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Zu niedriger Insulinwert u. Hypoglykämie?
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am 29.03.2017 09:20:43 | IP (Hash): 451458992
Guten Morgen.
In den letzten 5 Jahren hatte ich 3 Anfälle "unklarer Genese", die zuletzt alle auf Epilepsie geschoben wurden, was mein Hausarzt - aufgrund der Berichte und seiner Laborergebnisse aber nicht glaubt. Bei den Anfällen verändert sich meine Farbwahrnehmung, ich werde desorientiert, bekomme Schwierigkeiten zu sprechen und kann mich nicht mehr konzentrieren. Gekrampft habe ich nie und ich kann mich auch weitgehend an die Ereignisse erinnern. Beim zweiten Anfall weiß ich sogar, dass ich kurz vorher noch dachte: jetzt wäre Schokolade gut!
Die Nüchtern-BZ-Werte lagen alle so um die 50-60 mg/dl und mein Hausarzt sprach den Verdacht eines Insulinoms oder einer anderen Störung des Pankreas aus.
2014 wurde zur Abklärung ein 72h Hungerversuch gemacht, da allerdings sehr schlecht organisiert und kaum kontrolliert (Trotz BZ-Werten um die 50 hatte man mir damals nicht mal einen anständigen Zugang gelegt, Blut wurde nur aus dem Finger abgenommen, ...)
Damals bin ich am 2. Tag auf 35 mg/dl (kapillär) unterzuckert und hatte auch Symptome (Benommenheit, Schwindel, Zittern, Kopfschmerzen ...)
Jetzt wurde dieser Test in der endokrinologischen Abteilung einer Uni-Klinik erneut gemacht unter "standardisierten Bedingungen".
Vor dem Hungerversuch stand ein verlängerter OGTT von 5 Stunden.
Donnerstags durfte ich noch Abendbrot essen, ab 12 Uhr nachts nichts mehr essen oder trinken. Freitags morgens um 8 Uhr wurde Blut abgenommen, dann musste ich die 75g Glucose trinken und dann wurde zunächst halbstündlich, dann stündlich Blut abgenommen.
Nun habe ich das Ergebnis vom OGTT vorliegen und werde nicht schlau draus. Drei Stationsärzte äußerten die Diagnose "postprandiale Hypoglykämie" und der Oberarzt stellte mich als Simulantin hin und hat mich quasi raus geworfen ...
Gut, ein Insulinom habe ich demnach tatsächlich nicht, aber die Unterzuckerungen kann er mir doch nicht einfach so absprechen?
Hier mal die Werte:
0 Min. - Insulin 2,1 µU/ml - C-Peptid 0,45 ng/ml - Glucose 88 mg/dl
30 Min. - Insulin 22,2 µU/ml - C-Peptid 2,79 ng/ml - Glucose 111 mg/dl
60 Min. - Insulin 19,3 µU/ml - C-Peptid 3,20 ng/ml - Glucose 75 mg/dl
90 Min. - Insulin 20,1 µU/ml - C-Peptid 3,37 ng/ml - Glucose 73mg/dl
120 Min. - Insulin 14,7 µU/ml - C-Peptid 1,86 ng/ml - Glucose 77 mg/dl
180 Min. - Insulin 12,6 µU/ml - C-Peptid 1,53 ng/ml - Glucose 71 mg/dl
240 Min. - Insulin 3,6 µU/ml- C-Peptid 0,874 ng/ml - Glucose 56 mg/dl
300 Min. - Insulin weniger 2,0 - C-Peptid 0,461 ng/ml - Glucose 75 mg/dl
Ich weiß gar nicht, wie ich auf den Nüchternwert von 88 mg/dl gekommen bin, so hoch hab ich den in den letzten Jahren noch nie gehabt, aber laut dem vorliegenden Laborbericht wäre der Normbereich für Insulin 3,6 µU/ml - 29,1 µU/ml.
D.h. ich hab mit einem "verhältnismäßig hohen" BZ-Wert begonnen und mein Insulin war bei Start schon zu niedrig?
Auch erscheint mir der Abfall von fast 40 mg/dl binnen 30 Minuten (Minute 30 bis 60) ziemlich viel und würde ja doch eher einer postprandialen Hypoglykämie nahe kommen.
