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Angst vor Folgeschäden?!

  • Daniel

    Rang: Gast
    am 10.11.2011 13:14:16
    Hallo,

    ich bin 26 Jahre alt und habe seit gut 10 Jahren DM Typ 1. Durch Umzüge und andere Dinge, die mir dazwischen gekommen sind, habe ich es leider verpasst, in den letzten 2-3 Jahren regelmäßig zum Augenarzt zu gehen. Nun steht im Dezember wieder ein Termin an - und mir ist etwas mulmig zumute.

    Zwar besteht, denke ich, kein größerer Grund zur Sorge (Hba1c immer unter 7; meist 6,0 - 6,2, zwei starke Unterzuckerungen in den 10 Jahren), aber es gibt ja immer mal kleinere "Ausbrüche" nach oben und man hat plötzlich einen Wert über 200 (was ich aber zumeist direkt merke und korrigiere).

    Nun liest man ja immer, dass "langfristig erhöhre Werte" die Wahrscheinlichkeit der Augenschäden erhöhen. Was aber genau ist mit "langfristig" gemeint?

    In Erkältungsphasen oder dergleichen kommt es natürlich auch vor, dass die Werte mehr oder weniger verrückt spielen und man das ein oder andere Mal an einem hohen Wert verzweifelt, weil sich dieser nicht wie gewohnt beheben lässt.

    Ich achte sehr auf meine Werte und messe diese sicherlich 5-7 mal täglich, dennoch will sich bei mir einfach kein Gefühl der Sicherheit einstellen.

    Eine genauere Definition dieser "langfristig erhöhten Werte" fände ich daher sehr interessant, damit ich mir vielleicht auch nicht mehr allzu große Sorgen machen muss. ;-)
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 972
    Beiträge: 3874
    Mitglied seit: 25.02.2011
    am 10.11.2011 13:41:22

    Eine genaue Definition wird dir niemand geben können. Aber leicht erhöhte Werte während einer 2..3 Wochen andauernden Erkältung gelten ganz bestimmt nicht als langfristige Erhöhung.

    Ich persönlich vermute, dass auch ein schlecht verlaufendes Quartal noch kein Grund zur Sorge ist, wenn du deinen BZ danach wieder gut im Griff hast - aber mit Sicherheit kann ich dir das nicht versprechen.

    Beste Grüße, Rainer
  • Gast

    Rang: Gast
    am 10.11.2011 13:48:42
    Vielen Dank für die rasche Antwort!

    Man liest ja häufig, dass der BZ über mehrere Jahre erhöht sein müsste, wobei sich das wiederum etwas meiner Vorstellungskraft entzieht, da dem hohen BZ ja in der Regel aktiv entgegen gewirkt wird!? Wenn mein BZ jetzt bspw. bei 250 liegen würde, so wird dieser ja direkt korrigiert.

    Verstehe ich es denn richtig, dass der BZ über einen längeren Zeitraum kontinuierlich erhöht sein muss? Denn in 10 Diabetesjahren habe ich natürlich schon etliche hohe Werte gehabt, die aber - wie erwähnt - nicht von langer Dauer waren.

  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 6039
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 10.11.2011 14:56:44
    Wer beständig mit seinem Auto auf der Überholspur und überall schneller unterwegs ist, als die Polizei erlaubt, hat natürlich ein höheres Unfallrisiko als der ruhige Fahrer, der vorausschauend im Verkehr mit schwimmt. Aber auch der hat nur im Stand und auf dem eigenen Parkplatz weit ab von der nächsten Straße wirklich Null Verkehrsunfallrisiko.

    Jeder höher als gesunde BZ produziert miese Lottopunkte, die zum Glück mit der Zeit auch wieder abgebaut werden. Wenn die sich immer schön gleichmäßig verteilen, kann man auch noch mit HBA1c 8-10 lange ohne Folgekrankheiten leben. Wenn man dagegen Pech hat, reicht schon der Bereich von 5,7-6,5, also der des Prädiabetes bis zur Diabetes-Diagnosereife, dass sich ausreichend von diesen miesen Punkten an einer Stelle knubbeln und ne miese diabetische Folge machen. Mit der Diagnosereife dürfen immerhin an die 10 von 100 neuen Typ2 schon son Mist beklagen.

