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Insulinresistenz und festival
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am 02.06.2025 21:08:18 | IP (Hash): 1134606034
Hallo,
mein Arzt hat eine Insulinresistenz festgestellt. Ich bin stark übergewichtig, habe zich Diäten hinter mir, mal 30kg abgenommen, dann wieder 40kg zugenommen...
In den letzten Monaten habe ich es sehr schleifen lassen. Habe dann wieder angefangen, Kalorien zu zählen und es hat sich nichts mehr getan.
Seit der Diagnose (vor genau einer Woche) habe ich nun meine Ernährung radikal umgestellt. Ich esse weiterhin täglich 1800 kcal, 3 Gerichte am Tag mit je 4-5 Stunden Abstand, nun gibt es aber vor allem Gemüse, teilweise ein wenig Vollkornprodukte, Nüsse, Samen und frühs manchmal ein paar Beeren...
Die Diät läuft soweit ganz gut. Ich habe 3kg weniger im Vergleich zu letzter Woche. Das klingt erstmal unnormal, aber ich denke, bei so starkem Übergewicht kann das in der ersten Woche schon passieren. Ich bin entschlossen, jetzt alles zu geben, was mir möglich ist, bin aber noch sehr verunsichert. Auch weil der Arzt mich null aufgeklärt hat. Er meinte nur, ich könnte Spritzen für 300€ im Monat kaufen, sonst würde nichts helfen...
Nun aber meiner Frage:
Ich wollte bald auf ein Festival fahren und habe mich schon sehr lange darauf gefreut. Ich möchte mir das Festival auch nicht nehmen lassen. Ich mache mir jetzt aber extrem Sorgen, wie ich das alles vor Ort manage. Ich würde dort gern auch Alkohol trinken - auch gern mehr als ein Glas Wein. Ich kann mir gut vorstellen, die nächsten Monate komplett auf Alkohol zu verzichten, aber bei dem Festival gehört es für mich einfach dazu.
Ich trinke prinzipiell nur Wasser. Dort würde ich dann auch Weißwein und ab und zu eine zuckerfreie Cola trinken. Meint ihr, das könnte für mich körperlich sehr schlimme Auswirkungen haben? Was ist, wenn alle einen Schnaps trinken - ist das absolut tabu für mich, dann mitzutrinken?
Vor der Diagnose habe ich auch hin und wieder mal einen über den Durst getrunken und hatte keine negativen Auswirkungen. Ich mache mir seit der Diagnose aber ziemlich Sorgen. Auf Alkohol verzichten finde ich im Alltag und am Wochenende nicht schwierig. Bei dem Festival finde ich es aber sehr schade. Ich möchte genauso alles mitmachen, wie alle anderen auch, die mit mir fahren.
Was auch noch wichtig wäre:
Das Festival geht 5 Tage.
Wegen dem Essen auf dem Festival werde ich mir auf jeden Fall viele Sachen mitnehmen: ungekühlte Haferjoghurts ohne Zucker, Brot aus Samen und Nüssen und glutenfreiem Hafer, Gurken, Gewürzgurken ohne Zucker... Salat und gekochtes Gemüse gibt es auf dem Festival - das würde ich dann dazu essen. Damit komme ich sicher irgendwie über die Runden.
Was denkt ihr? Wie schlimm ist es, wenn ich es trotz der Diagnose nochmal krachen lasse?
Und hat jemand Erfahrung, wie wahrscheinlich es ist, dass ich die Insulinresistenz wieder loswerde, wenn ich mich jetzt stark an den Ernährungsplan und Bewegung halte? Wie lange dauert so etwas? Wird alles irgendwann wieder normal sein? Oder gibt es für mich keine Chance mehr, ein Stück Kuchen bei der jährlichen Familienfeier zu essen? -
am 02.06.2025 22:27:01 | IP (Hash): 701908594
Ich rate zwar grundsätzlich von regelmäßigem Alkoholkonsum ab, aber dem Diabetes oder der Leber schaden einmalige Ereignisse eher wenig. Eher ist das Regelmäßige das Gift, dass auf Dauer Schaden an Leber und Bauchspeicheldrüse anrichtet.
Zuckerhaltiger Alkohol (Liköre, süßlicher Wein) ist natürliich besonders schlecht und Bier auch kein geeignetes Getränk für Diabetiker.
Misst Du denn den Blutzucker?
Nimmst Du Medikamente?
Wurde der HbA1C bestimmt?
Falls Du Medikamente einnimmst ist wichtig zu wissen, dass Alkohol der Blutzucker auch senken kann, da die Leber dessen Abbau vordringlich behandelt, damit der Körper das Zellgift loswird.
Bei sehr starkem Übergewicht hast Du gute Chancen durch Abnehmen Diabetes vollständig loszuwerden.
