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Hilfe bei Depression bzw. ist es schon eine Depression?
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moni
Rang: Gastam 24.07.2007 14:59:30
Hallo Zusammen,
ich bin seit einiger Zeit eine stille Mitleserin. Aber jetzt möchte ich mich doch mal an dem Forum beteiligen bzw. Anfragen, ob jemand die gleichen Gedanken und Gefühle hat wie ich und wie man sich helfen lassen kann.
Bei mir wurde im Okt. 2005 Diabetes Typ 1 festgestellt. Im Nov. 2005 nahm ich an einer sehr guten Schulung teil, die mir sehr geholfen hat. Meine Langzeitwerte liegen seit der Einstellung zwischen 5,9 und 6,2. Also eigentlich kann ich damit sehr zufrieden sein. Aber psychisch geht es mir seit einigen Monaten nicht sehr gut. Ich bin oft gereizt, fange zwischen durch immer mal an zu weinen und habe einfach das Gefühl, ein große Diabetes-Wolke hängt über mir. Ich kann die Krankheit (und für mich ist es eine Krankheit) nicht akzeptieren. Ich esse sehr gerne (bin aber nicht übergewichtig). Hasse es aber, wenn ich nicht nur ein leckeres Menue sehe, sondern über jeder Kartoffel oder Nudeln die BE-Zahlen leuchten. Ich liebe Fahrradtouren, die ich früher einfach mal spontan planen konnte. Heute verzichte ich drauf, wenn ich diese morgens nicht gleich eingeplant und somit gleich weniger Basal gespritzt habe. Es nervt mich, dass ich nie Traubenzucker vergessen darf, wenn ich unterwegs bin. Wenn ich im Lokal sitze, komme ich mir wie ein Drogenabhängige vor, wenn ich meinen Pen raushole.... Der Gedanke, dass ich bis zu meinem Lebensende täglich mehrmals spritzen muss, macht mich mehr als traurig und ich merke, dass vieles um mich rum mir egal ist. Meinen Arbeitsalltag ziehe ich routiniert durch, aber abends zu Hause denke ich oft nach. Das kann doch nicht so weitergehen. Ist das bereits eine Depression? Mir fehlen auch einfach Gespräche bzw. der Austausch mit Gleichgesinnten, die vielleicht verstehen was ich meine. Ein Nichtdiabetiker kann das nicht nachvollziehen.
Würde mich über die eine oder andere Rückmeldung sehr freuen. Der Diabetes belastet mich doch mehr also ich zu Anfangs dachte.
Viele Grüße
moni -
Fuchs
Rang: Gastam 24.07.2007 15:48:05
Hallo Moni,
erst mal Glückwunsch zu den guten Werten. Das ist schon mal viel wert. Viel besser jedenfalls als unglücklich UND schlechte Werte.
Was denn Rest angeht, so möchte ich Dir zwei Tipps geben:
1. Suche Dir mal irgendwo in der Nähe einen Diabetikerstammtisch oder etwas in der Richtung. Der persönliche Austausch ist oftmals sehr wichtig. Das hast Du ja selbst auch erkannt.
2. Warum fühlst Du Dich so eingeschränkt? Ich mache meine Fahraddtouren dann, wenn ich Lust darauf habe. Ich gehe spontan mit den Kindern schwimmen und überhaupt benehme ich mich nicht anders als vor der Krankheit. Wenn Du Probleme mit dem Spritzen hast, solltest Du mal ernsthaft über eine Insulinpumpe nachdenken. Das macht Dich super flexibel und reduziert den D. im Alltag auf ein paar mal Knöpfe drücken.
Kopf hoch..
Fuchs
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Christina
Rang: Gastam 24.07.2007 15:53:33
Mir geht es Ähnlich, nur mit dem Unterschied das ich schon seit meiner Kindheit bzw. seit 20 Jahren Diabetes habe. Ich habe mich entschlossen mir jetzt erst einmal selbst Hilfe zu holen, erst mal bei einem Psychologen.
Meine Ärztin scheint das nicht so ganz ernst zu nehmen. Ich sollte eine Kur machen, habe jetzt auch was gefunden in Bad Mergentheim die auch Akzeptanzprobleme behandeln, aber meine Ärztin zieht da irgendwie nicht mit.
Ich kann dir nur sagen, sprich mit deinem Arzt, bevor es noch schlimmer wird.
