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Mein Weg zur Diagnose Typ 2 Diabetes und warum ich mich so entschieden habe
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am 17.03.2026 14:18:04 | IP (Hash): 1335872188
Ich hätte ehrlich gesagt nie gedacht, dass ich mal hier lande und so einen Beitrag schreibe. Aber vielleicht hilft es jemandem, der gerade an einem ähnlichen Punkt steht.
Bei mir fing alles ziemlich schleichend an. Über Wochen ging es mir morgens richtig schlecht. Übelkeit, Benommenheit, keine Energie. Dazu kam extremer Durst und ich war gefühlt nur noch am Wasserlassen. Im Nachhinein klassische Symptome, aber in dem Moment denkt man an alles andere, nur nicht an Diabetes.
Irgendwann wurde dann beim Arzt Zucker im Urin festgestellt. Danach ging es schnell. Blutzucker gemessen und plötzlich Werte jenseits von gut und böse. Nüchtern teilweise über 300. Spätestens da war klar, dass das nichts mehr ist, was man ignorieren kann.
Ich bin dann ins Krankenhaus gegangen, weil ich Klarheit wollte. Und ganz ehrlich, das war für mich ein absoluter Reinfall. Es wurde im Prinzip nur gemessen, aber kein klarer Plan gemacht. Kein vernünftiger Ablauf, keine richtige Aufklärung.
Zu dem Zeitpunkt stand auch noch gar nicht fest, was genau ich habe. Es war einfach nur klar, dass der Zucker massiv entgleist ist.
Stattdessen sollte ich morgens zwei Weizenbrötchen mit Marmelade essen, obwohl mein nüchtern Zucker bei über 240 lag. Das hat für mich einfach keinen Sinn ergeben.
Ich habe dann währenddessen mit einem Diabetologen telefoniert, die Situation geschildert und selbst der hat nur den Kopf geschüttelt. Ich habe direkt einen Termin für den nächsten Tag bekommen und mich daraufhin selbst aus dem Krankenhaus entlassen, weil ich gemerkt habe, dass ich dort nicht weiterkomme.
Im Nachhinein hat sich mein Eindruck bestätigt. Im Arztbrief standen sogar falsche Angaben wie Größe und Gewicht. Das Vertrauen war damit endgültig weg.
Am nächsten Tag war ich dann beim Diabetologen. Mein HbA1c lag bei 9 Prozent und dort wurde dann die Diagnose Typ 2 Diabetes gestellt.
Der Start der Therapie
Der erste Schritt war Metformin. Ich habe das genau so genommen, wie es verordnet war und hatte direkt massive Probleme. Bauchkrämpfe, Durchfall und später sogar Erbrechen. Das war nicht einfach ein bisschen Unwohlsein, sondern wirklich so, dass ich mich gekrümmt habe vor Schmerzen.
Für mich war relativ schnell klar, dass das für mich keine Lösung ist.
Danach wurde über weitere Tabletten und auch über Abnehmspritzen gesprochen. Das habe ich bewusst abgelehnt. Nicht weil ich grundsätzlich dagegen bin, sondern weil ich nach der Erfahrung mit Metformin ehrlich gesagt kein Interesse hatte, mich weiter durch Medikamente mit ähnlichen Nebenwirkungen zu testen. Mir ging es zu dem Zeitpunkt schon schlecht genug.
Daraufhin hat meine Diabetologin Insulin vorgeschlagen und wir sind mit Abasaglar als Basalinsulin gestartet. Anfangs 20 Einheiten, später angepasst.
Die Nüchternwerte sind dadurch deutlich besser geworden. Aber ich hatte weiterhin massive Spitzen nach dem Essen. Teilweise wieder über 300 und das über Stunden.
Deshalb kam später Humalog als Mahlzeiteninsulin dazu. Damit bin ich jetzt in einer ICT Therapie.
Der Hintergrund ist, dass meine Bauchspeicheldrüse erstmal entlastet werden soll. Ob man später wieder reduzieren kann, hängt von mehreren Faktoren ab und ist aktuell noch offen.
