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Metformin oder Insulin
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am 15.01.2016 18:27:14 | IP (Hash): 199699497
Guten Abend,
ich bin seit 4 Jahren Diabetikerin und nehme 2x täglich Metformin 1000. Mein Langzeitwert: 5,6.
Mein Hausarzt ist damit sehr zufrieden.
Im Rahmen einer ganz anderen Untersuchung im Krankenhaus gab mir der Arzt zu verstehen, dass er es für mehr oder weniger für Verantwortungslos hält, dass ich kein Insulin bekomme.
Metformin würde die Nieren etc. auf Dauer zerstören - Insulin sei ein körpereigener Stoff und aufgrund meines Alters (46 J.) vorzuziehen. Für ihn ist ein Normalwert nur unter 100 anzusehen, alles was noch nach 2 Stunden darüber liegt, ist für ihn schlecht eingestellt.
Seine Empfehlung: 15 kg weniger und Insulin statt Metformin. Aber es wäre meine Gesundheit.
So. Jetzt bin ich verwirrt. Mich störte seine Direktheit überhaupt nicht. Aber dann wäre alles bisher falsch gewesen.
Welche Meinung bzw. Erfahrung habt Ihr? -
am 15.01.2016 19:32:24 | IP (Hash): 69997691
*kopfkratz*
wenn ich mich nicht irre, nimmt ein Großteil der T2 mit Insulin auch immer Metformin zusätzlich ein ... Oder hat da wer andere Zahlen?
Zum Stichwort Nieren kenne ich nur die umgekehrte Problematik: schlechte Nieren sind ein Problem für/mit Metformin
"„Viele Standardmedikamente zur Blutzuckersenkung, etwa Metformin oder Präparate, deren Wirkstoff zu den Sulfonylharnstoffen gehört, dürfen Diabetiker mit fortgeschrittener Nierenschwäche nicht mehr einnehmen“, sagt Bergemann. Denn Medikamente, die der Körper vor allem über die Nieren ausscheidet, können sich bei einer Nierenschwäche im Blut stauen"
http://www.diabetes-ratgeber.net/Nephropathie/Diabetes-Nierenschaeden-gegensteuern-339769.html
Was war der KH-Artz denn für ein Arzt?
Sicher, er hat Recht, Normalwert ist so bei 100 und tiefer. Nur das erreichen Diabetiker halt nicht (so ohne weiteres). Schlecht eingestellt ist man aber nicht, weil man den Wert eines Gesunden nicht erreicht, schlecht eingestellt ist man, wenn man ständig in Wertebereichen liegt, die für den Körper gefährlich sind. Und diese liegen - AFAIK - über dem Normalwert. Oder anders gesagt, mit einem Hba1C von 5,6% sind die meisten durchaus und zu Recht zufrieden.
Wenn Du verwirrt bist, dann stell dich doch mal einem Diabetologen vor. -
am 15.01.2016 22:28:45 | IP (Hash): 1433045627
Hallo Heidi,
erst mal Glückwunsch zu deinem tollen HbA1c von 5,6%. :=)
Meine Meinung ist auch, dass der Arzt mit dem Metformin nicht richtig liegt und auch ein bisschen übertreibt. Wenn du Metformin gut verträgst und du damit so eine gute BZ-Einstellung erreichst, dann ist es für dich genau richtig. Tarabas hat ja schon darauf hingewiesen, dass bei Typ 2ern oft das Metformin zusätzlich zum Insulin gegeben wird. Das hat seinen guten Grund. Metformin wirkt anders als die anderen Diabetestabletten. Bei uns Txp2-Diabetikern gibt die Leber zu viel Glukose aus, das ist eine der diabetischen Störungen. Metformin reduziert diese überschießende Glukoseausgabe und sorgt damit dafür, dass weniger (eigenes und gespritztes) Insulin benötigt wird. Diese Strategie ist allemal besser, als den daraus entstehenden Mehrbedarf an Insulin einfach wegzuspritzen.
