Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.

Wer Hypos durch Metformin?

  • dipa

    Rang: Gast
    am 17.12.2007 02:39:10
    Hallo,

    ich hatte als Nebenwirkung Hypos durch Metformin, mindestens 100, davon 20-30 "L".

    In der Theorie, lt. Ärzten, lt. Beipackzettel, kann Metformin keine Unterzuckerung hervorrufen.
    Obwohl ich Tagebuch geführt und belegen konnte, weichen die Ärzten nicht von ihrer Meinung ab.

    In der Praxis dürften nur wenige so reagieren und weil Unterzuckerung grundsätzlich auf Insulin geführt wird.

    Wer unterzuckert auch durch Metformin, bitte melden?

    mfg dipa
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 17.12.2007 10:56:01
    moin dipa,

    da man sich in der Zeit des Prädiabetes und auch noch lange nach der Typ2 Diagnosereife auch völlig ohne Medis ne Hypo machen kann, spricht schon aus Prinzip nichts dagegen, dass das auch mit Metformin geht.

    Gesund steigt die Insulinausschüttung mit dem Essen rasant schnell auf einen hohen Gipfel an. Das ist die Phase1, die ihre Steuerimpulse von einer Reihe von Auslösern von den Augen bis zum Darm bekommt und die neue Glukose in Empfang nimmt.
    Die Wirkung der Phase1 klingt sehr schnell ab und geht in die Phase2 über. Das ist Insulin, das neu produziert wird. Die Produktion wird vom BZ gesteuert. Die Phase2 arbeitet also nach dem BZ die Glukose ab, die die Phase1 noch übrig gelassen hat.

    Auf dem Weg zum Typ2 stirbt die Phase1 ab. Die Phase2 muss damit nicht nur für einen Teil, sondern für alles Insulin sorgen. Klar kommt sie erst einmal zu spät aus dem Quark, weil sie ja vom BZ angesteuert wird, und der steigt ja erst mit der Glukose im Blut. Aber wenn sie erst einmal loslegt, schüttet sie nicht nur genug, sondern eher zuviel Insulin aus, und zwar umso mehr zuviel, je mehr Glukose gegessen worden ist. Das liegt daran, dass sie ja mit funktionierender Phase1 eingestellt ist und dass damit solche BZ-Höhen wie ohne nur mit irre großen Glukosemengen übrig bleiben.

    In der Regel haben die Betroffenen nur etwa 2 Stunden nach dem letzten Essen ein wenig Hunger. Dann kann man häufig einen BZ in der Gegend von 60-70 messen. Wenn man dann nichts isst, vergeht das Hungergefühl nach einiger Zeit wieder, weil die Leber von dem abgesunkenen BZ angesteuert Zucker ausgegeben hat.
    Und wenn man sich in dieser Zeit nach dem Essen intensiver bewegt, kann der BZ schon 1 Stunde nach dem letzten Essen kurz auch an 50 oder darunter sinken, bis die Leber zeit genug hatte, den fehlenden Zucker für das zuviele Insulin nachzuliefern. Dann können schon mal die Knie zittern.

    Und wenn man nun zu den Metforminern gehört, hat man an der Stelle absolut schlechte Karten. Denn die Hauptwirkung von Metformin besteht darin, wie auch Alkohol die Zuckerausgabe der Leber zu behindern. Die kann damit ihrer natürlichen Aufgabe nicht nachkommen, die Wirkung vom zuvielen eigenen Insulin rechtzeitig auszugleichen, und damit sinkt der BZ halt häufig auch deutlich < 50 ab.

    Kein Metformin nehmen, ist allerdings häufig auch keine Lösung, weil dann die Leber auch sonst und auch direkt nach dem Essen infolge unseres Steuerdefektes munter weiter Zucker ausgibt, obwohl der BZ eigentlich hoch genug ist.
    Aber wenn man nicht so viel Glukose auf einmal isst und der BZ damit nach dem Essen meistens etwa < 140 bleibt, bekommt die Phase2 erst gar keinen Steuerbefehl für viel zu viel Insulin, und man bekommt anschließend auch dann keine Hypo, wenn man nach dem Essen ausgiebig spazieren geht :-)

    Bisdann, Jürgen
  • dipa

    Rang: Gast
    am 18.12.2007 02:18:54
    Hallo Jürgen,

    vielen Dank für deine Antwort.
    Du hast das sehr einleuchtend erklärt.
    Aus welchem Buch? ISBN?

