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Berufliche Einschränkungen für Typ1-Diabetiker??
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Clara Bürger
Rang: Gastam 23.10.2010 17:06:57
Hallo,
bin total neu hier, und auch die Diagnose ist noch ser frisch.
Das passt mir grad eh alles überhaupt nicht in den Kram, da ich kurz vor dem Abi szehe.
Nachdem ich mir die Einträge zu Chile angeshen habe, wollte ich mich nun mal erkundigen, was Ihr hier über beruflicvhe Einschränkungen wisst. Ich überlege nämlich, mich eventuell um einen Ausbildungdplatz zu bewerben - irgendwas im technischen Bereich, weiß noch nicht so konkret. Aber bevor ich nun groß weiterüberlege, was mir denn gefällt, kann ich ja schonmal die Berufsfelder ausschließen, die ich nun womöglich eh nie machen können werde. Vielleicht wisst Ihr zudem, ob man in Bewerbungen angeben muss, dass man Diabetes hat??
Über Infos wäre ich echt dankbar!
Clara -
Daniela
Rang: Gastam 23.10.2010 17:54:46
Hallo Clara,
wenn Du nicht gerade Pilotin oder Berufskraftfahrer werden willst, steht Dir eine Menge an Berufen frei ;-)
Ich arbeite auch im technischen Bereich, habe mit Hochspannung zu tun - es ist eben mehr Aufmerksamkeit und mehr Augenmerk auf Sicherheitsanforderungen einhalten erforderlich, aber es geht.
Ich meine es ist nicht notwendig in die Bewerbung den Dm anzugeben.
Wie Du das aber nachher am Arbeitsplatz handhabst ist Dir überlassen, wenn Du Deinem Dm-Management vertrauen kannst, muss niemand davon erfahren. Auch sonst nicht, es fällt bei Missmanagement evtl. mal jemandem auf ^^
LG, Daniela -
Jürgen
Rang: Gastam 23.10.2010 18:20:48
Werde alt, habs grad in den falsch Fred gefüllt. Vielleicht löscht es drüben ja noch einer ;-)
Moin Clara,
willkommen im Club ;-(
Die Kenntnisse zu Deiner Frage gehen selbst unter Fachleuten erschreckend weit auseinander. So hat gerade der Scheffredaktör der Diabetes Journals den Tatort-Machern vorgeworfen, dass wir da nie eine knackige Kommissarin mit Pen/Pumpe und Messgerät hantieren sehen. Er hat tatsächlich bis zur Leserkritik nicht gewusst, dass ne INSULINERin gar nicht erst in den Polizeitdienst eingestellt würde und dass man eine, die da schon drin und womöglich im aktiven Außendienst erst ihren Diabetes entwickelt, sofort an den Schreibtisch versetzen würde.
Generell kannst Du dir alle Berufsbilder abschminken, in denen eine Hypo eine unmittelbare Gefahr für Dich und andere darstellen oder Dich erheblich bei Deiner Arbeit behindern würde. So lange Du privat Dein eigenes Auto fährst, sieht man die Gefahren noch nicht zu groß, aber ne Taxi-/Busfahrerin mit Hypo könnte ihre Fahrgäste gefährden. Und ne Kommissarin, die den gejagten Verbrecher um ne Pause bitten müsste, weil sie grad wackelige Knie hat und wg der Hypo nicht weiter volle Pulle hinterher könnte, wäre in ihrer Arbeit erheblich behindert.
Und auch dann musst Du noch grundsätzlich für Dich entscheiden, ob Du Deinen Zwangsbegleiter als ständige Belastung mit Dir führen willst, oder als u.U. sogar hilfreichen Partner. Schließlich wussten schon die alten Feldherren vor Römern und Griechen, dass höchst nützlich sein kann, sich mit dem Gegner zu verbünden, den man nicht besiegen kann.
Eingestellt werden wir auf den Zwangsbegleiter, der trotz aller richtigen Berechnungen und regelmäßigen Beschwörungsrituale immer noch einen mehr drauf hat, uns mit einem viel zu hohen oder viel zu niedrigen BZ zu zeigen, dass zum zuverlässigen Tonabgeben doch noch mehr gehört.