Ich weiß, dass Werte um die 70 nicht pathologisch sind, die 56 mg/dl machen mir aber doch Sorgen, denn da hatte ich dann auch alle Symptome einer Unterzuckerung mit Schwindel, Schweißausbruch, Kältegefühl, Kopfschmerzen, Zittern und ich durfte den Laborbereich die nächsten 3 Stunden im Liegen betrachten.
Bei dem Hungerversuch hat man mir regelmäßig kapillär Blut abgenommen und ich habe mich bei Werten um die 55 mg/dl eingependelt, bis auf einen Ausreißer nach unten, wo ich nach 48 Stunden kapillär bei 41 mg/dl angekommen war. Ich hatte Krämpfe in den Beinen, mir war eiskalt (Temp. 36,1°C), war tachycard (RR 140/100, P. 105) und mir ging es einfach besch...
Die venöse Blutentnahme brachte einen Wert von 51 mg/dl und daran hängt der Oberarzt sich nun auf: "Sie sind nicht unterzuckert. Unterzucker fängt erst bei unter 50 an. Außerdem sind Sie schlank, andere würden sich über die Werte freuen. Sie lagen ja die ganze Zeit bei ungefähr 55 mg/dl."
Das mag ja sein, aber mir ging es nicht gut und ich habe nur gelegen. Denkbar ist ja, dass der Wert noch weiter runter gegangen wäre, wenn ich mich normal bewegt hätte ...
Die Ernährungsberaterin meinte, es wäre eine "seltene Form der Unterzuckerung".
Gibt es sowas? Passen die Werte irgendwie zusammen?
Danke für Eure Hilfe!
Bearbeitet von User am 29.03.2017 09:22:35. Grund: Menge der Glucose eingefügt -
am 29.03.2017 11:40:19 | IP (Hash): 1140553202
Hab mal jemanden gekannt, dem’s ähnlich wie Dir gegangen ist, allerdings schon von Kindheit in den 50ger Jahren an. Und weil damals bei irgendeinem Zucker Verdacht zuerst immer der Urin auf Zucker überprüft wurde, war der Arzt auch sofort fündig: während die Nieren normal erst über BZ 160-180mg/dl Glukose entsorgen, taten das seine Nieren schon ab um 50-60mg/dl. Warum, hat ihm niemand sagen können. Er hatte sich halt mit dem 1-2stündlichen Einverleiben von kleinen KH-Portionen eingerichtet.
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Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung. -
am 29.03.2017 18:42:16 | IP (Hash): 1750861362
Hallo Lysaya,
mit der allgemeinen Aussage "Normalbereich 3,6 µU/ml - 29,1 µU/ml" kommst du nicht weit. Sieh dir hier
https://de.wikipedia.org/wiki/Insulin#/media/File:Glucose-insulin-day-german.svg (aus Wiki, Insulin)
mal die Insulinkurve bei Gesunden in Abhängigkeit von der Mahlzeit an. Deine Werte musst du mit 7 multiplizieren um auf die gleiche Maßeinheit zu kommen. Dabei siehst du, dass die Abweichungen bei dir nicht allzu hoch sind. Über zu wenig Insulin brauchst du dir übrigens gar keine Gedanken zu machen, wenn der BZ nicht gleichzeitig zu hoch ist.
Das einzige, was man das sehen kann, ist vielleicht eine leicht verzögerte Insulinreaktion. Bei alimentären Hypoglykämien ist diese Verzögerung viel deutlicher, deshalb wird dein Arzt es so abgetan haben.
Da Insolinom bereits ausgeschlossen wurde, steckt sehr wahrscheinlich nichts Schlimmes dahinter und du musst dich nur noch darum kümmern, dass es dir möglichst selten so mies geht. Ein Weg wären, wie Jürgen dir vorgeschlagen hat, viele kleine Mahlzeiten. Ein anderer guter Weg wäre aus meiner Sicht, wenn du lernst, dass dein Gehirn in solchen Situationen sich nicht nur mit Glukose, sondern auch mit Ketonkörpern versorgen kann. Wenn du dich für so einen Weg näher interessierst, dann lies dir mal Artikel oder ein Buch von Peter Mersch zu dieser Ketolysefähigkeit des Gehirn durch (z.B. hier http://www.migraeneinformation.de/molmain/main.php?docid=980 ).
Beste Grüße, Rainer