    Deine Erklärung trifft auf mich haargenau zu, es erklärt viele ungewöhniche Messergebnisse.
    Phase1 tot, Phase2 Überreaktion.

    Deine Antwort lässt aber die Interpretation zu, dass Diabetes "messtechnisch" heilbar ist, indem man die Phase2 in Griff kriegt.
    Auf den ersten Blick habe ich das geschafft, mein HbA1c ist 5,6, BZ-Werte verhalten sich immer noch ungewöhnlich.
    Das ganze ohne Insulin oder Medis.

    Jetzt wird es kompliziert, mein C-Peptid ist 2,99.
    Habe ich Phase2 im Griff oder regenriert sich bei mir Phase1?

    Jürgen, hast du eine Idee, wie man das herausfinden kann?

    mfg dipa

  • Franziska

    Rang: Gast
    am 19.12.2007 23:11:21
    Hallo Dipa,

    bei mir ist das auch so, ich hatte zu keiner Zeit erhöhte Insulinwerte, eher zu niedrige, vor allem basal. Duch die entsprechende Ernährung (KH-arm) konnte ich die dennoch Phase 2 entlasten und habe nun einen HbA1 C von 5,0 (vorher 5,4). Schon mit 5,4 war mein OGTT schlecht (2h über 140 und die Nüchternwerte oft um 100, jetzt sind diese unter 90).

    Da ich schlank bin und niedriges Cholesterin und Triglyceride), denke ich nicht, dass ich eine durch das metabolische Syndron bedingte Insulinresistenz habe. Offensichtlich ist es genetisch, denn 2 schlanken Schwestern geht es genauso. GAD und ICA negativ, auch Mody 2 negativ. Ich denke trotzdem an eine hereditäre Geschichte.
    Seit ich mich anders ernähre (weng schnelle KH) habe ich kaum noch diese Hypos und fühle mich insgesamt weniger gestresst. Hypos machen eine stärkere Cortisolausschüttung, die den Köerper auch wiederum stresst und katabol wirkt und auch die Gluconeaogenese der Leber wieder fördert. Also-wenn geht- schnelle BZ-Anstiege vermeiden.
    Wenn ich unterwegs bin und nicht die Ernährung kriege die ich brauche (z.B. mal ein belegtes Brötchen essen muss, weil nichts anderes da), nehme ich eine Miglitol (DIastbol®), also so was wie Acarbose, was mir hilft, den starken BZ-Anstieg durch die Stärke des Weißmehls zu verlangsamen und zu glätten.

    Gruß Franziska
  • Gast

    Rang: Gast
    am 02.02.2012 22:20:45
    hi ich habe auch das gefühl das metformin bei mir eine unterzuckerung hervor ruft ich hab mir jetzt erst mal ein zuckermess gerät gekauft um zu schauen da der arzt ja nichts mehr machen kann und nur noch nach dem hb1c seine schlüsse stellt was da bei mir ein schwankender wert ist finde ich das nicht ok da sich ja das hohe mit dem niedriegen wert wieder ausgleicht aber laut krankenkasse sind d2 typ ohne insulin nichts wert schade
    grüß an alle anderen loser
    berry
  • Gast