Um zum hilfreichen Partner zu kommen, musst Du Deine Einstellung so viel weiter entwickeln, dass Du nicht mehr rechnest, was Du gerade spritzen willst, sondern das in der Situation ganz einfach weißt. Und dass Du Deine BZ-Bewegungen nicht ablesen musst, sondern kennst und weißt, was der Messer anzeigt, wenn Du dich jetzt piekst. Und dass Du dich wesentlich nur noch pieken musst, um stichpunktartig zu schauen, wie gut die Spur noch stimmt und um frühzeitig bemerken und passend agieren zu können, wenn eine Störung in der BZ-Spur auftaucht, wie etwa die Periode oder eine außerordentliche mentale oder/und physische Be- oder Entlastung, ein beginnender Infekt, ein... Dann werden Hypos allenfalls Messpunkte, gegen die Du dich langsam zu einer Art Basisabgleich gleiten lässt, wenn Du mal längere Zeit keine Teststreifen hast.
Diese Partnergewinnung hat viel mit Schwimmenlernen gemeinsam. Jede Bewegung muss dabei passend auf jede andere Bewegung abgestimmt sein. Das könnte man ausrechnen, aber dann wäre man die ganze Zeit mit Rechnen beschäftigt und könnte eh nicht schwimmen. Tatsächlich lernen wir, so wir denn wollen, als Schwimmanfänger mit jedem Versuch ein Stück mehr von der notwendigen Koordination, und wenn wir die dann in einer ersten funktionierenden Gesamtheit haben und so eingeübt haben, dass alles flüssig zueienander passt, können wir schwimmen und müssen nicht dauernd absaufen. Das hab ich - gegen 2 Rechenmeisterinnen - in einem anderen Forum in diesem Thread gerade dazustellen versucht http://www.diabetesgate-forum.de/read.
php?2,6700,6732#msg-6732
Bisdann, Jürgen -
Robert B.
Rang: Gastam 24.10.2010 12:51:42
Dachdecker, Schornsteinfeger, Busfahrer, Pilot und Deutschlehrer könnten schwierig werden. ;-)
Gruß, Robert von Robert B. -
Daniela
Rang: Gastam 24.10.2010 17:28:22
von Drahtseilartist würde ich auch abraten... von Daniela -
ztze56e54
Rang: Gastam 24.10.2010 18:48:06
Könnte aber klappen - Anke "eiert" doch auch von früh bis abend auf dem Drahtseil rum und bis jetzt ist (leider) noch nix passiert... -
Clara Bürger
Rang: Gastam 24.10.2010 20:11:53
Vielen Dank auch hier für Eure Antworten!!
"Ich meine es ist nicht notwendig in die Bewerbung den Dm anzugeben.
Wie Du das aber nachher am Arbeitsplatz handhabst ist Dir überlassen, wenn Du Deinem Dm-Management vertrauen kannst, muss niemand davon erfahren. Auch sonst nicht, es fällt bei Missmanagement evtl. mal jemandem auf ^^"
Ist es denn sinnvoll, das anzugeben?? kann einem das sonst jemand im Nachhinein vorwerfen??
"aber ne Taxi-/Busfahrerin mit Hypo könnte ihre Fahrgäste gefährden. Und ne Kommissarin, die den gejagten Verbrecher um ne Pause bitten müsste, weil sie grad wackelige Knie hat und wg der Hypo nicht weiter volle Pulle hinterher könnte, wäre in ihrer Arbeit erheblich behindert."
Das klingt ja so, als wäre man als Diabetiker völlig unzurechnungsfähig und unberechenbar:-( Bin ich das nun etwa??
"Und dass Du Deine BZ-Bewegungen nicht ablesen musst, sondern kennst und weißt, was der Messer anzeigt, wenn Du dich jetzt piekst. Und dass Du dich wesentlich nur noch pieken musst, um stichpunktartig zu schauen, wie gut die Spur noch stimmt und um frühzeitig bemerken und passend agieren zu können"
Heißt das, dass ich irgendwann wömöglich gar nicht mehr ständig messen muss?? Das hörte sich bei meinem Arzt irgendwie anders an. Also muss man - wenn man alles gut im Griff hat - nicht mehr vor jeder Mahlzeit messen?? Das wäre ja wunderbar!
"Dachdecker, Schornsteinfeger, Busfahrer, Pilot und Deutschlehrer könnten schwierig werden. ;-)"
Wieso denn Deutschlehrer??
"Könnte aber klappen - Anke "eiert" doch auch von früh bis abend auf dem Drahtseil rum und bis jetzt ist (leider) noch nix passiert..."
Oh mann, was geht denn hier ab??