Tägliches (flottes) Spazierengehen ist bei Übergewicht schon Sport. Auch da ist Regelmäßigkeit wichtiger als irgendeine Anmeldung im Fitnessstudio, wo man nach einiger Zeit doch nciht mehr hingeht.
Sinnvoll sind auch die berühmten 10000 Schritte täglich. -
am 03.06.2025 00:24:02 | IP (Hash): 630343588
Hallo,
vielen Dank für deine schnelle und liebe Antwort.
Das beruhigt mich schon mal.
Mein HbA1c ist bei 33 mmol/mol.
Ich hab zwar keine ganz genaue Ahnung, was das bedeutet, aber so steht es im Arztbrief.
Der Arzt meine, mein Blutzucker sei bisher noch OK, aber es sei eine krasse Insulinresistenz vorhanden. Er empfahl mir, Keto zu leben und diese Spritzen zu kaufen. Bezahlt werden die von der Kasse erst, wenn sich eine Diabetes Typ 2 entwickelt hätte, sagte er.
300€ im Monat schrecken mich aber ab.
Achso, und ich lebe vegan - Keto ist damit gar nicht so einfach. Gleichzeitig habe ich gelesen, dass auch gar nicht alles, was bei Keto nicht möglich ist, auch bei Insulinresistenten tabu ist (z.B. Hülsenfrüchte - die isst man bei Keto nicht, aber mit einer Insulinresistenz darf ich das ja schon essen; und zu viel Fett will ich auch nicht essen). Und bei Keto wird auch einiges püriert - das soll wegen der Stärke ja auch nicht so gut bei Insulinresistenz sein.
Hab mich zumindest mit dem Essen grundlegend eingelesen, auch wenn ich hier im Forum bemerkt habe, dass das ja alles auch nicht allgemeingültig sein soll. Also, bei manchen steigt der Zucker bei manchen Lebensmitteln mehr als bei anderen. Da ich bislang kein Messgerät habe, kann ich das bei mir nicht einschätzen. Ich frage mich auch, ob ich das überhaupt direkt brauche, wenn mein Blutzucker aktuell gar nicht erhöht ist...?
Ich habe große Angst vor Folgeerkrankungen, wenn ich jetzt nichts tue.
Deswegen möchte ich beim Essen streng bleiben. Habe heute schon für den kompletten morgigen Tag vorgekocht und wiege jeden Gramm ab. Ich hoffe, dass es sich bessert, wenn ich das durchziehe.
Allerdings hab ich immer noch ein wenig Angst, wenn ich 5 Tage cheate, indem ich Alkohol auf dem Festival trinke, dass die Werte kippen. Oder geht das nicht so schnell? Ich bin jetzt auch keine Person, die sich bis zum Filmriss oder erbrechen volllaufen lässt - ich höre immer auf, wenn ich leicht beschwipst bin. Aber bei einem Festival gehört es für mich irgendwie dazu, auch mal ein Glas Wein am Mittag zu trinken und dann auch etwas am Abend. Und klar könnte ich auch darauf verzichten, aber meine Freunde haben schon ganz viel eingekauft und ich hatte irgendwie Lust darauf, mich mit ihnen mitreißen zu lassen.
Achao: und Medikamente nehme ich keine.
Bearbeitet von User am 03.06.2025 00:29:42. Grund: Ergänzung zu einer Frage -
am 03.06.2025 00:49:35 | IP (Hash): 701908594
33 mmol/mol ist völlig normal und entspricht 5,17 %, wie man früher eher sagte.
Wie kommt der Arzt denn auf "krasse Insulinresistenz"? Wurde das Nüchtern-Insulin bestimmt?
Mit dem Essen würde ich mir keinen sooo großen Kopp machen.
Verzicht auf Süßigkeit und Gebäck und zuckerhaltige Getränke, und nur moderater Konsum von Brot, Nudeln, Kartoffeln ist schon mal ein Anfang.
Andererseits ist Diabetes und vegane Ernährung eine eher ungünstige Kombi.
Ich weiß zwar nicht, wie hoch Dein Übergewicht ist und wie alt Du ca. bist, aber sehr starkes Übergewicht (ab BMI 35) macht auch starke Folgeschäden mit den Jahren, oft erst im höheren Alter ab 50/55. Der Körper hält viel aus. Aber nicht ewig.
Ein BZ-Messgerät ist unter allen Umständen sinnvoll, da preiswert.
Das "Piksen" ist heutzutage mit den Stechhilfen kein Problem mehr und tut nicht weh. Früher mit den Lanzetten wurden ja halbe Fingerbeeren massakriert. Das ist zum Glück vorbei.
Bearbeitet von User am 03.06.2025 00:57:54. Grund: Rechtschreibung -
am 03.06.2025 11:04:23 | IP (Hash): 1552283991
Mein Insulin (nüchtern) ist bei 38,0 µU/mL
HOMA-Index 7,8
Deshalb kam er darauf.
