 2 haben nur eine begrenzte Speicher-Kapazität. Unterhalb dieser Grenzen funktioniert unser Blutzucker völlig gesund, aber mit Überschreiten dieser Grenzen zunehmend diabetisch.

    Allgemein wird das Ausschalten vom Typ 2 am Gewicht festgemacht. 15 kg weniger gelten allgemein als passend.
    Aus meiner persönlichen Erfahrung ist jede Verbesserung und jede Verschlechterung am ehesten am Blutzucker abzulesen. Jede Verbesserung spornt mich dazu an, die gesunde Spur zu halten, und jede Verschlechterung, schleunigst in die gesunde Spur zurückzufinden.


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    Gestartet mit mehr als HbA1c 15,5 in 01.1991, ärztlich eingestellt Basal-Bolus ab 1998 mit Hba1c um 7 und um 140 IE/Tag Insulin. Gegen vielfachen ärztlichen Rat seit 2002 mit wenigen Ausnahmen 7/24 zwischen 60 und 140 mg/dl und HbA1c um 5 mit aktuell um 20 IE/Tag Insulin. - Das Reframing vom Typ 2 ist mein Hobby und mein T2D mein bester Gesundheits-Coach :)
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    am 18.02.2025 12:27:59 | IP (Hash): 1708874291
    Henrie schrieb:
    Ich wünsche dir, dass du die richtige Behandlung findest, um den weiteren Verlauf positiv zu beeinflussen


    Danke hierfür und die vielen Materialien, Hernie! Guck ich mir an und es erklärt, weshalb mein bisher einziger erfolgreicher Versuch einer Gewichtsreduktion war, als ich eine sehr KH-reduzierte Diät gemacht habe.

    Was meinst du genau mit normal essen, Jürgen?
    hjt_Jürgen schrieb:
    ganz normalen Essen plus max 200 kcal in Form von Rohkost/Salat



    Ich soll normal essen (wie ich es in meiner Wahrnehmung weitestgehend tue, aber eben bisher ohne Verzicht auf KH) + zusätzlich 200kcal in Form von Rohkost/ Salat, um den Blutzuckerspiegel zu senken?

    hjt_Jürgen schrieb:
    Damit hast du deinen T2D ausgeschaltet.


    Den hat mir bisher noch keiner diagnostiziert. Sagen meine Werte das?
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    am 18.02.2025 15:14:54 | IP (Hash): 1675948732
    Tine86 schrieb:

    Den hat mir bisher noch keiner diagnostiziert. Sagen meine Werte das?



    Eine Diagnose kann dir hier niemand stellen, aber dein HOMA-Index sagt das aus.
    Normal = 1 bis maximal 2, dein Wert = 6.

    flexikon.doccheck.com/de/Homeostasis_Model_Assessment

    Leider wird meistens erst (und nur!) NBZ und HbA1c gemessen, was am ursächlichen Problem IR und erhöhtes Insulin vorbei geht. Die Ärzte diagnostizieren lieber gerne erst dann, wenn NBZ und HbA1c letztlich hoch ist, aber die Ursache, dein hoher Insulinspiegel wg der IR zeigt, dass es nicht mehr lange dahin dauert. Abwarten bringt dir keinen Vorteil.
    Oft bestellen Ärzte die Leute dann alle drei Monate ein, um diese Werte zu messen und schlagen erst dann, wenn der BZ gestiegen ist, mit Medikamenten zu. Die IR und Insulin steigen inzwischen munter an und tun nix Gutes.

    Bester Zeitpunkt, um jetzt gegenzusteuern. Es liegt an dir, das mit Kohlenhydratrestriktion zu tun.

    Kalorienrestriktion, wie Jürgen sagt, ist am Anfang und für ein paar Wochen oder 2 Monate überaus wirkungsvoll (ob mit Formula-Diät oder normaler Nahrung = max, 800 Kal.) und gibt einen wichtigen Kick in die richtige Richtung. Prima gegen Fettleber/viszerales Fett, was große Probleme macht. Auch einige Fastentage zum Anfang könnten hilfreich sein.

    Auf Dauer geht es darum, genug Protein und genug Fett, aber sehr wenig KH zu essen und auf jeden Fall alle notwendigen Nährstoffe, also Fettsäuren, Aminosäuren und Vitamine und Mineralien zuzuführen. (Nudeln, Brot, Kartoffeln etc braucht der Körper nicht. Mach dich schlau.)
    Der BZ sollte ohne große Spitzen verlaufen und keine Achterbahnfahrten machen.