Was sich körperlich verändert hat
Was ich relativ schnell gemerkt habe, war, wie stark sich mein Körper verändert hat, sobald die Werte besser wurden.
Ich hatte vorher immer wieder Probleme mit Zysten, vor allem in den Achseln und im Leistenbereich. Die waren oft entzündet und haben ewig gebraucht zum Abheilen. Seitdem der Blutzucker runter ist, ist das deutlich besser geworden.
Auch mein Hautbild insgesamt hat sich verbessert. Die Haut ist ruhiger geworden.
Ein weiteres Thema war eine Phimose. Die musste zwar operiert werden, aber die Heilung läuft deutlich besser als erwartet.
Und was für mich fast am wichtigsten war:
Diese extreme Müdigkeit ist weg.
Der ständige Durst ist weg.
Ich fühle mich einfach wieder wie ein normaler Mensch.
Mein Alltag heute
Ich bin selbstständig, habe keine festen Zeiten und kann nicht nach einem Lehrbuch leben.
Ich habe mir deshalb ein eigenes System aufgebaut.
Ich habe mir eine Tasche zusammengestellt, in der alles drin ist:
Basalinsulin
Humalog
Nadeln
Lanzetten
Teststreifen
Messgerät
Traubenzucker
Snacks
Medikamente
Notfallkarte
Das Ganze ist so organisiert, dass ich nicht suchen muss.
Der Hintergrund ist einfach. Ich bin jemand, der Dinge gerne unter Kontrolle hat. Ich habe keine Lust, unterwegs zu sein und dann festzustellen, dass mir etwas fehlt. Das wäre unnötiger Stress.
Mit der Tasche habe ich alles dabei und bin komplett flexibel. Ich kann essen, messen und reagieren, egal wo ich bin.
Ernährung und mein Weg damit
Das war auch ein großes Thema bei mir.
Ich habe nicht einfach gesagt, mir ist alles egal. Ich habe sehr wohl Dinge geändert.
Früher habe ich zum Beispiel extrem viel Kaffee mit Zucker getrunken. Das ist komplett raus. Kaffee jetzt ohne Zucker.
Getränke allgemein sind fast nur noch zuckerfrei. Cola trinke ich noch, aber nicht mehr wie früher mehrmals die Woche. Das ist jetzt eher ein bis zwei Mal die Woche und dann bewusst.
Ich esse deutlich weniger Süßes als vorher.
Bei Brot und Nudeln bin ich größtenteils auf Vollkorn umgestiegen.
Also ja, ich habe einiges angepasst.
Aber ich verzichte nicht komplett auf alles.
Und das ist für mich ein wichtiger Unterschied.
Wenn ich sehe, mein Blutzucker ist eh schon hoch, dann verzichte ich auch bewusst mal. Dann muss es nicht noch ein Croissant oder irgendwas Zuckerhaltiges sein.
Ich entscheide also situativ.
Und wenn ich mir etwas gönne, dann gleiche ich das aus.
Teilweise mit Insulin, aber nicht nur.
Auch über:
Menge
Zeitpunkt
Kombination mit anderen Lebensmitteln
Ich habe einfach angefangen zu verstehen, was bei mir wie wirkt.
Warum ich das so mache
Ich habe für mich relativ schnell gemerkt, dass extreme Wege für mich nicht funktionieren.
Komplettverzicht wäre für mich nichts, was ich langfristig durchziehen kann.
Genauso wenig bringt es aber, einfach alles zu ignorieren.
Also habe ich mir einen Mittelweg gebaut.
Ich passe Dinge an, verzichte da wo es Sinn macht, aber verbiete mir nicht alles.
Und ich arbeite mit meinem Körper, nicht gegen ihn.
Fazit
Die letzten Wochen waren ehrlich gesagt eine ziemliche Achterbahnfahrt. Diagnose, Krankenhaus, Nebenwirkungen, Diskussionen, Umstellung.
Aber ich habe für mich etwas Wichtiges gelernt.
Ich muss verstehen, was mein Körper macht und ich muss eine Lösung finden, die zu meinem Leben passt.
Nicht die perfekte Lösung auf dem Papier, sondern die, die ich jeden Tag umsetzen kann.