Ich habe damit bisher keine Erfahrung. Aber die Zahlen sind deutlich zu hoch, das ist mir bewusst.
Ich bin 35, BMI aktuell 46... Ich hatte den BMI eine Weile lang ziemlich runter (auf 34,5 - auch noch viel zu viel)... Ich habe zum Erreichen meiner Ziele jahrelang Kalorien gezählt. Das lief auch sehr gut bei meiner letzten Diät. Ich hatte auf Zucker verzichtet und mich streng an Kalorien/Bewegung gehalten.
Irgendwann ist der Stress auf Arbeit ins Unermessliche gewachsen, habe Tag und Nacht gearbeitet. Dazu kamen noch private Sorgen. Ich habe nicht mehr nachgedacht. Mich gehen lassen. Wieder unkontrolliert gegessen.
Als ich dann letztendlich noch mehr gewogen habe als jemals zuvor, habe ich wieder Kalorien gezählt und bin 2x die Woche zum Sport. Allerdings hat sich dieses mal gar nichts mehr getan - es wurde eher noch mehr auf der Waage. Ich muss dazu sagen, dass ich auch nicht auf Lebensmittel verzichtet habe, sondern versucht habe, mit "normal weiter essen" einfach im Kaloriendefizit zu bleiben. Das heißt, ich habe mir auch mal einen Keks gegönnt, manchmal auch 4, und dafür dann eben das Abendbrot weggelassen.
Das hat aber offensichtlich gar nicht gefruchtet. Ich weiß ja auch, dass das nicht gesund ist.
Nun ja, jetzt bin ich hier jedenfalls an den Punkt, an dem ich wieder durchziehen möchte. Mit der Diagnose vom Arzt war mir klar, dass es so nicht weitergehen darf. Vielleicht braucht man einfach einen großen Knall, um das alles zu realisieren. Aber mir ist auch klar, dass ich keine Folgeerkrankungen möchte. Es ist nur schwer, wenn man schon immer adipös ist, davon auf Dauer loszukommen. -
am 03.06.2025 21:50:06 | IP (Hash): 701908594
Bitte nicht falsch verstehen.
Aber mit einem BMI von 46 ist Diabetes nur eine Nebenbaustelle.
Die, und das ist die positive Nachricht, mit Gewichtsabnahme wahrscheinlich völlig verschwinden wird.
Für Abnehmediäten bin ich kein guter Ratgeber, ich kämpfe selbst. Obwohl mein BMI-Jojo lebenslang "nur" zwischen 26 und 34 pendelte.
Dennoch drei (subjektive!) Ratschläge:
1. M. E. wäre bei dem BMI eine vollstationäre "Kur" eine sinnvolle Maßnahme. Wurde das mal erörtert?
2. Wurde Ozempic bzw. ein anderer GLP-1-Rezeptor-Agonisten mal erwogen?
3, Von operativen Maßnahmen rate ich ab, weil ich sie für lebensgefährlich halte. Ops halte ich für eine ultima ratio, die erst erwogen werden sollte, wenn alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft wuden. Aber wie gesagt, ist meine Privatmeinung.
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am 03.06.2025 22:37:51 | IP (Hash): 654423731
Und hier auch noch meine 2 Cents für nach dem Festival:
Fortlaufend aufschreiben, wenn wie viel von was in die Futterluke gewandert is(s)! Am besten in einem Google Doc. Das geht am einfachsten am Handy, weil das ja praktisch immer zur Hand ist. Und mit dem letzten Eintrag immer oben, damit das immer längere Runterscrollen für den nächsten Eintrag von vornherein entfällt.
In den ersten Tagen und Wochen wird häufig vorkommen, dass bei der übernächsten Kleinigkeit oder der danach erst auffällt, dass man schon wieder 2 oder 3 Einträge verschwitzt hat. Und mit immer weniger Verschwitzten werden die Kleinigkeiten zwischendurch tatsächlich immer weniger. Denn damit wird das Essen und ggf. Trinken bewusster.
Im nächsten Schritt kann man sich dann häufiger mal VOR dem Einverleiben entscheiden, ob man nicht vielleicht eigentlich noch völlig unhungrig ist, und den Happen besser um ne Stunde oder vielleicht sogar 2 hinausschiebt?
Und das Unhungrig-Prinzip lässt sich auch erträglich für die Portionsgrößen bei den Mahlzeiten übernehmen.
Viel Spaß beim Festival und Daumendrück für gutes Gelingen!
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Seit der Banting Lecture von Prof. Roy Taylor 2012 weiß die gesamte diabetische Fachmedizin, dass Prädiabetes und Typ 2 Diabetes in den ersten Jahren nach der Diagnosereife vollständig gesund umkehrbar sind. Die gesunde Umkehr muss daher alternativ zu Metformin mit jeder neuen Diagnose angeboten werden!