    Ohne hungern!
    Hunger siegt immer, wenn irgendein Mangel herrscht. Energie, hast du zwar genug gespeichert, kommst allerdings bis jetzt nicht an die Quelle ran, dank erhöhtem Insulinspiegel, gibt der Körper nichts her. Das wird sich aber schnell geben und dein Gewicht wird sich regulieren.
    Genug Schlaf, wenig Stress und ein Spaziergang nach dem Essen machen da viel aus. Exzessiver Sport ist nicht notwendig, kann sogar kontrproduktiv sein, aber viel Bewegung tut gut.

    Die IR muss weg, das kannst du auch erreichen.
    Mit Entschlossenheit und Geduld kriegst du das hin.
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    am 18.02.2025 18:15:32 | IP (Hash): 1215845551
    Tine86 schrieb:
    Den hat mir bisher noch keiner diagnostiziert. Sagen meine Werte das?


    Wir mit Typ 2 haben den Typ 2 praktisch immer. Zunächst ist er ausgeschaltet. Damit haben unsere Blutwerte alltäglich einen völlig gesunden Verlauf. Eingeschaltet haben sie einen zunehmend diabetischen Verlauf, mit dem sie irgendwann auch die Werte überschreiten, die weit höher als gesund für die Diagnose gesetzt sind.

    Die Schalter dazu haben wir in Leber und Pankreas geerbt, und zwar mit persönlichen Speichergrenzen in diesen Organen. Die sind völlig unabhängig vom BMI. Die eine hat seine z.B. bei BMI 23, der andere bei BMI 37 und der nächste bei BMI 41 usw.
    Nur mit bis zu so viel/wenig Fett, wie für uns jeweils persönlich(!) maximal gesund ist, funktionieren beide Organe völlig gesund. Mehr Fett schaltet die diabetische Fehlfunktion ein. Entsprechend schaltet passend weniger Fett sie zum Glück auch wieder aus und die gesunde Funktion wieder ein - wenigstens in den ersten Jahren.


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    Gestartet mit mehr als HbA1c 15,5 in 01.1991, ärztlich eingestellt Basal-Bolus ab 1998 mit Hba1c um 7 und um 140 IE/Tag Insulin. Gegen vielfachen ärztlichen Rat seit 2002 mit wenigen Ausnahmen 7/24 zwischen 60 und 140 mg/dl und HbA1c um 5 mit aktuell um 20 IE/Tag Insulin. - Das Reframing vom Typ 2 ist mein Hobby und mein T2D mein bester Gesundheits-Coach :)
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    am 25.02.2025 10:00:26 | IP (Hash): 659869755
    Guten Morgen

    Die diabetische Unterhaut und ggf auch organspezifische Zellen darueber hinaus, erhoehen die Androgene in der Peripherie.
    Der Koerper beabsichtigt ueber die Androgene den Insulinkreislauf zu regulieren.
    Besonders das Hormon DHT folgt dieser Aufgabe.
    Leider macht dieses Hornon dabei Fehler die ueber kosmetisch störende Phaenomaene (Hirsutismus/Alopezie ) hinausgehen.
    Es macht die Unterhaut ueber Fibrose zunehmend Stoffwechsel inaktiv, was dann letztendlich auch die Diabetes, bzw IR verschlimmert.

    Spironolacton , oder erstmal Finasterid 5 MG gegen den Hirsutismus, bzw den Androgenüberschuss?
    Unter Finasterid in bereits geringen Dosen hat sich bei Maenern die Insulinsensitivitaet leicht gebessert

    Metformin additiv?

    https://www.aafp.org/pubs/afp/issues/2001/0615/p2385.html


    Pcos z. B wird z. B auch so behandelt.

    Ein guter Endokrinologie mit dementsprechenden Erfahrungen, und Out off label Bereitschaft, ist hier gefragt

    Villeicht sprichst du einen Endo mal auf die Kombi Finastererid und Metformin an.

    Oft reicht es aber auch schon leicht medikamentös die Insukinsensitivitaet zu foerdern, bei viel Sport, bzw Bewegung, Low Carb, und ggf 1200 bis 1800 mg ACC Akut

    Gruss und gute Besserung!
    Tino