Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.
Low Carb Ernährung und glücklich
-
am 30.03.2015 02:50:37
Ich mache seit 7 Monaten LowCarb und habe bis jetzt 28 Kilo abgenommen.
Ich ernähre mich nicht "streng" LowCarb, ich esse morgens trotzdem meine Scheibe Dinkelvollkornbrot und versuche einfach wo es geht, die KH in Form von Nudeln, Reis, Kartoffeln und Brot wegzulassen oder eben zu reduzieren.
Dazu mache ich 4 x die Woche Sport und ich finde es bis jetzt ganz ok und nicht allzu schwierig. -
am 30.03.2015 10:41:55
Die positive "Nebenwirkung" mit der Gewichtsabnahme kann ich ziemlich in identischem Ausmaß bestätigen - das ging gleich am Anfang sogar sehr rasant. Besonderen Sport betreibe ich dabei nicht - allerdings versuche ich zusätzlich täglich ca. 1 Stunde zu laufen (Spaziergang ...).
Was (für mich) gar nicht funktioniert, ist tatsächlich fast jede Form von Brot - das zündet eigentlich immer sofort negativ durch, ebenso Nudeln, dafür weniger dramatisch aber (wenig) Kartoffeln.
Schwierig - naja, witzigerweise ist das in der Rückschau bei mir so gewesen, dass das erste Jahr eigentlich eher leicht zu bewältigen war - danach gab es schon gewisse Verlangensphasen nach dem "Verbotenen", die man natürlich im Griff haben kann, aber viele Leute scheitern daran dann halt doch. Mir hat auch mein Arzt gesagt, dass er schon Leute kennt, die in etwa so ihre Ernährung umstellen wollten, es dann aber nicht durchgehalten haben.
Problem ist halt schon, das wir a) tagtäglich mit ganz andere Dinge suggerierender Lebensmittelwerbung zugeballert werden, b) die Lebensmittelindustrie es einem so agierenden Diabetiker alles andere als leicht macht - schaut man mal, wo überall Zucker reingewurschtelt wird, wo man das eigentlich nicht brauchen würde und natürlich c) das persönliche Umfeld auch teilweise ungut reagiert und neben Unverständnis eben auch mal provozierende Maßnahmen ergreift wie "... schau mal was ich jetzt esse ..." oder "... komm jetzt, das eine Mal wird doch jetzt nicht so dramatisch sein ...".
Diabetiker, mit denen ich gesprochen hatte, hatten dann schon meist mit dem Argument gekontert: "nee - ich möchte alles essen können, da spritze ich mir das lieber weg ..." oder "... auf meine Nudeln möchte ich keinesfalls verzichten und Frühstück ohne Brötchen geht nicht ...".
Insofern:
Einen starken Willen (plus z.B. einen Partner der da mitspielt und einen unterstützt) braucht man da schon und es ist trotzdem nicht immer leicht (und klappt auch medizinisch begründbar nicht bei Jedem - z.B. mit Nierenschwäche oder bestimmten Leberproblemen sollte man da vorsichtig sein und mind. unter genauer Beobachtung agieren).
Beste Grüße,
Ulf
Bearbeitet von User am 30.03.2015 10:44:29. Grund: Ergänzung -
am 30.03.2015 11:06:38
Ulf schrieb:
Diabetiker, mit denen ich gesprochen hatte, hatten dann schon meist mit dem Argument gekontert: "nee - ich möchte alles essen können, da spritze ich mir das lieber weg ..." oder "... auf meine Nudeln möchte ich keinesfalls verzichten und Frühstück ohne Brötchen geht nicht ...".
Hallo!
Hier muss Du aber ein bisschen was auseinanderhalten...
"Wegspritzen" ist nicht das richtige Wort.
Typ 1er haben gar keine andere Chance, und das gespritze Insulin bewirkt nichts anderes als das von Menschen ohne Diabetes.
Typ 2er sollten allerdings auf die Dosis achten. Tagesdosen um 300 Einheiten sind auch nicht gesund... -
am 30.03.2015 11:56:07
TypEinser schrieb:
Hallo!
Hier muss Du aber ein bisschen was auseinanderhalten...
"Wegspritzen" ist nicht das richtige Wort.
Typ 1er haben gar keine andere Chance, und das gespritze Insulin bewirkt nichts anderes als das von Menschen ohne Diabetes.