Und genau daran arbeite ich gerade.
Wenn jemand gerade am Anfang steht und komplett überfordert ist, kann ich nur sagen, das wird besser.
Am Anfang ist alles Chaos. Mit der Zeit versteht man immer mehr und bekommt Kontrolle rein.
Und genau das ist am Ende der entscheidende Punkt.2 Benutzer dankten für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 17.03.2026 20:12:32 | IP (Hash): 1538924058
Wenn du wissen willst, was im Körper mit eingeschaltetem Typ 2 anders als bei ausgeschaltetem oder ohne Diabetes wie funktioniert, findest du’s hier sehr gut lesbar und in den wichtigsten Einzelheiten mit Messungen belegt beschrieben https://amzn.eu/d/0iYdvHDc “Endlich Schluss mit Diabetes Typ 2”
Natürlich bleibt auch dann immer noch dein Bier, was du davon für dich machst.
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Mein Ding sind Blutzucker + Blutdruck + Blutfette mit möglichst keinen bis wenig Medis voll im grünen Bereich mit HbA1c 5,5 und besser = gesund mit Diabetes Typ 2 :)
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am 18.03.2026 11:30:46 | IP (Hash): 1335872181
Ich verstehe auf jeden Fall, wie du das meinst, und ich glaube auch, dass solche Bücher für den einen oder anderen hilfreich sein können, um sich grundsätzlich zu informieren.
Für mich persönlich passt diese pauschale Herangehensweise aber einfach nicht zu meiner Situation.
Ich habe ja oben recht ausführlich beschrieben, wie mein Verlauf war. Das war keine leichte Geschichte, sondern massiv entgleiste Werte mit nüchtern über 300, starke Spitzen nach dem Essen und am Ende die Entscheidung für eine ICT, weil meine Bauchspeicheldrüse aktuell kaum noch eigenes Insulin liefert. Da geht es nicht mehr nur um Insulinresistenz, sondern auch um eine eingeschränkte Funktion.
Genau deshalb ist die Insulintherapie bei mir auch kein „letzter Ausweg“, sondern aktuell der sinnvollste Weg, um:
die Werte stabil zu bekommen
die Bauchspeicheldrüse zu entlasten
und zu schauen, ob sich eventuell noch etwas erholen kann
Und da vertraue ich auch ganz klar meiner Diabetologin. Ich werde eng begleitet, kann jederzeit anrufen, habe feste Ansprechpartner und werde sowohl beim Basalinsulin als auch beim Mahlzeiteninsulin sauber eingestellt. Aktuell z. B. nur 1x täglich Mahlzeiteninsulin, weil ich oft nur einmal am Tag esse, einfach bedingt durch meinen Alltag. Auch solche Dinge werden individuell angepasst und nicht nach Schema F entschieden.
Zusätzlich startet bei mir am 15.04 noch eine Schulung und ich habe zwei Mal pro Woche Kontakt mit einer Diabetesberaterin, die mich begleitet und mit mir alles durchgeht. Das ist also ein kompletter Prozess mit Aufklärung, Anpassung und Kontrolle.
Was bei solchen pauschalen Empfehlungen wie „10–15 kg abnehmen“ oder „lies das Buch, dann wird das“ oft untergeht, sind genau diese individuellen Faktoren.
Ich habe z. B. zusätzlich einen LWS-Bandscheibenschaden mit Ausfallerscheinungen und andere Baustellen wie Akne inversa. Vor ein paar Jahren war ich noch 6 Tage die Woche im Gym und ein richtiges Muskelpaket. Heute geht vieles körperlich einfach nicht mehr so wie früher. Trotzdem gehe ich weiterhin 3x die Woche schwimmen und bleibe im Rahmen meiner Möglichkeiten aktiv.
Dazu kommt mein Alltag als Selbstständiger mit oft 12 Stunden Arbeit, in der Saison auch mal 13 bis 15 Stunden. Da musst du Lösungen finden, die im echten Leben funktionieren und nicht nur auf dem Papier gut aussehen.
