Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.
frühe Folgeschäden-was soll ich tun?
-
Jennifer
Rang: Gastam 04.09.2007 20:09:47
Hallo, ich hoffe hier kann mir jemand weiter helfen. Mein Freund, 24 Jahre alt, (seit fast 10 Jahren diabetes Typ 1) und ich sind seit knapp 4 Jahren zusammen. Am Anfang hat mich seine Krankheit gar nicht gestört, doch seit ca. 2 Jahren geht es stätig bergab. Seine Augen müssen regelmäßig gelasert werden, da er immer schlechter gucken kann, seine Harnwerte sind auch etwas zu hoch aber der größte Rückschlag ist, dass sein Arzt jetzt auch noch seine Zeugungsunfähigkeit feststellte. Ich, jetzt 21, kann mir ein Leben ohne Kinder aber nicht vorstellen. Sein HbA1c-Wert ist laut seines Diabetologen auch eine Katastrophe und er meinte, dass derartige Folgeschäden in seinem Alter fast unmöglich wären. Er versucht es jetzt mit einer Insulinpumpe. Aber die kann das geschehene ja auch nicht wieder gut machen. Es macht mir Angst, dass es innerhalb so kurzer Zeit so schnell bergab ging. Kann mir jemand einen Rat geben? Sollte ich mich von ihm trennen oder wäre das zu egoistisch? Ich weiss einfach nicht weiter und habe Angst vor der Zukunft. -
Hans
Rang: Gastam 04.09.2007 20:43:41
Hallo,
die Ausbreitung und Verteilung von Folgeschäden ist zwar statistisch darstellbar. Eine Aussage über den Einzelfall ist aber nur schwer möglich. Wird ein Diabetes über lange Zeit nicht entdeckt oder ist die BZ-Einstellung schlecht, treten Folgeschäden auf. Die kleinen und grossen Blutgefässe nehmen Schaden.
Bei den kleinen Blutgefässen werden vor allem die Nieren, die Augen, das Herz und die Füsse geschädigt.
Durch Verbesserung der Stoffwechseleinstellung kann dieser Prozess allenfalls gebremst werden.
Ob Du diesen ganzen Prozess tragen willst und ob deine Liebe so gross ist, kannst nur Du entscheiden.
Grüsse von
Hans
-
Cora
Rang: Gastam 05.09.2007 02:04:29
Hallo "Anonym",
Du musst Dir darüber klar sein was Du willst. Du musst mit Dir im reinen sein.
Kannst Du einige Tage Urlaub machen? Ich meine nur Du allein, ohne Kontakt zu Deinem Freund.
.
Vielleicht reicht es ja auch wenn Du eine Art Tagebuch führst. Manchmal wird man sich über etwas klar, wenn man schreibt.
Vielleicht hilft Dir eine Art Tabelle mit pro und Kontra für beide Lebenswünsche.
Ich habe es so verstanden, dass Dein Freund zeugungsunfähig ist, also Du niemals ein Kind mit ihm haben wirst. Ist das richtig?
Es kommt darauf an wie sehr Du Deinen Freund liebst. Ist die Liebe stark genug, um auf ein Kind zu verzichten?
Oder ist das Kind Dir so wichtig, dass Du Deinen Freund verlassen musst um Dir einen anderen zu suchen, der möglicherweise der Vater Deines Kindes wird?
Hast Du Dich schon mal gründlich untersuchen lassen? Ist bei Dir alles ok? Falls nicht, bräuchtest Du dann Deinen Freund nicht verlassen.
Solltest Du Dich für ein Leben mit Deinem Freund entscheiden, so darf der Kinderwunsch niemals zwischen Euch stehen. Meinst Du, das schaffst Du?
Es ist nicht leicht, aber solltest Du Dich für das Kind entscheiden, dann beende möglichst schnell diese Partnerschaft, das wäre Deinem Freund gegenüber fair und Du könntest Dich auf Dein zukünftiges Leben mit einem Kind freuen.
Einen Schlußstrich zu ziehen ist besser als eine Partnerschaft nur aus Mitleid aufrecht zu erhalten.
Überlege gut und sei ehrlich zu Dir selbst. Ich glaube in dem Fall kann das Herz besser entscheiden als der Verstand.
Alles Gute und meld dich doch mal, würde mich freuen von Dir zu hören, was Du machst.
Liebe Grüße,
Cora -
Pia
Rang: Gastam 05.09.2007 13:05:48
Liebe Anonym,
als Erstes solltest du die Frage für dich klären, ob du die Beziehung aufrecht erhalten möchtest.
Wenn Du diese Frage mit Ja beantworten kannst, könntest du deinem Partner vorschlagen, gemeinsame psychologische Hilfe zu suchen.