Viele Grüße,
Clara
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Rudi
Rang: Gastam 24.10.2010 20:35:23
Hi Clara, deinen DM musst du bei einer Bewerbung nicht angeben (Krankheiten allgemein). Bei sicherheitsrelevanten Berufen wirst du eh gefragt und untersucht. Angeben "muss" man wohl, wenn man einen GdB-Ausweis hat. Die Beispiele mit der Kommisarin und den "Personen"-Beförderern musst du mal von der anderen Seite sehen - die gleichen Ausfälle hätten die, wenn sie Alkohol zu sich nähmen. Wenn man seinen DM ordentlich führt, KANN man u.U. sogar derartige Berufe ausüben (da wurde in allen DM-Foren zur Genüge diskutiert - es GIBT Polizei-u.Kripo-Beamte mit Waffe und Busfahrer mit DM). Allerdings gibt es genug Berufe, wo derartige Überlegungen aussen vor sind. In Kanada gibt es sogar einen Piloten im Verkehrsflug mit DM. Grundlage ist immer eine enge Kontrolle und gute Führung des DM. Vor DM muss man keine Angst haben - es sind genug Hilfsmittel auf dem Markt, um ihn beherrschen zu können, wobei natürlich gute Schulung und ständige Wissenserweiterung das A und O sind. Wirst sehen - du packst das...
(Übrigens, dass hier was abgeht, dafür sorgt "unser" Forentroll Anke mit der IP 87.185.xxx - sie weiss (zumindest glaubt sie das) alles besser, fälscht, belügt und beleidigt - auch du wirst die "Lady" schnell erkennen!) von Rudi -
Jürgen
Rang: Gastam 24.10.2010 23:52:18
Moin Clara,
als Paradebeispiel hat hier mal ein Bundespolizist im aktiven Dienst mitgeschrieben mit dem Nick flashbang05, weil ihn seine Diabetes-Erkrankung eben blitzbumm mit mitte 30 in 2005 voll aus der Spur geschossen hatte. Er hatte bis dahin jede Sorte aktiven Einsatz mitgemacht und wohl auch kommandiert und sollte - war ja längst Beamter auf Lebenszeit - plötzlich auf den Schreibtisch-Sessel wechseln. Wie er es überhaupt dazu gebracht hat, dass ihm eine Alternative angeboten wurde, hat er hier leider nie dargestellt.
Wie ich's verstanden habe, waren die Bedingungen dafür, wieder auf seinen angestammten Außendienst-Posten zu kommen, HBA1c unter 6,5 und vollkommene Hypofreiheit im Dienst, also während kompletter Einsatztage ohne regelmäßige Mess-Spritz-Ess-Pausen. Unmöglich, war das Urteil der befragten Diabetologen. Also hat er sich selbst daran gemacht, diese Unmöglichkeit zu knacken. Und als er sich das Ergebnis sicher erarbeitet hatte, durfte er ein halbes Jahr in seinem normalen Job mitlaufen und unter verschärfter Kontrolle vorturnen - und mit der bestandenen Probezeit wieder ganz normal die Arbeit machen, für die er ursprünglich zur Bundespolizei und nicht in die Verwaltung gegangen war.
Wenn Du Deine ärztliche Einstellung als Anfang nimmst, von dem aus Du Deinen gesunden Umgang mit Deinem Diabetes systematisch mit dem Ziel weiter ausbaust, dass Du dich damit immer selbstverständlicher an immer mehr Gegebenheiten unkompliziert anpassen kannst und immer seltener eine persönliche Sonderregelung brauchst, steht Dir immer mehr an Berufs- und Lebenswelt ganz normal offen. Allerdings wird auch vieles ganz einfach zu bleiben. Flashbang05 hätte mit Diabetes den Job nie neu kriegen können, den er mit Diabetes behalten darf. Allerdings können Betroffene wie Du mithelfen, dass solche Eintritts-Grenzen für aktive Diabetiker in Zukunft immer weiter gelockert werden.
Daumendrück, Jürgen -
Daniela
Rang: Gastam 25.10.2010 00:57:53
Hallo Clara,
"Ist es denn sinnvoll, das anzugeben?? kann einem das sonst jemand im Nachhinein vorwerfen??"
Glaube nicht, das müsste im Sozialgesetzbuch stehen. Soweit ich weiß ist man nicht verpflichtet seinen Dm am Arbeitsplatz anzugeben. Man ist eigentlich auch nicht unzurechnungsfährig, aber wie das bein Unterzuckerung ist wirst Du noch selbst herausfinden, da ist auch jeder anders. Eine Kollegin berichtete mir, dass ihr mal ein Kollege in der Unterzuckerung weggelaufen ist, als sie dem was zu Essen einflößen wollte - ich bin da sehr rational und vernünftig, nur manchmal falle ich in Putzwahn und Suchwahn ôô
Dabei weß ich dann doch, dass ich was essen muss..
LG, Daniela