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Diabetes geheim halten?

  • Karl Klausen

    Rang: Gast
    am 21.08.2004 01:14:34
    Ich hatte einst eine Freundin, die, wie ich vermutete, nicht die Faehigkeit hatte, mich als Diabetiker to akzeptieren. Meine Loesung war einfach meinen Gesundheitszustand geheim zuhalten, und waehrend eines dreijaehrigen Zusammenwohnens, ahnte sie nichts davon! Obwohl ich mich oft wie ein Geheimagent fuehlte, klappte es irgendwie. Meinen Sie, dass es bei gewissen Faellen besser sein mag, eine Beziehung durch solche Tricks zu ermoeglichen, als eine negative Reaktion auf Ihren diabetischen Zustand zu riskieren? von Karl Klausen
  • Marlis

    Rang: Gast
    am 21.08.2004 09:14:27
    Hallo Karl,

    dieses Verhalten läßt auch auf ein mangelndes Vertrauen in anderer Hinsicht schließen, das tut keiner Partnerschaft
    gut. Du selbst scheinst nicht zu Deinem Diabetes zu stehen und ihn nicht selbstbewußt vertreten zu können.

    Grundsätzlich ist es aber heutzutage extrem schwerig geworden, eine dauerhafte Beziehung zu führen, wie man allein an den steigenden Scheidungszahlen und den vielen Singles sieht. Da haben mein Mann und ich echt Glück ;-)
    von Marlis
  • Karl Klausen

    Rang: Gast
    am 22.08.2004 09:43:56
    Ich habe gar nichts als die Reaktion von anderen auf Diabetes beschrieben, und nichts ueber meine eigene Einstellung dazu gesagt. Wie Sie zu Ihren hoechst kritischen und unfreundlichen Vermutungen ueber meine Einstellungen kommen, haben Sie nicht erklaert. von Karl Klausen
  • Claudia

    Rang: Gast
    am 22.08.2004 14:22:03
    Hallo Karl,

    entschuldigen Sie, wenn ich mich da einmische, aber ich finde, Sie tun Marlis Unrecht. Sie hat´s doch nur gut gemeint. Es ist für viele Diabetiker eben nicht nachvollziebar, warum man seinen Gesundheitszustand, der ja nun einmal nicht zu ändern ist und einen das ganze Leben lang prägt, geheim halten sollte. Damit belastet man sich nur unnötig und man hat als Diabetiker ja nun wirklich andere Probleme. Wer das als Nicht-Diabetiker nicht akzeptieren kann, der hat - wie ja auch Marlis sagt - sicherlich auch in anderen Bereichen Toleranzprobleme. Generell geht natürlich jeder Diabetiker anders mit seiner Erkrankung um
    (Ein bekannter Kabarettist, der ebenfalls Diabetiker ist, meinte einmal, Diabetes sei ja gar keine Erkrankung, sondern bloß eine "Stoffwechselstörung"; das kann man natürlich anders sehen, aber ich finde, diese Bemerkung stimmt einfach optimistisch...)
    - z. B. sprizt der eine ganz ungezwungen auch am Restauranttisch, während sich der andere auf der Toilette versteckt - , ich persönlich finde aber, man sollte den Diabetes einfach als einen Teil seines Lebens sehen, und dazu gehört nun einmal, daß man offen damit umgeht. Auch in einer Partnerschaft ist das sicherlich die einfachere, angenehmere Alternative.

    Viele Grüße

    Claudia
  • Sandy

    Rang: Gast
    am 22.08.2004 15:08:46
    Hallo,

    ich denke allerdings auch, dass vielleicht Marlis Worte etwas falsch angekommen sind. Schriftlich kann man seinen Worten eben schlecht eine Betonung geben, so dass sie manchmal falsch aufgenommen werden.

    Ich persönlich bin der Meinung, dass man in einer Partnerschaft ehrlich sein sollte, da gehört der Diabetes dazu. Zumal es auch so ist: was ist, wenn Sie einmal (z.B. bei einer Hypo) dringend Hilfe brauchen und Ihre Partnerin kann mit den Symptomen nichts anfangen? Ich weiß dass es nicht einfach ist, einem lieben Menschen dies beizubringen, ich habe es schon zweimal durchgemacht. Und mein jetztiger Mann kann damit sehr gut umgehen und unterstützt mich wo er nur kann, kommt sogar manchmal mit zu meinem Diabetologen. Ich habe mich sogar zusammen mit ihm für eine Insulinpumpe entschieden (die ist natürlich weniger einfach geheimzuhalten wie der Pen).

