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Neu und ein paar Fragen
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am 07.08.2014 22:06:34
Hi ihr alle hier im Forum
Ich bin Elli und neu hier bei euch. Ich hab einige Fragen und hoffe ihr könnt mir die beantworten.
Ich bin selbst in einem anderen Forum angemeldet und weiß wie Hilfreich die Tipps und Infos von Betroffenen sein können.
Bei meinen Fragen geht es um meine Schwiegermutter, nicht um mich.
Kurz zur Vorgeschichte:
Meine Schwiegermutter wurde mit 36 zum zweiten mal Schwanger. Meinen Mann hat sie mit 18 bekommen.
Während der Schwangerschaft bekam sie dann Schwangerschaftsdiabetes (vom Diabetologen betreut). Mit 37 bekam sie dann meinen Schwager.
Die Diabetes wurde nach der Entbidung erstmal besser, verschwand aber nie. Schon in der Schwangerschaft war sie Insulinpflichtig.
Ich hab meine Schwiegermutter erst kennen gelernt als mein Schwager knapp 1 Jahr alt war. Zu der Zeit hatte sie alles mit Spritzen und "auf die Ernährung achten" gut im Griff.
Einige Zeit später (etwa 4 Jahre nach der Schwangerschaft) wurde es schlimmer. Dauernd hat der Blutwert nicht gepasst und sie kam ins Krankenhaus zu neu einstellen.
Da war sie etwa eine Woche und danach war wieder alles super.
Gehalten hat das etwa zwei Jahre. Dann kam sie wieder in ein (anderes) Krankenhaus zum einstellen.
Dort konnte sie Essen was sie wollte, auch Kuchen etc. Der Zuckerwert (ich hab keine Ahnung wie die korrekte Bezeichnung dafür ist) war immer gut. Sie bekam ein neues Insulin und damit kam sie super zurecht.
Sie war noch nicht lang zuhause als die Probleme wieder mehr wurden und vor allem immer schlimmer. Mal war der Wert viiiieeeel zu hoch, mal war er extrem niedrig. Die genauen Werte kann ich euch leider nicht sagen. Sie hat nur desöfteren erzählt das das alles nicht passt.
Die Hausärztin hat gegen die miesen Werte aber nie etwas unternommen. Bei einem anderen Arzt war meine Schwiegermutter nicht.
Ich muss dazu sagen das meine Schwiegermutter u.a. depressionen hat (die nicht wirklich Behandelt werden), Polineuropatie und neuerdings steht MS Verdacht im Raum. Das alles macht meine Schwiegermutter etwas "eigenartig" sodass sie kaum aus dem Haus geht. die 30km in die nächste, größere Stadt in der alle Ärzte wäre ist ihr zu aufwendig und auserdem zu teuer (HartzIV Empfängerin)
Die Schwangerschaft ist nun inzwischen 9 Jahre her und seit kurzem hat sie noch extremere Probleme. Ständig waren die Werte viel zu hoch oder viel zu niedrig. Mit dem Essen hat sie (ihrer Meinung nach) total aufgepasst. In wahrheit wars aber so das sie zwar keine Süßigkeiten gegessen hat dafür aber z.b. zum Abendessen noch schnell ne Bratwurst, oder den Teller voller Kartoffeln geladen hat. Brötchen hat sie immer in 3 Teile geschnitten sodass zwar die Scheibe dünner war aber sie 3 mal Belag hatte usw.
In den letzten Wochen musste zwei oder 3 mal der Krankenwagen kommen weils ihr schlecht ging.
Jetzt ist sie erneut seit anfang der Woche im Krankenhaus (wieder ein ganz anderes).
Die haben ihr zu allererst erzählt das die Einheiten die sie Sprizt völlig falsch sind. Sie sprizte wohl teilweise die 3fache Menge von dem was sie eigentlich nur gebraucht hätte.
Sie hat dann wieder ein neues Insulin bekommen und demnächst soll sie erneut zu einer Schulung.
Auserdem hat sie versuchsweise irgendein Medikament bekommen das das Kurzzeitinsulin ersetzen sollte. Sodass sie nur noch Langzeitinsulin sprizen hätte müssen.
Wie die Medis alle heißen weiß ich nicht. Das hat aber nicht funktioniert.
