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Struktur oder Flexibilität?

  • pia

    Rang: Gast
    am 08.07.2006 00:37:11
    Hallo zusammen,

    mich würde mal Interessieren, was ihr in eurer Diabetestherapie als angenehmer und vorteilhafter empfindet. Einen strukturierten Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten und fester BE Angabe, oder Flexibilität und spontan sein unter dem Motto: jeder Tag ist anders?.
    Ich selber habe seit 11 Jahren Diabetes Typ1 und würde behaupten ich finde gut das ich nicht nach irgendeinem strengen Diätplan oder so leben muss(so wie am ANfang meiner Therapie)
    Meine Tante ist seit 46 Jahren Typ 1 Diabetikerin und ist erst vor ca. 2 Jahren auf ICT umgestellt wurden, auch nur weil ihr Insulin nicht mehr auf dem Markt war.
    Noch heute sagt sie es wäre früher einfacher gewesen, als sie nur 2 Mal am Tag gespritzt und danach dann gegessen hat.
    Meine Tante hat noch keine Folgeschäden, obwohl sie erst spät ein eigenes BZ-Gerät hatte.
    Ich selber habe schon Folgeschäden, aber das auch nicht unbegründet.
    Wahrscheinlich muss jeder selbst für sich überlegen welche Therapie für ihn sinnvoll ist.
    Ich scheine nach den Jahren immer noch nicht mit der Erkrankung zu leben, weiß selber auf welche Kosten das geht.
    Mir helfen oft Erfahrungsberichte und vielleicht findet sich auch hier der eine oder andere Diabetiker der nicht gleich mit erhobenen Zeigefinger kommt.

    Bin gespannt auf eure Antworten !

    Danke im vorraus

  • klausdn

    Rang: Gast
    am 08.07.2006 12:41:59
    hallo ano,
    ich habe ct und ict gemacht, beides hat vor- beides hat nachteile.
    beides ist heutzutage üblich.
    für beide therapieformen gibt es ausreichede auswahl von insulinen(insulinallergiker ausgenommen)
    für menschen die einen strengen lebensrhytmus haben oder die schätzerei und rechnerei entweder nicht könen oder nicht wollen.(aus gewohnheit oft auch aus altersgründen) ist die ct immer noch die therapie der wahl. und es gibt die auswahl an insulinen für zweimal oder dreimal spritzen.
    vorteil immer das gleiche spritzen , die gleichen be essen.
    nachteil, wie korrigieren ?, ich muß essen auch wenn ich nicht will !, mein insulinverbrauch/d war mehr als doppelt so hoch wie bei ict.
    ict, vorteil, völlige flexibilität, anpassung der basalversorgung, bolus nur wenn ich will , wann ich will.
    nachteil, um es richtig hinzubekommen, brauchts recht gute kenntnisse über lebensmittel, die viele nicht haben.
    mfg klaus von klausdn
  • jess

    Rang: Gast
    am 08.07.2006 13:38:31
    ich bin typ1 und wurde ungefähr 6 jahre lang mit der ict behandelt (protaphane/novorapid). jetzt bin ich auf pumpentherapie (novorapid) umgestiegen und bin sehr zufrieden damit.
    endlich kann ich mal wieder früh ins bett gehen oder eben auch ausschlafen. ich muss ja nicht früh morgens und spät abends ein langzeitinsulin spritzen.

    damit ist man wirklich sehr flexibel.

    wenn man z.b mal etwas mehr isst, als vorgesehen, dann drückt man halt einfach nochmal nen bolus ab... bei der ict hatte ich mir immer x-mal überlegt, ob ich noch was esse oder nicht, da ich keine grosse "lust" hatte nochmal die spritze auszupacken...



    von jess
  • Matthias

    Rang: Gast
    am 09.07.2006 17:06:11
    Ich lebe seit 1972 mit Typ 1 und habe,
    jetzt 44, erhebliche Folgeschäden. Ob das
    nun daran liegt dass ich in den Siebzigern
    "diabetisgerecht" erzogen wurde oder weil ich
    in späteren Jahren das Leben gekostet habe sei
    dahingestellt. Manch einer den ich traf der mit
    der Küchenwage zu Bett geht, ist in schlechterer Verfassung ais mancher Diabetes-Ignorant. Ich habe mein kleines Schwesterchen (Typ 1) vor
    12 Jahren beerdigt. Sie hatte im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten alles richtig gemacht. In HH kenne ich einen(Typ 1) dauerkoksenden DJ, bei dem ich mich immer wieder wundere wie lange er das ohne Folgeschäden durchhält.