Bei mir ist es mitlerweile so schlimm das ich mich zu allem quälen muss. Ich bin ständig Müde, habe keine Lust mehr irgendwas zu machen, mein Zucker geht eben mal und eben mal wieder nicht. Zuletzt war mein HBA1c zum ersten mal über 7. Zum Glück kann ich noch arbeiten gehen. Trainieren geh ich auch noch, aber dazu muss ich mich schon zwingen. Mir ist schon klar das das ganze kein Zustand ist und ich versuche auch dagegen was zu tun, nur selbst kommt man irgendwann nicht mehr klar. Zudem kommt jetzt momentan auch noch das ich mich nicht mehr lange innerhalb einer Menschengruppe aufhalten kann. von Christina -
dave
Rang: Gastam 24.07.2007 16:24:10
ja kenn das ganze. Aber bin nicht der mann großer worte.
Hatte über ein jahr schlechte Werte zwsichen 10,6 und 14,2 bis ich dann krass nach Aceton gerochen habe und nichts mehr ging. Seitdem läuft es bei mir blendent, aber paasr schlechte Tage hat denke ich mal jede. Würde dir auch einen #Austausch mit anderen Diabetikern empfehlen oder einen Psychologen.
Gruß von dave -
moni
Rang: Gastam 24.07.2007 17:18:22
Vielen Dank für die Rückmeldungen. Mir geht es wie Christina. Ich bin sehr oft müde, auch wenn ich von der Schlafzeit her eigentlich ausgeschlafen sein müsste.
Mit dem Spritzen habe ich keine Probleme. Zumindest habe ich keine Angst vorm Spritzen. Aber ich verkneife mir schon mal den einen oder anderen Snack, nur weil ich es wieder wegspritzen müsste. Dann esse ich lieber ein Stück Käse oder Wurst und lasse das Brot weg (das ist ja auch nicht so dolle). Was macht Ihr, wenn Ihr in der Stadt unterwegs seit, habt plötzlich Hunger? Mir vergeht schon die Lust auf ein Hefestückchen auf die Hand, wenn ich mir dafür 3 BE anrechnen muss und ich nach dem letzten Bissen in einem Kaufhof die Damentoilette mit Pen aufsuchen muss. Das nervt mich so an.
Bei dem Diabetologen, bei dem ich in Behandlung bin (er ist selbst Typ I), bekomme ich immer zu hören, ich würde heute im Diabetes-Paradies leben. Was wir heute für Möglickeiten hätten. Auch mit der Pumpe. Aber eine Pumpe kommt für mich nicht in Frage. Dann fühle ich mich noch mehr gefangen mit so einem "Kästchen" am Körper. Die Teile konnte ich mir bei der Schulung genauer ansehen.
Ich werde mich wohl mal nach der Gruppe vor Ort umschauen. Aber ich möchte dort auch nicht als "Jammernde" auftreten. Aber momentan fühle ich mich halt so.
Ich danke Euch auf jeden Fall für Eure antworten.
Viele Grüße
moni -
Haschi
Rang: Gastam 24.07.2007 21:10:58
Hallo moni,
ich bin überzeugt, wenn du mal eine Insulinpumpe zur Probe bekämst, du würdest sie vielleicht nie mehr hergeben wollen. Die Pumpentherapie käme der Behebung deiner depressiven Stimmungslage ganz besonders entgegen,
Ich betrachte meine Insulinpumpe weniger störend als eine Sehhilfe. Manchmal muss ich das Tamagottchen suchen, dann hat es sich versteckt irgendwo am Tragegurt. Wenn ich Pumpine bedienen muss, glauben meine Begleiter öfters, ich hätte ein ganz besonders schickes Handy.*lach*
Traubenzucker? Habe mich an verschiedene Depots gewöhnt im Auto, in der Radlertasche und im Etui für das Testgerät. Denke immer, es gibt Schlimmeres als Diabetes.
Und wenn wirklich Depressionen?
Die gehören behandelt.
Diabetiker leiden häufiger daran als Stoffwechselgesunde. Im Anfangsstadium
sind Depressionen heute jedoch gut behandelbar.
Nur Mut und allzeit gute Werte! von Haschi -
Pia
Rang: Gastam 25.07.2007 10:38:30
Liebe Moni,
Du schreibst, dass es dir seit einigen Monaten psychisch nicht gut geht. Und die Diagnose hast du aber seit 2005.
