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Bitte macht mir Mut
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am 22.12.2014 09:51:30
Hallo, ich bin neu im Forum und vor etwa 7 Monaten wurde bei mir Diabetes Typ II festgestellt. Ich befolge alle Ratschläge des Arztes und bewege mich körperlich viel und achte auf meine Ernährung. Seit der Diagnose Diabetes habe ich mehr als 10 Kilo abgenommen und ich nähere mich so langsam meinem Normalgewicht an. Eigentlich alles sehr positiv, denn auch meine Blutzuckerwerte sind gut und durch die körperliche Bewegung fühle ich mich überhaupt sehr viel fitter. Mein Problem ist jetzt nur, dass ich im Internet alles über Diabetes gelesen habe und was ich da erfahren habe, hat mich doch sehr mutlos gemacht. Laut Statistik sterben angeblich um die 75 Prozent aller Diabetiker früher oder später an den Folgen ihrer Krankheit. Natürlich soll das Leben eines Diabetiker über Jahre verkürzt sein und fast jeder Diabetiker soll statistisch gesehen früher oder später an einer Folgeerkrankung leiden. Leute, diese negativen Statistiken im Internet erschlagen mich, machen mich langsam mutlos und ich frage mich, warum ich grundsätzlich mein Leben geändert habe (körperliche Bewegung, Gewichtsreduzierung, Ernährung, etc.), wenn doch sowieso alles scheinbar vergebens sein soll. Na ja, ich fühl mich langsam wie ein Todgeweihter, der nur darauf wartet, dass er erst schwer krank wird und dann stirbt. Noch bin ich motiviert, aber wenn ich all diese für Diabetiker negativen Statistiken lese, werde ich langsam depressiv. Tja, ich weiß nicht recht weiter. Da ist es ja in der heutigen Zeit nicht viel schlimmer HIV-positiv zu sein. Denn mit den heutigen Medikamenten läßt sich HIV sehr gut in Schach halten und man kann mit HIV auch alt werden, was früher nicht der Fall war. HIV ist heute eine chronische Krankheit, die wie Diabetes mit Medikamenten eingedämmt werden kann. Ich bin ziemlich fertig.
Bearbeitet von User am 22.12.2014 09:58:11. Grund: Textergänzung -
am 22.12.2014 10:19:55
Hallo!
Die liebe Statistik - die stammt aus dem letzten Jahrtausend.
Mittlerweile ist es mit den ganzen schönen Dingen vom Doc (wenn er sich denn zwischendurch auf den neuesten Stand gebracht hat) durchaus möglich, ohne heftigste Folgeschäden im hohen Alter unter die Erde zu kommen.
Erblinden oder Dialyse werden bei Diabetikern auch weiterhin Themen sein, wobei hier auch eine gewisse erbliche Veranlagung eine Rolle spielt. Darüber liest man recht wenig...
Dazu kommt: Das Risiko für Folgeschäden steigt mit dem HbA1c - und die Kurve steigt statistisch gesehen ab 7,5 erst richtig an.
Leider ist es heutzutage ja weitverbreitetes "Wissen", dass "das bisschen Zucker" ja nix macht...
Wer seinen Blutzucker im Rahmen hält und die vom Doc empfohlenen Werte einhält sollte gut klarkommen - zumal Dein Einstiegsalter ja nun auch eine gewisse statistische Sicherheit vor heftigen Folgeschäden in 30 bis 40 Jahren mit sich bringt ;-) -
am 22.12.2014 11:03:05
Hab mich hier vor einiger hier mächtig für die Ansicht hauen lassen müssen, dass wir 2er unseren Diabetes locker sehr systematisch als Gesundheits-Coach "missbrauchen" können. Das wäre die absolute Höhe des diabetisch geschädigten verqueren Denkens.
Dabei ist die Logik zwingend einfach: Wer als 2er seinen Blutzucker vorrangig mit Ernährung und Bewegung und dem dann noch nötigen Minimum an Medis gesund hält, hält in aller Regel sein Normalgewicht und verhält sich insgesamt so gesund, dass z.B. auch Blutdruck und Blutfette häufig (wieder) ohne Medis gesund gemessen werden.