    Seit nun etwa 15 Jahren bin ich weg von der starr strukturierten hin zur flexiblen Insulinbehandlung. Ich verwende NovoRapid in der Pumpe "habe" keinen Diabetologen, weise stets einen guten HBA1c auf und fühle mich den Umständen entsprechend pudelwohl.

    Schönen Sonntag

    Matthias
  • Susanne

    Rang: Gast
    am 10.07.2006 13:55:50
    Hallo!
    Mein Vater hat Typ 2 seit 26 Jahren, also keine nennenswerte eigene Insulinproduktion mehr. E r spritzt seit über 10 Jahren täglich zwei mal immer mehr Einheiten mit den jahren, aber das ist ja normal. bei ihm würde ict gar keinen sinn machen - er kocht genau 8 Gerichte immer im wechsel,w as anderes mag er nicht/will er nicht/kann er nicht, weigert sich auch bei mir mitzuessen weshalb ich extra mit ihm zusammen koche. Bei seinem derart gleichförmigen tagesablauf mit immer dem gleichen essen, immer den gleichen tätigkeiten wäe eine ict einfach verschwendet - es ändert sich ja nie was. Ich denke, so geht es mehr älteren Menschen mit gleichförmigem Leben - und auch vielen Hausfrauen, die eh immer dasselbe kochen. es gibt genug Menschen die seit 20 Jahren täglich Wurstbrot zum frühstück essen, drei KArtoffeln zu mitag und abends zwei Scheiben Brot - ich fürchte, menschen die zwischendrin mal Müsli, mal Marmelade, mal gar ncihts essen, mal mittag warm, mal abends, mal viel mal wenig, sind allgemein eher die Ausnahme, und nur für die ist ict wirklich sinnvoll und notwendig.

    susanne von Susanne
  • Lovely

    Rang: Gast
    am 11.07.2006 01:41:37
    Hallo.

    Ich bin fast 37 J. und seit 34 J. Diabetikerin. In den 70-er Jahren war der Diabetes wirklich ein "K(r)ampf" - es gab ja nichts. Gespritzt wurde nach CT zweimal täglich - egal wieviel ich als Kind getobt habe oder bei Regen ein Buch gelesen habe, es gab immer die gleiche Menge Insulin. Aber man wußte ja auch nicht wie hoch der Zucker war, es war wie Lotto-Spielen: Alles auf gut Glück.

    Heute würde ich meine ICT nie wieder hergeben wollen. Sie ist durch das Lantus auch vergleichbar mit Punmpe, da ich gegen 18.00 spritze kann ich einschlafen und ausschlafen, wie ich will.

    Ich habe zwar einen ziemlich geregelten Tagesablauf (Tochter, Schule, Mittagessen, Arbeit), aber meine Mahlzeiten könnten trotzdem nicht unterschiedlicher sein. Ich will nie wieder essen, weil ich muss. Und nie wieder hungern, wenn ich mehr Appetit habe. Es macht mir nichts aus, zusätzlich zu spritzen, wenn ich dafür selbst entscheiden kann, ob ich einen Nachtisch oder Schokolade noch essen will.

    Ein Hoch auf die Medizin, dass dies heute so möglich ist!!!

    Ausgangsfrage war: Was ich in der Therapie als vorteilhaft empfinde.
    Antwort: Die Flexibilität steht bei mir an erster Stelle. Sie macht für mich ein fast normales Leben aus. An zweiter Stelle steht die unkomplizierte "Überwachungsmöglichkeit". Ich mag mein kleines "FreeStyle mini", das sehr diskret und schnell ist. von Lovely