Und genau deshalb stößt mir dieses „nimm einfach 10–15 kg ab“ auch etwas auf. Das setzt voraus, dass jeder die gleichen Voraussetzungen hat, und das ist einfach nicht der Fall. Bei manchen funktioniert das gut, bei anderen eben nicht, und bei wieder anderen spielt Gewicht gar nicht die entscheidende Rolle.
Wichtig ist auch: Typ-2-Diabetes ist nicht automatisch reversibel. In manchen Fällen klappt eine Remission, in anderen nicht. Wenn die Bauchspeicheldrüse, wie bei mir aktuell, kaum noch Insulin produziert, dann bringt es nichts, so zu tun, als könnte man das mit einem pauschalen Ansatz „wegregeln“. Dann ist Insulintherapie schlicht sinnvoll und notwendig.
Was ich mit meinem Beitrag eigentlich zeigen wollte, ist etwas anderes:
Dass man trotz Diagnose, trotz Insulin und trotz Einschränkungen sein Leben wieder in den Griff bekommen kann.
Meine Symptome sind deutlich besser geworden, ich habe wieder Energie, der Durst ist weg, die Lebensqualität ist zurück. Ich habe mir ein System aufgebaut, das für mich funktioniert, mit Struktur, Vorbereitung und Verständnis für meinen Körper.
Und ja, ich finde schon, dass das auch etwas ist, worauf man stolz sein kann:
Trotz allem weiterzumachen, sich reinzufuchsen, Lösungen zu finden und nicht einfach aufzugeben.
Deshalb nehme ich solche Hinweise wie dein Buch auch nicht negativ auf. Aber ich sehe sie eher als allgemeine Information und nicht als Lösung für meine konkrete Situation.
Am Ende geht es darum, seinen eigenen Weg zu finden, medizinisch begleitet und angepasst an das eigene Leben. Und genau da bin ich gerade dran. -
am 18.03.2026 15:24:00 | IP (Hash): 661380427
Hast du erwiesenermaßen SIDD Diabetes?
Dann gibt es wohl keine andere Möglichkeit als eine Insulintherapie.
Die meisten TYP2-Diabetiker haben keinen SIDD, vergleiche dich also nicht damit und werfe nicht alles in einen Topf.
Aber, wenn schon über Abnehmspritzen geredet wurde, ist eine Gewichtsreduktion durchaus auch sinnvoll.
In Bezug auf Gewichts- und Hautprobleme ist jedenfalls eine KH-Reduktion äußerst hilfreich, vor allem auch gegen eine mögliche Insulinresistenz und gegen Folgeerkrankungen.
Zuckerhaltige Getränke, auch Fruchtsäfte würde ich an deiner Stelle ganz streichen, es spricht ja nichts gegen Cola Zero.
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DM2 in Remission ohne Medikamente 😎 -
am 18.03.2026 18:19:13 | IP (Hash): 337053187
@Henrie
Mit HbA1c 9 keine Ketoazidose = Typ 2 war wahrscheinlich die ärztliche Überlegung zur Diagnose.
Wahrscheinlich wird HbA1c 6,5-7,5 ganz normal ärztlich empfohlen, also vor den Mahlzeiten 100-140 mg/dl und keine Begrenzung der Spitzen um ne Stunde nach den Mahlzeiten.
Wahrscheinlich wird die Empfehlung praktisch recht großzügig ausgelegt.
Und haben wir mit Diabetes Mellitus nicht alle ne Insulin Deficiency? Und zwar genauso schwer, wie wir mit unserem Blutzucker über den gesunden Rahmen hinaus pflegen?
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Mein Ding sind Blutzucker + Blutdruck + Blutfette mit möglichst keinen bis wenig Medis voll im grünen Bereich mit HbA1c 5,5 und besser = gesund mit Diabetes Typ 2 :)
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am 18.03.2026 18:21:24 | IP (Hash): 337053187
Doppelter Eintrag
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Mein Ding sind Blutzucker + Blutdruck + Blutfette mit möglichst keinen bis wenig Medis voll im grünen Bereich mit HbA1c 5,5 und besser = gesund mit Diabetes Typ 2 :)
Bearbeitet von User am 18.03.2026 19:03:49. Grund: Doppelter Eintrag