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alles reine „Gewohnheitssache...“
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Sabine H.
Rang: Gastam 16.12.2008 10:15:23
Natürlich ist es mit Diabetes (bedingt) lebenswert. Auch kann man damit noch relativ gut umgehen und ist in den meisten Fällen noch sehr mobil. Aber wisst ihr, was mich am meisten verwundert? Dass es Leute gibt, die dich fragen, wie das mit Diabetes (Typ I) so abläuft: betreffs essen, spritzen, BZ messen usw. Wenn du ihnen dann erzählst, sehen sie dich fragend an - oder klopfen dir auf die Schulter und meinen tröstend: „Na, aber das ist doch alles Gewohnheitssache, da hast du dich doch nach so langer Zeit schon ans mehrfache Spritzen, Essenabschätzen und BZ-messen gewöhnt!“ ... Prima. Als wenn man sich dran „gewöhnt“. Nein, im Gegenteil, denn es ist für mich nicht „selbstverständlich“, sondern eine tägliche, lebensverlängernde Maßnahme, dessen Lebensqualität ich mit exakter Disziplin + Konsequentz stark beeinflusse. Und das rund um die Uhr! Vielleicht könnte ich ja den Antwortenden mal wünschen, sie sollten ne Woche oder von mir aus 40 Jahre damit leben. Dann würde ich sie gerne wieder fragen, wie sehr sie sich „dran gewöhnt“ haben. Sollen sie doch auch mal mit dicker Winterkleidung jahrein, jahraus, über Weihnachtsmärkte schlendern, sich nen schönen Glühwein oder was Essbares holen (betrifft auch Wurschtstände o. ä. im Winter...) und dann versuchen zu spritzen. Natürlich können sie sich dafür vor allen anderen Leuten freimachen bzw. ausziehen, ist ja meist nicht kalt draußen und eh alles „Gewohnheitssache“ ... Oder wenn ihnen der Blutzucker bei einem wichtigen Treffen so runterrutscht, dass ihnen nur noch Kauderwelsch entfährt... oder wenn sie in trauter Stunde zu zweit, oder frisch verliebt (und man mal 3 Stunden lang nicht seinen BZ misst ...), plötzlich keine Reaktion mehr haben! Oder bei ner längeren Fahrradtour alle anderen zu nötigen, mal kurz zu warten, weil man nen BZ machen oder was essen muss ... Naja, ist ja alles nur „Gewohnheitssache...“ (??) Neee, ätzend!
Sorry, ich musste DAS endlich mal loswerden!!! - Jetzt geht’s mir wieder etwas besser. Und Danke für euer offenes Ohr.
Sabine H.
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Lulu
Rang: Gastam 16.12.2008 12:21:46
Hallo, Anonym,
habe gerade eben eine heiße Diskussion mit so einem Zeitgenossen hinter mir, der meint, man könne sich doch an alles gewöhnen, auch daran, Verzicht zu üben. Das könne man doch als asketische Übung betrachten, die den Geist frei macht.
Der Mensch ist Esoteriker und ernährt sich vegan. Er meinte auch, ich solle doch froh sein, dass ich in meinem Alter noch lebe und so gut drauf bin. Es gäbe just in diesem Augenblick Menschen, die gerne mit mir tauschen würden, weil sie gerade sterben.
Ein Gemütsmensch!!!!
( Und alles nur, weil ich ein wenig gejammert habe, dass ich dieses Weihnachten wie immer keinen Stollen kriege und keine Bratwurst auf dem Christkindlmarkt und keine Plätzchen, nur e i n e s - ausnahmsweise zum Adventstee.
Und was das Schlimmste ist: Lebkuchenverzicht.
Ich habe nämlich einen strengen Ehemann, der mich, was mir unbegreiflich ist noch lange behalten will und der wie Zerberos darüber wacht, dass ich nicht sündige und deshalb viel spritzen) muss. Ich verstehe Dich sehr gut.
Es gibt Augenblicke, da möchte ich alles auf einmal essen, was verboten ist!
Halte durch und sage Dir wenn wieder so einer krumm daher redet: Wer nicht eine Meile in den Mokassins seines Gegenübers gegangen ist, kann nicht wissen, wie es ihm geht und wie er lebt. (Indianisches Sprichwort).
