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Gibt es eine Störung der Glukoseausschüttung der Leber?
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Gast
Rang: Gastam 30.12.2013 11:27:47
Hallo,
ich beobachte seit einigen Wochen, dass der Nüchternblutzucker bei mir zu hoch ist. Alles andere scheint ok. Nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten schafft es der Körper schnell den Zucker unter 110 zu senken. Vor vielen Jahren hat mir ein Arzt nach einem Rundum-Check mal gesagt, mein Blutzucker wäre grenzwertig.
Nun frage ich mich, wie die Gegenreaktion der Leber funktioniert. Habe nichts dazu gefunden. Mir scheint fast, dass mein Körper, in der Nacht allerdings nur, einen Blutzucker von ca. 120 für erstrebenswert hält und die Leber gern gegensteuert.
Muss dazu sagen, dass ich seitdem ich teste, sehr kohlenhydratreduziert esse. War noch nicht beim Arzt. Werde aber mal hingehen. Ist das eine Störung der Leber? Wo finde ich Infos dazu?
Grüße
Karin -
am 30.12.2013 12:26:39
Hallo Karin,
der hohe NBZ ist eine echte diabetische Fehlsteuerung und sagt, dass du Prädiabetes oder Diabetes hast. Wo du mit deiner diabetischen Störung genau stehst, das kannst du am besten herausbekommen, wenn du von deinem Arzt einen Zuckerbelastungstest oGTT machen lässt.
Am Morgen werden mehrere Hormone ausgeschüttet, die dafür sorgen sollen, dass du richtig wach wirst. Einige davon veranlassen die Leber, Glukose auszuschütten. Eine funktionierende Glukosesteuerung sorgt bei stoffwechselgesunden mit der richtigen Insulinausschüttung dafür, dass der BZ trotzdem nicht ansteigt. Zu den diabetischen Störungen gehört es, dass der BZ am Morgen nicht mehr genügend gesenkt werden kann. Außerdem kommt als diabetische Störung noch eine Fehlfunktion der Leber dazu, die zu viel Glukose ausschüttet.
Gegen deine mäßig erhöhten Nüchternwerte hilft wahrscheinlich schon Metformin, das die Leber bei der Glukoseausschüttung bremst. Dass du dich KH-reduziert ernährst und damit dafür sorgst, dass der BZ nach den Mahlzeiten nicht zu hoch wird, ist schon mal sehr gut. Falls du noch nicht lange die KH reduziert hast, kannst du noch ein paar Wochen abwarten und hoffen, dass der NBZ noch weiter absinkt. Zum Arzt für einen oGTT würde ich an deiner Stelle trotzdem gehen.
LG Rainer -
Gast
Rang: Gastam 31.12.2013 18:26:08
Hallo Rainer,
Danke für die Antwort. Du schreibst, mit etwas Glück sinkt der Nüchternzucker noch, wenn ich weiter kohlenhydratarm esse. Heisst das, es gibt einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Glukoseausschüttung der Leber?
Auch: Ich lese hier immer wieder, dass der Zucker nur zur Hälfte aus der Ernährung kommt und zur anderen aus der Leber. Wie die "Missregelung" über die Ernährung funkioniert, leuchtet mir ein. Aber wie funktioniert das über die Leber? Wer oder was ist da gestört?
Grüße
Karin -
Gast
Rang: Gastam 31.12.2013 19:29:27
hallo , nur denkanstoß, rainer wird dir das erklären,
du ißt 24h "nichts" fazit aus der nahrung kommt absolut keine verwertbare glucose, was glaubst du woher die energie-blutglucose- für deine atmung, denken, laufen usw kommt ?
in der ganzen zeit und danach sinkt der bz nicht unter die 50/60 , obwohl welcher verbraucht wird.denn du läufst ja weiter rum. das funktioniert beim menschen ohne folgen für ca 20 tage.(fastenfanatiker angeblich mehr) aber wir reden ja über normale menschen. -
Gast
Rang: Gastam 31.12.2013 20:18:49
Das ist mir klar.