Heute hat mein Mann mit ihr Telefoniert und sie erzählte plötzlich das die Ärzte sagen das sie Typ 1 hätte. Die Ärzte sagen sie müsse das schon seit ihrer Jugend (die tippen auf 14) haben. Sie erzählte das es in ihrer Jugend wohl Situationen gab sie darauf deuten KÖNNTEN das sie tatsächlich schon früher damit probleme gehabt haben könnte.
Meine Fragen sind nun: Ists möglich das man Typ 1 erst mit 46 diagnostiziert bekommt? Hätte das nicht mal jemand mitkriegen müssen? Vorallem war sie in 3 (!!) verschiedenen Krankenhäusern. Und erst das dritte kommt nach fast einer Woche Behandlung auf die Idee das 9 Jahre Behandlung falsch waren?
Kann man in der Kindheit und Jugend Typ 1 Diabetes haben ohne das es Behandelt wird? Würde das dann nicht probleme machen?
Sie soll jetzt wieder ein anderes Kurzzeitinsulin bekommen. Ich kenne nur 2 Leute mit Typ 1. Die beiden (ein Kind und ein junger Erwachsener) haben beide seit frühester Zeit eine Insulinpumpe. Gibts das denn das dann trotzdem mit Sprizten behandelt wird?
Ich trau meiner Schwiegermutter nämlich leider zu das sie Maßlos übertreibt. Ich kann sie zwar eigentlich echt gut leiden, aber sie ist etwas Geltungssüchtig. Wenn sie nicht genug "Aufmerksamkeit" bekommt, dann holt sie sich die eben. Und ich trau ihr da auch zu das sie ein wenig zu dem was die Ärzte sagen dazu dichten. Hinfahren und besuchen (um mal genau nachzufragen) klappt nicht. Wir wohnen nämlich knapp 600 km weit entfernt.
So, nun hab ich genug geschwafelt. Ich hoff ich bin hier (auch als unbetroffene) Willkommen und der ein oder andere kann mir meine Fragen beantworten.
LG Elli (die selbst leider eher im Epilepsiebereich bescheid weiß) -
Gast
Rang: Gastam 07.08.2014 23:04:46
Hallo Elsbeth,
ich will mal versuchen zu einigen deiner Fragen Stellung zu nehmen, obwohl es natürlich immer schwierig ist, wenn man die Situation nicht genau kennt und du ja auch noch nicht einmal weißt, ob alles, was deine Schwiegermutter erzählt, wirklich der Wahrheit entspricht.
Einen Typ1 Diabetes kann man in jedem Alter bekommen. Es ist nicht gesagt, dass sie den schon mit 14 hatte.( Wie kommt man auf 14?)
Gerade wenn man bei der Diagnose schon etwas "älter" ist schreitet der Autoimmunprozess oft langsamer fort als bei Kindern. Leider kommt es hier auch immer noch vor, dass Patienten zunächst als Typ2 eingestuft werden, insbesondere, wenn sie nicht die schlankesten sind.
Da es aber so aussieht, dass die Behandlung eh mit Insulin erfolgen muss (bei Typ1 sowieso), wäre es eigentlich unerlässlich, dass sie in der Nähe des Wohnortes einen Diabetologen hat, wo sie auch Schulungen machen kann. Alternativ käme auch ein Aufenthalt in einer Rehaklinik infrage.
Jetzt kann ich natürlich nicht einschätzen, in wieweit deine Schwiegermutter die Therapie eigenständig übernehmen kann aufgrund ihrer anderen Erkrankungen.
Im Normalfall ist es heute so, dass insbesondere Typ1 Diabetiker alles normal essen dürfen, dafür aber die passende Menge Insulin spritzen müssen.
(Intensivierte konventionelle Therapie, ICT).Nach dem selben Schema funktioniert auch die Therapie mit der Insulinpumpe.
In Fällen, wo sich die ICT als problematisch erweist, kann man natürlich auch über andere Therapien nachdenken, nur dann muss meist zu bestimmten Zeiten eine bestimmte Menge gegessen werden, man ist also unflexibler.