Damit gibt es dann nicht nur kein Risiko für irgendwelche diabetischen Folgekrankheiten, die alle höher als gesunden Blutzucker und höher als gesunde Schwankungen brauchen, sondern auch keins für die üblichen zivilisatorischen Folgen, die alle höhere Blutfette und vor allem höheren Blutdruck brauchen.
Mit Deinem proaktiven BZ-Verhalten hast Du schon einen super Grund für ein wenigstens normal langes und ansonsten völlig gesundes Leben gelegt!
Und wieso Coach? Weil wir mit unserem BZ-Messer ein super Instrument zur direkten Erfolgskontrolle und zum Ansporn dafür haben, uns beständig zuverlässig in unserer gesunden Spur zu halten :)4 Benutzer dankten für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 22.12.2014 11:14:53
Hi, Strandboy.
Ich versuche es mal mit dem Mutmachen:
Deine Geschichte weist Parallelen zu meiner auf.
Vor 5 Jahren wurde bei mir mit einem HbA1c von 13% und einem aktuellen Blutzuckerwert von 300 ml/dl ein Diabetes Typ 2 diagnostiziert.
Mit dem Schock wurde ich nach Hause entlassen und ich besorgte mir noch am gleichen Tag einen Termin bei einem Diabetologen für den nächsten Tag. Der Internist, der die Diagnose gestellt hatte, wollte mich ins Krankenhaus zur Einstellung einweisen. Das erfuhr ich ein paar Tage später durch einen Telefonanruf von ihm. Da hatte ich den Diabetologen-Termin aber schon hinter mir und die Therapie bereits begonnen.
Der Diabetologe empfahl mir eine Therapie aus Langzeit- und Kurzzeitinsulinen, Metformin und Glitazonen. Dazu eine Lebensstiländerung.
Ich änderte, mit Unterstützung meiner Frau, ab diesem Zeitpunkt radikal meinen Lebensstil in der Form, daß ich täglich (1-2 Stunden, je nach Sportart) Sport trieb und Kohlehydrate nur noch kontrolliert zuführte. Da war anfangs viel Disziplin gefragt, aber die drohenden Folgen der Erkrankung waren Motivation genug.
Das führte innerhalb von 3 Monaten zu einem HbA1c von 6,5%. Dadurch konnte ich in Zusammenarbeit mit meinem Diabetologen Insulin komplett absetzen.
Ich nahm am DMP teil und ging alle 3 Monate zum Diabetologen. Nachdem 6 Monate später der HbA1c auf 5,8% sank, liessen wir auch die Glitazone weg.
Mein Sport- und Ernährungsprogramm behielt ich bei und der HbA1c sank noch bis 5,6%, wo er seitdem stabil ist. Irgendwelche Folgeschäden sind noch nicht vorhanden.
Mein Diabetologe meint, daß es in meinem Fall auch wahrscheinlich nicht dazu kommt, weil auch das Kleine Blutbild insgesamt hervorragende Werte zeigt und es so aussieht, daß die Diagnose des Diabetes und meine Reaktion eher dazu führen würde, mein Leben zu verlängern, da ich meinen ungesunden (faulen und verfressenen) Lebensstil aufgegeben habe. Ich fühle mich auch so, denn ich bin heute mit 62 fitter als jemals zuvor.
Nach Deiner Schilderung zu urteilen ist es in Deinem Fall ähnlich.
Nun zu den Statistiken:
Bei der Beurteilung der Statistiken sollte man wissen, dass mehr als 50% der Diabetiker nicht compliant sind, viele und auch deren Angehörige die Krankheit und die Zusammenhänge zwischen Krankheitsfortschritt und Lebensstil nicht verstehen und so ihr Leben unnötig verkürzen. Die gehen natürlich in eine Statistik, die "Diabetiker" über einen Kamm schert, ein. Beschäftige Dich lieber mit Statistiken, die die Mortalität zwischen Aktiven und Passiven Diabetikern vergleichen. Die machen Dir Mut.
Jeder ist letztendlich seines Glückes Schmied und gerade bei Diabetes hat man es selbst in der Hand, den Krankheitsfortschritt zu bremsen bzw. zu stoppen. Revidieren geht leider nicht.