Aber gibt es einen Zusammenhang zwischen Glukose Ausschüttung der Leber und der Ernährung? Rainer hatte gesagt, wenn Du weiterhin schön kohlenhydratarm isst, dann kann auch der Nüchternblutzucker runtergehen. Darauf habe ich mich bezogen und gefragt, wie das abläuft.
Grüße
Karin -
am 02.01.2014 15:47:25
Hallo Karin,
die Erfahrungen zeigen, dass der NBZ schrittweise sinkt, wenn man seinen BZ nach den Mahlzeiten in gesunden Grenzen hält. Das passiert aber nicht unmittelbar, sondern erst langsam im Nachgang. Irgenwann geht es nicht mehr weiter nach unten. Du wirst sehen, ob du mit den ca. 120 mg/dl schon das Ende erreicht hast, oder ob dein NBZ noch ein bisschen weiter nach unten geht.
Wie sehen denn deine BZ-Werte nach den Mahlzeiten in 1 und 2 Stunden gewöhnlich aus? -
Gast
Rang: Gastam 03.01.2014 23:56:59
Gast schrieb:
Aber gibt es einen Zusammenhang zwischen Glukose Ausschüttung der Leber und der Ernährung?
Nun ja, wenn die Betazellen bereits hart an der Grenze arbeiten müssen, geraten sie in einen chronischen Entzündungszustand, der ihre Leistung weiter mindert. Schonst Du sie durch eine angepasste Ernährung, können sie sich ggf. besser erholen und geben auch in der Nacht wieder mehr Insulin her, das dann die Glucoseabgabe der Leber wieder effektiver in normwertige Bahnen bringen kann.
Gruß
Joa -
am 05.01.2014 08:22:47
Moin Joa,
und wie erklärt Deine Entzündungs-Hypothese, wie Insulin- und Glukose-Umsatz HOMAmäßig)* gemessen nach etwa EINER Woche nach bariatrischer OP/VLCD und ohne auffällige Senkung irgendwelcher Entzündungsparameter oder des Gewichts von voll diabetisch auf nahe bis völlig gesund umschalten?
Bin neugierig, Jürgen
)* weniger Insulin, als während der voraufgehenden Zeit mit höherem BZ!!! -
Gast
Rang: Gastam 05.01.2014 11:01:25
Hallo Jürgen,
nicht innerhalb einer Woche. Ich esse seit ca. 6 Wochen kohlenhydratreduziert. Aber nicht sooooo konsequent. Alle die Weihnachtsnaschereien haben mich doch immer wieder verführt. Allerdings hat sich trotzdem viel an meiner Ernährung geändert im Vergleich zu vorher. Nach Weihnachten war ich dann ganz konsequent und siehe da, auch der NBZ ging runter.
Meine Frage wäre nun: Kann sich das gesammte System rappeln, so daß es wieder einen Normalzustand erreicht, in dem man auch wieder KH lastig essen kann oder heißt das, ich muß für den Rest meines Lebens auf all die leckeren Sachen verzichten? Mir ist klar, dass man hoffentlich auch Gefallen an der neuen Ernährung findet und dann möglicherweise gar nicht mehr die Sucht auf Süßes und KH hat, aber meine Frage wäre trotzdem, ist das reversibel oder nicht?
Grüße
Karin -
Gast
Rang: Gastam 05.01.2014 11:09:16
Hallo Joa,
danke für die Antwort. Ob Entzündung oder nicht, zumindest bekomme ich eine Idee über einen möglichen Zusammenhang zwischen Ernährung und Glukoseausschüttung der Leber. Geht auch in die Richtung, was Rainer sagte. Ich hab immer gedacht, die Leber hätte dann eine Störung und mich gefragt, wie man die über die Ernährung wegkriegen soll. Schien mir nicht plausibel. Aber so wie es aussieht, gibt nicht die Leber zuviel ab, sondern die Betazellen können nicht mehr gut genug gegensteuern. Richtig? Wenn die das besser können (weil sie über die Ernährung nicht entlastet werden, egal ob Entzündung der nicht), dann können sie es auch hinsichtlich des nächtlichen Zuckers aus der Leber. Das leutet mir ein.