Wenn es um andere Diabetesmedikamente gehen würde, dann hätte er bei den meisten Präparaten Recht. Da wäre es sinnvoller, das nebenwirkungsarme Insulin zu spritzen, als Tabletten zu nehmen, die auf allerlei Umwegen und mit entsprechenden Nebenwirkungen mehr Insulin aus der BSD rauskitzeln. Das gilt aber nicht für Metformin, weil es so etwas nicht macht, sondern für die Verringerung des Insulinbedarfs sorgt. Metformin ist außerdem ein sicheres Medikament, bei dem keine bisher unbekannten Nebenwirkungen zu befürchten sind. Dass dadurch die Nieren geschädigt werden können, brauchst du wirklich nicht zu befürchten. Metformin wird in Beobachtungsstudien sogar eine gewisse Schutzwirkung gegen bestimmt Krebsarten zugeschrieben.
Ich bin auch für scharfe BZ-Grenzen und halte es für sinnvoll, dass der BZ zwischen den Mahlzeiten wieder unter 100 runter geht. Bei Stoffwechselgesunden passiert das auch innerhalb von 2 Stunden oder sogar noch schneller. Bei uns Diabetikern dauert es gewöhnlich etwas länger. Ich sehe es nicht als Problem an, wenn der BZ erst nach 3 Stunden oder noch ein bisschen später wieder unten angekommen ist. Dein gutes HbA1c lässt vermuten, dass das bei dir der Fall ist. Ich halte es außerdem für wichtig, dass der BZ in der Spitze (ungefähr 1 Stunde nach der Mahlzeit) nicht zu sehr ansteigt. Ich habe mir 140 als Zielwert gewählt, den ich nicht allzu oft überschreiten möchte. Aber auch dazu wirst du unterschiedliche Auffassungen vorfinden.
Wenn du 15 Kilo Übergewicht hast, dann ist die Empfehlung zur Abnahme immer richtig. Wer weiß, vielleicht kannst du dann deinen Diabetes sogar ohne Metformin im Griff behalten. Eine Garantie gibt es dafür aber nicht.
Beste Grüße, Rainer2 Benutzer dankten für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 16.01.2016 07:31:36 | IP (Hash): 199699497
Vielen Dank für Eure Antwort.
Grundsätzlich wollte ich ja auch bei Metformin bleiben.
Die 15 kg. Ja. Die hatte ich mit Eiweißreicher Diät los - und seit die ollen KH wieder mit in den Speiseplan kommen - war's das dann mit dem Erhalt. Klar waren die Werte besser. Abnehmen mit durchgängig zu hohem BZ ist auch fast unmöglich. Und da dreht sich das Karusell wieder :(
Nur Eiweiß essen, damit der BZ-Spiegel unten bleibt und man abnimmt, oder doch dazu spritzen, damit man ein wenig leichter Diätelt.
Beispiel letzte Woche. Ich hatte furchtbar Lust auf eine Fanta. Hab sie mir - trotz des Zuckers - genehmigt - und landete prompt bei 210. Blieb dann auch 2 Stunden so.
Und mein BZ-Wert erreicht die Höchstgrenze erst nach 2 Stunden und fällt dann laaaangsam ab. 1 Stunde nach dem Essen denkt man: super - 2 Stunden danach: oh je.
Na denn. Ich werde wohl um den Diabetologen nicht wirklich rum kommen. Mein Hausarzt tut alles bissl sehr ab wenn ich besorgt bin. -
am 17.01.2016 12:01:37 | IP (Hash): 873513874
Hallo Heidi,
die Behandlung beim Diabetologen ist auf jeden Fall eine gute Idee. Wenn sich dein Diabetes im Laufe der Zeit weiter verschärft, dann hat er auf jeden Fall mehr Erfahrung und bessere Möglichkeiten, damit umzugehen. Aktuell wird er aber bei deinem geten HbA1c wahrscheinlich auch keine weitere medikamentöse Unterstützung anbieten. Dass du mit diesen Werten von ihm Insulin bekommen könntest, halte ich für äußerst unwahrscheinlich. Wenn du aktuell etwas besser machen willst, dann musst du das alleine tun. Schön wäre es, wenn du einen Diabetologen findest, der dich dazu ermutigt und dich motiviert.