Typ 2er sollten allerdings auf die Dosis achten. Tagesdosen um 300 Einheiten sind auch nicht gesund...
Klar - völlig richtig - ich wollte auch gar keine "pauschal richtige" Aussage liefern, sondern ausführen, was man tatsächlich so platt und vereinfacht mit genau der Wortwahl von manchem Diabetiker zu diesem Thema (leider) gesagt bekommt (das kommt nicht von mir und ich würde das auch nicht so sagen wollen).
Wichtig erscheint mir auch:
Natürlich spielt immer auch die Befindlichkeiten des Einzelnen eine große Rolle - ich würde niemanden zwanghaft überreden wollen, so vorzugehen, wie ich das tue, wenn derjenige dann hinterher todunglücklich ist und "alles Schöne im Leben" schwinden sieht.
Manche Leute können das und schaffen das - andere nicht ... Letzteres ist für den Einzelnen ja auch kein Weltuntergang und die Wahl auf verschiedene Optionen haben wir zum Glück ja allesamt.
Beste Grüße,
Ulf1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
ferrato
Rang: Gastam 30.03.2015 12:39:41
Ulf schrieb:
Klar - völlig richtig - ich wollte auch gar keine "pauschal richtige" Aussage liefern, sondern ausführen, was man tatsächlich so platt und vereinfacht mit genau der Wortwahl von manchem Diabetiker zu diesem Thema (leider) gesagt bekommt (das kommt nicht von mir und ich würde das auch nicht so sagen wollen).
Wichtig erscheint mir auch:
Natürlich spielt immer auch die Befindlichkeiten des Einzelnen eine große Rolle - ich würde niemanden zwanghaft überreden wollen, so vorzugehen, wie ich das tue, wenn derjenige dann hinterher todunglücklich ist und "alles Schöne im Leben" schwinden sieht.
Manche Leute können das und schaffen das - andere nicht ... Letzteres ist für den Einzelnen ja auch kein Weltuntergang und die Wahl auf verschiedene Optionen haben wir zum Glück ja allesamt.
Hallo Ulf,
ich würde das jetzt nicht allgemein als platte und vereinfachte Aussage abtun wollen, sondern ich denke mal, damit ist einfach gemeint, dass man aufgrund der heute möglichen Behandlungsformen (ICB/Pumpe) einfach wieder freier entscheiden kann, wann ich was esse. ganz im Gegensatz zu früheren Behandlungsformen mit festen Spritz- und Esszeiten. Ich glaube nicht, dass damit die Menge gemeint ist.
Und ja, ich gebe es zu, ich würde genau so argumentieren :-)
Warum sollte ich die Freiheit, die sich durch die heutigen Behandlungsmöglichkeiten ergeben, nicht auch nutzen? Solange die täglichen BZ Verläufe nicht komplett aus dem Ruder laufen und der HBA1C gut ist, hab ich, denke ich, alles richtig gemacht.
Zugegebenermaßen ist das bei einer Behandlung mit Tabletten nicht ganz so einfach. -
am 30.03.2015 13:50:35
ferrato schrieb:
Hallo Ulf,
ich würde das jetzt nicht allgemein als platte und vereinfachte Aussage abtun wollen, sondern ich denke mal, damit ist einfach gemeint, dass man aufgrund der heute möglichen Behandlungsformen (ICB/Pumpe) einfach wieder freier entscheiden kann, wann ich was esse. ganz im Gegensatz zu früheren Behandlungsformen mit festen Spritz- und Esszeiten. Ich glaube nicht, dass damit die Menge gemeint ist.
Und ja, ich gebe es zu, ich würde genau so argumentieren :-)
Warum sollte ich die Freiheit, die sich durch die heutigen Behandlungsmöglichkeiten ergeben, nicht auch nutzen? Solange die täglichen BZ Verläufe nicht komplett aus dem Ruder laufen und der HBA1C gut ist, hab ich, denke ich, alles richtig gemacht.
Zugegebenermaßen ist das bei einer Behandlung mit Tabletten nicht ganz so einfach.
Ich denke, diejenigen, die das seinerzeit so ausgeführt haben, hatten das tatsächlich "so platt" gemeint und es war wenig Überlegung dahinter. Es gab auch mal einen Arzt, der zu mir sagte - unter dem Motto: "kann man eh nicht durchalten" - warum ich mir denn erst diese Mühe machen wolle, schließlich (gleiches Argument ...) würde es heutzutage ja alle Möglichkeiten geben, unbeschwert und sehr frei mit Hilfe der Medizin zu leben.