Bist du dir sicher, dass die depressiven Verstimmungen eindeutig vom Diabetes kommen bzw. mit dem DM zusammenhängen? Deine Antriebslosigkeit und Müdigkeit haben mich stutzig gemacht.
Ich würde Dir empfehlen, Deine Blutwerte untersuchen zu lassen. Die von Dir geschilderten Dinge können viele Ursachen haben. Was glaubst du, wie dich ein akuter Eisenmangel umhaut. Und dabei ist der mit ein paar billigen Eisentabletten innerhalb von 4 Tagen wieder auf Normwert zu bringen. Das soltlest du erst mal abklären.
Auch Dein Hormonhaushalt kann Ursache für depressive Verstimmungen sein. Bist du durchgehend ständig deprimiert oder nur an einzelnen Tagen? Was nimmst du für hormonelle Verhütungsmittel? Du kannst mich gern auch privar kontaktieren per Mail.
Bitte renne nicht zu einem Psychologen, ehe du den physischen Status nicht abgeklärt hast. von Pia -
Pia
Rang: Gastam 25.07.2007 10:58:28
Ich Dussel, da steht ja deine Mailadresse. Ich schreib dich an. von Pia -
werner
Rang: Gastam 27.07.2007 20:17:08
Sorry die etwas dumme Frage,
aber wofür steht das Kürzel DM? von werner -
Birgit
Rang: Gastam 30.07.2007 14:42:48
Liebe Moni,
bin heute das erste Mal hier im Forum und habe deine Geschichte gelesen. Habe alles selber mitgemacht. Bin bereits seit 22 Jahren an Diabetes erkrankt. Am Anfang wollte ich die Krankheit überhaupt nicht akzeptieren. Hab mir auch Essen verkniffen, auch lieber dann mal nur Käse oder Wurst genascht (ist aber die falsche Denkweise), mich versteckt zum Spritzen (damals stinknormale Spritzen gehabt keine Pen's!!. Kam mir dadurch ja noch mehr als Junkie vor). Musste mir morgens immer zur gleichen Zeit das Verzögerungsinsulin spritzen egal ob Werk-,Sonn- oder Feiertags. Niemals ausschlafen - es war grässlich. Dann wollte ich schwanger werden und entschied mich nach Empfehlung von Doc Teupe zur Pumpe. Habe jetzt mittlerweile ca. 10 Jahre die Pumpe und kann dir versichern, auch wenn das Tragen der Pumpe (ca. 8x5 xm groß) manchmal lästig ist (im Sommer, wenn die Kleidung weniger wird) sie ist das Beste, was man für einen Diabetiker erfinden konnte. Du besitzt die Freiheit zu essen wann und wieviel du willst. Brauchst nur per Knopfdruck deine Einheiten abgeben. Das fällt niemandem auf. Das kannst du unterm Laufen machen, während du z.B. dein Eis schlürfst. Es gibt mittlerweile Pumpen mit "Fernbedienung" da brauchst du sie noch nicht mal unterm Pulli vorziehen. Du kannst ausschlafen, weil du durch die Basalrate abgedeckt bist, kannst spontan Sport treiben weil du die Basalrate prozentual reduzieren kannst.
Traubenzucker esse ich schon lange nicht mehr (zuviel "genossen") Du kannst für eine BE 7 Gummibärchen oder 4 Topi Frutties (my favourits) essen. Steck dir einmal eine kleine Tüte in die Tasche und du hast lange was dabei. Wirken genauso schnell wie Traubenzucker !
Zum Thema Depressionen kann ich auch mitreden: Bin seit 2 Jahren an Depression erkrankt (hab viel mitgemacht, die Dauer des Diabetes könnte aber auch ne Rolle dabei spielen, ist noch nicht richtig klar). Ich gebe dir nur einen Tip: Ich weiß das die Krankenkassen sich zur Zeit immer mehr sträuben, so ein Gerätchen zu finanzieren. Und wenn du angibst an Depressionen erkrankt zu sein, ist das für die ein Grund nicht zu genehmigen !! Also solltest du dich doch irgendwann mal für eine Pumpi entscheiden, frag Doc Teupe in Althausen. Sehr zufrieden war ich auch im Heidelberger Josephskrankenhaus (Diabetiker Ambulanz). Die kennen sich auch prima aus. LG Birgit