Grüße
Karin
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am 05.01.2014 15:00:16
Moin Karin,
die schlechte Nachricht zuerst: wie ein gesunder Mensch beliebig viele KHs essen und trinken, ohne dass Dein BZ über die Gesund-Grenzen von nüchtern 90mg/dl und in der Spitze etwa 1 Stunde nach dem Einfüllen von viiiiielen KHs für ein paar Minuten über 140mg/dl ansteigt, wird nicht mehr wieder und ist bis heute auch mit den tollsten Medis nicht zu erreichen.
Aber nach allem, was Du bis jetzt geschrieben hast, könntest Du gute Chancen haben, die Defekte in Deinem System so weit zu minimieren, dass Du Deinen Blutzucker noch viele Jahre ohne Medis in gesunden Grenzen halten und damit de facto praktisch völlig gesund leben kannst. Vielleicht sogar für immer, aber das muss erst noch die Erfahrung zeigen, denn die ältesten systematisch beobachteten Beispiele in der Art sind man gerade knapp 10 Jahre.
Dieser Berappelt-Halten-Zustand hat sogar einen offiziellen Namen, heißt Remission, sogar vollständige Remission jedes Jahr, in dem das Jahr lang ohne Medis (aber z.B. mit LoCarb oder sogar NoCarb) nüchtern unter 100mg/dl und HBA1c bis 6 gemessen werden. So lange diese Werte gemessen werden, ist für die Remission egal, zu welchen schwindelnden Höhen sich der BZ etwa nach ner großen Cola aufschwingt.
Hintergrund sind bariatrische OPs von Magenband bis Magenumgehung bei extrem schwergewichtigen Typ2, bei denen bei noch vergleichsweise jungem Diabetes (bis 4 Jahre nach der zeitnahen Diagnose) im Zeitrahmen von ner Woche bis 10 Tage nach der OP und noch vor jedem nennenswerten Abschmelzen eine weitgehende bis häufig sogar vollständige Normalisierung von Insulin- und Glukose-Verlauf beobachtet werden. Also auch kein erhöhter Insulin-Spiegel bei gesundem BZ mehr, wie er mit der sogenannten Insulinresistenz für den Vorlauf zum Typ2 charakteristisch ist.
Lange Zeit wurde allerlei durch die OP verursachter organischer Hokuspokus zur Erklärung dieses Phänomens bemüht, bis ein Londoner Prof 2005 eine Gruppe von schwerstgewichtigen Freiwilligen dazu überreden konnte, statt sich gleich operieren zu lassen zunächst einmal einfach für 14 Tage nur so wenig zu essen, wie nach ner OP noch möglich wäre, VLCD=Very Low Calorie Diet, 600-800kcal/Tag. Und siehe da, die Gruppe konnte die gleichen Erfolgs-Ergebnisse präsentieren, wie bis dahin nur mit OP.
Die bisher dafür vorgewiesene Erklärung: In den ersten Tagen mit besonders kleinem Schmalhans wird vor allem unsere zentrale Stoffwechselfabrik Leber von eingelagertem Fett entlastet und gewinnt ihre gesunde Regelfunktion zur Zucker- und Insulin-Regelung zurück. Diese Erklärung stützt, dass das Spiel nur bei Start mit Fettleber funktioniert.
Inzwischen gibt es das Konzept im praktischen Paket mit neuer Formula-Diät unter ärztlicher Kontrolle, aber wie Du hier lesen kannst, hab ich mit ganz normalem Wenigessen und mit mehr als 20 Diabetes-Dienstjahren und mehr als 10 davon als INSULINER, im Juli 2013 ein vergleichsweise ähnlich gutes Ergebnis erzielen und zumindest bis heute halten können :)
Bisdann, Jürgen -
Gast
Rang: Gastam 05.01.2014 15:41:24
Hallo Jürgen,
danke für die Antwort. Vielleicht sollte ich mal 14 Tage so mit 600 bis 800 kcal probieren. So richtig dolles Übergewicht hab ich nicht. Bin 1,62 und wiege 64 kg. Aber meine Leber hat gewiß Stress, weil ich auch ganz gern Wein trinke. Hab ich zwar jetzt auch gelassen, aber vielleicht wär s gut, der Leber mal eine Regenerationszeit zu gönnen, von zwei Wochen Schmalhans, damit, wie Du schreibst, sie ihre Fettreserven aufbraucht?