Bei älteren Leuten kann auch ein Pflegedienst das spritzen übernehmen, aber das hängt natürlich vom Gesundheitszustand deiner Schwiegermutter ab.Und auch sie selber muss ja mit der Therapie einverstanden sein.
Wünsche euch viel Erfolg bei der Therapieplanung!
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Gast
Rang: Gastam 08.08.2014 08:49:58
hallo elsbeth,
stimme dem vorposter zu, muß dir aber leider auch den vorwurf machen,
(nicht böse gemeint) aber ihr/du beobachtest die ganze sache nun schon seit mehreren jahren, weißt aber nicht welche insuline welche tabletten die sm genutzt hat, denn aus den insulinen hätte man schon eine menge schließen können.
und ja natürlich kann sie t1 haben, denn welchen typ diabetes man hat ist nicht sichtbar.
und eine gute ict schulung wo sie lernt "wie" sie selbst die insulinmengen anpasst ist gold wert, die sehr oft erwähnte "einstellung" ist ein phantasiebegriff, denn was drei tage im kh klappt, ist im alltag völlig daneben. zudem braucht sie zwei insuline dafür.basis und bolusinsulin.
oder ct mit mischinsulin, dann ist sie mit dem essen aber sehr auf konstanz eingeschränkt. -
am 08.08.2014 09:53:19
Moin Elsbeth,
einen Diabetes kann man nicht heilen. In der Hauptsache machen Diabetes Typ1 und Typ2 das selbe, mehr Blutzucker als gesund. Und mehr Blutzucker als gesund macht halt all die fiesen diabetischen Folgen.
Deswegen ist die Hauptbehandlung bei Typ1 und Typ2 gleichermaßen, den Blutzucker möglichst viele von 24 Stunden möglichst nahe gesund zu halten. Dabei passt an Medi am besten, was sich beim jeweils Betroffenen alltäglich am nützlichsten dafür erweist.
Kohlenhydrate Einverleiben, also alles mit Mehl, Kartoffeln, Reis und Obst, ist dabei wie Blutzucker-Gasgeben, Insulin Spritzen wie Blutzucker Bremsen. Allerdings wirkt das Gas meistens schneller als die Bremse. Und beide wirken bei 10 Menschen mit Diabetes wenigstens 10mal verschieden. Und diese Wirkungen verändern sich mit der Zeit. Selten funktioniert die selbe "Einstellung" gleich gut über z.B. ein halbes Jahr.
Deswegen lernen wir INSULINER in entsprechenden Schulungen, unsere Insulin-Dosen an unsere Essensportionen anzupassen.
Wer das aus welchen Gründen auch immer nicht packt, bekommt einen festen Spritz-Ess-Fahrplan entsprechend der üblichen morgens-mittags-abends Medi-Gabe, was natürlich nur so etwas wie ein Notbehelf sein kann. Und dann wird einfach ausprobiert, womit das persönliche Ergebnis vielleicht noch weiter verbessert werden kann.
Das ist z.B. seit kurzem immer häufiger mit einer neuen Medikamenten-Sorte, SGLT-2-Hemmer, mit der mehr vom zuvielen Zucker im Blut mit dem Urin ausgeschieden wird. Vielleicht ist das mit der neuen Medikation statt des Kurzzeit-Insulins gemeint.
Bisdann, Jürgen -
Gast
Rang: Gastam 08.08.2014 11:40:57
Meines Wissens sind die SGLT-2-Hemmer für Typ1-Diabetiker aber weder geeignet noch zugelassen. Kann mich allerdings auch irren. -
am 08.08.2014 11:57:08
http://flexikon.doccheck.com/de/SGLT-2-Inhibitor :
schrieb:
SGLT2-Inhibitoren hemmen renale, natriumabhängige Glucosetransporter. Als Folge kommt es zur vermehrten Glukoseausscheidung über den Harn (Glukosurie). Blutglukosewerte können so um bis zu 30mg/dl gesenkt werden. Die SGLT-2-Inhibitoren wirken also unabhängig vom Insulinstoffwechsel. Sie können sowohl bei Diabetes mellitus Typ 1 als auch bei Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt werden.
Ich meine von ner Zulassung auch für Typ1 gelesen zu haben. Ist aber auch wurscht, denn es macht nix, was Typ1 stören könnte. Im Gegenteil. -
am 08.08.2014 12:05:37
Hi
Vielen Dank für all die Antworten.