An der Reaktion (Die wird interessant und aufschlussreich für dich sein.) Deines Partners wirst du sehen, wie ernst IHM die Beziehung ist. Gib ihm unbedingt ein paar Tage Bedenkzeit für seine Entscheidung, dränge ihn nicht SOFORT zu einer Antwort. Lehnt er es ab, solltest du die Beziehung konsequent beenden. Eine Portion Egoismus sollte jeder Mensch haben, das bewahrt ihn davor "verheizt" zu werden.
Ich wünsch dir Kraft und Glück.
von Pia -
Jennifer
Rang: Gastam 05.09.2007 16:38:52
Hallo Cora, Hallo Pia, danke für eure Antworten. Ja, das hast du richig verstanden, er ist zeugungsunfähig. Seine Nerven sind schon so geschädigt, dass der Hauptnerv dafür kaputt ist oder irgendwie so hat der Urologe das erklärt. Das Problem ist, er versucht alles um mich zu halten. Als ich angedeutet habe mich evtl. zu trennen, fing er an mich mit dem Diabetes zu erpressen. Er stopfte alles möglich an Naschen und Essen in sich rein und meinte dann: "So jetzt bringe ich mich um,das hast du davon!" Ich schleppe den Gedanken mich zu trennen schon länger mit mir rum, da dieses Gefühl niemals Kinder haben zu können mich einfach auffrisst. Je länger ich mit der Diagnose lebe, desto mehr belastet sie mich. Ist das normal?(Vor ca. 1 Jahr haben wir es erfahren). Das ist ein sehr guter Rat von dir Cora, ich werde mich lieber erstmal selber untersuchen lassen bevor ich Nägel mit Köpfen mache. Denn auf der anderen Seite liebe ich meinen Partner und bin deshalb so hin -und hergerissen.4 Jahre Beziehung einfach so wegstecken ist nicht leicht.
Achso noch eine Frage. Ist ein HbA1c-Wert von 8 gut? (Mit Pumpe)
Ich halte euch auf dem Laufenden und danke nochmal.
LG Jenny von Jennifer -
Jürgen
Rang: Gastam 05.09.2007 18:08:04
Moin Jenny,
fangen wir hinten an: mit einem HBA1c von 8 hat Dein Partner gute Aussichten, dass seine Krankenkasse ihm die Pumpe demnächst streicht. Hier und in weiteren Foren gibt es zu dem Thema schon einige Threads. Begründung: mit der Pumpe wird kein deutlich besseres Therapie-Ergebnis erzielt als allgemein ohne. Als gut gilt < 6,5. Daran scheint man sich zu orientieren.
Wer mit einem schlechteren Ergebnis gegenüber der Krankenkasse überhaupt eine Chance haben will, muss seine lückenlosen Protokoll-Aufzeichnungen der letzten 3 Monate beibringen, aus denen nachvollziehbar schlüssig hervorgehen muss, dass es sich um einen sogenannt schwer einstellbaren Diabetes handelt.
Zur Sache: Wer schon mit 24 eindeutige diabetische Folgeschäden gesammelt hat, wird sich an einer einfachen Weggabel sehen:
Der eine Weg ist kürzer. Die Schäden werden sich verstärken und vermehren, aber nach den schon eingetretenen kommt es darauf nun auch nicht mehr an. Jetzt geht es nur noch darum, die verbleibende Zeit so unbeschwert wie irgend möglich zu nutzen. Dazu wird schon die mittelfristige Zukunft und jede Sorge darum weitgehend ausgeblendet, denn sie gilt schon nicht mehr als real erlebbar. - Diesen Weg schafft Dein Partner auch alleine. Er braucht ihn nur einfach weiter zu gehen :-(
Der andere Weg ist wahrscheinlich sehr viel länger, vielleicht so lang, wie ein ganz normales Leben. Er beginnt mit der Einsicht, dass praktisch nur ein weitestgehend gesund geführter Blutzucker diesen Weg überhaupt ermöglichen kann und dass das Zeitfenster für diese Möglichkeit nur noch wenig offen steht. Die beste mir bekannte Adresse auch für schwierige Fälle ist diabetesdorfalthausen.de/ . Eine persönliche Erfahrung findest Du hier chrostek.de/wb/pages/startseite/mein-diabetes.php .
Wenn Dein Partner sich nicht absolut hirnamputiert anstellt, wird ihn nach dem Durchgang dort und einigen Wochen weiterer Übung zuhause eine zufällige Blutuntersuchung am Tag meistens nicht einmal mehr als diabetesverdächtig ausweisen. Es wird dann immer weniger Anlässe geben, die seinen Blutzucker noch auffällig aus der Bahn werfen kann, und er wird ihn dann immer schneller wieder einfangen und in den gesunden Bereich zurücksteuern können. Nein, das ist keine Hexerei, sondern selten kompetente Anleitung. - Allerdings wird Dein Partner für diesen Weg mehr als einen Tritt in den Hintern brauchen...
