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Bewerbung und Schwerbehindertenausweis

  • Tine

    Rang: Gast
    am 22.11.2003 10:34:30
    Hallo zusammen,

    ich bin 25 Jahre alt und seit 16 Jahren Diabetikerin.
    Ich werde in einem Monat mein Studium abschließen und bin gerade dabei mich so langsam nach Stellen umzusehen und schon mal die eine oder andere Bewerbung zu schreiben.
    Ich besitze einen Schwerbeschädigten-Ausweis (Einstufung 50%).
    Die Stellensuche wird nicht gerade einfach werden (gilt wohl zur Zeit für jeden, aber für einen Sozialwissenschaftler ganz besonders ;-)
    Ich frage mich deshalb, inwieweit es sinnvoll ist die Schwerbeschädigung überhaupt zu erwähnen (bei meinen bisherigen Ferien- und Nebenjobs habe ich das nie getan).
    Überwiegen die Vorteile oder eher die Nachteile (zunächst ausschließlich in Bezug auf die Einstellung)?
    Über Erfahrungen und Tipps würde ich mich sehr freuen....

    Zum zweiten ist mir relativ unklar, wo genau die Schwerbeschädigung in einer Bewerbung erwähnt werden sollte. Ich nehme an, sie gehört in den Lebenslauf, aber welche Formulierung wählt man (sollte man die Art der Erkrankung nennen usw. usf.)
    Vielleicht kann mir auch hierzu jemand Tipps geben bzw. Bücher empfehlen, in denen dies thematisiert wird...

    Viele Grüße,
    Tine
  • Andreas

    Rang: Gast
    am 22.11.2003 16:41:39
    Hallo Tine!

    Eine Schwerbehinderung muß man dem zukünftigen Arbeitgeber mitteilen, da sich sonst arbeitsvertragsrechtliche Konsequenzen ergeben könnten.

    Da dich der Diabetes mellitus sicherlich nicht in der Ausübung deines zukünftigen Berufes einschränken wird, würde ich eigentlich dazu tendieren, nichts davon im Bewerbungsschreiben zu erwähnen. Ich würde es dann jedoch im Vorstellungsgespräch klipp und klar sagen. Hier besteht dann auch die Möglichkeit für Erklärungen und Rechtfertigungen, die dann mögliche Bedenken aus dem Weg räumen können.

    Herzliche Grüße
    Andreas
  • Elsbeth

    Rang: Gast
    am 22.11.2003 17:31:41
    Hallo Tine,

    wenn Deine Behinderung von außen
    nicht erkennbar ist, würde ich sie
    in der Bewerbung nicht erwähnen.
    Wenn Du jedoch beim Vorstellungs-
    gespräch gefragt wirst oder gar
    eingestellt wirst, mußt Du sie erwähnen.

    Viel Glück! von Elsbeth
  • Dietrich Huber

    Rang: Gast
    am 24.11.2003 20:16:54
    Fairer wäre es die Schwerbehinderung anzugeben, aber dann wird Dich sicher niemand einstellen.

    Ich selbst habe eine Schwerbehinderte ohne es zu wissen eingestellt, die hat geraucht wie ein Schlot und war dabei wegen einer Lungenkrankheit schwerbehindert.
    Nachdem sie dauernd krank gefeiert hat habe ich sie gekündigt und dann ist sie mit der Schwerbehinderung gekommen.Unkündbar!!

    Nachdem wir ein kleiner Laden waren, wo es auf jeden angekommen ist, hat das zuständige Versorgungsamt sich dann auf meine Seite gestellt und mir das Problem abgenommen.

    Ergebnis:
    Ich würde nie mehr ein Schwerbehinderte einstellen, sondern lieber die Abgabe zahlen.

    Siehst Du was ich meine! von Dietrich Huber
  • Tine

    Rang: Gast
    am 26.11.2003 09:35:23
    Hallo Dieter,

    da ich denke, dass die meisten so denken wie Du, werde ich wohl die Schwerbehinderung nicht angeben (obwohl ich inzwischen weiß, dass die Frage danach zulässig ist und damit wahrheitsgemäß zu beantworten).
    Schlimmstenfalls wird dies irgendwann einmal bekannt (ich wüsste allerdings nicht wie es dazu kommen sollte) und ich werde wegen "listiger Täuschung" gekündigt.
    Erscheint mir unwahrscheinlich und letztlich die bessere Alternative, als erst gar nicht genommen zu werden - außerdem, wenn ich die Ansprüche, die ich aufgrund des Schwerbeschädigtenausweises hätte nicht in Anspruch nehmen möchte, wen sollte es interessieren, dass ich den Ausweis habe?