Klar - gar kein unbedingter Einspruch ...
Für mich selbst habe ich eigentlich immer den Grundsatz, wo auch immer möglich und nicht nur durch extreme Verrenkungen und Einschränkungen möglich - zu versuchen, weitestgehend zunächst mal ohne Medikamente auszukommen - das Leben ist FÜR MICH damit unbeschwerter. Ob das in jedem Fall und immer so durchzuhalten ist, steht auch für mich nicht fest / ist nicht in Stein gemeiselt und es mag bestimmt Situationen geben oder Zeitpunkte kommen, wo es dann wirklich nicht mehr anders geht.
Man muß dazu auch wirklich sagen, dass ich das Glück habe, dass diese Behandlungsform bei mir gut funktioniert und ich damit die Diabetes im Griff habe. Es gibt damit einfach keinen vernünftigen Grund (für mich), unnötigerweise auf Insulin oder eben orale AntiDiabetika zurückzugreifen. Letztere habe ich bis vor einiger Zeit ja auch gehabt, um dann festzustellen, dass es auch ohne bestens funktioniert - das FGM gibt mir dazu auch die nötige (Selbst-)Kontrolle und Sicherheit.
Die erzielten Ergebnisse sprechen bei mir ja auch eine deutliche - außerordentlich gute Sprache - mich erinnern eigentlich wirklich nur Situationen, wo ich meine doch mal am Brot abzubeissen oder aus irgendeinem Grund etwas mit mehr KH zu essen (deutlich) daran, das ich eindeutig Diabetes habe und die auch nicht verschwunden ist.
Und: ganz klar ... es ist gut, dass es alle Optionen gibt und ich bin gegebenenfalls auch froh, wenn man aus irgendeinem Grund nur noch auf diese Lösung zurückgreifen kann. Weder das Eine noch das Andere würde ich als DIE Lösung ansehen oder das jeweils Andere als falschen Weg darstellen wollen.
Aber es ist sicher auch wichtig, dass man die verschiedenen Optionen kennt ... z.B. hatte mir die Erstberatung in Sachen Diabetes von LOGI gar nichts erzählt - die allgemeine (deutsche) Sprachregelung geht da ja den bekannten, gegensätzlichen Weg.
Nach jetzt ein paar Jahren LOGI-Weg scheint sich das für meinen Fall sehr positiv zu bestätigen, von daher steht mir der Sinn aktuell nach nichts Anderem :) ... aber das auch andere Optionen offen bleiben, finde ich auch gut.
Beste Grüße,
Ulf -
ferrato
Rang: Gastam 30.03.2015 22:16:29
Hallo Ulf,
Bei Ernährungsberatungen in Sachen Diabetes wird auf die Ernährungsempfehlungen der DGE und der DDG zurückgegriffen, weil dies die Ernährungsform mit den geringsten Risiken ist. Du hast ja selbst korrekterweise auf die Risiken von LOGI hingewiesen, was Dich übrigens positiv von anderen hier im Forum unterscheidet, die zwar permanent für LOGI oder LCHF werben, ohne aber deren Risiken zu erwähnen und auf Richtigstellungen extrem gereizt reagieren.
Danke dafür :-)
Und wie Du richtig sagst, ist es letztlich eine Frage auch des Durchhaltewillens. Dieser ist umso größer, je näher diese Ernährungsform an den eigenen Gewohnheiten ist,
Denn die Studien der DGE haben mit der höchsten Evidenzstufe "überzeugend" ergeben, dass der (Gesamt) Kohlenhydratanteil der Nahrung und dem Risiko Diabetes TYP 2 kein Zusammenhang besteht.
Es spricht also rein pragmatisch aus Diabetischer Sicht nichts gegen diese Ernährungsform. Wenn man aber persönlich eine andere Kostform, eben z.B. LOGI bevorzugt und hat Erfolg damit, ist das natürlich auch in Ordnung.
-
am 30.03.2015 22:39:55
ferrato schrieb:
Denn die Studien der DGE haben mit der höchsten Evidenzstufe "überzeugend" ergeben, dass der (Gesamt) Kohlenhydratanteil der Nahrung und dem Risiko Diabetes TYP 2 kein Zusammenhang besteht.