Auf leckeres Weinchen, Süßes, Nudeln etc. bis zum Ende meines Lebens zu verzichten, erschreckt mich doch gewaltig. Jetzt, wo es mir gut geht, kann ich, wenn auch schwer, drauf verzichten, aber ich weiß genau, wenn ich mal Stress habe, dann kriege ich das nicht mehr gezügelt. Was macht man mit so Kandidaten wie mir? Einfach in Kauf nehmen, daß es immer wieder mal Ausrutscher gibt oder medikamentös arbeiten? So wie ich das sehe, gehöre ich zu den Leuten, die zwar im Normalbereich bleiben, wenn sie sich entsprechend ernähren, aber wenn sie das nicht tun, dann haben sie Zucker. Für mich ist das schon echt eine Herausforderung. Meine Disziplin hält sich in Grenzen. Es würde nur gehen, wenn ich Gefallen an dem neuen Futter finde. Denke mal, wenn man lange keinen Zucker, Nudeln, Brot oder so gegessen hat, dass dann auch die Lust drauf weniger wird. Merk ich ja jetzt schon, aber für Frustfraß reichts sicher noch.
Grüße
Karin -
am 05.01.2014 18:12:24
Moin Karin,
Dein Messgerät weist Dir Deinen Arten- und Mengen-mäßigen Weg, wenn Du schaust, dass Dein BZ in der Spitze nach dem Essen oder/und Trinken meistens unter 140mg/dl bleibt. Die Spitze wird zwischen etwa 45 und 75 Minuten nach dem Essen erreicht. Kann man für sich selbst in mehreren Messreihen genauer zu finden versuchen. Ohne so individuelle Bestimmung wird die Spitze allgemein etwa 1 Stunde nach dem Essen angenommen.
Ab und zu mal 160 oder auch 180 werden eher nicht stören, aber generell ist sicher hilfreich, die Schwankungen zwischen den Tälern und den Gipfeln, die der BZ-Verlauf beschreibt, auf 60-80mg/dl zu begrenzen, also auf gesund bis etwas mehr als gesund. Denn größere Schwankungen sollen unabhängig von der Blutzuckerhöhe ein eigenständiges Risiko für die Gefäße darstellen.
Der Geschmack kann sich mit der Zeit ändern. So empfinde ich z.B. schon wenige Stücke der Schokolade, die ich früher nach Tafeln gegessen hab, heute als unangenehm süß, und wenn ich wo zu Besuch bin, fällt mir schwer, mich an die normalen Beilagen-Portionen zu halten und nicht stattdessen das spärliche Gemüse nicht alleine aufzuessen, wo mir früher ein großer Teller mit Kartoffeln und Soße völlig gereicht hätte. Im Restaurant ist der große Salatteller ohne Brot mein Ding.
Klar sind lange nicht alle Leberfaster so LC-verdorben. Die meisten stellen sich für ihre Zukunft z.B. 1 Fastentag pro Woche und die übrigen normales Essen vor. Ob und wie und mit welchem Erfolg sich das durchhalten lässt, werden wir in den einschlägigen Foren in den nächsten Monaten und Jahren vermehrt lesen können. Einstweilen probieren wir halt alle für uns selbst, was am besten passt. Und der eine oder die andere vermeldet in den Foren schon mal, dass nach längerer Zeit mit gesundem BZ mal ne ausnahmsweise Portion mit eigentlich recht hoher Treibkraft den BZ gegen alle Erwartungen kaum erhöht hat :)
Daumendrück, Jürgen -
Gast
Rang: Gastam 09.01.2014 23:19:12
hjt_Jürgen schrieb:
und wie erklärt Deine Entzündungs-Hypothese...
Das ist nicht meine Hypothese. ;-)
Schau Dich mal nach Stichworten wie Interleukin 1b und Anakinra um. Da zeigen sich so einige Zusammenhänge. Für Entzündung kannst Du auch Apoptose setzen.
Ansonsten meine ich, dass wir das Thema auch schon hatten?
Gruß
Joa