    Danke für Eure Antworten,
    Viele Grüße
    Tine
  • Daniela

    Rang: Gast
    am 26.11.2003 17:46:33
    Ich habe gehört, dass man die Schwerbehinderung NICHT angeben muss, wird man danach gefragt, so ist die Frage wahrheitsgemäß zu beantworten.
    Große Firmen tun das i.d.R..
    von Daniela
  • Daniela

    Rang: Gast
    am 26.11.2003 17:48:21
    Hi Tine,

    wir haben auf Arbeit einen Schwerbehinderten, der schleppt sich noch halbtot zur Arbeit, dann gibts jüngere Kollegen, die sind ständig krank und nicht behindert.
    Ich denke, dass es für den Arbeitgeber auch von Vorteil sein kann Schwerbehinderte einzustellen, es macht den Menschen nicht zu einem Ständigfehler nur weil ein Schein bestätigt, dass eine Behinderung vorliegt, sicherlich ist ein Dm eine Einschränkung, ein grippaler Infekt haut manchen Diabetiker ziemlich aus den Fugen aber gerade deswegen fehlen Schwerbehinderte sogar seltener und arbeiten gar härter, um nicht den Eindruck zu erwecken sie seien minderwertig..

    Rede mit den Leuten, die Dich einstellen wollen, wenn die Verstand haben, dann stellen die Dich auch MIT Schwerbeschädigung ein ;-)

    Ich drück Dir die Daumen.. von Daniela
  • Sieglinde Tarallo

    Rang: Gast
    am 08.12.2003 22:51:01
    Ich bin diabetes mellitus Typ 2 und habe wegen verschiedenen anderen Krankheiten 50 % Schwerbehinderung gehabt. Ich habe als Sekretärin gearbeitet, hab nie gefehlt und war nie ein Problem; denn ich habe gelernt mit mit meinen Krankheiten zu leben.
    Zu meinen Therapien gehörte viel Bewegung. Deshalb ging ich in der Mittagspause immer spazieren. Wenn Besorgungen in unserem kleinen Betrieb gemacht werden mußten, bin ich immer freiwillig gegangen und habe das gemacht.

    Es hat mir niemand übel genommen, wenn ich zwischendurch einen Apfel oder ein Brot gegessen habe. Ich trank immer Mineralwasser, auch bei Betriebsfeiern. Ich hatte nie ein Problem mit meinem Führerschein; denn ich konnte ja immer fahren.

    Überstunden waren für mich auch kein Problem. Ich habe immer gern gearbeitet.

    Leider bekam ich vor 2 Jahren 1 Herzinfarkt und 1 Schlaganfall und bin deshalb in Frührente. Aber das kann jedem Nnicht-Diabetiker oder Nicht-Schwerbehindertem auch passieren.
  • Dietrich Huber

    Rang: Gast
    am 09.12.2003 06:06:45
    Hallo Tine,

    Du hast die richtige Einstellung.
    Keinen interessiert es wenn Du schwerbehindert bist, aber niemand merkt etwas davon.
    Wenn ich sage, dass ich keinen Schwerbehinderten mehr einstellen würde, so meinte ich das deswegen, weil dies bei uns so ausgenutzt wurde.
    Auch das Versorgungsamt hat mir seinerzeit mitgeteilt, dass viele "Schwerbehinderte" dies eigentlich gar nicht sind (z.B. eine Lungenkrankheit) und einen solchen Ausweis leicht ergattern können und dies dann ausnützen. Den Schaden haben dann wirklich Bedürftige, weil der Ruf ruiniert wurde.
    Das Versorgungsamt kann da ein Lied davon singen.

    Ich wünsche Dir alles Gute, Tine, und Gottes Segen und hoffe, dass Du bald einen freundlichen Chef bekommst.

    Viele Grüsse und Ciao

    Dietrich von Dietrich Huber