Ich versuch mal auf die Schnelledie ganzen Fragen zu beantworten.
Wie die Ärzte und auch meine Schwiegermutter grad auf das Alter von 14 kommen weiß ich nicht. Sie hatte nur erzählt das es verschiedene Situationen gab die auf Diabetes in der Jugend hindeuten könnten. Und diese Situationen gabs eben ab ca 14 Jahren. Was oder wie diese Situaionen waren weiß ich nicht.
Ich weiß nicht welches Insulin meine Schwiegermutter bekommt oder bisher bekam weil wir eben 600km weit weg wohnen. Da frag ich ja nicht ständig nach den Medikamenten. Sicher hab ich den Namen schon mal gehört oder gelesen wenn wir zu besuch waren. Aber das ist nu nichts was ich mir merke. Bin froh das ich mir meine eigenen Medikamente merken kann :-)
Eine Schulung hatte meine Schwiegermutter in der Schwangerschaft und soweit ich weiß danach auch nochmal. Deshalb ists mir ja so schleierhaft das es zuletzt zu solchen Problemen kam. Sie hat ja, wie geschrieben, teilweiße die 3fache Menge gespritzt von dem was sie eig. hätte Spritzen müssen.
Ich kenns nur so das man das Spritzt was sich aus dem aktuellen Wert + dem Essen ergibt (keine Ahnung wie ichs erklären soll. Aber ich denk mal ihr wisst wie ich das meine)
Eigentlich kann meine Schwiegermutter trotz den Nebenerkrankungen das messen und spritzen zuhause selbst übernehmen. Mit der Therapie ist sie natürlich einverstanden.
Mit Einstellung meinte ich eher das es im Krankenhaus immer gut geklappt hat, bzw solang streng Ärztliche Kontrolle da ist funktionierts. Sobald sie zuhause ist und es nicht mehr so engmaschig kontrolliert wird läufts plötzlich ausm Ruder.
Aber danke, Jürgen, für die genaue Erklärung. Ich hätte schon gedacht das, einmal gut laufend, das erstmal so bleibt. Und nicht das sich die Therapie so "kurzfristig" ändern könnte. Hätte eher gedacht das sich da, wenn überhaupt, nur alle heilige Zeit was dran ändert.
LG Elli -
Gast
Rang: Gastam 08.08.2014 12:34:51
nur zur erklärung, bei ict also bolus basis, wird ein langzeitinsulin gespritzt das nichts weiter zu tun hat, als den blutzucker auf ca einer höhe zu halten wenn nicht gegessen wird.
dann ist der bz vor der mahlzeit ok und dann wird geschätzt was und wieviel gegessen werden soll, kh-menge, mal dem faktor für mo mi ab, und die mange ist dann bolusinsulin, dessen wirkung theoretisch mit der essensabarbeitung dann aufhört.
wenn da jemand gesagt hat sie hätte die dreifache menge gespritzt die sie hätte sollen ist das nichts weiter als ein spruch den lassen auch ärzte mal ab, und weiter nichts.
wichtig ist die qualität der schulung, die leider nicht immer und überall so ist wie sie sein sollte, aber als grundlage sehr wichtig ist. -
Gast
Rang: Gastam 08.08.2014 15:04:59
Ich stimme zu, dass das Wissen über die Therapie sehr sehr wichtig ist.Ob das nun in Schulungen oder im Selbststudium erworben wird, ist eigentlich egal.
Mir stellt sich aber hier die Frage, inwieweit die Schwiegermutter dauerhaft in der Lage ist, diese Therapie vernünftig durchzuführen. Mit Depression, MS etc. im Gepäck kann das schon schwierig sein. Man kann das hier gar nicht beurteilen als Außenstehender. Sie bräuchte meines Erachtens aber eine gescheite Unterstützung, auch außerhalb der Klinikaufenthalte. Wenn sie aber vor Ort keinen Diabetologen hat und die Fahrt bis in die nächste Stadt ihr "zu umständlich" ist, dann sagt das ja auch schon einiges aus.
Vielleicht gäbe es ja jemanden, der sie-so sie es denn will- zu diesen Terminen fahren oder begleiten könnte.