    Du tust mit Deiner erstaunlich gesunden BZ-Fahrweise schon sehr viel mehr für Deine weitere Schadensfreiheit, als der übliche gut eingestellte Typ1. Klar kannst Du auch son Verlauf hier und unter HBA1c 5,5 probieren. Aber je verkrampfter Du das übers Knie brechen wolltest, desto mehr würde der Stress die Verminderung des BZ-Risikos wahrscheinlich wieder aufheben.
  • Gast

    Rang: Gast
    am 10.11.2011 15:17:19
    Danke für die ausführliche Antwort.

    Teilweise handhabe ich das sogar so, wie es in deinem Link steht. Am Wochenende bspw., wenn ich eh zuhause bin, messe ich lieber einmal mehr als zu wenig. Das heißt teilweise auch ~ 2 Stunden nach dem Essen. Wenn ich dann merke, dass ich Gefahr laufe, einen etwas zu niedrigen Wert zu bekommen, trinke ich einfach einen Schluck Saft (mit Traubenzucker kann man mich jagen...).

    Dennoch gibt es eben hin und wieder Ausrutscher. Gerade, wenn ein langer Tag in der Uni auf dem Programm stand, kann es mal vorkommen, dass der Wert zuhause etwas höher ist, als er eigentlich sein sollte.

    Mein Problem ist daher, dass ich nicht wirklich einschätzen kann, wie hoch das Risiko eventueller Folgeschäden tatsächlich ist. Und gerade das Internet verführt einen ja regelrecht zur Hypochondrie, wenn man plötzlich liest, dass nach so und so vielen Jahren das Groß der Diabetiker die Folgeerkrankung xy haben. ;-)


    Im Grunde habe ich meine Werte aber ganz gut im Griff - allein aufgrund des häufigen Messens. Jedoch gibt es aber, wie geschrieben, hin und wieder Ausbrüche.

    Was den Hba1c-Wert von 5,5 angeht, bin ich ein wenig irritiert: Mein (neuer) Diabetologe, bei dem ich vor zwei Monaten zum ersten Mal war, war schon von meinem 6,0-Wert erschrocken und meinte, ich solle mir doch zum Ziel setzen, ihn auf etwa 6,5 zu bringen.
  • Gast

    Rang: Gast
    am 10.11.2011 16:40:54
    schrieb:
    Aber auch der hat nur im Stand und auf dem eigenen Parkplatz weit ab von der nächsten Straße wirklich Null Verkehrsunfallrisiko.


    Der war gut Jürgen - mit anderen Worten: nur wer tot ist, wird keine Veränderungen am Augenhintergrund bekommen! Wie wahr! ;-). Um aber bei deinem Autobeispiel zu bleiben: das Risiko einen Unfall zu bauen ist leider auch vom Auto abhängig. Oder anders: man sollte die genetische Veranlagung nicht vergessen. Da man als Diabetiker bzgl. der Augen eh schon gefährdet ist (DM ist eine Stoffwechselstörung), sollte man schon regelmässig zum AA gehen. Sicher ist die Wahrscheinlichkeit einen Spätschaden zu erleiden bei "normalen" (gesunden) BZ-Werten sehr gering, aber schon "leicht" erhöhte Werte können auf Dauer dazu beitragen (wie gesagt: können, nicht müssen), dass sie entstehen. Ich glaube, ausser dem Rat, seinen BZ so gesund wie möglich zu führen und alles regelmässig kontrollieren zu lassen, alles andere wäre ein Blick in die berühmte Kugel...
  • Gast

    Rang: Gast
    am 10.11.2011 16:50:26
    Aber es ist doch letztendlich auch so, dass kein Diabetiker stets optimale Werte hat. Leicht erhöhte und auch mal etwas deutlicher erhöhte Werte kennt doch wohl jeder. Sei es durch Stress, durch eine Fehleinschätzung eines Essens oder was auch immer. Aus dem Grund messe ich auch sehr häufig - einfach, um so oft es geht einen Blick auf die Entwicklung meines BZ zu haben.