...und Du wirst dann mit ihm in seiner aktiv eigenverantwortlichen Lebensspur sehr viel leichter und unbehindert von Schuldgefühlen entscheiden können, ob Du dir Euer Verhältnis für die Zukunft eher als Lebenspartnerschaft oder als Freundschaft vorstellen willst :-)
Bisdann, Jürgen -
Kaudia Kuske
Rang: Gastam 05.09.2007 21:06:44
Hast du mit deinem Freud schon darüber ganz offen gesproche wie es dir in dieser Situation geht? Ich bin 19 und habe selber seit 14 Jahren Diabetes. Ich habe seit ca. 4 Monaten eine Insulin-Pumpe die mich echt wieder auf die Bahn gebracht hat. Ich hatte vorher über 4 Jahre lang einen HbA1c von über 16 zum Schluss sogar über 19. Aber die Pumpe war nur ein kleiner Teil dazu das ich wieder die Kurve bekommen habe. Der Hauptgrund war ein offenes Gesräch mit meiner Schwester, nach der Geburt ihrer ersten Tochter(jetzt mein Patenkind). Ich würd sagen rede einfach mal ganz offen mit ihm. Ich hoffe ich konnte dir helfen. -
Pia
Rang: Gastam 06.09.2007 11:42:26
Zitat: Als ich angedeutet habe mich evtl. zu trennen, fing er an mich mit dem Diabetes zu erpressen. Er stopfte alles möglich an Naschen und Essen in sich rein und meinte dann: "So jetzt bringe ich mich um,das hast du davon!" Zitatende.
----------------------------
Liebe Jenny,
Du hast sicher auch schon von Beziehungen gehört, in denen ein/e Partner/in drohte, sich umzubringen, als der Mann oder die Frau andeutete, sich trennen zu wollen. Das ist eindeutig Erpressung. Ich würde so einem Typen die Koffer packen auf so einen Satz. Aber ich bin nicht du.
Ich kenne Euch Beide nicht und bin auch kein Psychologe, aber ich möchte versuchen, Dir mit gesundem Menschenverstand zu raten. Also lassen wir mal den Diabetes beiseite. Ich glaube, der spielt eigentlich keine Rolle bei der Fragestellung, ob Du die Beziehung aufrecht erhalten möchtest oder nicht. Ich habe Kinder im Alter von 23 und 26. Meiner Tochter habe ich mal geraten, ihrem damaligen Partner vorzuschlagen, sich 4 Wochen räumlich zu trennen: Keine Anrufe, keine Besuche, Nichts. Sie fühlte sich einfach erdrückt von ihrem Partner. Ich sagte Ihr, wenn er dich WIRKLICH liebt, gibt er dir diese Auszeit. Es geht hierbei um Respekt und Loylität gegenüber dem Partner. Er ging auf den Vorschlag nicht ein, daraufhin trennte sich sich direkt. Danach saß er heulend auf meiner Couch und sagte, er würde JETZT doch darauf eingehen wollen. Es war zu spät.
Ich habe bei meiner besten Freundin eine Auszeit von 1 Jahr erlebt. Der Mann lebte in dem Glauben, sie wäre finanziell von ihm abhängig und würde eine Trennung nie durchziehen. Als sie weg war, begriff er den Verlust. Du, ich hätte nie geglaubt, dass der zu einem Therapeuten geht. Er tat es. Hat sich komplett verändert, manches Mal kommt der kleine Schweinehund noch mal durch. Aber sie haben ihre Beziehung gerettet. Sie ist im Juni wieder bei ihm eingezogen. (Klingt nach Groschenromen, ist aber wirklich passiert.)
Also, ich würde Dir also empfehlen, Deinem Partner die Auszeit von 4 Wochen vorzuschlagen. Liebt er dich, respektiert er das. (Die Reaktion wird interessant und aufschlussreich sein, glaubs mir..) Und hast Zeit und RUHE, Deinen Kopp zu sortieren. Beantwortest du die Frage, ob du die Beziehung unbedingt erhalten willst mit JA, würde ich dir empfehlen, dass Ihr beide zu einer Paarberatung geht. Das macht heute fast jeder Psychologe. Lehnt er den Vorschlag komplett ab, kannst du die Beziehung knicken, dann ist das Gerede von Liebe nur kalter Kaffee. (Auch hier wird die Reaktion interessant und aufschlussreich sein..) Oben steht meine Mailadresse, falls du möchtest. Ich wünsch dir Glück und gute Nerven. von Pia