Wie gut eine Reduzierung der KH für deinen BZ und das Gewicht wirkt, hast du ja schon festgestellt. für dich geht es wohl eher darum, eine Ernährung mit moderater KH-Reduzierung zu finden, die du langfristig durchhalten kannst. Dabei könnte dir bestimmt ein Austausch mit anderen, die sich so ernähren, viel helfen. Suche dir am besten ein entsprechendes Ernährungsforum , in dem du dir viel Motivation holen kannst. Ich persönlich kann dir für eine moderate KH-Reduzierung und gleichzeitiger schmackhafter Ernährung da LOGI Forum und wenn du dei KH stark reduzieren willst, das LCHF Forum empfehlen. Es gibt aber ganz bestimmt noch eine Menge anderer geeigneter Ernährungsformen mit den entsprechenden Foren. Suche dir das, was am besten für dich passt. Als Diabetikerin hilft es es nicht viel, wenn du dich kurz mal etwas anders ernährst, du brauchst eine Ernährungsform, mit der du langfristig gut zurecht kommst. Aus eigener Erfahrungen mit meiner 8-jährigen LCHF-Ernährung kann ich dir übrigens versichern, dass die anfänglichen Umstellungsschwierigkeiten mit der Zeit immer mehr verblassen, wenn du erst mal eine Ernährung gefunden hast, die gut für dich passt. Falls du es versuchen willst, dann wünsche ich dir viel Erfolg dabei.
Ich hätte da noch ein paar kleine Tipps, wie du vielleicht mit so einem gelegentlichen Riesenappetit auf Fanta oder ähnliches gut umgehen kannst. Auf jeden Fall würde ich das Zeug erst mal zur Hälfte mit Mineralwasser mischen. Du wirst bestimmt auch bemerkt haben, dass sich durch die Zuckerreduzierung der Süßgeschmack sehr schnell ändert. Die normalen Sachen schmecken dann schnell viel zu süß. Wahrscheinlich ist das bei der Fanta auch so, so dass du durch das verdünnen einen besseren Durstlöscher mit weniger Zucker bekommst. Ein andere Tipp wäre, dass du solche süßen Sachen nicht auf nüchterenen Magen, sondern nach einer größeren Mahlzeit, sozusagen als Nachtisch isst oder trinkst. Dann werden sie ganz anders verdaut und lassen den BZ nicht so stark ansteigen. Probiere das einfach mal aus. Gelegentliche hohe BZ-Spitzen als Ausnahme halte ich übrigens nicht für gefährlich. Ein Problem wird nur daraus, wenn solche Aunahmen dann schnell wieder zur Regel werden.
Beste Grüße, Rainer
Bearbeitet von User am 17.01.2016 12:07:09. Grund: .1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 09.02.2016 06:07:04 | IP (Hash): 1891134872
Ich bin seit 30 Jahren Diabetikerin (2) und wurde bis vor Kurzem ausschließlich mit Insulin (Intensivierte Insulitherapie, Actrapid und Lantus) behandelt. Ich bin in einer renommierten Diabetes-Praxis in Behandlung, habe ca. alle 6 Wochen einen Termin bei einer Diabetesberaterin.
Insulin ist nicht immer die beste Therapie! Bei mir z. B. scheint die Kombination mit Metformin sehr gut zu sein.
Mein HBA1c dümpelte im letzten Jahr trotz dauernder Steigerung der Insulindosis sowie Wechsel des Insulins (von Actrapid auf Novorapid) immer auf einem zu hohen Wert um die 8.
Außerdem hatte ich starke Blutzuckerschwankungen innerhalb eines Tages - von 60 bis fast 300!
Mehrmalige Hafertage (gegen Insulinresistenz) hatte zwar eine tolle Wirkung, aber leider nicht dauerhaft.
Ich habe kein Übergewicht und ernähre mich einigermaßen diabetesgerecht.
Das Insulin habe ich wieder gewechselt, weil die Situation unter Novorapid eher schlechter wurde, jetzt wieder Actrapid.
Seit ca. 6 Wochen nehme ich zusätzlich zum Insulin 2 x Metformin 1000 / Tag. Gleichzeitig wurde die Insulindosis ca. halbiert, Kurzzeit ca. 10 Einheiten/Mahlzeit weniger, Langzeit von 30 auf 20. Seither haben sich meine Werte dauerhaft (bis auf kleinere Ausnahmen) sehr stark verbesser und stabilisiert. Unterzuckerungen habe ich fast keine mehr!
Bearbeitet von User am 09.02.2016 06:09:44. Grund: Schreibfehelr