    So strebsam das vielleicht auch sein mag - dazu kommt dann jedoch das Laster des Rauchens. ;-)

    Aber vielleicht sollte ich mich auch einfach nicht so verrückt machen... Anfang Dezember gibt's die nächste Kontrolle und bisher hieß es auch immer "das sieht alles gut aus" ;-)
  • Rang: Erweitertes Mitglied
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    Beiträge: 36
    Mitglied seit: 06.11.2011
    am 10.11.2011 16:58:12
    Hallo,

    ich denke, ich kann Dich beruhigen. Mit 26 hatte ich bereits 25 Jahre Diabetes auf dem Buckel und genauso viel Angst vor Folgeschäden wie Du. Inzwischen sind es 49 Jahre Diabetesdauer, und ich habe keinerlei Folgeschäden! Ich war zwar nie über einen längeren Zeitraum grottenschlecht (also HbA1c mindestens 9%) eingestellt, aber zeitweise konnte ich mich nicht so um den Diabetes kümmern, wie ich es hätte machen sollen und heute mache. Dazu kommt, daß ich die ersten 39 Jahre CT mit Harnzuckerkontrolle machte, was aber nicht das eigentliche Problem war. Der Knackpunkt war meine Spritzenangst, die dazu führte, daß ich abends erst unmittelbar vorm Schlafengehen spritzte. Folge: Tagsüber war ich meist harnzuckerfrei, aber abends lag ich regelmäßig bei 5% Harnzucker (mehr zeigte der Streifen nicht an). Bei seltenen Kontrollmessungen stellte ich fest, daß ich zumindest teilweise bei 240 mg/dl lag, aber trotzdem harnzuckerfrei war und blieb. Einzelne Kontrollmessungen morgens ergaben praktisch immer Werte unter 100 mg/dl.

    Langer Rede kurzer Sinn: nach 30(!) Jahren Diabetesdauer wurde erstmals(!) eine beginnende Retinopatie diagnostiziert! Allerdings war es mir damals nicht möglich, mich besser um meinen Diabetes zu kümmern. Erst ein paar Jahre später bekam ich den Diabetes wieder besser in den Griff. Ich machte immer noch CT und Harnzuckerkontrollen und die allabendlich schlechten Werte gab es auch immer noch. Aber die Werte wurden besser, und die Retinopathie ging langsam wieder zurück! Mein mittlerer HbA1c lag zu dieser Zeit bei 7%. Dann ersetzte ich das Normalinsulin durch Humalog. Damit konnte ich abends die Werte schneller senken. Dummerweise begann einige Monate später eine vier Jahre lange Periode, in der ich rund 80 schwere Unterzuckerungen hatte. Es dauerte lange, bis ich begriff, daß sich mein Insulinbedarf im Laufe des Zyklus änderte. Jedenfalls führte diese Zeit dazu, daß ich mich auf Pumpe umstellen ließ. Dabei wurde festgestellt, daß ein Auge wieder völlig in Ordnung war und das andere nur noch wenige Mikroaneurysmen hatte, die kurze Zeit später ebenfalls verschwanden. In diesen vier Jahren lag mein HbA1c nur noch bei durchschnittlich 6,7%. Seit damals, also seit 2002, habe ich einen HbA1c mit einer 5 vor dem Komma, und meine letzte schwere Hypo liegt Anfang nächsten Jahres zehn Jahre zurück :-)

    Ich gehe mal davon aus, daß ich gut einem Jahr auf 50 Jahre erfolgreiches Diabetesmanagement ohne jegliche Folgeschäden anstoßen kann :-)

