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Ist es wirklich Diabetes Typ 1?

  • LasVegas

    Rang: Gast
    am 16.05.2010 02:06:24
    Hallo,

    mein Mann wurde vor knapp 2 Wochen in ein Krankenhaus eingeliefert, nachdem jemand aus meiner Familie bei ihm seinen Blutzucker gemessen hat. Der Wert lag bei 580!
    Grunde für die Messung waren:
    -2 Wochen zuvor begann ständiger Durst (Nachts ca. 1,5 Liter)
    -öfters musste er dadurch auf Toilette (Harndrang)
    -Gewichtsabnahme (in 3 Wochen ca. 6-8 Kilo)
    -Nachts bekam er Wadenkrämpfe

    Nach dem er nun im Krankenhaus war und die Insulintherapie begonnen hat, sowie Schulungen erhalten hat und entlassen wurde kam heute der Arztbericht nach Hause.

    Dort stand drin, dass sein Antikörpertest negativ war und trotz leichtem Übergewicht (was ich persönlich gar nicht so empfinde aber ok) sie dennoch von Diabetes ausgehen was nur mit Insulin therapiert werden kann. Zusätzlich steht im Befund es sei Diabetes Typ 1.
    Gibt es jemanden, der vielleicht eine ähnliche Diagnose erhalten hat und vielleicht die Ärzte falsch lagen?
    Mein Mann ist übrigens 25 Jahre alt, sein Vater hat Diabetes Typ 2, sein Bruder (100%ig wissen wir es noch nicht, da er in einer anderen Stadt wohnt) Diabetes Typ 1, das werden wir morgen erfragen.
    Sein HbA1c Wert lag bei 11,9%, sein HH-HBA1CI: 107.0 mmol.

    Ich würde mich wirklich über zahlreiche Antworten freuen, ich weiß das niemand von euch mir eine Ferndiagnose sagen kann aber es fällt so schwer und tut unheimlich weh 100%ig die Hoffnung aufzugeben.
    Vielleicht ist es ja doch "nur" Typ 2 und man kann mit weniger Insulin und Ernährungsumstellung ihn therapieren.

    Vielen Dank für die Hilfe,

    Denise von LasVegas
  • peter

    Rang: Gast
    am 16.05.2010 11:41:25
    was mir dazu einfällt,
    ich bin überzeugt daß die sog. einstellung bei t2 überhaupt nicht einfacher ist als beim t1.
    weiß aber daß die meisten t2 "mehr" insulin brauchen.
    die sog ernährungsumstellung nicht viel mehr als ein ärzteschlagwort ist.
    daß insulin das einzige praktisch nebenwirkungsfreie medkament ist, und trotzdem von allen am besten wirkt.
    daß es völlig egal ist welchen typ dein mann hat, wichtig ist daß er seinen bz im gesunden rahmen fährt.
    ansonsten geht das leben weiter wie bisher.
    auch was die muschpoke hat ist irrelevant, "er" und niemand anders sollte für dich wichtig sein, da hilft ihm am besten wenn auch du den dm akzeptierst,
    einfach so wie er ist. von peter
  • Joa

    Rang: Gast
    am 17.05.2010 02:50:21
    > Denise schrieb:

    > ich weiß das niemand von euch mir
    > eine Ferndiagnose sagen kann

    Nö. Aber nach dem was Du geschrieben hast, würde ich auch noch eine Kombination mit Typ 3-MODY in Betracht ziehen.

    > aber es fällt so schwer und tut
    > unheimlich weh 100%ig die Hoffnung
    > aufzugeben.

    Das gehört wohl thematisch in den Bereich der Krankheitsbewältigung der Angehörigen.
    Als mich Typ 1 ereilt hat, hat mein Schatz auch rumgeheult. Was mir mächtig auf den Keks gegangen ist.

    > Vielleicht ist es ja doch "nur" Typ 2 und
    > man kann mit weniger Insulin und
    > Ernährungsumstellung ihn therapieren.

    Wie Peter schon richtig ausführte ist das ein völlig falscher Ansatz.

    Ansonsten ist Typ 2 deutlich stärker erblich bedingt als Typ 1.

    Daher lieber Typ 2? Damit die Chance deutlich größer ist, dass eure Kids auch Diabetiker werden?

    Gruß
    Joa
  • Las Vegas

    Rang: Gast
    am 17.05.2010 03:15:08
    Herzlichen Dank für die Antworten!
    Morgen hat er seinen ersten Termin bei Diabetiker und wir werden Diabetes Typ 3 mal ansprechen.
    Wir haben heute mit dem Bruder telefoniert und es kam raus, er hat Typ 1, der Vater hat Typ 2.
    Ich weiß, eigentlich ist es egal welche Typ er hat, aber irgend wie fühlt es sich noch nicht bei uns so an, dass wir dran glauben können. Ich werde morgen mal berichten!
    Herzlichen Dank!
    Denise von Las Vegas
  • thomas2002

