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Diabetes und Sport ( 49 jahre alt )

  • Peter Greif

    Rang: Gast
    am 04.07.2002 19:44:47
    Hallo miteinander - bin vor 4 Jahren an Typ1 erkrankt und habe alles soweit im Griff ( HB1C = 5,2 )
    Habe mein Leben lang Sport getrieben und mache es mit starker angezogener Handbremse auch noch heute. Dennoch würde ich liebend gerne mehr machen, wenn nicht alles so umständlich und nervtödend wäre.
    Also ich schildere mal einen Sporttag von mir:

    18.30h 1 Std.Basketballspiel intensiv

    Mit BZ 130 und nach 10 Minuten Sportriegel ca.3.5 BE langsame Wierkung

    Nach dem Sport ( BZ 120 ) Salat futtern und abends gegen 23.00h wird gemessen 8 so um die 100 BZ ) Nun kommt`s: Um die Nacht zu überstehen muß ich 6 BE essen und weder Basal noch Bolus spritzen und komme um 6.00h morgens mit 90 BZ aus dem Bett. Die " Fresserei " nervt und das von mir gewünschte regulativ Sport findet nicht statt !! Wieso diese Unmangen an BE vor dem Zubettgehen ?? von Peter Greif
  • Andreas

    Rang: Gast
    am 05.07.2002 12:30:02
    Hallo Peter,

    die geschilderten Reaktionen sind recht ungewöhnlich, aber eigentlich muß es ja für (fast) alles eine Erklärung geben.

    Zunächst würde ich mal vermuten, daß du eigenes Insulin hast und da stellt sich die Frage, ob du wirklich Typ 1 mit absolutem Insulinmangel bist. Wie wurde bei Krankheitsbeginn diagnostiziert? Selbst wenn du Typ 1 bist, bedeutet es ja noch lange nicht, daß du gar kein eigenes Insulin hast. Bei einer akuten oder chronischen Pankreatitis muß nicht unbedingt das gesamte Gewebe der B-Zellen zerstört werden.

    Wenn du kein eigenes Insulin hast, käme das Basal-Insulin als Ursache in Frage.
    Injezierst du morgens und abends basal? Hast du mal probiert was passiert, wenn du bei normaler Basalrate fastest?

    Wenn wir davon ausgehen, daß die Spaltung der Kohlenhydrate funktioniert, dann müßte nach den 6 BE am späten Abend auch Insulin im Spiel sein, um den BZ am Morgen dann auf 90 mg/dl zu regulieren. Selbst wenn die Glukose renal (über die Nieren) ausgeschieden wird, sollte der Morgen-BZ eigentlich höher sein.

    Als adäquate Maßnahme würde ich zunächst die Basalrate testen und bei Bedarf entsprechend reduzieren. Ein weiterer interessanter Test wäre es, zu verfolgen was passiert, wenn du am Morgen Sport treibst.



    Herzliche Grüße
    Andreas
  • Peter

    Rang: Gast
    am 08.07.2002 20:32:06
    Hallo Andreas - erst einmal vielen Dank für deine Informationen.

    Es ist in der Tat interessant, die Entwicklung zu beobachten, wenn ich am frühen Morgen Sport treibe. Auf einem Hometrainer trainiere ich jeden Morgen nach dem Frühstück ca.45 Minuten sehr intensiv und verleibe mir vorher 2 Scheiben Lieken Urkorn ein was etwa einem BE-Gehalt von 3-3.5 BE entspricht. Ich überstehe die Trainingsphase ohne Probleme und auch der Bedarf an KH im lf.des vormittags ist nicht mit der Abendration zu vergleichen. Treibe ich Sport am morgen, dann bin ich gar in der Lage, zum Mittag Speisen bis zu 3 KH ohne Insulin einzunehmen und auch für kleine Abendmahlzeiten benötige ich kein Humalog.
    Ferner verzichte ich auch komplett auf die Basalrate - seltsam . oder ? Nach 4 Jahren sollte doch die Remission abgeschlossen sein !! von Peter
  • Andreas

    Rang: Gast
    am 10.07.2002 10:20:59
    Hallo Peter,

    ich hatte mir eigentlich gewünscht, daß wir hier Erfahrungsberichte von anderen
    Typ-1ern lesen können.

    Daß du weniger BEs brauchst, wenn du am Morgen Sport treibst, liegt wohl daran, daß der Cortisol-Spiegel am Morgen deutlich höher ist als am Abend. Cortisol baut Eiweiß in Glukose um.

    Eines dürfen wir jedoch bei unseren Überlegungen nicht vergessen: eine unerkannte Erkrankung an Dm-Typ 1 führt durch den absoluten Insulinmangel zu einer deutlichen Gewichtsabnahme. Daraus ergibt sich, daß Insulin erforderlich ist, um Glukose im Muskel- und Fettgewebe aufzunehmen!

    Mit den BEs nach dem Sport könntest du eigentlich nur den BZ erhöhen, jedoch nicht veranlassen, daß Glukose im Zellgewebe aufgenommen wird. Das könnte dann nur über die Glukoneogenese aus der Leber erfolgen.

    Wenn du am Abend nach dem Sport auf die Insulininjektion verzichtest und Glukagonausschüttung und Glukoneogenese funktionieren, könntest du theoretisch in der Nacht auch ohne BEs nicht unterzuckern.

    Deine Schilderungen erinnern irgendwie an Dm-Typ 2 mit einer Insulinresistenz, die durch körperliche Bewegung beeinflußbar ist. Dabei wäre zu bemerken, daß man sich nicht unbedingt auf die angegebene Wirkungsdauer von Insulinen verlassen sollte. NovoRapid kann z.B. auch noch nach 4 Stunden eine Hypoglykämie auslösen.

    Wenn man nun wieder bedenkt, daß es auch Dm-Typ 1 mit Insulinresistenz geben kann, dann erkennt man, daß man sich hier sehr schnell der Grenze des Erklärbaren nähert.

    Das Problem ist, daß kaum ein Mediziner bei der Diagnose nach den Ursachen fragt. Eigentlich wird doch nur das Symptom des erhöhten BZ mit Medikamenten unterdrückt.

    Vielleicht gibt es ja doch noch Forenleser, die hier von eigenen Erfahrungen berichten können.


    Herzliche Grüße
    Andreas





  • uta

    Rang: Gast
    am 10.07.2002 13:15:51
    Hallo,

    mein Sohn ist Typ I und 21 Jahre alt. Er kennt diese Probleme auch. Grosse Anstrengung bedeutet für ihn am Abend kein Basal-, wenig Mahlzeiteninsulin, nachts messen und meistens hochfuttern.
    Er hat sowieso einen sehr niedrigen Insulinbedarf und spritzt nur abends etwas Basalinsulin.

    Der Arzt sagt, jeder Stoffwechsel reagiert anders und daran kann man nichts ändern.

    Vielleicht findest Du die Lösung. Sei so gut und stelle Deine Erfahrungen ins Forum.

    Danke im voraus.
    Gruss Uta von uta