Wie immer - Ferrato-mäßig äußerst krumm gedacht. :lol:
Es geht weder bei Ulf noch bei den Diabetikern hier im Forum um das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Deshalb sind die Studien der DGE dazu für uns völlig ohne Bedeutung und müssen schon mit einem sehr krummen Gedankengang ind die Diskussion reingebracht werden. Den Diabetes haben wir und werden ihn auch nicht mehr los. Es geht darum eine geeignete Ernährung zu finden, mit der wir unseren Diabetes am besten im Griff behalten können.
@Ulf,
meinen herzliche Glückwunsch zu deinen Erfolgen. :=) -
am 30.03.2015 22:49:20
Rainer schrieb:
@Ulf,
meinen herzliche Glückwunsch zu deinen Erfolgen. :=)
Danke - allerdings muß man das sogar ein bisschen mehr an meine Frau weiterreichen, die da überhaupt erst darauf gekommen ist und das sehr hilfreich unterstützt.
Ich denke im Übrigen in dem Zusammenhang, dass es gerade in einer Partnerschaft dann eben auch ganz wichtig ist, da jemand an der Seite zu haben, der mitzieht, sonst könnte das schon schwierig werden.
Was manchen Nicht-Hobby-Koch dann gegebenenfalls ja nicht "glücklich" macht, ist die Tatsache, dass das Ganze ja durchaus mehr Arbeit macht, als das, was man sich sonst so aus dem Supermarktregal angeln würde ... das ist natürlich zugegebenermassen neben den sonstigen Verlockungen ein Punkt, der den Einen oder Anderen sicher schwanken lässt.
Beste Grüße,
Ulf -
am 30.03.2015 23:33:44
Mit den heutigen medikamentösen und technischen Möglichkeiten ist für uns mit dem Diabetes ein gutes Stück mehr als noch vor 20 oder gar 30 Jahren möglich geworden, BEs und FPEs im persönlich gewählten BZ-Rahmen auszugleichen.
Allerdings können alle noch so fortschrittlichen Möglichkeiten auch größere individuelle Verschiedenheiten heute noch immer nicht ausgleichen. So hatte ich mein letztes großes Stück Apfelkuchen zusammen mit Kurt, einem Typ1 mit einem gleichen Stück. Wie bei solchen Gelegenheiten zwischen uns üblich galt unser alter Wettstreit um den Wirkauslauf vom Bolus möglichst nahe am Ausgangs-BZ vor dem Spritzen und Essen.
Erste Verschiedenheit:
Kurt spritzte etwa ein Drittel von meinen Apidra-Einheiten.
Zweite Verschiedenheit:
Kurts Stundenwert (die angenommene Spitze) lag mit um 180 deutlich niedriger, als meiner mit an 250mg/dl. Wobei er mit 100 gestartet war und ich mit 80.
Dritte Verschiedenheit:
Kurts Wirkauslauf nach etwa 3 Stunden mit 110 und meiner nach etwa 5 Stunden mit um 70(bei mir noch voll der Wohlfühlbereich!).
Verläufe wie bei Kurt finden sich häufiger(nicht immer!) bei Menschen mit dem Diabetes Typ1, und Verläufe wie bei mir finden sich häufiger(nicht immer!) bei Menschen mit dem Diabetes Typ2. Um mit Kurts Verlauf einigermaßen gleich zu ziehen, hätte ich mich mit etwa nem Drittel von dem Stück Apfelkuchen begnügen müssen.
Ein einfaches Beispiel dafür, warum ich nur noch sehr selten größere Stücken Apfelkuchen esse und warum ich überhaupt nur noch wenigere und kleinere Portionen Stärke-KHs esse: Ich will kleinere BZ-Schwankungen mit möglichst kleinem Insulin-Bedarf. Und natürlich finde ich andere gut, die’s ähnlich machen. Und vor allem, wenn sie’s so frühzeitig in der Entwicklung ihrer Typ2-Defekte anfangen und durchhalten, dass sie womöglich über Jahre keine Medis dafür brauchen, dass ihr Blutzucker im gesunden Rahmen bleibt :)
------------------------------------------
Die Freiheit der eigenen Meinung setzt zwingend die Achtung und den Respekt vor jeder anderen Meinung voraus. - Wer's auch so sieht, sagt's bitte einfach weiter.