    Zu meiner Einstellung seit 2002: natürlich geht mein BZ auch mal heftig hoch - in seltenen Fällen bis auf 400 mg/dl. Besonders schlimm wird es, wenn mein Insulinbedarf steigt und ich nur noch hinterherkorrigieren kann! Da kommt es durchaus vor, daß ich bis zu drei Tage lang nicht unter 100 komme und meistens zwischen 150 und 250 rumschwanke. Das kann ich nicht verhindern, auch wenn ich jedesmal so schnell wie möglich korrigiere und meine Basalrate in kurzen Abständen anpasse. Aber was soll's: ich bin sicher, daß ich mit dieser Einstellung keine Folgeschäden bekommen werde! Immerhin ist die beginnende Retinopathie unter schlechteren Bedingungen wieder verschwunden. Zu dieser Zuversicht trägt auch bei, daß es eine Korrelation zwischen HbA1c und Folgeschäden gibt. Wenn man dazu berücksichtigt, daß die Verzuckerung des Hb in den ersten Stunden instabil ist und sich bei sinkendem BZ wieder löst, sehe ich keinen Grund, warum es bei den (Kapillar-)Gefäßen anders sein sollte.

    Ich hoffe, daß ich damit Deine Ängste etwas verringern konnte!

    Viele Grüße

    Katja
  • Rang: Erweitertes Mitglied
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    Beiträge: 6039
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 10.11.2011 17:02:00
    Mal abgesehen von Diabetologen wie Dok Teupe, mit dem es sogar schon manch ein völlig uneinstellbarer Fall zu zuverlässig und hypofrei unter 6 geschafft hat, kennen die meisten nur das ganz normale ICT-Schema Messen-Spritzen-Essen, und das stößt nun mal mit Absinken des HBA1c gegen 7 an seine Hypo-Grenze.

    #7
    zwar selten, aber es gibt auch Lungenkrebs ohne Rauchen und Passivrauchen. Und genau so wird es auch die eine oder andere als diabetische Folge bekannte Krankheit bei Betroffenen geben, die ihr Leben lang einen völlig gesunden BZ-Verlauf hatten.
  • Gast

    Rang: Gast
    am 10.11.2011 17:09:51
    Vielen Dank Katja, das liest sich doch sehr gut. ;-)

    Ich habe tagsüber meistens alles ganz gut im Griff, das einzige Problem ist Folgendes: Mein BZ steigt in den Morgenstunden recht stark an - er kann also bspw. um 7 Uhr noch bei 85 liegen, um 10 Uhr ist er dann jedoch über 200. Ich habe mir angewöhnt auch nachts zu messen. Wenn ich also nachts wach werde und sowieso mal eben ins Bad muss, kann ich auch gleich messen und auf eventuell vorhandene hohe Werte reagieren - dann passt es morgens auch meistens.

    Die Angst resultiert wohl meistenteils daraus, dass ich jetzt eben eine Weile nicht mehr beim Augenarzt war und somit nicht abschätzen kann, was sich in dieser Zeit "entwickelt" hat. Da sich meine Werte grundsätzlich in den Jahren nicht groß verändert haben, sollte es, denke ich, auch keine Veränderungen an den Augen geben. Aber wie es halt so ist: Bevor man es nicht vom Fachmann hört, herrscht Raum für Spekulationen ;-).


    Trotzdem noch mal eine Frage: Ich habe hier jetzt schon des Öfteren von Hba1c-Werten mit einer 5 vor dem Komma gehört. Mein Diabetologe meinte letztens, dass mein Wert schon fast "zu gut" sei - dabei war er 6,0. Ich erinnere mich, dass ich, als ich noch bei einem anderen Arzt war, einmal einen Wert von 5,8 hatte. Da hieß es: "Solange es dir dabei gut geht...".

    Aber es ist auf jeden Fall beruhigend, dass ich auch vor temporär hohen Werten keine Angst haben muss. Und es ist ja nicht so, dass mir mein Diabetes in irgendeiner Form egal wäre.. Von daher sollte die Untersuchung doch hoffentlich auch positiv ausfallen! ;-)