Irgendwann, wenn auch spät, kriegen die auch noch Einsicht.
Lasset uns darum beten! ; - ))))
Lulu -
Sabine H.
Rang: Gastam 16.12.2008 12:51:29
Hallo Lulu,
Danke dir für deine Worte, hat mir gut getan. Für die anderen sieht es ja immer so leicht aus, was wir da täglich machen.... Klar kann man sich zusammenreißen, mal nein sagen usw. Aber dann darf man auch mal über diese permanente Überwachung und Selbstüberwachung, Abwägungen usw. nach Herzenslust fluchen, oder?
Stimmt, das indianische Sprichwort finde ich sehr aussagekräftig! Werde ich auch bei der nächsten Diskussion anwenden!
Verzicht üben... ja-ja.... ich übe schon 43 Jahre lang. Die ersten 25 Jahre davon waren die härtesten von allen. D. h., niemals etwas Süßes und niemals etwas neben der Reihe essen! Einglück hat sich das mit ICT und Pumpe geändert. Und meine schwerkranke Freundin, die kürzlich verstarb, sagte mir noch vor 4 Jahren, als es ihr trotzdem schon schlechter ging als mir, mit mir will sie nicht tauschen. Wir haben sehr viel gemeinsame Zeit verbracht, und egal wie es mir ging, sie hat nie solch Sprüche mit "Verzichtübung ist gut..." oder "... ist doch eh alles Gewohnheit bei dir..." verwendet. Wofür ich ihr heute immer noch sehr dankbar bin.
Sabine H. -
klausdn
Rang: Gastam 16.12.2008 12:55:02
hallo liebe - (depressive)absichtlich in klammern.
ihr scheint auf dem stand von vor vierzig jahren stehengeblieben zu sein.
zu 1. ja manchmal ist spritzen nervig aber es gibt pumpen da ist das spritzen unsichtbar.
außerdem kann man bei solchen ausnahmen auch mal hinterher spritzen.(mit kz analog)
zu 2. du solltest deinen ehemann mal zu einer vernünftigen schulung schicken, "was" hat ne rostbratwurst mit dm zu tun ? garnichts.
weshalb sollst du wenn du insulin hast keine plätzchen essen ? alle diese "verbote" waren noch nie begründet,
und sind daher seit fast 20 jahren aufgehoben.
daher:
1. bitte macht euch mal ein bisschen schlau
2. wer sich in seine therapie reinreden läßt ist selbst schuld (dazu gehört auch ein ehepartner der keine ahnung hat)
mfg. klaus von klausdn -
Sabine H.
Rang: Gastam 16.12.2008 13:12:34
Klausdn, auf deinen Kommentar hab ich gewartet ... Kannst du nicht verstehen, dass es auf Dauer ätzend ist, bei allem nachzukontrollieren und -zuspritzen und dann solch Äußerungen von Gesunden zu hören!?! Tut der Seele auch mal gut, drüber Luft abzulassen! von Sabine H. -
Hammy
Rang: Gastam 16.12.2008 13:21:05
So so, Sabine, du willst dich also mit mir unterhalten? >>von mir aus 40 Jahre damit leben. Dann würde ich sie gerne wieder fragen, wie sehr sie sich „dran gewöhnt“ haben. << Da ich immer ein offenes Ohr habe, kann ich dir nach 41 Jahren DM T1 klar antworten, dass es tatsächlich eine "Gewohnheitssache" ist - DAS ist aber vom jeweiligen Menschen und dem Zeitpunkt, wann er Diabetiker wird abhängig. Wenn du wie ich als Kleinkind zuckerkrank geworden wärst. dann wäre es Teil deines Lebens, da du damit aufwächst. Du kennst es nicht anders (für dich) und wirst dich damit arrangieren, weil dich alles andere nur "kaputt" machen würde. Die meisten, die es später (Teeniealter oder noch später) bekommen, kennen ihr Leben ohne DM, der dann natürlich "ein Schlag ins Kontor" ist. Da es aber inzwischen relativ einfach geworden ist (im Vergleich zu den 60ern), seinen DM gut zu managen (BZ-Messgeräte, Pens, Pumpen...),
sollten die von dir angeführten "Schwierigkeiten"
eigentlich gar nicht auftreten oder unüberwind-
bar sein. Es wird natürlich auch immer von
den Kumpels abhängen, ob man sie "nötigen"
muss, mal eine kurze Pause bei der Radtour
einzulegen oder ob sie über deinen "Mangel"
Bescheid wissen und es das "Normalste" der
Welt ist. Aber vermutlich würdest du dir auch
lieber in die Hosen pinkeln anstatt um 'ne
Pause zu ersuchen ;-). Dass die genannten
Punkte nur Ausreden sind, empfinde ich so,
weil ich so etwas nie erlebt habe. Ich war auf
den Weihnachtsmärkten, ich habe "stürmische"
Beziehungen gehabt, ich bin mit meinen
Kumpels stramme Radtouren gefahren UND
ich habe natürlich auch einiges an Sch.... wegen
des DM erlebt - ja und? Das ist das Leben!!
