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Phase 1 und Phase 2

  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 23.12.2008 16:54:30
    Moin Michael,

    gesund wird der Blutzucker vollautomatisch von einer Menge von Regelprozessen gesteuert, die nennenswert erst seit etwa 30 Jahren erforscht werden und bis heute wahrscheinlich noch nicht alle bekannt sind. Wenn einer der Prozesse in der Menge einen Defekt entwickelt, gleichen die anderen den zuerst mal so aus, dass am Blutzucker-Verlauf nichts auffällt. Erst wenn alle Mitspieler zusammen den Defekt nicht mehr ausgleichen können, beginnt der Blutzucker, immer häufiger immer länger über den gesunden Rahmen hinaus anzusteigen.

    Immer wenn bei der Erforschung wieder einer der Mitspieler bei der BZ-Automatik entdeckt wurde, war das bis jetzt DER Auslöser für den Diabetes und das entsprechende Medikament dann DIE Lösung. So waren damals nach den ersten Insulinanwendungen in den 30ger und 40ger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Fachärzte fest davon überzeugt, mit Insulin das Heilmittel für Diabetes gefunden zu haben.
    Den Blutzucker selbst testren dürfen INSULINER in D fachoffiziell erst seit Mitte der 90ger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Tabletter dürfen pro Quartal fachoffiziell 50mal testen, und zwar zu den Zeiten, die ihr Arzt festlegt. Dazwischen sollen sie nicht testen, weil die Zahlen sie doch nur verwirren würden. So jedenfalls die fachoffizielle Sicht der Dinge.

    Hier nun meine 2 Cents zu Deiner Verwirrung:
    Deine immer wieder aufstrebenden Nüchternwerte kommen wahrscheinlich von der beständig unnötig üppigen Zuckerausgabe aus Deiner Leber. Verursacht wird die von einer Fehlsteuerung der Alphazellen im Pankreas (Bauchspeicheldrüse), die die Leber per Glukagon zur Zuckerausgabe antreiben.

    Deine immer wieder erstaunlich gesunden Werte nach dem z.T. gewaltigen Glukose-Input weisen auf einen bei Dir noch sehr gut funktionierenden Inkretin-Effekt hin: Die neu einverleibte Glukose bestellt schon aus dem Darm ne Sonderlieferung Insulin. - Wenn Du Glück hast, kannst Du diese Funktion ein bisschen dafür nutzen, den BZ-Anstieg ohne Essen immer mal wieder (vielleicht mit gewisser alltäglicher Regelmäßigkeit?) zu bremsen. Wenn Du z.B. normal später frühstückst, könntest Du mal schauen, ob z.B. ne Scheibe Brot nach dem Aufwachen dafür helfen kann, Deinen BZ für die nächsten 2 oder 3 Stunden unter 100 zu halten? Bei manchen Leuten funktioniert das so schon seit Jahren :-)

    Mit besten Wünschen zum Fest & Jahreswechsel, Jürgen
  • Franziska

    Rang: Gast
    am 23.12.2008 17:49:22
    Ja, Michael, das ist so, dass die meisten nicht wissen, dass sie bereits Diabetes haben oder kurz davor stehen. Leider wird der OGTT nicht routinemäßig gemacht, nur, wie Du ja schon gesehen hast, evtl. der Nüchternwert, und der kann Jahre gut aussehen, obwohl der OGTT eine andere Sprache spricht.

    Ich habe irgendwo mal gelesen, dass bereits jeder zweite Deutsche ab 40 bereits eine gestörte Glucosetoleranz (also nach 2h > 140) hat. Könnte sein!

    Da kommt also die nächsten Jahre noch was auf die Systeme zu.

    Zu den erhöhten Nüchternwerten: Habe mal in einem USA-Forum etwas zum Dawn-Phänomen gelesen und wie manche damit umgehen: Das Dawn-Phänomen (erhöhte Nüchternwerte nach dem Aufwachen, Aufstehen, bedingt durch die nächtlichen WH- und Cortisolanstiege, die beim Gesunden nicht durchschlagen) scheint bei jedem anders zu reagieren. So wie Jürgen den Trick erwähnt hat mit einer gewissen Menge KH am morgen gibt es auch den Versuch, am Abend, kurz vorm zu-Bette-gehen, Varianten, die sich auf den BZ auswirken.

    So schwören einige darauf, mindestens 5h nüchtern zu Bett zu gehen und nur eine große Kanne ungesüßten Tee zu trinken oder viel Wasser. Andere verzichten abends auf alle KH und essen nur einen kleinen nackten Joghurt oder ein Ei kurz vorm Einschlafen (weg. des Eiweißes) und sehen, dass der Nüchtern-BZ dann niedriger ist. Wieder andere bestehen auf eine Scheibe Vollkornbrot (langsame KH) und haben dann angeblich niedrigere Nüchternwerte. Anscheinend hilft hier nur probieren.

    Bei mir hilft leider nichts von dem, nur Basalinsulin. Tagsüber kriege ich das ähnlich wie Du noch mit der BSD alleine hin, allerdings auch nur, wenn ich KH einschränke.
    Irgendwann kann Basalinsulin ein ganz guter Einstieg sein, denn Nüchternwerte um 100 sind ja nach Ansicht einiger Autoren auch schon nicht mehr so gesund für die Gefäße.

    Gruß

    Franziska