Viel Erfolg und bleib konsequent.
Bearbeitet von User am 22.12.2014 11:17:34. Grund: Rechtschreibverbesserung3 Benutzer dankten für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 22.12.2014 11:17:11
Hallo Strandboy,
mach dich nicht verrückt was Statistiken betrifft,es ist immer ein Blick zurück !!!
In den letzten 1o Jahren hat sich viel verbessert was die Behandlung DM betrifft ,
leichter einen gesunden BZ zu haben und damit ist die Wahrscheinlichkeit
von Folgekrankheiten viel geringer.
Alles Gute.2 Benutzer dankten für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 22.12.2014 16:39:05
Kiepenkerl schrieb:
Bei der Beurteilung der Statistiken sollte man wissen, dass mehr als 50% der Diabetiker nicht compliant sind, viele und auch deren Angehörige die Krankheit und die Zusammenhänge zwischen Krankheitsfortschritt und Lebensstil nicht verstehen und so ihr Leben unnötig verkürzen. Die gehen natürlich in eine Statistik, die "Diabetiker" über einen Kamm schert, ein. Beschäftige Dich lieber mit Statistiken, die die Mortalität zwischen Aktiven und Passiven Diabetikern vergleichen. Die machen Dir Mut.
das ist ein ganz wichtiger punkt. das ergebnis einer statistischen erhebung und auswertung ist immer nur ein relativ kleiner teil des gesamtbildes (der statistik). man muss also immer auch die statistik von innen her betrachten, sonst können fehlschlüsse sehr leicht passieren. in diesem fall wäre es also in der tat von großer bedeutung zu schauen, wie die stichprobe zusammengesetzt war und wie die lebensstile verliefen. denn genau das möchtest du ja wissen: hat lebensstil eine auswirkung auf den diabetischen verlauf und folgekrankheiten? von dieser fragestellung ausgehend müsste man den datensatz also völlig anders auswerten.
insofern suche dir statistiken, die deiner frage nachgehen.2 Benutzer dankten für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 22.12.2014 17:35:03
hjt_Jürgen schrieb:
Hab mich hier vor einiger hier mächtig für die Ansicht hauen lassen müssen, dass wir 2er unseren Diabetes locker sehr systematisch als Gesundheits-Coach "missbrauchen" können. Das wäre die absolute Höhe des diabetisch geschädigten verqueren Denkens......................................
Ist aber so. Lass sie hauen.
Ich für meine Situation habe 2 Hebel zur Steuerung meines Blutzuckers:
1.) Kohlehydratzufuhr (Wie viel und welche)
2.) Bewegung (Sport)
Die dritte Möglichkeit, Medikamente, schliesse ich so lange es geht, aus.
Und wenn ich mit diesen 2 Hebeln arbeite, ergibt sich automatisch ein gesunder Lebensstil.
Manches ist für Manchen zu einfach.
;-)1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 22.12.2014 17:49:52
Kiepenkerl schrieb:
hjt_Jürgen schrieb:
Hab mich hier vor einiger hier mächtig für die Ansicht hauen lassen müssen, dass wir 2er unseren Diabetes locker sehr systematisch als Gesundheits-Coach "missbrauchen" können. Das wäre die absolute Höhe des diabetisch geschädigten verqueren Denkens......................................
Ist aber so. Lass sie hauen.
Ich für meine Situation habe 2 Hebel zur Steuerung meines Blutzuckers:
1.) Kohlehydratzufuhr (Wie viel und welche)
2.) Bewegung (Sport)
Die dritte Möglichkeit, Medikamente, schliesse ich so lange es geht, aus.
Und wenn ich mit diesen 2 Hebeln arbeite, ergibt sich automatisch ein gesunder Lebensstil.
Manches ist für Manchen zu einfach.
;-)
Leider läßt sich mit dieser simplen Einstellung nicht jedem Diabetes beikommen. Manchmal braucht man mehrere "Hebel" und man muß deswegen durchaus nicht bekloppt sein.
Jürgen sollte das eigentlich wissen. -
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am 22.12.2014 18:34:02
hjt_Jürgen schrieb:
Wie kommst Du auf "bekloppt"?
Für mich liest sich das so.