Glaubst du allen Ernstes, dass bei einem
"Gesunden" nichts schiefgeht? Sicher bin ich
in einer anderen Zeit aufgewachsen, als du,
aber ich habe mich immer an den Spruch
eines Ur-Diabetologen (Prof.Dr.G.Katsch)
gehalten: "Der Diabetiker ist nicht krank, er
ist BEDINGT gesund." Ich würde nie versuchen,
etwas anderes zu behaupten oder zu beweisen.
Übrigens habe ich in meinem Leben bzgl.
DM auf nichts VERZICHT üben müssen und
jetzt muss man das noch weniger. Sicher
wirst du jetzt 1000 Gründe dagegen finden,
aber du wolltest dich ja mal mit einem nach
40 Jahren darüber unterhalten und das ist
nun mal meine Meinung! Gruss Hammy
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Sabine H.
Rang: Gastam 16.12.2008 13:27:00
... gut so!! Hab´s trotzdem länger, genau genommen seit Frühjahr 1965. Hast du sonst noch regere Anmerkungen dazu? von Sabine H. -
Hammy
Rang: Gastam 16.12.2008 13:48:51
Länger schon, aber nicht eher bekommen -
seit Oktober 1962 durfte ich mich Diabetiker
nennen. Spass beiseite - um so weniger
kann ich deine Gedanken nachvollziehen...
Ich denke nicht wie Klaus an Depressionen
(in Klammern stehend ;-)), aber normal ist
das nicht, aber es ist DEINE Ansicht und
für dich muss sie stimmen und nicht für
mich! Wenn es dir hilf, das man dir "zustimmt" -
Akzeptieren kann ich deine Meinung problemlos,
aber nicht nachvollziehen/ verstehen. Es ist
natürlich alles subjektiv gefärbt und so ist das
Leben nun mal... Gruss Hammy -
Lias
Rang: Gastam 16.12.2008 14:00:08
Hi Sabine, umso schlimmer, wenn du deinen DM schon länger hast, dass die Handgriffe immer noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen sind und du immer noch rumjammerst. Nix gelernt in der ganzen Zeit? von Lias -
Freimaurer
Rang: Gastam 16.12.2008 14:26:07
Hallo,
wenn Sabine kein Fake ist, stimme ich ihr in vielen Punkten zu.
Ich erlebe es auch ab und zu im Alltag.
Da kommt dir ein Nichtdiabetiker über den Weg gelaufen, der schlecht gelaunt ist, weil seine Frau nicht mit ihm letzte Nacht schlafen wollte, oder weil im Job etwas schiefgegangen ist, oder weil ein Termin im Fitnesscenter geplatzt ist.
Dann kommst Du, als Diabetiker, hast plötzlich einen niedrigen BZ-Wert oder die Werte am Tage aus unerklärlichen Gründen schwanken und keiner beachtet dies so richtig. Weil man selbst mit eigenen Problemen beschäftigt ist. Dann wird einem es so hingestellt, naja, Höhen und Tiefen gibt es am Tage, aber meine Probleme (Frau/Job/geplatzter Termin) sind doch viel wichtiger.
Und wenn Du wirsches Zeugs von Dir gibst, dann denken Andere, ist der noch ganz ok ?
Ach dann bleibe ich lieber bei meinen eigenen Problemen.
Welche Krankheit wird so ausführlich behandelt von den Betreffenden als eine Andere ?
Gruß
Freimaurer