    Rang: Gast
    am 02.02.2012 23:02:11
    @berry: ist ja schon mal lobenswert, dass du dir als diabetiker (der schon längere zeit metformin nimmt) endlich einmal ein bz-messgerät zulegst! aber mal als frage: was glaubst du eigentlich, was ein arzt bei dm machen kann, ausser dir medikamente u/o hilfsmittel zu verschreiben? deinen dm musst du selbst handhaben! wenn du bei metformin unterzuckerst, dann veringere die dosis - wenn dann der bz zu hochgeht, wirst du um (dosierbareres) insulin nicht herumkommen. übrigens ist es ein trugschluss, das der hba1c hohe mit niedrigen werten ausgleicht (lies mal nach, wie sich der a1c aufbaut, welche kriterien für seine höhe massgeblich sind...). schön übrigens, dass du auch aus los bist! glaube aber nicht, dass du noch mehr loser findest. ansonsten verstehe ich echt nicht, was du "verloren" hast (ausser der "gesundheit" - aber das haben millionen andere diabetiker auch, ohne sich als verlierer zu fühlen!)
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 318
    Beiträge: 36
    Mitglied seit: 06.11.2011
    am 04.02.2012 15:44:52
    Hallo berry,

    die Krankenkassen sind definitiv nicht schuld daran, daß nicht-insulinpflichtige Typ-2er keine Teststreifen mehr verschrieben bekommen! Da mußt Du Dich beim IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) und beim G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuß) bedanken. Siehe dazu https://www.iqwig.de/a05-08-urin-und-blutzuckerselbstmessung-bei.986.html?tid=1152#berichte
    und http://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/1307/
    Wenn Du noch jemanden danken möchtest, richte Deinen Dank ans BMG (Bundesministerium für Gesundheit), das keine Einwendungen gegen den Beschluß des G-BAs erhoben und damit das Inkrafttreten nicht verhindert hat.

    Viele Grüße

    Katja
  • Gast

    Rang: Gast
    am 04.02.2012 16:12:10
    Also erst einmal müssen wir unseren Therapeuten danken, die uns mehrheitlich so behandelt haben, dass bei Typ2 ohne Insulin kein nennenswerter Nutzen nachweisbar war und ist von Messen gegenüber Nichtmessen. Wenn die Mehrheit in dieser Form angeleitet worden wären, hätte kein IQWiG und kein G-BA dran vorbei gekonnt.
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 318
    Beiträge: 36
    Mitglied seit: 06.11.2011
    am 04.02.2012 22:28:34
    Leider doch! Denn das IQWiG berücksichtigt bei seiner Beurteilung nur Studien, die selbst festgelegten Kriterien entsprechen - auch wenn diese von international anerkannten abweichen!!! Deshalb werden selbst Studien wie die UKPDS (United Kingdom Prospective Diabetes Study) ignoriert! So kommt das IQWiG zu dem Schluß, daß eine Senkung des HbA1cs durch Selbstkontrolle um rund 0,2 Prozentpunkte zwar statistisch signifikant sei - aber klinisch irrelevant! Im Gegensatz dazu kam die UKPDS zu folgendem Ergebnis:
    schrieb:
    Jeder Prozentpunkt, den der HbA1c näher an den normoglykämischen Wert herangebracht werden kann, wirkt sich günstig auf die Prognose aus. Ergebnisse der UKPDS-Studie vorgestellt



    schrieb:
    Qualität und Wirtschaftlichkeit sind zwei entscheidende Faktoren, um das deutsche Gesundheitswesen auch künftig leistungsfähig zu erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, die Vor- und Nachteile medizinischer Leistungen für Patienten und Patientinnen objektiv zu überprüfen. Aufgaben und Ziele des IQWiG


    Anscheinend spielt die Qualität dabei allerhöchstens die zweite Geige :-( Anders ist die Bewertung des Nutzens von Selbstkontrolle bei Typ-2-Diabetes ohne Insulinpflicht nicht zu erklären! Auch dem IQWiG sollte bekannt sein, daß 90% der Kosten für Diabetes auf die Behandlung diabetischer Folgeerkrankungen entfällt und nur 10% auf Medikamente und Selbstkontrolle! Also sparen wir heute einen einstelligen prozentualen Anteil der Diabetes-Gesamtkosten für Selbstkontrolle, um später ein zigfaches davon für Folgeschäden auszugeben! Das ist wahre Wirtschaftlichkeit!!!

    Viele Grüße

    Katja