    Rang: Gast
    am 18.05.2010 16:35:23
    der typ ist wirklich jacke wie hose. insulin? nehmen, nehmen...

    zum lesen
    http://www.chrostek.de/ von thomas2002
  • Katja

    Rang: Gast
    am 20.05.2010 18:53:33
    Hallo Denise,

    für einen Typ-1-Diabetes spricht der schnelle Beginn des Diabetes, auch wenn Antikörper fehlen. Nicht jeder Typ-1er hat Antikörper. Ein Typ-2-Diabetes beginnt schleichend und fällt nicht durch PLÖTZLICHEN Harndrang, Durst und Gewichtsabnahme auf. Diese Symptome entwickeln sich beim Typ-2, wenn überhaupt, eher schleichend, weil auch der BZ-Anstieg schleichend erfolgt, und werden deshalb leicht übersehen. Schließlich hat der Körper ja noch lange eine eigene Insulinproduktion. Beim Typ-1-Diabetes treten die ersten(!) Symptome auf, wenn bereits rund 80% der insulinproduzierenden Zellen zerstört sind! Durch den Beginn der Insulintherapie erholen sich die noch verbliebenen 20% und arbeiten noch eine gewisse Zeit lang, bis auch sie zerstört werden. In dieser Phase, die als Remission oder Honeymoon bezeichnet wird, ist der Insulinbedarf sehr niedrig und der BZ ziemlich stabil. Man sollte diese Zeit nutzen, sich möglichst viel Wissen anzueignen, denn der Honeymoon ist KEIN Zeichen dafür, daß der Diabetes wieder verschwindet oder auf einer Fehldiagnose beruht, auch wenn dieser Wunsch verständlich ist.

    Man kann genau klären, welchen diabettestyp Dein Mann hat, wenn man das C-Peptid bestimmt. Dabei handelt es sich um eine Vorstufe des Insulins. Bei Typ-1-Diabetikern ist es stark vermindert, weil ein Großteil der Insulinproduktion ausgefallen ist. Besteht der Diabetes schon länger, liegt es nahezu bei 0. Bei Typ-2-Diabetikern kommt es darauf an, welcher Typ vorliegt. Siehe zu diesem Punkt http://www.med4you.at/laborbefunde/lbef2/lbef_cpeptid.htm

    Als Typ-2-Diabetiker braucht er eher mehr Insulin als ein Typ-1er, weil bei ersterem meist eine Insulinresistenz vorliegt. Wenn Dein Schwiegervater einen Typ-2-Diabetes hat, kann bei Deinem Mann auch ein Doppeldiabetes vorliegen, also sowohl ein Typ-1 als auch ein Typ-2 Diabetes. Dieser ist wie ein Typ-1 zu behandeln (wegen des fehlenden Insulins); die Betroffenen brauchen allerdings mehr Insulin (wegen der Resistenz).

    Ich halte den von Joa angesprochenen MODY-Diabetes für eher unwahrscheinlich. Diese Diabetesform hat zwar eine sehr starke erbliche Komponente (noch stärker als beim Typ 2) und tritt in aller Regel vor dem 25. Lebensjahr auf, aber Verlauf und Behandlung entsprechen einem Typ-2-Diabetes. Vor allem kommen MODY-Diabetiker meist ein Leben lang mit Tabletten aus. Grund für einen MODY sind genetische Veränderungen, was auch die starke Vererblichkeit verursacht.

    Noch eines: ich habe seit 47 Jahren Diabetes Typ 1. Trotzdem bin ich ganz normal zur Schule gegangen, habe studiert und gearbeitet. Ich habe trotz der langen Diabetesdauer keinerlei Folgeschäden. Natürlich muß ich meinen Diabetes immer mit einplanen und kann ihn nicht einfach ignorieren (jedenfalls nicht über längere Zeit). Und ich habe im Laufe der Zeit sehr viel Wissen aufgebaut, das es mir inzwischen ermöglicht, genauso flexibel zu sein wie Gesunde. Mein Mann akzeptiert meinen Diabetes und begleitet mich zu Diabetes-Vorträgen, -Konferenzen und in die Selbsthilfegruppe. Er mischt sich allerdings nie in meine Therapie ein! Ich muß gestehen, daß ich ihm das nach unserem Kennenlernen sehr schnell abgewöhnt habe, denn ich muß ja auch die Konsequenzen von Fehlentscheidungen tragen.

    Ich möchte Dir damit Mut machen, den Diabetes Deines Mannes zu akzeptieren - und Deinen Mann als Diabetiker! Diabetes ist heute kein Todesurteil mehr und auch keine Verurteilung zu strenger Diät. Diese Zeiten sind längst vorbei! Heute spielen Diabetiker in der 1. Bundesliga Fußball (Dimo Wache), sind als Schauspielerinnen Oskar-Preisträgerinnen (Halle Berry) oder Olympiasieger im Gewichtheben (Matthias Steiner) - oder besteigen den jeweils höchsten Berg auf jedem Kontinent der Welt (Gerhard Winkler)!

    Viele Grüße

    Katja