    Zumal es auch so ist: sollte die jeweilige Partnerin ein Problem mit dem DM haben und deshalb die Beziehung beenden, dann würden irgendwann andere Probleme die Zweisamkeit zerstören, denn es gibt ja nun weitaus größere Probleme, die man zu lösen hat....

    Ich wünsche Ihnen jedenfalls, dass sie in Ihrer nächsten (oder aktuellen) Beziehung offen darüber sprechen können und dadurch die Unterstützung erfahren können, die jeder Diabetiker manchmal braucht...

    Viele liebe Grüße
    Sandy
  • Karl Klausen

    Rang: Gast
    am 22.08.2004 19:17:52
    Ich bin nun seit vielen Jahren gluecklich verheiratet und selbstverstaendlich mit einer Frau, mit der ich nicht nur Diabetes sondern alles andere diskutieren kann. Die Freundin mit der ich schon anfangs wusste, dass ich Information ueber meinen kranken Zustand nicht teilen konnte, kam sowieso nie in Frage als eine eventuelle Lebenspartnerin. Ich halte Diabetes geheim nur um andere Menschen vor ihrer eigenen Boesheit zu schutzen, da es viele gibt, die grausam, diskriminierend, oder ablehnend auf Menschen mit einem koerperlichen Problem reagieren. von Karl Klausen
  • Karl Klausen

    Rang: Gast
    am 22.08.2004 19:28:36
    Meinen Sie wirklich, dass Marlis es ,,doch nur gut gemeint" haette, wenn sie den folgenden Satz geschrieben haette: ,,Du selbst scheinst nicht zu Deinem Diabetes zu stehen und ihn nicht selbstbewusst vertreten zu koennen"?

    Es gab gar keine Begruendung fuer diese persoenliche Kritik gegen mich in meiner Mitteilung, die im wesentlichen nur mit die Reaktion von anderen Menschen auf Diabetes zu tun hatte. Wer kein Hellseher ist, soll im Prinzip keinen Unbekannten schlechte Eigenschaften zuschreiben.

    Manchmal halte ich meinen kranken Zustand geheim, aber nur wenn ich merke, dass andere diese Information so benutzen werden, dass sie mich nur als Kranken und nicht als mich selbst betrachten werden, oder dass sie mich bemitleiden, abwerten, oder auf krankenschwesterlicher Art disziplinieren werden. Mit Menschen, die auf Diabetes ohne Vorurteile und mit Verstaendnis reagieren werden, benehme ich mich sehr offen und ehrlich. von Karl Klausen
  • Claudia

    Rang: Gast
    am 22.08.2004 20:32:26
    Hallo Karl,

    ich glaube wirklich nicht, daß Marlis Ihnen irgendwelche "schlechten Eigenschaften" zuschreiben wollte. Für manch einen Diabetiker stellt sich eben erst gar nicht die Frage, ob man den Diabetes geheim halten sollte, er ist ein natürlicher, wenn auch nicht angenehmer Bestandteil des eigenen Lebens.
    Sie schreiben immer von Ihrem "kranken Zustand". Vielleicht wäre es einfacher, zu versuchen, den Diabetes nicht immer als Makel und Handicap zu sehen. Natürlich nervt das ewige Messen und Spritzen oft, aber wenn man als Diabetiker offensiv und wie selbstverständlich mit seiner "Stoffwechselstörung" umgeht, begreifen möglicherweise Nicht-Diabetiker auch eher, daß man mit Diabetes durchaus gut leben kann. Dann werden vielleicht auch Vorurteile abgebaut.

    Grüße

    Claudia
  • Karl Klausen

    Rang: Gast
    am 23.08.2004 02:00:00
    Nach meiner 38 jaehrigen Erfahrung mit Typ 1 Diabetes, wuerde ich doch nicht sagen, dass man ein wesentlich normales oder besonders gutes Leben fuehren kann, besonders nachdem die zumeist unvermeidlichen Spaetfolgen erscheinen. Sogar die Idee, eines Tages blind, nierenkrank, amputiert, usw. zu werden, und eine sehr reduzierte Lebenserwartung zu haben, reicht aus, den Spass am Leben wesentlich zu vermindern, auch lange vor diese Spaetfolgen eintreten. von Karl Klausen
  • Marlis

    Rang: Gast
    am 23.08.2004 10:04:54
    Hi Sandy,

    Du hast mich ganz richtig verstanden
    ;-) von Marlis